mini|hochkant|Jonathan Sacks (2006) Jonathan Henry Sacks, Baron Sacks (geb. 8. März 1948 in London; gest. 7. November 2020 ebenda) war ein britischer Philosoph, Theologe und Politiker. Von 1991 bis 2013 war er der britische Oberrabbiner.
Leben Sacks besuchte die St Mary’s Primary School, die Secondary School Christ’s College in East Finchley, das Gonville and Caius College der Universität Cambridge, das New College der Universität Oxford, das King’s College der Universität London und die London School of Jewish Studies. Außerdem besuchte er die Talmudhochschule Etz Chaim Yeshiva in London.
Sacks studierte Philosophie und schloss am King’s College London das Studium mit einem Ph.D. ab.
Ihm wurden Ehrendoktortitel der Universität von Cambridge, University of Glasgow, Universität Haifa, Middlesex University, Yeshiva University, University of Liverpool und University of St Andrews verliehen. Er war Ehren-Fellow des Gonville and Caius College und des King’s College London.
Sacks war Vorsitzender des Chief Rabbi’s Cabinet, das aus vierzehn weiteren Rabbinern besteht, die ihn in verschiedenen Bereichen berieten, beispielsweise jüdische Erziehung, Israel, jüdisch-christliche Beziehungen, Angelegenheiten, die das Beth Din und weitere Bereiche, die die jüdische Gemeinde betreffen. Das Chief Rabbi’s Cabinet trifft sich vierteljährlich. Deren Mitglieder sind berechtigt, den Oberrabbiner bei öffentlichen Veranstaltungen zu repräsentieren.
Sacks war Direktor des traditionsreichen Jews’ College in London sowie von 1978 bis 1982 Rabbiner von Golders Green und von 1983 bis 1990 von Marble Arch in London. Er wurde sowohl vom Jews’ College als auch von Etz Chaim Yeshiva zum Rabbiner ordiniert.
Sacks war regelmäßiger Gast im Fernsehen und Rundfunk. Er verfasste Beiträge u. a. für die überregionale Presse. Er präsentierte 1990 die BBC Reith Lectures on The Persistence of Faith.
In Anerkennung für seine gesellschaftlichen Verdienste wie auch die um den interreligiösen Dialog wurde Sacks 2005 im Rahmen der Queen’s Birthday Honours als Knight Bachelor geadelt. Am 1. September 2009 wurde er auf Vorschlag der House of Lords Appointments Commission zudem als Baron Sacks, of Aldgate in the City of London, zum Life Peer erhoben und war von da an Mitglied des House of Lords.
2013 wurde Ephraim Mirvis sein Nachfolger im Amt des Oberrabbiners des Vereinigten Königreiches.
Jonathan Sacks starb am 7. November 2020 im Alter von 72 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
Positionen, die er in den Jahren vor seinem Tod bekleidete Rabbi und Spiritual Leader der Western Marble Arch Synagogue in London (ab 1. Mai 2004) Jakobovits Professor in Moderner jüdische Glaubenslehre, Jews’ College London, 1982 Chief Rabbi of the United Kingdom and Commonwealth (ab 1. September 1991) Gastprofessor für Theologie am King’s College London Honorary Fellow des Gonville and Caius College, Cambridge, 1993 Presentation (Honorary) Fellow, King’s College London, 1993
Frühere Positionen Dozent für Moralphilosophie, Middlesex Polytechnic, 1971–1973 Dozent am Jews’ College London, 1973–1982; Leiter von dessen jüdischen Einrichtungen 1983–1990; Rektor, 1984–1990 Gastprofessor für Philosophie an der University of Essex, 1989–1990 Sherman Lecturer an der University of Manchester, 1989 Riddell Lecturer an der University of Newcastle Cook Lecturer an der University of Oxford, University of Edinburgh und der University of St Andrews Gastprofessor an der Hebrew University of Jerusalem
Auszeichnungen 2001: Ehrendoktorwürde im Fach Theologie (Doctor of Divinity) in Anerkennung seiner ersten zehn Jahre als Oberrabbiner Großbritanniens, verliehen vom Erzbischof von Canterbury 2004: Grawemeyer Award für Religion für sein Buch The Dignity of Difference 2006: Honorary Freeman von London Borough of Barnet 2010: Ehrendoktorwürde der Universität Basel 2016: Templeton-Preis
Kontroversen Orthodoxe Opposition Eine Gruppe von Rabbinern, insbesondere Rabbiner Bezalel Rakow, beschuldigte Sacks der Häresie gegen die Tradition des orthodoxen Judentums in seinem Buch The Dignity of Difference, in welchem er andeutete, dass das Judentum nicht die einzige wahre Religion ist. Dies veranlasste Sacks dazu, das Buch in der zweiten Auflage umzuarbeiten und zu ergänzen. Er weigerte sich allerdings, Bücher, die bereits im Handel waren, zurückzurufen.
Rabbiner Gryn und Rabbiner Jacobs Sacks löste eine heftige Kontroverse in der anglo-jüdischen Gemeinde aus, als er sich 1996 weigerte, an der Trauerfeier für Rabbiner Hugo Gryn teilzunehmen. Ein privater Brief von Sacks, den er in Hebräisch schrieb und in dem er behauptete, dass Gryn „einer von denen sei, die den Glauben zerstören“, wurde durch eine Indiskretion bekannt und veröffentlicht. Sacks schrieb weiter, er sei ein „Feind“ der Reform, der Liberalen und Masorti-Bewegungen, was manche zu der Annahme kommen ließ, Sacks sei nicht Oberrabbiner aller Juden in Großbritannien.
Er besuchte eine Gedenkfeier für Gryn, was den Zorn einiger in der ultra-orthodoxen Gemeinde verursachte. Einen ähnlichen Standpunkt vertraten Sacks und das Beth Din, als sie den pensionierten Rabbiner Louis Jacobs, der am Aufbau der englischen Sektion der Masorti-Bewegung beteiligt war, davon abhielten, am Samstag vor der Hochzeit seiner Enkelin öffentlich aus der Tora zu lesen. Im Rückblick räumte Sacks Fehler in der Auseinandersetzung um Rabbiner Hugo Gryn sowie generell nichtorthodoxe Juden ein.
»Antizionismus ist der neue Antisemitismus« Im Jahr 2016 setzte Sachs in einem Artikel in Newsweek Anti-Zionismus mit Antisemitismus gleich. Er schrieb: Kritik an der israelischen Regierung ist nicht antisemitisch. Auch die BDS-Bewegung ist nicht per se antisemitisch. Vielen ihrer Befürworter sind die Menschenrechte ein aufrichtiges Anliegen. Sie ist jedoch eine Fassade für den neuen Antisemitismus, eine unheilige Allianz aus radikalem Islamismus und der politischen Linken. Er wies die Kritik an Menschenrechtsverletzungen durch Israel mit dem Hinweis zurück, dass Israel »die einzige voll funktionierende Demokratie im Nahen Osten mit einer freien Presse und einer unabhängigen Justiz« sei.
Peter Beinart entgegnete in einem Artikel in Haaretz: Die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus macht die Palästinenser zu Amalekitern. Wenn man leugnet, dass sie außer Fanatismus irgendeinen Grund haben könnten, den Zionismus abzulehnen, dann verleugnet man ihre historischen Erfahrungen und macht sie zu bloßen Trägern von Judenhass. Damit wird den Palästinensern das angetan, was der Antisemitismus den Juden antut: Er entmenschlicht sie.Jonathan Sacks: Anti-Zionism Is The New Anti-Semitism, Says Britain's Ex-Chief Rabbi Newsweek, 3. April 2016; Peter Beinart: Why Rabbi Sacks Is Wrong: Palestinians Don’t Have to Be anti-Semites to Be anti-Zionists. In: Haaretz, 6. April 2016.
Werke 1989: Traditional alternatives: Orthodoxy and the future of the Jewish people 1990: Tradition in an Untraditional Age 1991: Persistence of Faith 1991: Arguments for the Sake of Heaven 1992: Crisis and Covenant 1993: One People? 1994: Will We Have Jewish Grandchildren? 1995: Community of Faith 1996: Torah Studies: Discourses by Rabbi Menachem M. Schneerson 1997: The Politics of Hope (2., durchgesehene Auflage 2000) 1999: Morals and Markets 2000: Celebrating Life 2001: Radical Then, Radical Now (veröffentlicht in America as A Letter in the Scroll) 2002: The Dignity of Difference. How to Avoid the Clash of Civilizations 2003: The Chief Rabbi’s Haggadah 2007: Wie wir den Krieg der Kulturen noch vermeiden können 2005: To Heal a Fractured World - The Ethics of Responsibility 2007: The Home We Build Together - Recreating Society 2009: The Koren Sacks Siddur 2009: Covenant & Conversation: A Weekly Reading of the Jewish Bible 2011: The Great Partnership - Science, Religion and the Search for Meaning 2015: Not in God’s Name: Confronting Religious Violence 2015: Lessons in Leadership; A Weekly Reading of the Jewish Bible 2016: Essays on Ethics: A Weekly Reading of the Jewish Bible
Weblinks
Chief Rabbi Lord Sacks
Einzelnachweise
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