Die Schiffsbaureihe Typ Hansel oder Neptun Typ 451 war ein Mehrzweckfrachtschiffstyp der Rostocker Schiffswerft „Neptun“. Drei Schiffe der Baureihe wurden für die Deutsche Seereederei gebaut und werden als Holz-Containerfrachtschiff Neptun Typ 448 bezeichnet.
Geschichte Hergestellt wurde die Baureihe von 1968 bis 1972 in 21 Einheiten, von denen achtzehn Schiffe an norwegische Eigner gingen. Drei Schiffe wurden für die Deutsche Seereederei erstellt. Vorgesehen sind die Schiffe vorwiegend für den kombinierten Transport von Stückgut, Containern, Schwergut, Holz, Zellulose, Papier und Schüttgutladungen.
Erstes Schiff und Namensgeber der Serie war die am 10. Dezember 1968 übergebene Hansel mit dem Heimathafen Oslo. Das Schiff mit der Baunummer 451 wurde später mehrfach umbenannt und war seit 1992 als Megas Alexandros in Fahrt. Am 20. März 1992 geriet es etwa 20 Seemeilen südlich von Crotone in Brand und wurde als wirtschaftlicher Totalverlust ab dem 23. Dezember 1993 in Aliağa abgebrochen.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das Schicksal der am 31. Dezember 1971 vom Stapel gelassenen Rumba. Sie war das elfte Schiff der Baureihe, fuhr seit 1989 unter dem Namen Patricia und fand ihr Ende ebenfalls in der Nähe Crotones, wo sie am 4. Februar 1992 strandete, woraufhin sie aufgegeben und 1994/5 aus dem Register gelöscht wurde.
Das letzte Schiff war die Baunummer 467 der Serie, die am 28. Dezember 1972 unter norwegischer Flagge in Dienst gestellte Ringfalck, welche ab dem 26. April 2003 nach mehreren Umbenennungen als Ventura in Aliağa verschrottet wurde.
Bemerkenswert war die hohe Zahl der Schiffe dieser Baureihe, die durch Seeunfälle verloren gingen. Einige Schiffe der Baureihe wurden verhältnismäßig früh verschrottet. Das letzte noch in Fahrt stehende Schiff der Serie, die ehemalige Radeberg, wurde nach 47 Dienstjahren 2019 in Aliaga abgebrochen.
Technik Die Rümpfe waren in Sektionsbauweise zusammengefügt. Der Wohn- und Arbeitsbereich der achtern angeordneten Decksaufbauten war klimatisiert.
Die Baureihe ließ sich in drei Gruppen aufteilen.
Der Grundentwurf wurde in drei Einheiten gebaut, der Hansel, Bruni und Jowood. Sie wurden von einem Viertakt-Dieselmotor mit 2206 kW angetrieben, der direkt auf einen Verstellpropeller wirkt. Die zwei langen für den Containertransport optimierten Laderäume hatten bei den ersten drei Schiffen einen Rauminhalt von 5554 m³ Kornraum und 5413 m³ Ballenraum. Sie besaßen glatte Seitenwände, durchlaufende abgeschrägte Hochtanks und hatten daher einen geringen Unterstau. Seefest verschlossen wurden die Laderäume mit MacGregor-Lukendeckeln. Es konnten anfangs 1343 Standards Holz transportiert werden. Das Ladegeschirr der ersten drei Schiffe bestand aus einem, in Norwegen hergestellten, Munck-Loader genannten 10-Tonnen-Decksportalkran mit ausklappbaren Auslegern.
Aufbauend auf dem Grundentwurf der ersten drei Einheiten folgten achtzehn Schiffe mit um gut sieben Meter verlängerten Rumpf. Der Antrieb der folgenden Schiffe wurden von einem in MAN-Lizenz gefertigten 2353 kW Zweitakt-Dieselmotor des Typs 8NZD 72A des Herstellers VEB Dieselmotorenwerk Rostock angetrieben, der direkt auf einen Verstellpropeller wirkte. Die längeren Schiffe hatten 6233 m³ Kornraum und 6080 m³ Ballenraum. Es konnten ab dem vierten Schiff insgesamt 122 Container oder 1477 Standards Holz transportiert werden. Die fünfzehn Schiffe der langen Version für norwegische Rechnung erhielten jeweils einen 2 × 8 Tonnen und 2 × 15,5 Tonnen Doppelkran.
Die dritte Variante stellten die drei für die Deutsche Seereederei gebauten Schiffe, die Neuhausen, Radeberg und Klosterfelde dar. Auch sie gehörten zur verlängerten Serie, wurden aber unter anderem mit einem nochmals anderen Ladegeschirr ausgerüstet. Die Umschlagsausrüstung dieser drei Schiffe bestand aus jeweils zwei 10-Tonnen-Schwingladebäumen und je einem 20-Tonnen- und 50-Tonnen-Schwergutschwingladebaum des Systems Velle. Die Radeberg wurde 1988 durch Demontage des Ladegeschirrs und Umbau der Luken zum Vollcontainerschiff für den England-Dienst mit folgenden Grunddaten umgebaut: 3089 BRT, 5272 tdw, bei 6,39 m Tiefgang. Die für die DSR gebauten Schiffe verfügten über eine Maschinenvariante des Typs 8NZD 72A-1 die von der Brücke aus gesteuert werden konnte.
Die Schiffe der Serie Die Schiffe des Typs Hansel Objekt-/ Baunummer IMO Name Stapellauf/ Indienststellung spätere Namen Verbleib Bild/Bemerkung Typ 451 6904533 Hansel - 10. Dezember 1968 1974 Simonsgate, 1976 Scol Rover, 1980 Windrover, 1984 Nordic Board, 1985 Nordic One, 1992 Megas Alexandros am 20. März 1992 vor Crotone in Brand geraten und ab dem 23. Dezember 1993 in Aliaga abgebrochen Typ Hansel 452 6905331 Bruni - 1974 Fredericksgate, 1974 Eskdalegate, 1977 Elisabeth, 2004 Staropoliye, 2004 Lisa am 23. Oktober 2012 Aliaga zum Abbruch erreicht Typ Hansel 453 6923694 Jowood - 1979 Larch, 1980 Anatolia, 1984 Kythera Sun am 17. Dezember 1986 30 Seemeilen westlich von Kastelli, Kreta gestrandet Typ Hansel 454 6923670 Hansa Nord - 1979 Laredo, 1979 Klaredon, 1987 Feder Trader, 1989 Penelope I am 30. März 1992 vor Porto de Leixões gestrandet Typ Hansel (lang) 455 6929234 Jenka - 1974 Bengate, 1977 Meteor, 1991 Nubia, 1994 Ikaria, 1995 Meteor, 2000 Anna 2001 abgebrochen Typ Hansel (lang) 456 6929193 Flower Boy - 1973 Flower Bay, 1978 Waldhorn, 1993 Moon Bright, 1993 Lattakia Queen, 1995 Al Hadi 2013 abgebrochen Typ Hansel (lang) 447 7006522 Bergfalck - 1977 Berglind am 20. Juli 1981 nach Kollision bei Nebel mit der Charm vor Kap Breton gesunken, danach gehoben und versenkt Typ Hansel (lang) 457 7006534 Hansa Trade - 1979 Rio Bravo, 1986 San Carlos, 1986 Feder Gulf, 1989 Agios Nicolaos I, 1991 Alimos I, 1993 Sea Empress, 1997 Lucky Star am 2. August 1997 nach Wassereinbruch auf einer Fahrt von Bahrein nach Mumbai gesunken, zuvor von Mannschaft aufgegeben Typ Hansel (lang) 458 7023805 Samba - 1970 1972 Mambo, 1975 Hvalvik, 1988 Hvalnes, 1993 Linz, 2005 Capt Ivan, 2010 Lian J. ab Mai 2010 in Aliaga verschrottet Typ Hansel (lang) 459 7030949 Jopulp - 1975 Pacific Fisher ab 19. September 1985 in Schottland verschrottet1975 zum Transport von radioaktiven Frachten ausgestattet Typ Hansel (lang) 460 7042162 Hansa Bay - 1979 Saturnus, 1992 Lady Maha, 2006 Senan 1, 2006 Senan D, 2008 Al Bahsa 4 2011 in Alang abgebrochen 100px Typ Hansel (lang) 461 7042368 Rumba - 1975 Janja, 1978 Janje, 1985 Janja, 1987 Figaro, 1989 Patricia am 4. Februar 1992 bei Crotone gestrandet Typ Hansel (lang) 462 7111705 Vestfalck - 1978 Gongola nach Kollision ab Februar 1985 in Perama abgewrackt Typ Hansel (lang) 463 7119147 Hanseat - 1980 Nazie, 1981 Nazie Beauty, 1986 Kanika, 1988 New Genlord, 1988 Ada, 1989 Nigeka, 1991 Pinelopi, 1992 Orion Star, 2003 Bader, 2004 Dareen am 10. August 2007 vor Oman gesunken Typ Hansel (lang) 464 7119197 Brunhild - 1971 1977 Hilde, 1981 Ida I, 1985 Brunhild, 1986 Lilly, 1988 Good Fighter, 1999 An De Xin seit 2001 Verbleib ungeklärt Typ Hansel (lang) 448 7119197 Neuhausen - 1993 Ibrahim, 1996 Ahmed 2011 Abbruch in Aliaga Neptun Typ 448 449 7229552 Radeberg - 1972 1992 Ayatt 2019 Abbruch in Aliaga Neptun Typ 448 450 7229590 Klosterfelde - 1993 Maher 2011 Abbruch in Aliaga 100px Neptun Typ 448 465 7129776 Hanseatic - 1979 Phaedra, 1983 Brigitte, 1983 Assia, 1989 Dimarco, 1998 Rasimo, 2007 Gerasmios K, 2008 Lady Shaimma, 2009 Damas 2017 in Alang abgebrochen Hansel (lang) 466 7211191 Brunvard - 1972 1977 Varde, 1981 Ada, 1985 Miss Chiara, 1989 Merry Chiara, 1992 Virginia V, 1992 Moonlight, 1996 Seamoon, 1996 Salem I, 2009 Ahmad M im März 2010 abgebrochen Hansel (lang) 467 7300887 Ringfalck - 28. Dezember 1972 1978 Tina, 1980 Rinaldo, 1985 Mimina Dormio, 1996 Ventura ab dem 26. April 2003 in Aliaga verschrottet Hansel (lang)
Literatur
Deutsche Reedereien Band 23 VEB Deutsche Seereederei Rostock Autorenkollektiv Verlag Gert Uwe Detlefsen ISBN 3-928473-81-6 Seiten 44, 231, 232
Einzelnachweise
Siehe auch Serienschiff Liste von Schiffstypen
Kategorie:Frachtschiffstyp Kategorie:Schifffahrt (DDR)