W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) ist eine deutsche Orgelbauwerkstatt, die 1857 von Wilhelm Sauer gegründet wurde. Sie ging 1917 in Besitz von Walcker aus Ludwigsburg über, bewahrte jedoch unter ihrem Werkstattleiter Karl Ruther ihre Eigenständigkeit einschließlich Namen. Sie gehörte im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den größten Orgelbauern in Deutschland. Nach der deutschen Wiedervereinigung, 1996 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH mit Sitz und Werkstatt in Müllrose (Brandenburg) und im Jahr 2000 eine Neugründung.Pape: Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 1: Thüringen und Umgebung. 2009, S. 245. Die Firma besteht bis heute.
Geschichte mini|Firmenschild in Berlin-Tempelhof (1915) Das Unternehmen entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum führenden Orgelbau in Preußen.Balz: Göttliche Musik. 2008, S. 24. Wilhelm Sauer setzte sich 1910 zur Ruhe und verkaufte seinen Betrieb an Paul Walcker, der seit 1892 Betriebsleiter und seit 1894 stellvertretender Geschäftsführer war. Dessen Neffe Oscar Walcker (1869–1948) aus Ludwigsburg übernahm 1917 das Unternehmen, das seitdem unter dem Namen „Wilhelm Sauer (Inh. Oscar Walcker)“ firmierte. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren zwischen 100 und 120 Mitarbeiter beschäftigt. Gegen Ende des Krieges, der die Werkstätten zum großen Teil zerstört hatte, wurden diese geplündert und als Entlausungsanstalt genutzt. Anton Spallek wagte einen Neuanfang. Ende 1945 waren sechs Mitarbeiter beschäftigt, in den 1960er Jahren um die 30 Mitarbeiter. Anton Spalleks Sohn Gerhard, der 1945 als Lehrling in die väterliche Werkstatt eingetreten war und 1962 die Meisterprüfung als Orgelbauer ablegte, wurde 1966 die Leitung übertragen. mini|Plakette in St. Sixtus (Ermsleben) 1972 folgte die Verstaatlichung als „VEB Frankfurter Orgelbau Sauer“, die Mitarbeiterzahl betrug 40, Gerhard Spallek wurde Betriebsdirektor.Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. 1999, S. 289. Am 7. September 1990 erfolgte die Reprivatisierung als „W. Sauer Orgelbau (Inh. Werner Walcker-Mayer)“. Gerhard Spallek fungierte als Geschäftsführer. 1994 wurden neue Werkstätten in Müllrose bezogen. Ab 1996 firmierte das Unternehmen unter „W. Sauer Orgelbau (Frankfurt/Oder) Dr. Walcker-Mayer GmbH & Co. KG“. Mit Insolvenz des Walcker-Stammhauses in Kleinblittersdorf im Jahr 1999 schied Werner Walcker-Mayer als Eigentümer und Geschäftsführer von W. Sauer Orgelbau aus. Das mit Gewinn arbeitende Müllroser Unternehmen sollte in die Konkursmasse einbezogen werden. Der Insolvenzverwalter gab vier engagierten Männern, die ein erhebliches Eigenkapital einbrachten und riskierten, den Zuschlag für die Neugründung des Betriebes, der seit dem 27. Januar 2000 unter dem Namen „W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) GmbH“ firmiert und im Juni des gleichen Jahres ins Handelsregister eingetragen wurde. Er wird seitdem von diesen vier Gesellschaftern geleitet.Homepage: Firmengeschichte 1999–2002, abgerufen am 22. Mai 2019.
Werk Wilhelm Sauer schuf Orgeln im spätromantischen Stil und verwendete die Kegellade. In nahezu industrieller Weise wurden Instrumente in großer Anzahl produziert, aber in der Regel auf solide Materialien Wert gelegt. Bis 1910 entstanden 1100 Orgeln. Allein in Berlin baute Sauer 70 Orgeln.Balz: Göttliche Musik. 2008, S. 35. Unter Paul Walcker, der auf die Taschenlade umstieg, entstanden 90 Orgeln in sieben Jahren.Homepage: Firmengeschichte 1910–1917, abgerufen am 22. Mai 2019. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Anzahl Orgelneubauten unter Oscar Walcker auf etwa 1600 an. Das Unternehmen kehrte vor der Verstaatlichung zur überwiegenden Herstellung mechanischer Schleifladen zurück. Nach 1972 nahm der Export in osteuropäische Länder stark zu. Im Jahr 2011 wurde das Opus 2276 fertiggestellt.Orgel der Neuapostolischen Kirche Brandenburg (Havel), abgerufen am 22. Mai 2019.
Werkliste (Auswahl) Orgeln bis zum Verkauf des Unternehmens an Paul Walcker am 1. Oktober 1910 finden sich im Artikel Wilhelm Sauer.
Die Größe der Instrumente ist durch die Anzahl der Manuale (römische Zahl) und die Anzahl der klingenden Register (arabische Zahl) angegeben. Ein selbstständiges Pedal ist durch ein großes „P“ gekennzeichnet. Eine Kursivschreibung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr oder nur noch der Prospekt erhalten ist.
Jahr Opus Ort Gebäude Bild Manuale Register Info19101102WustrauDorfkirchezentriert|160x160pxII/P10Umbau einer Orgel von Lütkemüller auf pneum. Kegelladen und Anbau eines neuen seitlichen Spieltisches, 1980 Reparatur, 1989 Reinigung durch Christian Scheffler →Orgel 1911 1111 Heinersdorf Dorfkirche II/P 12 Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Orgel in einem desolaten Zustand und nicht mehr bespielbar. Zu ihrem hundertjährigen Jubiläum 2011 konnte sie wieder eingeweiht werden, nachdem sie in mehreren Bauabschnitten von Sauer restauriert worden war.EWE Stiftung (Hrsg.): Gesamtkunstwerk und kulturelles Erbe: Orgelrestaurierungen 2002–2014. Zertani GmbH & Co. Die Druckerei KG, Bremen 2014, S. 38, 48. 1913 1158 Berlin-Pankow Hoffnungskirche zentriert|160x160px II/P 29 Prospekt und 9 Register erhalten → Orgel 1913 1160 Breslau Jahrhunderthalle zentriert|160x160px V/P 206 + 2 1915 1182 Hermannstadt Stadtpfarrkirche zentriert|160x160px IV/P 78 1998 restauriert.1917EilenburgNikolaikircheIm April 1945 durch amerikanischen Artilleriebeschuss zerstört 1923 1263 Gleiwitz Erzengel-Michael-Kirche zentriert|160x160px II/P 16 Ursprünglich Privateigentum in Breslau, nach Gleiwitz nach dem Zweiten Weltkrieg geholt, der Spieltisch befindet sich auf der linken Seite, sehr guter Zustand1925StriegauBasilika St. Peter und Paulzentriert|160x160pxIII/P53 1925 1307 Halle (Saale) Moritzkirche zentriert|160x160px III/P 59 pneumatische Traktur → Orgel 1925 1308 Vieselbach Heiligkreuzkirche zentriert|160x160px III/P 33 pneumatische Taschenlade, Stiftung des Gutsbesitzers Otto Lippold zum Gedenken an seinen im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn; 2003–2006 Restaurierung durch Christian Scheffler aus Sieversdorf bei Frankfurt an der OderOrgel in Vieselbach, abgerufen am 11. November 2019. 1926–1928 Görlitz St. Peter und Paul zentriert|160x160px IV/P 89 elektro-pneumatisch, hinter Prospekt von Eugenio Casparini (1703); 1978 aufgrund von Baufälligkeit abgebrochen und 1997 ersetzt 1927 Magdeburg Stadthalle IV/P 131 elektro-pneumatische Trakturen, Spieltisch im Orchester, 18 m von der Orgel entfernt, Fernwerk in der Halle, am 16. Januar 1945 durch Bombenangriff zerstört 1928 Bremen-Mitte Die Glocke IV/P 76 pneumatische Taschenladen, elektro-pneumatische Trakturen; 2006 Restaurierung durch Christian Scheffler 1929 1404 Strausberg Marienkirche zentriert|160x160px III/P 37 2011–2015 Restaurierung durch Christian Scheffler (Sieversdorf). → Orgel 1930 Bielefeld Rudolf-Oetker-Halle zentriert|160x160px III/P 53 1953 Umbau, 1973 neuer Spieltisch und Änderung der Disposition durch Willi Peter 1931 Güstrow St. Marien zentriert|160x160px III/P 35 hinter dem Prospekt von Paul Schmidt mit elektropneumatischen Taschenladen; heute III/P/43Orgel in Güstrow, abgerufen am 22. Mai 2019.1931Berlin-DahlemJesus-Christus-Kirche1970 Neubau von Emil Hammer unter Nutzung von Sauer-Registern. 1934 1498 Hohensalza heute Inowrocław (Polen) Kirche St. Nikolaus zentriert|160x160px III/P 44 erbaut für die ev. Kirche in Bernstadt an der Weide (Niederschlesien); 1948, nach der Schließung der Kirche zum Verkauf angeboten; am 01.10.1950 in der Nikolauskirche in Betrieb genommen 1937 1516 Berlin-Hermsdorf Apostel-Paulus-Kirche zentriert|160x160px III/P 37 → Orgel 1938 Rostock Marienkirche zentriert|160x160px IV/P 83 Erweiterungsumbau mit elektro-pneumatischer Traktur → Orgel 1938 Kopenhagen, Dänemark St. Petri zentriert|160x160px III/P 42 einzige erhaltene Sauer-Orgel in Skandinavien 1939 1600 Neuruppin St. Marien IV/P 76 Unter Verwendung der Vorgängerorgel von Albert Hollenbach; zweiteilig mit Chororgel; Disposition von Georg Kempff; seit etwa 1978 unspielbar 1939 1615 Berlin-Bohnsdorf Dorfkirche zentriert|160x160px II/P 13 1969 durch Sauer umgebaut, 2009 Restaurierung durch Christian Scheffler (Sieversdorf); → Orgel 1940 1631 Bunzlau „Begräbniskirche“ 1949 Berlin-Hermsdorf Dorfkirche II/P 19 1951 1692 Berlin-Bohnsdorf Paul-Gerhardt-Gemeindeheim II/P 12 → Orgel 1954 1707 Eichwalde Eben-Ezer-Kapelle zentriert|160x160px II/P 9 2006 überholt → Orgel 2025 nach Verkauf der Kapelle abgebaut und eingelagert. 1955 Berlin-Treptow Neuapostolische Kirche II/P 30 → Orgel 1957 1715 Berlin-Niederschöneweide Friedenskirche zentriert|160x160px II/P 20 → Orgel19571716ZüssowKirchsaal des DiakonievereinsII/P17→ Orgel mit rein mechanischen Schleifladen, steht seit 2010 im Orgelmuseum Malchow 1959 1721 Woldegk St. Petri zentriert|160x160px II/P 16 pneumatische Kegelladen; saniert 2011 nach Wasserschaden → Orgel 1960 1729 Berlin-Mitte Sankt-Michael-Kirche zentriert|160x160px II/P 25 elektropneumatische Traktur → Orgel 1961 1723 Erkner Genezareth-Kirche zentriert|160x160px III/P 40 → Orgel 1964 Sachsenhausen Dorfkirche Sachsenhausen zentriert|160x160px|Orgel auf Empore II/P 10 Erste Sauer-Orgel von 1914 im Jahr 1961 zerstört, 1964 ersetztEvangelischer Kirche Sachsenhausen, abgerufen am 8. Februar 2023. 1966 1770 Wismar Marienkirche II/P 16 → Orgel 1968 1839 Birkenwerder Evang. Kirche zentriert|160x160px II/P 12 → Orgel 1968 Lübeck Dietrich-Bonhoeffer-Kapelle zentriert|160x160px I/P 819691880SanitzDorfkircheI/P6→ Orgel1969BaabeDorfkircheI/P4→ Orgel 1969 Lübeck St. Stephanus zentriert|160x160px II/P 17 1971 1955 Ribnitz-Damgarten St.-Bartholomäus-Kirche zentriert|160x160px II/P 14 → Orgel 1972 Rambin Pfarrkirche I/P 8 1974 2008 Nordhausen St. Maria auf dem Berg I/P 8 1974 Jaroslawl L.-W.-Sobinow-Konzertsaal Aufstellung mit der Organistin Ljubow Schischchanowa 1975 2026 Rostock Christuskirche II/P 17 → Orgel 1976 2041 Berlin-Kreuzberg Neuapostolische Kirche zentriert|160x160px I/p 4 1976 Berlin-Weißensee Pfarrkirche zentriert|160x160px II/P 15 → Orgel 1976 2046 Elsholz Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 6 → Orgel 1977 Gera Bühnen der Stadt Gera zentriert|160x160px III/P 50 1977 2063 Treuenbrietzen St. Nikolai zentriert|160x160px I/P 8 → Orgel 1978 2076 Görlitz Klosterkirche St. Johannes und St. Franziskus zentriert|160x160px I/P 4 1980 Halle (Saale) Konzerthalle St.-Ulrich-Kirche zentriert|160x160px III/P 56→ ausführliche Beschreibung der Orgel, 2019 umintoniert und mit Setzeranlage versehen19802108NordhausenSt. BlasiiI/p4seit 2014 in Ellrich, St. Johannis