mini|hochkant|Peter Tauber (2014) Peter Michael Tauber (* 22. August 1974 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher ehemaliger Politiker (CDU) und heutiger Lobbyist und Historiker. Er war von 2009 bis Mai 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und vom 16. Dezember 2013 bis Februar 2018 Generalsekretär der CDU. In: cdu.de, abgerufen am 3. Januar 2016. Im Kabinett Merkel IV war er vom 14. März 2018 bis zum 6. April 2021 Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung. Seit 2022 ist er Geschäftsführer der Finanzdienstleistungs-Lobbyorganisation Deutscher Unternehmensverband Vermögensberatung.
Leben Ausbildung und Beruf mini|Video-Vorstellung (2014) Der Enkel des Apothekers Gustav Tauber wuchs mit zwei Geschwistern auf und legte das Abitur 1994 am Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen ab. Auf dieser Schule besuchte er dieselbe Klasse wie die (spätere) Politikerin Mariana Harder-Kühnel. Er studierte ab dem Wintersemester 1994/1995 Mittlere und Neuere Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Nach einer Unterbrechung durch den Wehrdienst nahm er das Studium zum Sommersemester 1996 wieder auf. 2000 schloss er es mit dem akademischen Grad Magister artium mit Auszeichnung ab und war von 2000 bis 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich/FK 435 „Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel“ der Johann Wolfgang Goethe-Universität. 2004 begann er mit Unterstützung eines Stipendiums der Hanns-Seidel-Stiftung bei Lothar Gall am Historischen Seminar der Universität seine Dissertation über die gesellschaftliche Stellung und ideologische Funktionalisierung des Sports im Ersten Weltkrieg und der Tradierung dieser Erfahrungen in der Weimarer Republik und 2007 wurde sein Promotionsverfahren am Lehrstuhl von Lothar Gall mit der Verleihung des Titels Dr. phil. abgeschlossen. Seit März 2008 ist er Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Hochschule.
Von 2001 bis 2003 war Tauber Landesgeschäftsführer der Jungen Union Hessen und von 2003 bis 2004 persönlicher Referent der hessischen Kultusministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin Karin Wolff.
Von 2007 bis zur Bundestagswahl im Jahr 2009 hatte Peter Tauber die Tätigkeit des Pressesprechers der Deutschen Vermögensberatung AG in Frankfurt am Main inne.
Er ist Reserveoffizier der Bundeswehr, mit aktuellem Dienstgrad eines Oberstleutnants der Reserve.
2018 legte Tauber in Hessen die Jägerprüfung ab.
Tauber habilitiert seit März 2021 an einer Professur für neuere und neueste Geschichte am Historischen Institut der Universität der Bundeswehr München. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf deutscher Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert in der Militär-, Turn- und Sportgeschichte.
Von 2021 bis August 2022 war Tauber Pressesprecher des Arbeitsbekleidungsherstellers Engelbert Strauss. Er ist seither Geschäftsführer der Finanzdienstleistungs-Lobbyorganisation Deutscher Unternehmensverband Vermögensberatung (DUV). 2022 gründete er gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Strategieberatungsagentur Vierfichten.
Tauber ist evangelischer Konfession.
Politische Ämter Tauber trat im Jahr 1991 der Jungen Union und 1992 auch der CDU bei. Von 1993 bis 2007 war er Stadtverordneter in Wächtersbach. Seit November 2005 ist er Abgeordneter des Kreistags des Main-Kinzig-Kreises. Im Jahr 2007 erfolgte die Wahl als Beisitzer im Bezirksvorstand der Mittelstandsvereinigung Osthessen und im Dezember 2007 zum Vorsitzenden der CDU Gelnhausen. Im Mai 2003 wurde er zum Landesvorsitzenden der Jungen Union Hessen gewählt, den Vorsitz führte er bis in das Jahr 2009. Zudem gehört Tauber seit 2008 auch als gewähltes Mitglied dem Landesvorstand der CDU Hessen an.
mini|Peter Tauber beim Deutschen Bundestag, 2019 2008 wurde Tauber erstmals von der CDU für die Kandidatur im Bundeswahlkreis 180 (Hanau) nominiert. Bei der Bundestagswahl 2009 erhielt er 39,4 Prozent der Stimmen; Sascha Raabe (SPD) erhielt 34,0 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2013 gewann er das Mandat im neu geschaffenen Wahlkreis 175 (Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten) mit 48,8 Prozent der Stimmen. Er wurde im Dezember 2013 zunächst von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel vorläufig zum Generalsekretär bestellt und am 5. April 2014 vom CDU-Bundesparteitag gewählt.Tauber ist neuer CDU-Generalsekretär. In: FAZ.net. 5. April 2014. In: petertauber.de, abgerufen am 31. Dezember 2017.
Tauber war ordentliches Mitglied im Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss „Digitale Agenda“. In der 17. Wahlperiode des Deutschen Bundestages war er Mitglied in der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“. Am 13. Dezember 2013 wurde er in den Vorstand des Deutschen Kinderhilfswerkes gewählt, in welchen er 2015 erneut gewählt wurde.
Ende Dezember 2017 machte er in einem Interview sein Leiden an einer entzündlichen Darmerkrankung öffentlich. Tauber war über einen Monat im Krankenhaus und musste sich wegen Blutvergiftung und Bauchfellentzündung einer Notoperation unterziehen.Peter Tauber über seine Krankheit: "Die Ärzte haben mir das Leben gerettet", Spiegel Online, 29. März 2018.FAZ.net vom 18. Februar 2018: Am Ende fehlte ihm die Autorität Michael Grosse-Brömer als erster parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vertrat ihn.
Am 18. Februar 2018 wurde bekannt, dass Tauber das Amt des CDU-Generalsekretärs niederlegen wird. Mit der Wahl seiner Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer endete am 26. Februar 2018 seine Amtszeit.
Im Kabinett Merkel IV war Tauber Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung.Ex-CDU-Generalsekretär Tauber geht zu von der Leyen, tagesschau.de vom 11. März 2018, abgerufen am 11. März 2018. Nachdem er bereits im Oktober 2020 angekündigt hatte, zur Bundestagswahl 2021 nicht wieder zu kandidieren, zog er sich bereits am 6. April 2021 wegen einer erneuten entzündlichen Darmerkrankung aus seinem Amt zurück. Sein Bundestagsmandat legte er zum 7. Mai nieder, Nachrücker war Thomas Viesehon.
Politische Positionen Netzpolitik Am 29. März 2012 wurde Tauber zusammen mit Thomas Jarzombek Gründungsvorsitzender von cnetz – Verein für Netzpolitik. Ziel des Vereins ist eine „bürgerliche und verantwortungsvolle Netzpolitik, die einen fairen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen in einer pluralistischen Gesellschaft auch im Netz schafft“.Ein „CNetz“ für bürgerliche Netzpolitik. In: Heise online. 2. April 2012. Abgerufen am 15. Dezember 2013. Am 17. Januar 2014 gab er das Amt des cnetz-Vorsitzenden an Jörg Müller-Lietzkow ab.Kontinuität und Wechsel an der Spitze des cnetz e. V. Abgerufen am 25. März 2016. Im April 2013 veröffentlichte Peter Tauber als erster Bundestagsabgeordneter einen Social-Media-Leitfaden.Sachar Kriwoj: Kostenloser Download: Peter Tauber veröffentlicht Social Media-Leitfaden. In: UdL Digital. Das Digital Public Affairs Blog der E-Plus-Gruppe. 8. April 2012. Abgerufen am 15. Dezember 2013.
Tauber stimmte als einer von zwei Unionsabgeordneten im März 2013 gegen das umstrittene Leistungsschutzrecht im Internet.Severin Weiland, Fabian Reinbold: Neuer CDU-Generalsekretär Tauber: Peter wer? In: Spiegel Online. 16. Dezember 2013. Abgerufen am 21. Dezember 2013. Er hat 2013 die Einsetzung eines Staatsministers für Internet und digitale Gesellschaft sowie eine stärkere Bürgerbeteiligung durch das Internet gefordert.Peter Tauber: In: Blog Schwarzer Peter, 9. September 2013. Abgerufen am 21. Dezember 2013.
Entgegen der Parteilinie lehnte Tauber 2013 die Vorratsdatenspeicherung ab,Der neue CDU-General gibt den Jungen eine Stimme. In: Die Welt. 15. Dezember 2013. Abgerufen am 21. Dezember 2013. änderte 2015 aber seine Ansicht und befürwortete deren Einführung.
Schwangerschaftsabbruch und Biopolitik Nach Darstellung der evangelikalen Nachrichtenagentur idea setzte sich Tauber während seiner Zeit als Vorsitzender der Jungen Union Hessen „wiederholt für eine Verschärfung des Abtreibungsparagraphen 218“ ein.Peter Tauber: Ich bin „gläubiger Christ“. In: idea.de, 16. Dezember 2013. Abgerufen am 23. Dezember 2013. Tatsächlich hatte sich Tauber 2006 in der Presse wohlwollend über einen (später zurückgezogenen) Beschluss geäußert,Junge Union Hessen: Paragraph 218 muss verschärft werden. In: kath.net. 22. November 2006; In: BV-Lebensrecht.de, 27. November 2006. in dem der Landesausschuss der JU, deren Vorsitzender er damals war, forderte, Schwangerschaftsabbrüche nur noch nach einer Vergewaltigung oder bei dauerhafter Gesundheitsgefährdung der Frau durch die Schwangerschaft straffrei zu lassen.Annett Meiritz: Tauber gerät wegen Haltung zu Abtreibung unter Druck. In: Spiegel Online. 20. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013. Im Dezember 2013 kam es deshalb zu Medienberichten und dem Vorwurf des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung, das die Streichung des Abtreibungsparagraphen aus dem Strafgesetzbuch fordert, Tauber stehe „bei Fragen zum Thema der sexuellen Selbstbestimmung offenbar am rechtskonservativen, fundamentalistisch-religiösen Rand der Gesellschaft“.Neuer CDU-Generalsekretär gegen Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. In: Sexuelle-Selbstbestimmung.de, 18. Dezember 2013. Tauber sprach sich im Januar 2014 für die Beibehaltung der geltenden gesetzlichen Regelungen aus, plädierte jedoch für eine ausgiebige Diskussion über den „Lebensschutz“ in der Gesellschaft.Robin Alexander und Ulf Poschardt: Müssen auch feststellen, was nicht zu uns passt. In: Die Welt. 11. Januar 2014. Abgerufen am 13. Januar 2013.
Zudem sprach er sich 2011 im Vorfeld des Bundestagsbeschlusses zur Präimplantationsdiagnostik (PID) gegen die PID aus und begründete dies mit dem nach seiner Auffassung aus christlichem und jüdischem Einfluss gespeisten und unverändert gültigen Bewusstsein, dass „nur Gott über das Leben verfügen darf und nicht die Menschen“.Peter Tauber: PID verletzt die Menschenwürde. In: Stoppt-PID-und-Klonen.de, 2011. Abgerufen am 26. Dezember 2013. Tauber spricht sich zudem gegen jede Form der Sterbehilfe aus.Interview von CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit „Die Welt“. CDU, Pressemitteilung, 11. Januar 2014.
Sozialpolitik Im Jahr 2011 sprach sich Tauber dafür aus, den Bundesfreiwilligendienst für Bezieher von Arbeitslosengeld II „attraktiver zu machen“. Gemeinsam mit Carsten Linnemann befürwortete er die Anhebung des Freibetrags für die damit verbundenen Einkünfte von 60 auf 175 Euro monatlich. Beide bezogen sich dabei auf ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags. Hintergrund ist, dass dem Bundesfreiwilligendienst zu dem Zeitpunkt, als die Wehrpflicht und der Zivildienst wegfielen, 12.000 Teilnehmer fehlten. Gleichzeitig gab es eine Kündigungswelle von Rekruten bei der Bundeswehr. Der Bundesfreiwilligendienst könne für ältere Arbeitslose „eine echte Chance“ sein, außerdem stehe er – anders als das Freiwillige Soziale Jahr – Personen jeden Alters offen.Arbeitslose: CDU will soziales Engagement attraktiver machen. In: Spiegel Online. 21. Juli 2011. Abgerufen am 21. Dezember 2013.
Einwanderung Im Januar 2015 eröffnete Tauber eine Debatte über eine Reform der Zuwanderungspolitik Deutschlands. Das von der rot-grünen Koalition 2005 geschaffene Zuwanderungsgesetz sollte dazu reformiert werden. Die Integration von Neuzuwanderern in die deutsche Gesellschaft und auch der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit standen dabei im Mittelpunkt.Tauber fordert Einwanderungsgesetz. In: Süddeutsche.de, 8. Januar 2015. Abgerufen am 23. April 2016. Es solle gesetzlich definiert werden, welche Fähigkeiten, welche Bildung und welche Bereitschaft, sich für Deutschland einzusetzen, Zuwanderer mitbringen müssen, um Deutsche zu werden.Peter Tauber will neues Gesetz für Einwanderung. In: Der Tagesspiegel. 8. Januar 2015. Abgerufen am 23. April 2016.