Wasserliesch ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz; sie gehört zur Verbandsgemeinde Konz. Der Ort liegt zwölf Kilometer südwestlich der Römerstadt Trier am rechten Ufer der Mosel unweit der deutsch-luxemburgischen Grenze zwischen den Mündungen ihrer Nebenflüsse Saar und Sauer. Stromabwärts weitet sich hier das Moseltal zu einem Talkessel, der sich etwa zwanzig Kilometer weit bis über die Stadt Trier hinaus hinzieht.

„Wasserliesch am Fluss der Geschichte“ nennt sich die Gemeinde in ihrem Logo, bezogen auf ihre geografische Lage und ihre weit zurückreichende wechselvolle Geschichte. Am Anfang des etwa 45 km langen landschaftlich besonders reizvollen Flussabschnittes der Mosel gelegen, den man in Deutschland Obermosel nennt, bildet die Gemeinde gewissermaßen das „Tor zur Obermosel“. Dieser Flussabschnitt, der nicht mit dem geografischen Oberlauf der Mosel identisch ist, erstreckt sich von der Mündung der Saar bis zum deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck mit den Grenzorten Apach (Frankreich), Perl (Deutschland) und Schengen (Luxemburg) und bildet größtenteils die Grenze zwischen den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland einerseits und Luxemburg andererseits.

Geografisches, Geologisches und Botanisches mini|links|hochkant=1.4|Wasserliesch auf einer Ansichtskarte von 1976, Blick vom Berghang oberhalb der Löwener Mühle Die Gemeinde Wasserliesch bildet an der nordöstlichen Flanke des 347 m hohen Liescher Berges, der hier Löschemer Berg genannt wird, eine weite Hanglage. Als Ausläufer des zum Lothringer Stufenland gehörenden Saargaus, der sich links der Saar entlang der deutsch-französischen Grenze von Saarbrücken bis hierher erstreckt, fällt der Liescher Berg zum Ort und zur Mosel hin steil ab. Auf der Höhe des Berges bietet sich dem Betrachter an der Löschemer Kapelle ein großartiger Panoramablick hinunter ins Mosel- und Saartal auf den am anderen Ufer der Mosel gelegenen Ort Igel, über die Saarmündung und die Stadt Konz hinweg bis nach Trier und darüber hinaus. Mosel- und Saartal werden hier von den vielfach bewaldeten Höhen dreier Mittelgebirgszüge flankiert. Im Westen blickt man auf das Luxemburger Gutland, den südlichen Ausläufer der Ardennen, im Norden auf die Eifel und im Osten auf die Erhebungen des zum Hunsrück gehörenden Schwarzwälder Hochwaldes.

mini|Naturschutzgebiet Perfeist in der Bildmitte Am gegenüberliegenden Moselufer fallen einige aus dem Trias stammende rote Buntsandsteinfelsen ins Auge, die gleich daneben, deutlich davon abgetrennt, von hohen grau-weißen Kalksteinfelsen überragt werden. Hier hat sich eine geologische Grenze gebildet, die sogenannte Igeler Verwerfung, auch Igeler Bruch genannt. Sie setzt sich über die Mosel hinweg fort und teilt auch den Liescher Berg. Neben den beiden Formationen finden sich in der näheren und weiteren Umgebung bunte Keupergesteine und gelbliche Liassandsteine, Quarzit und nicht zuletzt der für den Weinbau an Mosel, Saar und Ruwer bedeutsame Schiefer.

mini|Hotel und Landgasthof Albachmühle Das Hochplateau auf dem Liescher Berg bietet im Distrikt Perfeist das gleichnamige Naturschutzgebiet mit heideähnlicher Vegetation. Auf sogenanntem Kalkmagerrasen gibt es hier eine Vielzahl von Orchideenarten und andere seltene Pflanzen und Kleintierarten. Nach Westen hin fällt der Liescher Berg in ein etwa drei bis vier Kilometer langes Seitental der Mosel, das Albachtal, steil ab, in dem der auf dem Saargau als Mannebach entspringende Albach zur Mosel hin fließt und in diese mündet. Die Wasserkraft des Albach nutzte man noch bis zum Zweiten Weltkrieg zum Betrieb von drei Mühlen, die es hier mindestens seit dem 17. Jahrhundert, vermutlich aber noch wesentlich länger, gegeben hat. Zwei davon befinden sich im Albachtal, eine im Ort; letzter wurde von einem dem Albach entnommenen in den Ort hineingeleiteten Mühlbach gespeist. Eine Mühle mit integriertem Sägewerk wurde mit elektrischem Strom noch bis in die 1980er Jahre hinein betrieben. Alle Mühlengebäude sind – wenn auch verändert – noch vorhanden; eines beherbergt ein Hotel-Restaurant. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der sogenannten Karthäuser Mühle innerhalb des Ortes wurde zu einem Wohnhaus umgebaut.

Nach Osten hin fällt der Liescher Berg von verkarsteten Kalksteinformationen ebenfalls steil ab, um dann in Terrassen – eine davon bildet die geschichtsträchtige Granahöhe – mit teils felsiger Abrisskante aus rotem Buntsandstein in den früher sumpfigen Talkessel der Saarmündung überzugehen. Auf und an diesen Terrassen wächst und gedeiht auch bestens die ansonsten eher in südlicheren Regionen Europas heimische Edelkastanie, auch Esskastanie oder Marone genannt (Castanea sativa); sie wird zur Reifezeit im Oktober gekocht oder geröstet gegessen und gilt hier als besondere Delikatesse. Die Talniederung ist heute trockengelegt und wird als Gewerbe- und Industriegebiet genutzt. Das Gelände ist zum großen Teil im Rahmen der Konversion aus dem nach dem Zweiten Weltkrieg von der früheren französischen Besatzungsmacht angelegten Militärlager Granahöhe entstanden, das in den ersten Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung geschlossen und abgeräumt worden ist. Unterhalb des Berghanges gewinnen Baggerbetriebe roten Sand und am Moselufer aus Flussablagerungen Kies, der zu Baumaterial und Fertigbeton weiterverarbeitet wird.

Gewässer Albach und Fuchsgraben sind rechte Zuflüsse der Mosel.

Nachbargemeinden Benachbarte Gemeinden sind Igel, Trier, Konz, Tawern, Oberbillig und Langsur.

Panorama

Geschichte Ortsname Der Ortsname Wasserliesch, genauer der Wortteil „Liesch“, ist vermutlich keltischen Ursprungs, denn vor der Zeitenwende siedelten hier die Treverer, ein bedeutender kriegerischer Keltenstamm. Die Römer besiedelten, nachdem sie die Treverer besiegt und in ihr Reich integriert hatten, auch Wasserliesch; sie nannten den Ort „Lutiacum“, „Lusica“ oder so ähnlich. Das Wort „Liesch“ ist auch eine botanische Bezeichnung für Riedgras. Darüber hinaus kennt der Botaniker das Wort „Wasserliesch“ als Name für die Blumenbinse oder Schwanenblume (Butomus umbellatus). Die im Ortswappen abgebildete Wasserpflanze, der breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) war in einem ortsnahen Feuchtgebiet und im Uferbereich der Mosel früher häufiger anzutreffen. Wohl aus diesem Grund bezeichnen die Einwohner seit alters her diese Pflanze mit dem Wort „Liesch“ und meinen damit nicht nur die Pflanze, sondern auch den Ort selbst. Inwieweit die Pflanzen die Entstehung des Ortsnamens beeinflusst haben, ist nicht geklärt.

In alten Urkunden findet man die Namensvarianten Lusichic, Luische, Luysch, Lursch, Lyasch und ähnliche. Sie standen immer für zwei Orte, nämlich für Liesch am Wasser, an der Mosel, und für „Lyasch uff dem Berg“ – Liesch auf dem Berg. Zur besseren Unterscheidung der beiden Orte und wohl auch wegen der einfacheren Schreibweise findet man in historischen Urkunden seit dem 14. Jahrhundert die Namensteile zu einem Wort zusammengefasst, nämlich entweder „Wasserliesch“ oder „Liersberg“; der kleinere heute selbstständige Ort Liersberg liegt auf der gegenüberliegenden Höhe des Igeler Berges und gehört zur Nachbargemeinde Igel.

Der Ortsname Wasserliesch gab dem Liescher Berg, an dessen Nordostflanke der Ort liegt, seinen Namen. Verschiedene Namensformen, wie Lieschem, Lürschem, Linschem oder zuletzt Löschem lassen erkennen, dass der Name des Berges dem Wandel des Ortsnamens nachfolgte. Im Volksmund hat sich der Name Löschem bis heute erhalten: Einheimische nennen den Liescher Berg Löschemer Berg. Daher trägt auch die auf dem Berg stehende Wallfahrtskapelle den Namen Löschemer Kapelle.

Tausend Jahre Wasserliesch Im Jahr 1975 feierte Wasserliesch sein tausendjähriges Bestehen. In einem Güterverzeichnis des Trierer Klosters St. Martin, das man nach längeren Recherchen in den Archiven fand, sind die Orte „Luische et Riniche“ – (Wasser-)Liesch und Reinig – als zum Besitz des Klosters gehörend aufgeführt. Seitdem gilt das Jahr 975 als Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung von Wasserliesch. Tatsächlich ist Wasserliesch als Siedlungsort wesentlich älter als tausend Jahre. Funde belegen, dass das Moseltal in Wasserliesch und Umgebung schon während der Jungsteinzeit besiedelt war. So fand man moselabwärts unweit von Reinig und moselaufwärts in dem Nachbarort Oberbillig Reste bandkeramischer Ansiedlungen. Bei der Abtragung der oberen Erdschicht zur Ausbeutung einer darunter liegenden Kiesschicht machte man in den Jahren 2013/2014 unweit des Ortsteils Reinig an einer der Stellen, an denen die bereits erwähnten vorgeschichtliche Relikte zu Tage getreten sind, erneut historische Funde. Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Trier untersuchten im Mai und Juni 2014 die Funde, zu denen viele römerzeitliche Münzen, Bruchstücke und Scherben tönerner Gefäße sowie römische Dachziegel gehörten. Darüber hinaus legten die Archäologen einen im Inneren 2,5 m × 3,25 m großen mit roten Sand- und hellen Kalksteinen sorgfältig ausgemauerten römischen Kellerraum aus dem 3./4. Jh. frei. In dem Kellerraum fanden sie römischen Trümmerschutt mit Knochenresten von Tieren und anderen Relikten. Während des nachfolgenden Kiesabbaus traten auch noch die Überreste eines römerzeitlichen Trinkwasser-Brunnens zu Tage.

Außerdem legten sie zwei im Abstand von ca. 3,5 m zueinander angeordnete mit roten Sandsteinen ausgemauerte Kalkbrennöfen frei. Die kreisrund gestalteten Öfen hatten einen Durchmesser von jeweils rund 5 m und reichten, von der Ausgrabungsebene an gemessen, etwa 2,50 m tief in das Erdreich; wie hoch sie außerhalb des Erdreichs nach oben hin einmal gewesen sind, ließ sich wegen der schon lange vorher abgetragenen obersten Erdschicht nicht mehr feststellen. Die Sohle der noch teilweise mit gelöschtem Kalk gefüllten Öfen bildete die Feuerstelle des ursprünglichen Brennraumes, was man an den Asche- und Holzresten deutlich erkennen konnte. Das genaue Alter der Kalkbrennöfen ließ sich im Verlauf der Ausgrabungen nicht eindeutig klären. Vermutet wird, dass sie im Spätmittelalter oder in der frühen Neuzeit betrieben worden sind – eine Nutzung in der zu Ende gehenden Römerzeit, etwa im 5. Jh., kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Mehrere Quellen belegen, dass das frühere Kloster St. Maximin zu Trier in Wasserliesch und Reinig schon sehr früh – vielleicht schon ab dem 6./7. Jh. – Besitzungen hatte und sie mit einem eigenen Herrenhof bewirtschaftete. Es ist möglich, dass die aufgefundenen Kalkbrennöfen zu diesem Herrenhof gehört haben, der möglicherweise hier stand.

Gegenstände aus der Bronzezeit, nämlich die in der Nachbarstadt Konz und deren Stadtteil Könen gefundenen Gussformen und Bronzebeile sowie eine bronzene Sichel belegen ebenfalls, dass hier schon lange vor den Römern Menschen gesiedelt haben müssen. Ähnliches gilt für die historischen Verkehrswege. Reste der von den Römern gebauten Fernstraße von Metz über Thionville, Tawern und Konz nach Trier sind auf der Gemarkung Wasserliesch erhalten geblieben. Von dieser Straße könnte es die weiter oben schon erwähnte Abzweigung gegeben haben, die zur Moselfähre im Ortsteil Reinig oder zu der wenige Meter flussaufwärts gelegenen Furt führte.