BMC ADO16 bezeichnet einen Wagen der Kompaktklasse der British Motor Corporation (BMC), der unter verschiedenen Markennamen und Typenbezeichnungen verkauft wurde. In den 1960er Jahren war der ADO16 zeitweise der meistverkaufte Pkw in Großbritannien.
Die meisten Fahrzeuge dieser Baureihe wurden in Großbritannien hergestellt. Sie wurden aber auch unter anderem bei Innocenti in Italien, bei Leyland Authi in Spanien, bei IMV in Jugoslawien und im Leyland-Werk in Belgien gefertigt. Zudem basierten auf dieser Baureihe ähnliche Fahrzeuge, die in Australien und Südafrika produziert wurden.
Der Wagen wurde am 15. August 1962 als Morris 1100 vorgestellt. Die Baureihe wurde dann auf verschiedene Fahrzeuge anderer Konzernmarken erweitert, wie den MG 1100 mit zwei Vergasern, den Vanden Plas Princess 1100 (ab Oktober 1962), den Austin 1100 (ab Oktober 1963) und schließlich den Wolseley 1100 (ab 1965) und den Riley Kestrel (ab 1965). Die Modelle Morris 1100 und Morris 1300 verschwanden 1971 zugunsten des Nachfolgers Morris Marina aus den Schaufenstern, aber die Austin- und Vanden-Plas-Versionen blieben bis Juni 1974 in Produktion.
Die Kombivarianten folgten 1966. Mit Countryman (Austin) und Traveller (Morris) wurden dafür traditionsreiche Namen gewählt.
1964 wurde der 1100 vom Wheels-Magazin zum Auto des Jahres gekürt.
Konstruktion und Entwicklung Der ADO16 (ADO=Amalgamated Drawing Office) wurde von Alec Issigonis entworfen. Pininfarina, der italienische Designer, der für BMC vorher schon den Austin A40 Farina entworfen hatte, gestaltete die Karosserie. Nach dem erfolgreichen, aber unprofitablen Mini brauchte BMC ein größeres Auto der unteren Mittelklasse. Der ADO16 hat im Wesentlichen die Antriebstechnik des Mini: den quer eingebauten BMC-A-Motor, der die Vorderräder über ein im Ölsumpf liegendes Getriebe antreibt. Auch das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern vorn und parallelen Schwingen hinten ist ähnlich, aber der ADO16 bekam Scheibenbremsen mit schwimmend gelagerten Bremssätteln.
Eine Besonderheit stellte die Federung des Morris 1100 dar. Als erstes Auto erhielt er die von Alex Moulton erdachte Hydrolastic-Federung – eine hydraulische Kopplung der Vorder- und Hinterradfederung jeder Wagenseite, wobei sämtliche Arme der Radaufhängung in Gummi gelagert waren.Morris 1100. In: Kraftfahrzeugtechnik. 1/1963, S. 18–19 und 22. In einem Interview mit dem CAR-Magazin erklärte Alex Moulton Ende der 1990er-Jahre, Alec Issigonis und er hätten dafür die Federung des Citroën 2CV aus der Mitte der 1950er-Jahre analysiert. Bei ihr waren die Räder einer Seite mechanisch verbunden und teilten sich eine Federeinheit. Dadurch war das Wanken (Seitenneigung) weniger stark, als es die sehr weiche Federung vermuten lässt, aber auf Kosten einer größeren Neigung zum Nicken. Beim Hydrolastic-System, bei dem die jeweils auf der gleichen Fahrzeugseite liegenden Federelemente mit Schlauchleitungen miteinander verbunden sind, wird Nicken durch Dämpfventile in der Verbindungsleitung stark verringert. Die Federung ist weich wie beim Citroën, die Wankneigung jedoch ist geringer.
Mark I (1962–1967) Die originalen Mark-I-Modelle erkennt man an den beinahe senkrecht stehenden angedeuteten Heckflossen mit den kleinen Rücklicht-Einheiten. Die Werbebroschüren stellten den geräumigen Innenraum im Vergleich zu den Wettbewerbern 1964 in Großbritannien, wie den konservativeren Ford Anglia, Vauxhall Viva HA und Morris Minor aus dem eigenen Hause heraus.
Die Mark-I-Modelle des Austin 1100 und Morris 1100 gab es anfangs nur als viertürige Limousinen. Im März 1966 kam ein dreitüriger Kombi, genannt Austin 1100 Countryman, bzw. Morris 1100 Traveller1966 New Models, Autocar, Ausgabe 124 (nbr 3656), 11. März 1966, S. 484–486.. Kunden in Großbritannien, die eine zweitürige Limousine wollten, mussten auf den Mark II von 1967 warten, auch wenn es diese Karosserieausführung schon in verschiedenen Exportmärkten wie beispielsweise den USA gab. Dort wurde ein zweitüriger MG 1100 angeboten.
Das unter dem Motor befindliche Getriebe, das sich den Ölvorrat auch mit dem Motor teilte, wies vier Vorwärtsgänge auf, von denen die oberen drei synchronisiert waren. Ab November 1965 gab es eine vierstufige Automatik von Automotive Products (AP).Automatische Kraftübertragung in BMC-Fronttrieblern. In: Kraftfahrzeugtechnik. 5/1966, S. 177–179.
Modelle Fabrikat Typ Hubraum Leistung KarosserieformenAustin11001098 cm³48 bhp (36 kW)L4, K3InnocentiIM3 / IM3S / J4L4MG110055 bhp (41 kW)L2, L4Morris48 bhp (36 kW)L4, K3RileyKestrel55 bhp (41 kW)L4Vanden PlasPrincess 1100Wolseley1100
Leistungsangaben in bhp – die Leistung nach in Deutschland üblicher DIN-Norm liegt etwas niedriger, beispielsweise bei 33Morris 1100. In: Kraftfahrzeugtechnik. 1/1963, S. 18–19 und 22. statt 36 kW für den Morris 1100.
Mark II (1967–1971) Ende Mai 1967 kündigte BMC an, dass sie den MG, den Riley, den Vanden Plas und den Wolseley mit dem größeren 1.275-cm³-Motor ausstatten würden.Autocar Road Test: Riley Kestrel 1275. Familiar BMC model with latest engine option. Only 3 more bhp, but much improved torque. (…) Increased performance throughout the range. Higher overall gearing gives more restful cruising, less mechanical noise and much improved fuel consumption. Ride and handling as excellent as ever. Autocar, 8. Juni 1967, S. 13–16. BMC kombinierte den schon vom Mini Cooper und Austin-Healey Sprite bekannten Motor mit dem Getriebe des 1100, wobei die Übersetzungsverhältnisse der einzelnen Gänge trotz des anderen Motors unverändert blieben, die Achsübersetzung jedoch von 4,133 auf 3,65, später auch 3,44 vergrößert wurde.
Die Mark-II-Versionen von Austin und Morris wurden für Oktober 1967 als Austin 1300 und Morris 1300 angekündigt, wobei es auch weiterhin die Ausführungen mit 1098-cm³-Motor gab.
Von außen erkennt man den Austin/Morris Mark II an einem etwas breiteren Kühlergrill, der sich bis unter die Scheinwerfer erstreckt und etwas mehr strukturiert ist. Diese Modelle haben veränderte Rückleuchten, die in dieser Form auch im Taximodell Austin FX4 eingebaut wurden. Sie waren weiterhin durchweg mit Vierganggetrieben ausgestattet, deren drei obere Gänge synchronisiert waren; vollsynchronisierte Getriebe wurden 1968 eingeführt.
Die Mark-II-Versionen von MG, Riley, Vanden Plas und Wolseley erschienen im Oktober 1968, wobei der Riley nicht mehr Kestrel hieß, sondern Riley 1300 (Mark II). Er wurde im Juli 1969 eingestellt und verschwand als letzter Riley vom Markt.
Auf der London Motor Show im Oktober 1969 führte British Leyland (BLMC) die Modelle Austin 1300 GT und Morris 1300 GT ein, die den gleichen 1275-cm³-Motor mit zwei Vergasern hatten wie der MG 1300, aber mit einem schwarzen Kühlergrill über die gesamte Fahrzeugbreite, einem schwarzen Vinyldach und dicken, schwarzen Streifen auf den Fahrzeugseiten ausgestattet warenMotor Brief Test 55/69: Morris 1300 GT. The Motor, Ausgabe nbr 3518, 22. November 1969, S. 17–19.. Das war die Antwort von British Leyland (BLMC) auf den Ford Escort GT und den Vauxhall Viva GT. Die Bodenfreiheit wurde durch Reduktion des Drucks im Hydrolastic-System von 15,53 bar auf 14,15 bar verringert.
1970 konnten die Austin/Morris 1100/1300 ihre Stellung als meistverkauftes Modell in Großbritannien behaupten, obwohl seit der Einführung des ersten Morris 1100 im Jahre 1962 wenig verändert wurde. 132.965 Fahrzeuge wurden in diesem Jahr verkauft, gegenüber nur 123.025 Ford Cortina, einem Modell, das in diesem Jahr schon in der 3. Generation erschienGeoffrey Howard: British Cars. Autocar, Ausgabe 134 (nbr 3920), 13. Mai 1971, SS. 42–45.. Als der zweimillionste ADO16 hergestellt wurde,Charles Bulmer (Hrsg.): Motorweek: Ado 16 – 2 million. The Motor, Ausgabe nbr 3609, 3. Juli 1971, S. 49. zog man die Morris-Versionen aus dem Markt zurück, um für den neuen Morris Marina Platz zu machen. Somit wurde 1970 das letzte Jahr, in dem der 1100/1300 die britischen Auto-Charts anführte.
Modelle Fabrikat Typ Hubraum Leistung KarosserieformenAustin11001098 cm³48 bhp (36 kW)L2, L4, K313001275 cm³60 bhp (45 kW)1300 GT70 bhp (52 kW)L2, L4MG11001098 cm³55 bhp (41 kW)13001275 cm³60–70 bhp (45–52 kW)Morris11001098 cm³48 bhp (36 kW)L2, L4, K313001275 cm³60 bhp (45 kW)1300 GT70 bhp (52 kW)L2, L4Riley130058–65 bhp (43–48 kW)L4Vanden PlasPrincess 11001098 cm³55 bhp (41 kW)Princess 13001275 cm³60 bhp (45 kW)Wolseley11001098 cm³55 bhp (41 kW)13001275 cm³60 bhp (45 kW)
Mark III (1971–1974) Die Mark-III-Modelle wurden im September 1971 eingeführt. Bei der Einführung des Morris 1100 Mark I im Jahre 1962 hatte der Hersteller seine Absicht bekundet, den ADO16 mindestens zehn Jahre lang zu fertigen,Maurice A. Smith (Hrsg.): Used Cars on Test: 1963 Morris 1100. Autocar, Ausgabe 125 (nbr 3681), 2. September 1966, S. 514–516. was sich trotz der Wechselfälle, die BMC in den 1960er-Jahren durchlitt, als richtig erwiesen hatte. Die Palette wurde langsam reduziert; der MG 1300 fiel 1971 weg und der Wolseley 1300 im Jahre 1973. Der letzte ADO16, ein Vanden Plas Princess 1300, verließ die Fertigungsbänder am 19. Juni 1974. Nachfolger waren der Austin Allegro und sein Schwestermodell Vanden Plas 1500. Zu dieser Zeit war der Ford Cortina, der ursprüngliche Wettbewerber, schon deutlich gewachsen; der ADO16 gehörte eher in die Kompaktklasse als die Mittelklasse.
Ab 1973 wurden, mehr als ein Jahr lang, der Austin 1100 / 1300 und sein Nachfolger Austin Allegro noch gleichzeitig hergestellt.
Modelle Fabrikat Typ Hubraum Leistung KarosserieformenAustin11001098 cm³48 bhp (36 kW)L2, L4, K313001275 cm³60 bhp (45 kW)1300 GT70 bhp (52 kW)L2, L4Vanden PlasPrincess 130060 bhp (45 kW)L4Wolseley1300
Zeitschiene des ADO16 März 1962 – die ersten Morris 1100 und MG 1100 werden in Cowley (Oxfordshire) hergestellt. 15. August 1962 – Vorstellung des Morris 1100 als viertürige Limousine in Großbritannien. Die zweitürige Limousine ist nur für Exportmärkte erhältlich. 2. Oktober 1962 – Vorstellung des MG 1100 als viertürige Limousine in Großbritannien. Wie beim Morris 1100 gibt es die zweitürige Limousine nur für Exportmärkte. Der MG 1100 hat einen Motor mit 55 bhp (40 kW) mit zwei Vergasern und ist luxuriöser ausgestattet. November 1962 – Beide Modelle bekommen Spritzlappen an den Hinterrädern. April 1963 – Einführung des Innocenti IM3. Dies ist ein ADO16, der in Italien von Innocenti mit anderer Fahrzeugfront, anderen Stoßfängern und besserer Innenausstattung gebaut wird. IM bedeutet Innocenti-Morris. Die 3 zeigt an, dass dies das 3. Modell ist, das Innocenti in BMC-Lizenz baut. September 1963 – Einführung des Austin 1100, der dem Morris 1100 ähnlich sieht, aber den traditionellen Austin-Kühlergrill mit acht Querstäben und dem Austin-Wappen besitzt sowie eine andere Innenausstattung und ein anderes Armaturenbrett. Oktober 1963 – Einführung des Vanden Plas 1100. Es ist das Spitzenmodell mit walnussfurniertem Armaturenbrett und ebensolchen Türinnenverkleidungen, Picknicktischen hinten und Vordersitzen in Conolly-Leder sowie Wilton-Teppichen und einen Dachhimmel aus West-of-England-Tuch. Oktober 1963 – Bei allen Modellen wird der Tank für die Scheibenwaschanlage verlegt, damit er im Winter nicht mehr einfriert. November 1963 – Die Teppiche werden durch Gummimatten ersetzt.