mini|Pfarrkirche hl. Martin in Bad Fischau Die römisch-katholische Pfarrkirche Bad Fischau-Brunn steht in Bad Fischau in der Marktgemeinde Bad Fischau-Brunn in Niederösterreich (Österreich). Die dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours unterstellte Pfarrkirche gehört zum Dekanat Wiener Neustadt im Vikariat Unter dem Wienerwald der Erzdiözese Wien. Die Kirche ist in Teilen ursprünglich romanisch und steht unter Denkmalschutz ().
Lagebeschreibung mini|Gadenkirchhof an der Nordseite Die Kirche steht leicht erhöht im Westen von Bad Fischau und ist von einem dreieckigen und selten so gut erhaltenen Gadenkirchhof mit sogenannten Kirchenkellern (analog einer Kellergasse) umgeben. Nordseitig ist eine geschlossene Reihe an Kellern erhalten. Diese sind traufständig unter Satteldächern und weisen große Bodentüren auf. Der Zugang zum Kirchhof erfolgt von Osten, im stumpfen Winkel des Dreieckshofes. Dieser Zugang war ursprünglich durch ein Tor gesichert, heute wird es von der alten Schule auf der linken und einem zweigeschoßigen Wohnhaus auf der Nordseite flankiert. In der Nordwestecke des Kirchhofes steht der barocke Pfarrhof, daneben der ehemalige, rechteckige Karner.Peter Aichinger-Rosenberger (u. a.): Niederösterreich südlich der Donau. Band 1: A bis L. Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, topographisches Denkmälerinventar. Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-364-X, S. 124.
Geschichte Im 9. Jahrhundert wurde erstmals eine Kirche für Fischau am Steinfeld genannt. Die Kirche war 1380 landesfürstlich, wurde 1478 an die Propstei von Wiener Neustadt verliehen und gehörte ab 1544 dem Bistum Wiener Neustadt. Die Kirche wurde 1610 dem Zisterzienserkloster Neuberg inkorporiert. Im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 brannte die Kirche nieder. Von 1796 bis 1798 erfolgte ein umfassender klassizistischer Umbau, bei dem im Westen ein quadratischer Chor angebaut wurde.
Architektur Kirchenäußeres mini|Tympanon mit Szene aus dem Leben des heiligen Martin Die Kirche ist ein heute gewesteter Bau, deren Kern aus der Romanik stammt. Das Gotteshaus präsentiert sich heute als schlichter barock-klassizischer Saalbau mit einem mächtigen vorgestellten Fassadenturm an der Ostseite.
Das Langhaus ist steinsichtig und wird von einem Walmdach mit Anschüblingen bedeckt. Die Fassaden wurden Ende des 18. Jahrhunderts schlicht barockisiert und sind von Rundbogenfenstern durchbrochen. Das mittelalterliche Quadermauerwerk aus dem 12. Jahrhundert ist nicht gegliedert und wurde 1976 bei einer Renovierung entdeckt und freigelegt. Auf der Südseite sind romanische und gotische Fenstergewände. Auf der Nordseite wurden die mittelalterlichen Fenster Ende des 18. Jahrhunderts vergrößert Das Fugennetz mit Hieblagen und Kellerstrich ist original romanisch. Zwei mittelalterliche Portale wurden vermauert. Südseitig befindet sich ein romanisches, gestuftes Rundbogenportal mit profiliertem KämpferGesims. Im Tympanon befinden sich bemerkenswerte Wandmalereien vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Sie stellt die Mantelspende des heiligen Martin mit einem Kopf aus den Wolken (Stimme Jesu), sowie eine weitere Szene aus dem Leben des heiligen Martin (Engel mit Stab und am Boden Liegendem) dar. An der Bogenlaibung ist das Lamm Christi und die vier Evangelisten dargestellt. Das Portal an der Nordseite ist rechteckig.
Der vorgestellte Ostturm wird von einem Pyramidenhelm mit monolithen Spolien bekrönt. Von einem eckig-unprofilierten romanischen Rundbogenfries, etwa aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sind an der Fassade seitlich die Ausrissspuren der ehemaligen romanischen Rundapsis (mit Quadrantenwölbung) sichtbar. Im Westen befindet sich ein eingezogener quadratischer Chor aus der Zeit von 1796 bis 1798. Er wird von einem seichten Walmdach bedeckt. Südlich schließt am Chor ein eingeschoßiger Sakristeianbau aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an.
Kircheninneres mini|Kircheninneres Die Kirche besteht aus einem vierjochigen Saallanghaus aus den Jahren 1796 bis 1798 mit einem queroblongen (rechteckig mit längerer Seite im rechten Winkel zur Hauptachse) Platzlgewölbe mit auf quadratischen Wandpfeilern ruhenden Schildbögen und Gurten. Auf der Ostseite befindet sich eine vorgezogene Orgelempore, die auf zwei Säulen ruht. Der Tympanon ist rundbogig. Im eingezogenen, einjochigen quadratischen Chor ist Platzlgewölbe. Auch das Turmerdgeschoß ist platzlgewölbt. Die Glasmalereien sind figural und stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
Ausstattung Der Hochaltar ist ein flaches barockes Säulenretabel vom Anfang des 18. Jahrhunderts mit vorgezogenen gedrehten Säulen, die 1776 aus Wiener Neustadt hierher übertragen wurden. Das neogotische Altarbild zeigt den heiligen Martin. Es wurde nach einer Vorlage von Anton van Dyck von Edmund Pölz im Jahr 1894 gemalt. Im barocken Oberbild ist die Heiligste Dreifaltigkeit dargestellt. Seitlich stehen auf Konsolen barocke Statuen der Heiligen Petrus und Paulus. Die Figuren wurden Ende des 18. Jahrhunderts geschaffen.
Der rechte Seitenaltar ist schlicht ausgeführt. Das Altarbild zeigt „Madonna mit Kind“ nach Perugino mit einer Darstellung von Schloss Brunn. Gemalt wurde es von Anton Reisacker im Jahr 1862.
Die Kanzel stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Auf dem Schalldeckel steht eine Statuette des „Guten Hirten“, ebenfalls vom Ende des 18. Jahrhunderts.
In der Kirche stehen weitere Statuen der Heiligen Nikolaus und Augustinus, Sebastian, Rochus und Antonius – alle aus dem 18. Jahrhundert. Die Kreuzwegbilder wurden 1892 nach Josef Führich gemalt.Peter Aichinger-Rosenberger (u. a.): Niederösterreich südlich der Donau. Band 1: A bis L. Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, topographisches Denkmälerinventar. Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-364-X, S. 124.
Die Orgel baute Herbert Gollini (1986). orgelmusik.at/Martin Macheiner
Glocken Eine Glocke wurde 1695 von Franz Zehenter gegossen, eine weitere 1748 von Jakob Montell. Weitere Glocken sind aus den Jahren 1978 und 1983.
Literatur Erwin Reidinger: Die romanische Pfarrkirche zum hl. Martin in Bad Fischau. Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, 4/1999, 306–314. Peter Aichinger-Rosenberger (u. a.): Niederösterreich südlich der Donau. Band 1: A bis L. Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, topographisches Denkmälerinventar. Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-364-X, S. 123–124.
Weblinks
Webpräsenz der Pfarre Bad Fischau-Brunn
Einzelnachweise
Kategorie:Martin-von-Tours-Kirche (Patrozinium) Kategorie:Pfarrkirche in der Erzdiözese Wien Kategorie:Dekanat Wiener Neustadt Kategorie:Kirchengebäude in Niederösterreich Pfarrkirche Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Niederösterreich Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Niederösterreich Kategorie:Erbaut in den 1790er Jahren Kategorie:Baudenkmal (Niederösterreich)