mini|hochkant=1.1|Kompaktkassette von Philips, Produktionsdatum um 1970 Die Kompaktkassette (, CC), Musikkassette (, MC), Audiokassette oder Magnetkassette (, englisch auch kurz oder ) ist ein Tonträger zur elektromagnetischen, analogen Aufzeichnung und Wiedergabe von Tonsignalen. Sie enthält ein Tonband, das zur einfacheren Handhabung und zum Schutz in einem Kunststoffgehäuse eingeschlossen ist.

Allgemeines Das Abspielen und Aufnehmen von Kassetten erfolgt mit einem Kassettenrekorder. In der Zeit von den frühen 1970er bis in die späten 1990er Jahre war die Kompaktkassette eines der meistgenutzten Audio-Medien neben der Schallplatte und später der Compact Disc.Eric D. Daniel, C. Dennis Mee, Mark H. Clark: Magnetic Recording: The First 100 Years. The Institute of Electrical and Electronics Engineers, 1999, ISBN 0-7803-4709-9 Die ursprünglich eher mäßige Tonqualität wurde im Laufe der Jahre durch Verbesserungen des Bandmaterials und technische Neuerungen wie die Dolby-Rauschunterdrückungssysteme auf ein deutlich höheres Niveau gebracht.

Kassette und zugehöriger Rekorder wurden als System zur mobilen Musiknutzung von einem Entwicklerteam um den Ingenieur und Erfinder Lou Ottens beim niederländischen Unternehmen Philips konstruiert. Die Entwicklungsarbeiten begannen 1960, im August 1963 wurden Kassette und Gerät als vorgestellt. Die Kassette konkurrierte zunächst mit anderen Tonbandkassetten-Typen verschiedener Mitbewerber und setzte sich durch, der kompakte und robuste Tonträger erfreute sich jahrzehntelang großer Beliebtheit.Sebastian M. Krämer: SWR2 Wissen. Dossier zur Sendung vom 9. Dezember 2013 Heute hat die Kompaktkassette wegen des Siegeszuges der digitalen Audiotechnik, besonders des MP3-Formats, praktisch nur noch historische Bedeutung.

Seit 2014 feiert die Kassette ein kleines Comeback. So gab es den Soundtrack des Science-Fiction-Films Black Panther, Madame X von Madonna und auch das Album Late Night Feelings von Mark Ronson wieder als Kassette. Während zur Hochzeit Millionenauflagen umgesetzt wurden, sank der Absatz für das Geschäftsjahr 2012 in Großbritannien unter 4.000 Tonträger. Im Jahr 2023 wurden wieder 195.000 Verkäufe registriert, was prozentual gesehen einen enormen Zuwachs bedeutet, für den gesamten Markt im Audiobereich aber dennoch eine Randerscheinung darstellt. Auch leere Medien sind als Typ 1 (Ferro) in geringem Umfang wieder im Handel erhältlich.Kassetten sind so beliebt wie schon lange nicht mehr. gearnews.de

Aufbau und Funktionsweise

Kassettengehäuse

Die Kompaktkassette wiegt etwa 40 Gramm. Es gibt aber auch Sonderversionen mit dem doppelten Gewicht.

Die „Compact Cassette“ besteht aus einem flachen quaderförmigen Gehäuse, in dem unter anderem das Magnetband aus beschichtetem Kunststoff, mechanische Teile und kleine Filzbausche untergebracht sind. Das Gehäuse besteht bei den meisten Typen aus Kunststoff, sehr selten auch aus GFK, Aluminium, Messing oder Keramik. Zum Abtasten des Magnetbandes wird es an der mittleren Öffnung der Kassette an den Tonkopf des Abspielgerätes geführt. Bei Mono-Aufnahmen enthalten die Bänder zwei 1,5 mm breite Tonspuren, eine für jede Richtung. Mit Stereo-Aufnahmen bespielte Bänder enthalten vier 0,6 mm breite Tonspuren, zwei für jede Laufrichtung. Die Tonköpfe der Abspiel- und Aufnahmegeräte sind jeweils so ausgerichtet, dass sie nur die jeweils unteren zwei Spuren (Stereo) bzw. die jeweils untere Spur (Mono) des Bandes abtasten. Legt man eine Mono-Kassette in ein Stereo-Gerät ein, so tasten beide Tonabnehmer dasselbe Signal ab. Umgekehrt erfassen Mono-Tonköpfe die Summe der Signale beider Stereo-Spuren. Nach dem Umdrehen der Kassette wird wiederum die untere Hälfte des Bandes abgetastet.

Das Format einer (stehenden) Kassette ist 10,16 cm Länge × 6,35 cm Höhe × 1,27 cm Tiefe (an der dicksten Stelle) (4″ × ″ × ″).

Mechanik Im Gegensatz zu Spulentonbandgeräten ist ein Teil der Mechanik in die Kassette gewandert. So befinden sich Andruckfedern, Umlenkrollen und die gesamten Bandführung im Kassettengehäuse. Die sich weiter nicht in der Kassette befindlichen Köpfe und Antriebe werden und müssen durch Haltepunkte exakt gehalten werden.

Mechanik von (Auto-)Reverse-Kassettendecks Normalerweise muss die Kassette nach Abspielen einer Seite (was genauer gesagt eine Bandhälfte ist, nur eine Seite des Bandes ist magnetisierbar) gewendet werden.

Bei (Auto-)Reverse-Kassettendecks ist dies nicht notwendig, dort können beide Seiten einer Kassette abgespielt und teilweise auch aufgezeichnet werden. Geschieht der Seitenwechsel am Ende der Kassette automatisch (was meist der Fall ist), spricht man von Auto-Reverse. Wird das Ende des Bandes nicht durch Wickelblockade, sondern durch Erkennen des Vorspannbandes ausgelöst, spricht man von Quick-Auto-Reverse. Viele Decks erlauben neben dem einmaligen Wechsel zum Abspielen beider Seiten auch die kontinuierliche Wiedergabe und Aufnahme zur dauerhaften Wiedergabe oder Aufzeichnung.

Die Reverse-Funktion kann dabei auf unterschiedliche Weisen implementiert werden: Selten findet man, dass die gesamte Kassette gewendet wurde, wie z. B. beim Nakamichi RX 505 oder Akai GXC-65D Invert-O-Matic (Unidirectional Auto Reverse). Das Deck ist, bis auf den Wendemechanismus, sonst klassisch aufgebaut. Weitaus häufiger findet man einen um 180° drehbaren Aufnahme-Wiedergabe-Kombikopf zwischen jeweils zwei separaten Kapstan-Antrieben (von denen jeweils nur einer aktiv ist) und Löschköpfen (bei Decks mit Aufnahmefunktion). Bei dieser Variante werden die Löschköpfe neben der zentralen Öffnung für den Tonkopf durch die daneben liegenden beiden kleinen Öffnungen geführt, da beide äußere Öffnungen für die Kapstan-Antriebe genutzt werden. Das Laufwerk besitzt einen starren vierspurigen Tonkopf. Mit diesem werden beide Laufrichtungen (Spur 1 und 2 der einen Seite oder Spur 4 und 3 der anderen Seite) des Bandes abgetastet, ohne dass die Kassette oder der Tonkopf um 180° gedreht werden muss. Gleich wie Laufwerke mit drehbarem Aufnahme-Wiedergabe-Kombikopf besitzt ein solches Laufwerk zwei separate Kapstan-Antriebe. Aufgrund des begrenzten Platzes im Kopfbereich ist diese Variante in aller Regel aus reinen Abspielgeräten bekannt.

Magnetband Das Band ist 3,81 mm (″) breit und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 47,625 mm/s (″/s). Beim Kompaktkassetten-Laufwerk wird das über eine engtoleriert geschliffene und polierte Stahlwelle, die sogenannte Tonwelle (), erreicht, die in den Kassettenschacht ragt und mit einer ausgewuchteten, riemengetriebenen Schwungmasse versehen ist. Das Tonband wird mittels einer Gummi-Andruckrolle an die Tonwelle gedrückt, durch Kraftschluss transportiert und somit an den Tonköpfen vorbeigezogen. Die Umfangsgeschwindigkeit der Tonwelle ist, abzüglich Schlupf, die Bandgeschwindigkeit. Die Drehzahl der üblicherweise mit Rutschkupplungen versehenen Auf- und Abwickeldorne passt sich an diese Geschwindigkeit an. Wie bei der Schallplatte und den meisten Spulentonbändern aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik gibt es eine A- und eine B-Seite (Vorder- und Rückseite).

Die ersten kommerziellen (bespielten) Kassetten wurden 1965 verkauft, der Stereoton wurde 1967 eingeführt. Die Spielzeit richtet sich nach dem Inhalt der längeren Seite. Bei Leerkassetten ergibt sich die Bezeichnung der Kassetten aus der Spielzeit beider Seiten in Minuten; die am meisten verbreiteten Formate sind C60 (nominal 30 min Spielzeit pro Seite), C90 (45 min/Seite) und C120 (60 min/Seite). Daneben gibt es auch Leerkassetten mit 46, 50, 54, 74, 100 und 110 Minuten Spielzeit. Sehr selten sind überlange Kassetten mit 150 Minuten, kurzzeitig waren auch Kassetten mit 180 Minuten erhältlich – je länger die Spieldauer, desto dünner das Band und damit empfindlicher auf Zugbelastung, Selbstentmagnetisierung und Kopiereffekt. So ist das Band einer C60-Kassette üblicherweise 15 bis 17 µm dick. Bei C90 sind es 10 bis 12 µm und bei C120 nur noch 9 µm. In der Regel ist die tatsächliche Laufzeit 1 bis 3 Prozent länger als angegeben.

Aufnahmeschutz Kompaktkassetten lassen sich gegen versehentliches Überspielen (Löschen) der Aufzeichnung sichern. Eine offene Aussparung an der linken Seite der Oberkante (der den Bandöffnungen gegenüberliegende Seite) zeigt an, dass die betreffende Seite der Kassette geschützt ist. Das Schützen geschieht durch das Ausbrechen der jeweiligen Kunststofflippe. Kassettenrekorder verfügen über einen mechanischen Sensor, um diese Aussparung zu überprüfen. Eine derart geschützte Kassette lässt sich nur abspielen – nicht jedoch ohne Weiteres für neue Aufnahmen nutzen. Zum erneuten Bespielen muss die Aussparung überklebt werden oder der Aufnahmeabtaster manuell deaktiviert werden; bei manchen Rekordern lässt sich die Aufnahmetaste durch manuelles Betätigen des Sensors freigeben, noch ehe die Kassettenlade geschlossen wird. An unbespielt verkauften Kassetten ist die Aussparung durch eine herausbrechbare Zunge zunächst verdeckt. Einige – zumeist teure – Kassetten verfügen über ein verschiebbares Plättchen, sodass beliebig oft und ohne viel Aufwand zwischen „geschützt“ und „aufnahmefähig“ gewechselt werden kann.

mini|hochkant=0.9|Bandführung über Security Mechanism (SM)

Optionale Mechanik Um das Band zuverlässiger aufzuwickeln, erhielt Anfang der 1970er Jahre die BASF-Sparte Magnetband (ab 1998 EMTEC Magnetics) ein Patent auf den mit dem Kürzel SM beworbenen Special Mechanism bzw. Security Mechanism, der vorübergehend von Agfa unter Lizenz übernommen wurde. Dieses Merkmal umfasst je eine Schiene, um das Band auf die Spule zu führen und zu verhindern, dass ein unsauberer Wickel entsteht.

Die anderen Anbieter reagierten, indem weitere und näher an den Spulen angebrachte Umlenkstifte in der unteren Kunststoffgehäusehälfte eingesetzt wurden. Einige günstig gefertigte und vorbespielte Kompaktkassetten wurden ohne Umlenkrollen gefertigt; das Band wird direkt über die Kammer für den Capstanantrieb gezogen. Für den Andruck des Bandes an den Tonkopf sorgt dort ein dünnerer Filz auf einem eingeklebten Schaumstoffblock statt des üblichen Filzes auf einer Blattfeder.

Fotogalerie

Geschichte Vorläufer mini|Bis in die 1990er Jahre waren Kassettenrekorder als Kassettendeck (im Bild zuoberst) ein Standardbestandteil von Stereoanlagen Bereits vor der Einführung des Kassettenrecorders wurde 1935 von der AEG ein Tonbandgerät („Magnetophon“) vorgestellt, das auf derselben Technik beruhte, jedoch mit offenem Bandwickel arbeitete. Die Geräte waren vergleichsweise teuer und kompliziert zu bedienen, weshalb sie vor allem beim Hörfunk und in Tonstudios eingesetzt wurden. Für Privatanwender waren Tonbandgeräte zunächst wenig attraktiv und kamen erst ab den 1950er Jahren in Mode. Bei Preisen zwischen 700 und 1500 DM (was bezogen auf das Jahr 1955 heute inflationsbereinigt ca. bis EUR entspricht)Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 100 EUR gerundet und bezieht sich auf den zurückliegenden Monat Januar waren sie aber immer noch zu teuer für den Massenmarkt und wegen der verwendeten Elektronenröhren auch sehr voluminös gebaut. In den 1960er Jahren jedoch fielen die Preise, so dass Spulentonbandgeräte bald in vielen besser ausgestatteten Haushalten zu finden waren.

Entwicklung ab Ende 1950er Jahre Bereits Ende der 1950er Jahre gab es erste Versuche, kompakte Tonbandkassetten auf dem Markt zu etablieren. Die erste ernstzunehmende Tonbandkassette stellte 1958/59 die Radio Corporation of America (RCA) vor: eine Zweiloch-Kassette mit einem 6,3 mm breiten Band und einer Bandgeschwindigkeit von Zoll je Sekunde = 9,525 cm pro Sekunde, gerundet: 9,5 cm/s. Die RCA-Kassette war ungefähr dreimal so groß wie die Kompaktkassette und konnte sich im Heimtonbereich nicht durchsetzen.Friedrich Engel, Gerhard Kuper, Frank Bell: SECHSTES BAND: Musik von Kassetten. In: Zeitgeschichten. Magnetbandtechnik als Kulturträger. Ausgabe 2010, S. 428ff.