mini|264x264px|Mannschaftsfoto vor dem Freundschaftsspiel gegen Österreich in Wien im Jahr 2015 Die bosnisch-herzegowinische Nationalmannschaft ( Nogometna/Fudbalska reprezentacija Bosne i Hercegovine / Ногометна/Фудбалска Репрезентација Босне и Херцеговине) ist die offizielle Auswahl des nationalen Fußballverbandes von Bosnien und Herzegowina (N/FSBIH). Der N/FSBIH wurde 1908 zum ersten Mal gegründet. Der Verband ging 1919 im jugoslawischen Fußballverband auf und wurde 1992 wiedergegründet. Er gehört seit 1996 der FIFA und seit 1998 der UEFA an.

Geschichte Von 1905 bis zum Ersten Weltkrieg 1905 brachten bosnische Studenten aus Wien das Fußballspiel nach Bosnien-Herzegowina. Von der Stadt Mostar aus breitete sich der Fußballsport schnell in der gesamten Region aus und gewann an großer Beliebtheit. 1907 wurde ein Fußballspiel zwischen einer Mannschaft aus Split und einer aus Mostar ausgetragen, welches das erste Spiel einer bosnischen Mannschaft darstellt.

1908 wurde der erste bosnische Fußballverband gegründet. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs existierten in Bosnien-Herzegowina über 70 eingetragene Fußballvereine. Da viele Spieler in den Rängen der Österreich-Ungarischen Armee in den Krieg zogen, kam der Spielbetrieb zum Erliegen.

Königreich, Zweiter Weltkrieg und Jugoslawien Nach dem Ersten Weltkrieg spaltete sich Bosnien-Herzegowina von Österreich-Ungarn ab und trat dem neugegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen bei. Im Jahr darauf wurde der Jugoslawische Fußballverband (JFS) gegründet, der Bosnische Fußballverband ihm eingegliedert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Profifußball in Jugoslawien eingeführt. 1950 und 1954 wurden keine bosnischen Spieler für die jugoslawische Nationalmannschaft nominiert. Der bosnische Verband organisierte daraufhin eine eigene Auswahlmannschaft und richtete Freundschaftsspiele aus, unter anderem 1955 gegen China, wo man 6:0 gewann. Erst ab 1958 wurden häufiger bosnische Spieler in die jugoslawische Nationalmannschaft berufen, die behelfsmäßige bosnische Auswahlmannschaft wurde obsolet.

1990 führte der Bosnier Ivica Osim die jugoslawische Nationalmannschaft bei der WM in Italien bis zum Viertelfinale, bei der man erst im Elfmeterschießen gegen Weltmeister Argentinien ausschied. Ivica Osim trat nach Ausbruch der Jugoslawienkriege von seinem Amt als Teamchef zurück; der (rest-)jugoslawischen Nationalmannschaft wurde kurz vor der EM in Schweden 1992 die Teilnahme verwehrt. Dies ermöglichte dem späteren Europameister Dänemark die Teilnahme am Wettbewerb.

Beim und nach dem Zerfall Jugoslawiens (1992–2001) Der bosnische Fußballverband wurde 1992 nach der Abspaltung von Jugoslawien neu gegründet und nahm mit einer B-Mannschaft am „Mediterran-Cup“ 1993 in Frankreich teil. Dort bestritt sie ihr erstes Spiel gegen Algerien, welches mit einem 1:1 endete. Ein anderes Spiel im selben Turnier verlor man mit 1:3 gegen Griechenland. Auch andere Freundschaftsspiele wurden ausgetragen, wie beispielsweise gegen Fortuna Düsseldorf im August 1993. Zu diesem Zeitpunkt war die Nationalmannschaft zwar mit namhaften, ehemaligen jugoslawischen Nationalspielern wie Safet Susic, Mehmed Bazdarevic, Davor Jozic, Blaz Sliskovic, Faruk Hadzibegic, Predrag Juric und anderen gespickt, welche sich allesamt jedoch bereits im Herbst ihrer Karrieren befanden, so dass die Wenigsten unter ihnen noch, nach der Aufnahme in die FIFA 1996, offizielle Einsätze in der Nationalmannschaft verbucht haben.

Im Jahre 1994 bemühte sich Bosnien-Herzegowina um den Eintritt in die FIFA. Doch bei der Konferenz in Chicago wurde wegen der politischen Lage gegen einen Beitritt gestimmt. Das erste Länderspiel bestritt die Nationalmannschaft daher erst 1995 gegen Albanien. Man reiste mit nur 12 Spielern an und spielte in ausgeliehener Ausrüstung. Das Spiel ging mit 0:2 verloren.

1996 wurde der Verband einen Tag vor der Weltmeisterschaftsqualifikation-Auslosung in die FIFA aufgenommen, wodurch er noch in den Lostopf gelangte. Die Gegner in der Qualifikationsgruppe lauteten Dänemark, Kroatien, Slowenien und Griechenland. Ihr erstes Pflichtspiel bestritten die Bosnier im Rahmen der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1998 am 1. September 1996 gegen Griechenland (0:3). Der erste Sieg in einem offiziellen Länderspiel gelang am 6. November 1996 in einem Freundschaftsspiel gegen Italien (2:1) im Asim-Ferhatović-Hase-Stadion. In diesem Spiel fiel auch das erste Länderspieltor für Bosnien-Herzegowina durch den damals 19-jährigen Hasan Salihamidžić. Nur vier Tage später gab es beim 2:1 in Ljubljana gegen Slowenien auch den ersten Pflichtspielsieg.

Die FIFA wollte, dass Bosnien-Herzegowina seine Heimspiele aus Sicherheitsgründen in Bologna (Italien) austrägt. Das erste Spiel gegen Kroatien fand auch auf italienischem Boden statt, doch nach Verbandsprotesten nahm die FIFA ihre Forderungen zurück. Bosnien-Herzegowina gewann dann in Sarajevo gegen Ex-Europameister Dänemark mit 3:0. Das erste Spiel auf einem anderen Kontinent fand am 18. Dezember 1996 in Manaus (Brasilien) statt, wo man gegen Brasilien mit 0:1 verlor.

1997 nahm die Mannschaft aus Bosnien-Herzegowina in Malaysia am Dunhill-Cup teil, bei welchem sie den zweiten Platz erreichte. 1998 bestritt man ein Freundschaftsspiel gegen ein FIFA-All-Star-Team in Sarajevo (0:1). Anlass hierfür waren einerseits der UEFA-Beitritt und andererseits der 90. Geburtstag des bosnischen Fußballverbandes. 2001 fanden drei Turniere mit bosnischer Beteiligung in Indien, Malaysia und Iran statt. Das Turnier in Indien wurde gewonnen. Beim Turnier in Malaysia traf man im Finale auf die Bundesrepublik Jugoslawien und verlor. In Iran aber wurde die Bundesrepublik Jugoslawien im Halbfinale geschlagen, das Finale gegen Iran wurde aber verloren.

Jüngere Geschichte (2001–heute) Bosnien und Herzegowina war in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 erstmals knapp davor, sich für ein großes Turnier zu qualifizieren: Man besiegte Norwegen und Luxemburg mit 1:0 bzw. 2:0, auch Dänemark konnte in Kopenhagen mit 2:0 geschlagen werden. Erst am letzten Spieltag wurde das Ziel verpasst: Gegen Dänemark hätte ein Sieg sogar den Gruppensieg gebracht; das 1:1 reichte nicht einmal für die Play-offs.

Erneut stärker als erwartet spielte Bosnien und Herzegowina in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006. Unter anderem spielte die Auswahl zweimal Unentschieden gegen das stärker eingeschätzte Spanien und landete am Ende unter anderem vor Belgien. Wiederum verfehlte das Team am letzten Spieltag bei der 0:1-Niederlage gegen Serbien-Montenegro die Qualifikation.

Viele Spieler waren der Meinung, dass bei der Nominierung weniger Wert auf die spielerischen Fähigkeiten als auf die Nationalität gelegt wurden und dass sich der Vorstand zu sehr in die Angelegenheiten des Trainers einmischte. Dies führte dazu, dass viele der Hauptkräfte die Nationalmannschaft boykottieren. Insgesamt boykottierten 2007 anfangs 13 Spieler die bosnische Nationalmannschaft. Erst wenn das komplette Vorstandsdreiergespann des bosnischen Verbandes entlassen würde und die Spieler nach Fähigkeiten nominiert würden, wollten diese Spieler wieder zurückkehren. Der Boykott bröckelte allerdings vor den zwei Qualifikationsspielen im März 2007 etwas, so dass 8 von 13 Spielern überredet werden konnten, wieder für ihre Nation aufzulaufen.

Der Trainer Meho Kodro, der sein Amt am 5. Januar 2008 antrat, weigerte sich, mit der Nationalmannschaft zum Freundschaftsspiel nach Iran zu reisen, weil der Fußballverband das zuvor geplante Spiel gegen Polen absagte. Als Grund für die Absage nannte der N/FSBIH, dass Albanien zufälligerweise schon ein Freundschaftsspiel mit Polen am selben Datum vereinbart hat. Der wahre Grund aber war, dass Iran dem Verband umgerechnet 100.000 Euro bot, wenn diese zu einem Freundschaftsspiel anreisen würden. Der Bosnische Fußballverband stimmte zu, doch Meho Kodro weigerte sich. Als er am 15. Mai 2008 die Liste der Spieler einreichen sollte, erschien er nicht zum Termin, und der Verband setzte ihn drei Tage später vor die Tür.

Daraufhin riefen viele Fangruppen, ehemalige bosnische Fußballspieler und Fußballprofis aus Bosnien die Organisation „Spasimo bh fudbal“ (Retten wir den bosnischen Fußball) aus. Als am 1. Juni 2008 die bosnische Fußballnationalmannschaft in Zenica gegen Aserbaidschan spielte, erschienen so gut wie keine Zuschauer. Stattdessen war das Stadion in Sarajevo ausverkauft, in dem ein Freundschaftsspiel stattfand. Dieses Freundschaftsspiel hatte einen humanitären Charakter und die beiden Mannschaften hießen „Kodro and friends“ und „Bolic and friends“.

Bei der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika scheiterte die bosnisch-herzegowinische Fußballnationalmannschaft knapp an einer WM-Teilnahme. Während das erste Gruppenspiel gegen Spanien auswärts nur mit 0:1 verloren wurde, gewann die Mannschaft das zweite Spiel gegen Estland mit einer überragenden Leistung mit 7:0. Gegen die Türkei verlor die Auswahl wiederum knapp mit 1:2, schlug im Heimspiel jedoch Armenien. Mit einem 4:2 gegen Belgien in Genk wahrte die Mannschaft ihre Chance für eine Teilnahme an der WM 2010. Bosnien-Herzegowina gewann dank dreier Tore gegen Ende des Spiels. Dieses Spiel wurde zwischenzeitlich abgebrochen, da bosnische Fans (Angehörige der Gruppe „BHFanaticos“) Leuchtraketen auf das Spielfeld warfen. Zuhause in Zenica fand das Rückspiel gegen Belgien statt, das 2:1 gewonnen wurde. Der Stürmer Edin Džeko erzielte für Bosnien-Herzegowina zwei Tore in der ersten Halbzeit, Belgien gelang in der 88. Minute der Anschlusstreffer. Armenien wurde ein zweites Mal besiegt, gegen die Türkei erzielte die Auswahl ein 1:1, und Estland bezwang man ebenfalls. Beim letzten Gruppenspiel in Zenica gegen Europameister Spanien unterlag Bosnien mit 2:5. Mit 19 Punkten kam Bosnien schließlich in die Play-offs, bei der die portugiesische Nationalmannschaft der Gegner war. Das Hinspiel in Portugal endete 1:0 für Portugal. Da das Rückspiel in Zenica ebenfalls 1:0 für Portugal ausging, gelang es Bosnien-Herzegowina nicht, sich für die Weltmeisterschaft in Südafrika zu qualifizieren. Edin Džeko wurde zusammen mit Wayne Rooney nach Theofanis Gekas zweitbester europäischer Torschütze der WM-Qualifikation.