mini|Nino Haratischwili (2018) Nino Haratischwili (; * 8. Juni 1983 in Tiflis, Georgische SSR, Sowjetunion) ist eine georgisch-deutsche Theaterregisseurin, Dramatikerin und Romanautorin.
Leben Nino Haratischwili wuchs in Tiflis auf; Ausnahme waren die Jahre 1995 bis 1997. In dieser Zeit lebte sie in Deutschland, weil ihre Mutter mit ihr vor dem Bürgerkrieg in Georgien geflohen war und in einem Dorf bei Lübbecke Arbeit gefunden hatte.Kathrin Kramer: Die Zweitsprache hat ihre eigenen Reize – BZ-Porträt: Die Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili. In: Badische Zeitung, 2. Dezember 2015. Im Alter von 14 Jahren ging sie allein nach Georgien zurück.Zeit des Exils: Interview mit Nino Haratischwili (2021) Interview mit Melanie von Bismarck. YouTube-Kanal der Körber-Stiftung (ab Min. 5:35). In ihrer Geburtsstadt besuchte sie eine Schule mit erweitertem Deutschunterricht.Christiane Pöhlmann: Lesung. Die Sicht auf ein Jahrhundert. Am Wochenende las Nino Haratischwili im Museum Europäischer Kulturen in Berlin aus ihrem neuen, heute erscheinenden Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“. In: Die Tageszeitung, 26. August 2014. Als Jugendliche gründete sie das „Fliedertheater“, eine deutsch-georgische Theatergruppe, für die sie von 1998 bis 2003 regelmäßig Stücke schrieb und inszenierte. Nach einem Studium der Filmregie an der staatlichen Schule für Film und Theater in Tiflis studierte Haratischwili von 2003 bis 2007 Theaterregie an der Theaterakademie Hamburg.
Als Regisseurin zeichnet Nino Haratischwili für zahlreiche Uraufführungen verantwortlich, u. a. am Deutschen Theater Göttingen, auf Kampnagel Hamburg und am Thalia Theater. Ihre dramatischen Texte wurden mehrfach ausgezeichnet.
Mit ihrem Romandebüt Juja (2010) stand Haratischwili auf der Longlist des Deutschen Buchpreises sowie der Shortlist des ZDF-aspekte-Literaturpreises. Ihr zweiter Roman Mein sanfter Zwilling (2011) wurde mit dem Preis der Hotlist der unabhängigen Verlage ausgezeichnet. 2014 erschien Nino Haratischwilis dritter Roman Das achte Leben (Für Brilka), für den sie ein Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung für Recherchen in Russland und Georgien erhielt. 2018 gelangte sie mit ihrem Roman Die Katze und der General auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Für Arte drehte sie anlässlich der Frankfurter Buchmesse – Gastland war Georgien – die 52-minütige NDR-Fernseh-Dokumentation Georgien erzählt: Streifzüge mit Nino Haratischwili mit Regisseurin Eva Gerberding., arte.tv (nur Text)
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 forderte sie die westliche Staatengemeinschaft auf, die angegriffenen Ukrainer zu unterstützen. Sie wandte sich allerdings gegen den Boykott russischer Kultur sowie russischer Künstler, die nicht das Regime Putins unterstützen."In diesem Krieg kann man keinen Mittelweg wählen", sueddeutsche.de, 8. Oktober 2023. Mit dem Essay- und Redenband Europa, wach auf! Texte und Reden (2025) legte sie eine Sammlung von 15 zwischen 2013 und 2025 entstandenen Texten vor, welche das Verhältnis zwischen Ost und West nach dem Ende der Sowjetunion, die russische Aggression sowie die Rolle von Sprache und Kunst widerspiegeln; der Titel geht auf einen 2024 in der FAZ veröffentlichten Essay zurück.
2024 inszenierte Haratischwili am Deutschen Theater Berlin Penthesilea in einer zweisprachigen Inszenierung.
Nino Haratischwili lebt als Autorin und Regisseurin in Berlin.
Auszeichnungen und Förderpreise 2008: AutorenPreis des Heidelberger Stückemarkts (mit Philipp Löhle) für Liv Stein 2008: Rolf-Mares-Preis für Agonie im Lichthof Theater Hamburg 2010: Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises 2011: Debütpreis des Buddenbrookhauses für ihren Roman Juja 2011: Hotlist – Buchpreis der unabhängigen Verlage für ihren Roman Mein sanfter Zwilling 2011: Kranichsteiner Literaturförderpreis 2012: Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung für ihren Roman Das achte Leben (Für Brilka) 2015: Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2015: Anna Seghers-Preis, abgerufen am 4. September 2015.
2017: Hertha Koenig-Literaturpreis 2017: Stipendium zum Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg 2018: Bertolt-Brecht-Literaturpreis für ihre Theaterstücke und den Roman Das achte Leben (Für Brilka)Brecht-Preis für Nino Haratischwili, boersenblatt.net, 9. Februar 2018, abgerufen am 10. Februar 2018 2018: Nominiert (Shortlist) für den Deutschen Buchpreis für Die Katze und der General 2018: Saba-Preis (Georgien) 2019: Schiller-GedächtnispreisSchiller-Gedächtnis-Preis 2019: Nino Haratischwili ausgezeichnet, Börsenblatt vom 16. August 2019, abgerufen selbigen Datums 2021: Mülheimer KinderStückePreis für Löwenherzen, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 22. Mai 2021 (auch Preis der Jugend-Jury) 2023: Carl-Zuckmayer-Medaillehttps://www.rlp.de/service/pressemitteilungen/detail/broschuere-zur-verleihung-der-carl-zuckmayer-medaille-an-nino-haratischwili-veroeffentlicht. 2023/24: Stadtschreiberin von Bergen
Veröffentlichungen Der Cousin und Bekina. Katzengraben-Presse, Berlin 2001, ISBN 3-910178-36-7. Georgia/Liv Stein. Zwei Stücke. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-88661-318-2. Juja. Roman. Verbrecher-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-940426-48-2. Mein sanfter Zwilling. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-627-00175-9. Zorn/Radio Universe. Zwei Stücke. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-88661-342-7. Das achte Leben (Für Brilka). Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 2014, ISBN 978-3-627-00208-4. Kokoro. In: Manana Tandaschwili: Zwischen Orient und Okzident. Theaterstücke aus Georgien, Theater der Zeit, Berlin 2015, S. 175ff., ISBN 978-3-95749-061-2. Herbst der Untertanen. Drei Stücke. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-88661-373-1. Die Katze und der General. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 2018, ISBN 978-3-627-00254-1. Beitrag in: Ralph Schock (Hrsg.): Nach Kolchis. Faszination Georgien – Reiseimpressionen, Verbrecher Verlag 2021, ISBN 978-3-95732-399-6. Das mangelnde Licht. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 2022, ISBN 978-3-627-00293-0.Andrea Pollmeier: Nino Haratischwili „Das mangelnde Licht“: Erinnerungen, mit denen keine intakte Gegenwart möglich ist, fr.de, 25. März 2022, abgerufen am 26. März 2022. Phädra, in Flammen. Theaterstück. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-88661-416-5 Penthesilea. Ein Requiem. Theaterstück. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-88661-422-6 Europa, wach auf! Texte und Reden. Essay- und Redenband. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2025, 192 Seiten.
Theaterstücke 2006: Z, UA, selbst inszeniert im Thalia in der Gaußstraße Hamburg (mit Nadine Nollau und Jacob Weigert) auf der Website des Schauspielers Jacob Weigert. 2006: Drei Sekunden, UA, selbst inszeniert, Werkstatttage am Burgtheater Wien 2007: Mein und dein Herz. Medeia, UA, selbst inszeniert auf Kampnagel Hamburg (mit Saskia Boden, Gunther Eckes, Nina Sarita Müller, Lucia Peraza Rios, Oliver Törner) 2007: Le petit Maitre, UA, Regie: Jette Steckel, Staatstheater Kassel 2007: Agonie, UA, selbst inszeniert im Lichthof Theater Hamburg (mit Ralph Fellows, Thomas Klees, Alisa Levin, Hans Machowiak, Nadine Nollau, Jacob Weigert) 2007: Georgia, UA: Lichthof-Theater, Hamburg, 21. September 2007. Regie: Nino Haratischwili 2008: Müde Menschen in einem Raum, UA, selbst inszeniert im Lichthof Theater Hamburg (mit Friederike Brühheim, Susanne Pollmeier, Gabriel Rodriguez-Silvero, Theresa Rose, Oliver Törner und Renée Zalusky) 2008: SELMA, 13 UA, Regie: Nina Mattenklotz 2009: Liv Stein, UA, selbst inszeniert im Theater der Stadt Heidelberg (mit Ronald Funke, Helene Grass, Simone Mende, Antonia Mohr, Monika Wiedemer) 2009: Algier, UA, selbst inszeniert im Lichthof Theater Hamburg (mit Solveig Krebs, Alisa Levin, Daniela Merz, Jacob Weigert, Vitus Wieser) auf der Website des Schauspielers Jacob Weigert. 2009: Selma, 13, UA: Junges Schauspielhaus Hamburg, 31. März 2012. Regie: Anne Bader 2009: Die zweite Frau, UA: monsun theater, Hamburg, 9. Oktober 2009. Regie: Nina Pichler 2010: Atmen, monsun.theater Hamburg, Regie: Nina Pichler (u. a. mit Vanessa Czapla) 2010: Le petit maître, selbst inszeniert in der Badischen Landesbühne Bruchsal (mit Evelyn Nagel, Alice Katharina Schmidt, Jörg Watolla, Mareike Dick, Markus Hennes, Caroline Elsner) 2010: ZORN, UA, Regie Felix Rothenhäusler, DT Göttingen 2010: Radio Universe, UA, inszeniert von Nina Mattenklotz auf Kampnagel Hamburg (mit Phillip Engelhardt, Yuri Englert, Britta Firmer, Vincent Heppner, Zoe Hutmacher, Susanne Pollmeier) bei Kampnagel.Klaus Witzeling: Nino Haratischwilis: Die ungeduldige Dramatikerin. In: „Hamburger Abendblatt“ vom 3. April 2010. 2010: Das Jahr von meinem schlimmsten Glück, UA, selbst inszeniert im Lichthof Theater Hamburg (mit Nino Burduli, Lisa Grosche, Solveig Krebs, Susanne Pollmeier, Verena Reichhardt und Anja Topf)Das Jahr von meinem schlimmsten Glück beim Lichthof Theater Hamburg. (Abgerufen am 29. Februar 2012) 2011: Das Leben der Fische, UA, selbst inszeniert, DT Goettingen (mit Angelika Fornell, Andreas Jeßling, Marie-Isabel Walke, Karl Miller) 2012: Wir ohne uns, UA: Junges Schauspielhaus Hamburg, 31. März 2012. Regie: Anne Bader 2012: Elektras Krieg, UA: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 9. September 2012. Regie: Klaus Schumacher 2012: Kokoro, UA: Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, 19. Mai 2012. Regie: Nino Haratischwili 2014: Herbst der Untertanen, UA: LICHTHOF Theater Hamburg, 11. April 2014. Regie: Nino Haratischwili 2014: Land der ersten Dinge, UA: Deutsches Theater Berlin, 14. November 2014, abgerufen am 6. Dezember 2014., entstanden für das Projekt The Art of Ageing der European Theatre Convention, Koproduktion des Slowakischen Nationaltheater in Bratislava und des Deutschen Theaters BerlinMounia Meiborg: Dieser Stoff ist unser Leben. Nino Haratischwilis "Land der ersten Dinge" in Berlin., in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 280, 5. Dezember 2014, , S. 12. 2016: Schönheit, UA: Oldenburgisches Staatstheater, 7. Oktober 2016. Regie: Isabel Osthues 2017: Die Nacht aus Papier, UA: Deutsches Theater Berlin, 21. Januar 2017. Regie: Jette Steckel. Entstanden für das Projekt 10 Gebote am Deutschen Theater Berlin, zum sechsten Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“. 2017: Die Barbaren, UA: Burgtheater Wien, 27. Januar 2017. Regie: Barbara Frey 2021: Löwenherzen, UA: Consol Theater Gelsenkirchen, 17. Januar 2021. Regie: Andrea Kramer 2023: Phädra, in Flammen, UA: Berliner Ensemble/Ruhrfestspiele Recklinghausen, 25. Mai 2023. Regie: Nanouk Leopold 2024: Penthesilea. Ein Requiem, UA: Deutsches Theater Berlin, 23. Februar 2024. Regie: Nino Haratischwili 2025: Kein Schicksal, Klytämnestra, UA: Schauspiel Leipzig, 24. April 2025. Regie: Enrico Lübbe
Übersetzungen Lascha Bugadse: Der Literaturexpress. Frankfurter Verlagsgesellschaft, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-627-00223-7.
Weblinks
Lebenslauf von Nino Haratischwili beim Verlag der Autoren
Autorenseite bei der Frankfurter Verlagsanstalt WDR 3 (Westdeutscher Rundfunk) Mosaik. Gespräch am Samstag vom 13. Oktober 2018 "In diesem Krieg kann man keinen Mittelweg wählen", Interview in der Süddeutschen Zeitung, 9. Oktober 2023.
Einzelnachweise, Fußnoten
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Autor Kategorie:Drama Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Träger des Förderpreises zum Adelbert-von-Chamisso-Preis Kategorie:Georgischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Kategorie:Deutscher Kategorie:Georgier Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1983 Kategorie:Frau