Der Kreis Zwickau-Land war ein Landkreis im Bezirk Karl-Marx-Stadt der DDR. Von 1990 bis 1994 bestand er als Landkreis Zwickau im Freistaat Sachsen fort. Sein Gebiet liegt heute im 2008 neugebildeten Landkreis Zwickau in Sachsen. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Zwickau.
Geographie Lage Der Kreis Zwickau-Land lag in Westsachsen und umschloss kragenförmig die kreisfreie Stadt Zwickau. Er wurde von der Zwickauer Mulde durchflossen.
Nachbarkreise Der Kreis Zwickau-Land grenzte im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Stollberg, Aue, Auerbach, Reichenbach und Werdau sowie an den Stadtkreis Zwickau.
Landschaft Der nördliche Teil des Kreises lag im Mittelgebirgsvorland, das hier vom Erzgebirgischen Becken eingenommen wurde. Es ist eine nur schwach wellige durchschnittlich 300 m hoch gelegene Landschaft, die nur selten mit kleinen Waldbeständen bedeckt ist. Dieses Bild ändert sich jedoch südlich von Wilkau-Haßlau, wo sich die ersten Höhen des Vogtlandes und des Westerzgebirges ankündigen. Die Landschaft wird bewegter und damit auch abwechslungsreicher. Laub- und Nadelwälder und ein allmählicher Anstieg auf 400 m Höhe prägen diese Region. Von Süden nach Norden durchfließt in vielen Windungen die Zwickauer Mulde das Kreisgebiet. In ihrem Tal häufen sich die Siedlungen, und auch die alten Verkehrswege verlaufen hier. In der Nähe von Ebersbrunn entspringt die Pleiße, die allerdings schon westlich von Zwickau den Kreis verlässt.
Geschichte Bereits 1874 war im Königreich Sachsen die Amtshauptmannschaft Zwickau eingerichtet worden, die 1939 in Landkreis Zwickau umbenannt wurde. Der Landkreis Zwickau gehörte nach 1945 zum Land Sachsen und somit seit 1949 zur DDR.
Am 25. Juli 1952 kam es in der DDR zu einer umfassenden Kreisreform, bei der unter anderem die Länder ihre Bedeutung verloren und neue Bezirke gegründet wurden. Teile des Landkreises Zwickau fielen an die neuen Kreise Auerbach, Reichenbach, Schmölln, Stollberg und Werdau. Aus dem verbleibenden Kreisgebiet wurde zusammen mit einem Teil des alten Landkreises Glauchau der neue Kreis Zwickau-Land gebildet. Er wurde dem Bezirk Karl-Marx-Stadt zugeordnet, Kreissitz wurde die Stadt Zwickau. Am 4. Dezember 1952 wurde die neue Kreiseinteilung noch einmal korrigiert. Letztlich resultierten hieraus die folgenden Gebietsänderungen:
Der alte Landkreis Zwickau gab folgende Gemeinden ab: Auerbach, Niederhohndorf und Pöhlau an den Stadtkreis Zwickau Wildbach an den Kreis Aue Neumark, Reuth und Schönbach an den Kreis Reichenbach: Erlbach, Lugau, Neuwürschnitz, Niederwürschnitz, Oelsnitz i. Erzgeb. und Raum an den Kreis Stollberg Beiersdorf, Blankenhain, Crimmitschau, Dänkritz, Gospersgrün, Hartmannsdorf b. Werdau, Königswalde, Langenbernsdorf, Langenhessen, Langenreinsdorf, Lauenhain, Lauterbach, Leubnitz, Neukirchen a. d. Pleiße, Niederalbertsdorf, Oberalbertsdorf, Ruppertsgrün, Seelingstädt, Steinpleis, Trünzig, Werdau und Zwirtzschen an den Kreis Werdau
Der neue Kreis Zwickau-Land wurde gebildet aus den 45 Gemeinden Auerbach b. Zwickau, Bärenwalde, Burkersdorf, Cainsdorf, Crossen, Culitzsch, Cunersdorf, Ebersbrunn, Friedrichsgrün, Giegengrün, Härtensdorf, Hartenstein (Stadt), Hartmannsdorf bei Kirchberg, Hirschfeld, Kirchberg (Stadt), Langenbach, Lauterhofen, Leutersbach, Lichtenau, Lichtentanne, Mosel, Niedercrinitz, Niederhohndorf, Obercrinitz, Oberrothenbach, Ortmannsdorf, Pöhlau, Reinsdorf, Rottmannsdorf, Saupersdorf, Schneppendorf, Schönau, Schönfels, Silberstraße, Stangengrün, Stenn, Thierfeld, Vielau, Weißbach, Wiesen, Wiesenburg, Wildenfels (Stadt), Wilkau-Haßlau (Stadt), Wolfersgrün und Zschocken aus dem alten Landkreis Zwickau sowie den sieben Gemeinden Mülsen St. Micheln, Mülsen St. Jacob, Mülsen St. Niclas, Niedermülsen, Stangendorf, Thurm und Wulm aus dem alten Landkreis Glauchau.
Durch Gemeindegebietsveränderungen und Umgliederungen sank die Zahl der Gemeinden bis zur ersten Kreisgebietsreform in Sachsen im August 1994 auf 39: 1. Januar 1956 Umgliederung von Lichtenau in den Kreis Aue 17. September 1961 Eingliederung von Wiesen in Wiesenburg 1. Januar 1970 Eingliederung von Lauterhofen in Obercrinitz 1. Januar 1972 Eingliederung von Giegengrün in Leutersbach 1. August 1973 Eingliederung von Burkersdorf in die Stadt Kirchberg 1. Januar 1974 Eingliederung von Schönau in Wiesenburg 1. Juli 1993 Eingliederung von Hartmannsdorf b. Werdau in die kreisfreie Stadt Zwickau 1. Januar 1994 Eingliederung von Schneppendorf in Crossen 1. Januar 1994 Eingliederung von Thierfeld in die Stadt Hartenstein 1. Januar 1994 Zusammenschluss von Bärenwalde und Obercrinitz zur Gemeinde Crinitzberg
Am 17. Mai 1990 wurde der Kreis Zwickau-Land in Landkreis Zwickau umbenannt.Durch Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990, im Gesetzblatt der DDR 1990, Band I, S. 255, Online (PDF). Anlässlich der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde der Landkreis im Oktober 1990 dem wiedergegründeten Land Sachsen zugesprochen. Bei der ersten sächsischen Kreisreform ging er am 1. August 1994 im neuen Landkreis Zwickauer Land auf.
Einwohnerentwicklung
Kreis Zwickau-Land Jahr 1960 1971 1981 1989 Einwohner 109.079 98.290 87.538 80.225
Wirtschaft Die Nähe der Großstadt bewirkte, dass sich die Industriebetriebe vorwiegend in Zwickau angesiedelt hatten. Im Landkreis lagen Wohngemeinden, aus denen täglich die Pendler in die Stadt strömten. Nennenswerte Industrien fand man nur in Wilkau-Haßlau (Kammgarnspinnereien, Süßwaren, Möbel) und in Kirchberg (Tuchindustrie). Besonders im Erzgebirgischen Becken wurde verstärkt Landwirtschaft betrieben. Im Kreisgebiet waren 10 bis 20 % der Berufstätigen in der Landwirtschaft, vor allem in den großen LPGs von Mülsen-Ortmannsdorf, Zschocken, Weißbach und Hartenstein, tätig. Wichtige Industriebetriebe waren: VEB Fahrzeugheizungen Kirchberg VEB Westsächsische Volltuchfabrik Kirchberg VEB Signaltechnik Wildenfels VEB Süßwarenfabrik Wesa Wilkau-Haßlau VEB Synthetex Lichtentanne die Erzaufbereitungsanlage der SDAG Wismut in Crossen.
Verkehr Durch die Autobahn Plauen–Karl-Marx-Stadt war der Kreis an das Autobahnnetz der DDR angeschlossen. Dem überregionalen Straßenverkehr dienten außerdem die F 93 von Altenburg über Zwickau nach Schneeberg, die F 173 von Plauen über Zwickau nach Karl-Marx-Stadt und die F 175 von Zwickau nach Werdau. Das Kreisgebiet wurde durch die Eisenbahnstrecken Dresden–Zwickau–Werdau, Zwickau–Schwarzenberg und Zwickau–Falkenstein erschlossen.
Bevölkerungsdaten
Bevölkerungsübersicht aller 43 Gemeinden des Kreises, die 1990 in das wiedergegründete Land Sachsen kamen.Regionalregister Sachsen AGS Gemeinde Einwohner Fläche (ha) 3. Oktober 1990 31. Dezember 1990 14058010 Bärenwalde 1 028 1 031 764 14058030 Cainsdorf 2 580 2 570 305 14058040 Crossen 1 714 1 699 462 14058050 Culitzsch 838 822 408 14058060 Cunersdorf 546 543 378 14058070 Ebersbrunn 1 582 1 583 934 14058080 Friedrichsgrün 1 470 1 449 92 14058100 Härtensdorf 741 736 608 14058110 Hartenstein, Stadt 2 745 2 737 1 278 14058120 Hartmannsdorf bei Kirchberg 1 199 1 202 2 445 14058130 Hirschfeld 805 791 1 429 14058140 Kirchberg, Stadt 8 755 8 696 918 14058150 Langenbach 1 886 1 878 1 160 14058170 Leutersbach 549 542 626 14058180 Lichtentanne 3 374 3 354 652 14058190 Mosel 2 506 2 451 630 14058200 Mülsen St. Jacob 3 279 3 261 857 14058210 Mülsen St. Micheln 1 420 1 415 490 14058220 Mülsen St. Niclas 1 854 1 867 948 14058230 Niedercrinitz 532 534 478 14058240 Niedermülsen 407 409 542 14058250 Obercrinitz 1 178 1 183 1 117 14058260 Oberrothenbach 369 369 603 14058270 Ortmannsdorf 2 176 2 155 990 14058280 Reinsdorf 4 227 4 207 1 461 14058290 Rottmannsdorf 369 371 451 14058300 Saupersdorf 1 039 1 043 458 14058310 Schneppendorf 505 500 448 14058330 Schönfels 1 202 1 194 981 14058340 Silberstraße 989 984 289 14058350 Stangendorf 687 681 488 14058360 Stangengrün 624 638 1 168 14058370 Stenn 1 277 1 267 738 14058380 Thierfeld 930 926 763 14058390 Thurm 3 745 3 737 565 14058400 Vielau 2 563 2 554 564 14058410 Weißbach 1 301 1 304 1 089 14058420 Wiesenburg 1 720 1 719 1 177 14058430 Wildenfels, Stadt 1 858 1 852 273 14058440 Wilkau-Haßlau, Stadt 10 324 10 405 573 14058450 Wolfersgrün 447 448 682 14058460 Wulm 178 176 251 14058470 Zschocken 1 346 1 338 1 653 14058 Landkreis Zwickau 78 864 78 621 33 186
Kfz-Kennzeichen Den Kraftfahrzeugen (mit Ausnahme der Motorräder) und Anhängern wurden von etwa 1974 bis Ende 1990 dreibuchstabige Unterscheidungszeichen, die mit den Buchstabenpaaren TY, TZ und XY begannen, zugewiesen. Die letzte für Motorräder genutzte Kennzeichenserie war XK 73-01 bis XK 99-99.
Anfang 1991 erhielten der Landkreis und die kreisfreie Stadt Zwickau das Unterscheidungszeichen Z.
Einzelnachweise
ZwickauLand Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Landkreis Zwickau) Kategorie:Bezirk Karl-Marx-Stadt Zwickau Landkreis Zwickau