Montluçon ist eine französische Stadt in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Mit Einwohnern (Stand ) ist sie die größte Stadt im Département Allier. Montluçon ist Sitz der Unterpräfektur (sous-préfecture) des Arrondissements Montluçon sowie Sitz des Gemeindeverbands Montluçon Communauté.

Geografie Montluçon liegt im Zentrum Frankreichs an einer Flussbiegung des oberen Cher und ist Endpunkt des aufgelassenen Canal de Berry (Südabschnitt).

Nördlich von Montluçon liegt der 106 km² große Staatsforst Forêt de Tronçais. mini|Ortszentrum mit dem Château des Ducs de Bourbonmini|Fachwerkbau in der Altstadt

Geschichte Montluçon wuchs im Mittelalter beträchtlich. Die erste Erwähnung eines Orts namens Monte Lucii (Mont de Lucius, ) stammt aus dem 11. Jahrhundert. Guillaume, der Sohn Archambauds IV. von Bourbon, errichtete die Burg in einer verteidigungsfähigen Position auf einem kleinen felsigen Hügel an einer Biegung des Flusses Cher.

Die Stadt, die zum Herzogtum Bourbon gehörte, wurde 1171 von den Engländern und 1181 von Philipp II. eingenommen; die Engländer wurden im 14. Jahrhundert wieder vertrieben. Anschließend baute Ludwig II. von Bourbon die Burg und die Mauern wieder auf. Montluçon und andere bourbonische Ländereien fielen 1529 an die französische Krone zurück, und Heinrich IV. verbesserte die Verteidigungsanlagen weiter.Château de Bien Assis POP: Offene Plattform für Kulturgüter, 8. November 2021Château des Etourneaux POP: Offene Plattform für Kulturgüter, 16. April 2021 Montluçon versuchte, den Sitz der Diözese zu bekommen, doch konnte die Stadt nicht gegen Moulins konkurrieren, das den Bischofssitz erhielt. Immerhin wurde die Stadt nach der Französischen Revolution 1790 zum Verwaltungssitz des neu gegründeten Départements Allier.

Dank der 12 km entfernten Kohlegruben in Commentry, dem Anschluss an den Canal de Berry im Jahr 1837 und der Eisenbahn im Jahr 1846 und 1864 begann das Industriezeitalter mit seinen zahlreichen Arbeitsplätzen in der Schwerindustrie, so der von 1842 bis 1962 bestehenden Rüstungsbetriebe der Usines Saint-Jacques. Auch Material der SNCF, Eisentreppen, oder gegossene Balkonträger wurden produziert. Die Glasherstellung wurde mit der Verrerie Duchet und von 1868 bis 1932 mit Saint-Gobain ein wichtiger Industriezweig. Daneben konnten sich Betriebe der Chemie bis 1960 halten.

Die Stadt galt bald als das „Birmingham français“. Zu den Zuzügern aus der Region kamen Italiener und Polen hinzu. 1918 eröffnete Dunlop sein Werk, der sozialistische Bürgermeister Paul Constans hatte erfolgreich für den Standort geworben. Unter seinem Nachfolger Marx Dormoy (1888–1941) wurde in die städtische Infrastruktur investiert und etwas für die Schönheit des Ortes getan. 1934 fing SAGEM in Montluçon mit der Herstellung an.

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) im Zweiten Weltkrieg lag Montluçon während der deutschen Besetzung Frankreichs zunächst in der vom Vichy-Regime kontrollierten Südzone (Zone libre). Am 11. November 1942 wurde sie auch besetzt. Mitte September 1943 starben bei deutschen Luftangriffen 36 Menschen, 250 Zivilisten wurden verletzt. Die Gestapo-Zentrale in Montluçon wurde von der Résistance gesprengt; daran soll die britische Agentin Nancy Wake maßgeblich beteiligt gewesen sein. Bei dem Angriff starben 38 Deutsche. Am 15. und 16. September 1943 bombardierte die britische Luftwaffe die Dunlop-Werke. Anfang August 1944 erschossen die Deutschen 42 Zivilisten im nahen Steinbruch Carrières des Grises.

Nach dem Krieg rangen der Parti communiste und die sozialistische SFIO miteinander um die Macht, während die CGT zu Streiks rief. Die Schwerindustrie mit ihren Hochöfen, Gießereien und Glasschmelzen ging deutlich zurück, da die Erträge des nahen Bergbaus nicht mehr rentabel wurden und die Usines Saint-Jacques 1962 ihre Tore für immer schlossen. Ab 1977 war Pierre Goldberg für 24 Jahre kommunistischer Bürgermeister. 1982 stellte auch die Société des Embalages plastiques d’emballage (vormals Rhône-Poulenc) den Betrieb ein. Neben chemischer Industrie und der Reifenherstellung haben noch die Unternehmen Sagem in der Elektronik und Technopôle La Loue im High-Tech-Segment nennenswerte Anteile am Wirtschaftsgeschehen, daneben gibt es ein Einkaufszentrum und die Tristesse, die wirtschaftlich abgehängten französischen Mittelstädten oft anhängt.

Bevölkerungsentwicklung Montluçon wird wahlstatistisch in vier Kantone gegliedert.Populations légales 2021 pour Département : Allierl Die Munizipalbevölkerung () betrug 2021 für Kanton Montluçon-1: 3.603 (10,81 %), Kanton Montluçon-2: 11.013 (33,02 %), Kanton Montluçon-3: 9.504 (28,50 %), Kanton Montluçon-4: 9.222 (27,66 %). Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 2023 33.147 2014 37.289 2006 39.889 2022 33.317 2013 37.839 1999 41.362 2021 33.342 2012 38.072 1990 44.248 2020 33.822 2011 38.166 1982 49.912 2019 34.361 2010 38.402 1975 56.468 2018 34.938 2009 38.978 1968 57.871 2017 35.653 2008 39.492 1962 55.184 2016 36.147 2007 39.761 1954 50.043 2015 36946 Quellen: CassiniCassini: Notice Communale Montluçon und INSEE: Chiffres détaillés – Séries historiques de population (1876 à 2023)INSEE: base-pop-historiques-1876-2023.xlsx 1954PTOT Population totale1962–1999PSDC Population sans double compte2006–2023POPMUN Population municipale

Sehenswürdigkeiten Altstadt Kirche St-Pierre: 12./13. Jahrhundert, romanisch, einschiffig, von vier Rundsäulen getragener Vierungsturm; Taufbecken und Statue der Maria Magdalena aus dem 15. Jahrhundert, die Kirche liegt im Norden der Altstadt Kirche Notre-Dame: romanisch-gotisch Château des Ducs de Bourbon (Schloss der Bourbonen-Herzöge): auf dem Mont Luçon, einem Granithügel über der Stadt, ab Mitte des 13. Jahrhunderts im Fachwerkstil errichtet Musée des Musiques Poulaires et de la Résistance (im Schloss) mit über 700 historischen und modernen Instrumenten und – ein Stockwerk höher – der Darstellung der Résistance allgemein und in der Region Musée/Château de la Louvière: ab 1926 im Stil des Ancien Régime, inmitten eines größeren Parks in italienisch-englischem Stil errichtet Circuit des Mégalithes im Nordosten von Montluçon

Wirtschaft Die Stadt ist die Wirtschaftsmetropole des Bourbonnais mit zahlreichen Industriebetrieben. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es das Sozialunternehmen Association Pénélope, einer der größten Betriebe für Arbeitsintegration in Frankreich.

Verkehr mini|Bahnhof Montluçon-Ville

Montluçon hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Montluçon–Moulins, die am 7. November 1859 von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) eröffnet wurde. 1864 kam in deren Verlängerung die Bahnstrecke Montluçon–Saint-Sulpice-Laurière hinzu. In den 1880er Jahren folgte der Abschnitt nach Bourges der Bahnstrecke Bourges–Miécaze, die bald darauf in Richtung Miécaze über Montluçon hinaus zunächst bis Auzances verlängert wurde. Damit wurde Montluçon zu einem Eisenbahnknoten.

In Montluçon kreuzten sich die Nationalstraßen N 143 und N 145, zudem begannen dort die N 144, N 693 und N 716. Sie wurden mittlerweile sämtlich zu Departementsstraßen abgestuft. Am nördlichen Stadtrand verläuft die Autobahn A 714, die als verlängerte N 145 als Zubringer zur A 71 dient.

Der Flugplatz Aéroport de Montluçon - Guéret liegt ungefähr 30 Kilometer von der Stadt entfernt.

Städtepartnerschaften Antsirabe, Madagaskar Hagen, Deutschland Leszno, Polen Guimarães, PortugalFête du Jumelage avec Guimaraes le 26 avril, Website der Stadtverwaltung Montluçon, abgerufen am 16. Mai 2020

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt

Marcelle Auclair (1899–1983), Journalistin und Schriftstellerin François Bauchet (* 1948), Designer Jason Berthomier (* 1990), Fußballspieler Roger Chaput (1909–1994), Jazzmusiker und bildender Künstler Camille-Antoine Chilouet (1899–1970), römisch-katholischer Ordensgeistlicher, Bischof von Farafangana Jules Cluzel (* 1988), Motorradrennfahrer Marx Dormoy (1888–1941), sozialistischer Politiker und Innenminister André Marandet (1898–1976), Autorennfahrer Ophélie Meilleroux (* 1984), Fußballspielerin André Messager (1853–1929), Dirigent und Komponist Gabrielle Robinne (1886–1980), Schauspielerin Florian Vachon (* 1985), Radrennfahrer Jean Val Jean (* 1980), Pornodarsteller Roger Walkowiak (1927–2017), Radrennfahrer Olivier Weber (* 1958), Schriftsteller, Reporter, Dozent und Diplomat

Personen mit Beziehung zur Stadt Edmé Boursault (1638–1701), Schriftsteller, starb in Montluçon Marie-Guite Dufay (* 1949), französische Politikerin, wuchs in Montluçon auf Saul Friedländer (* 1932), besuchte in Montluçon das katholische Internat Audrey Tautou (* 1976), französische Schauspielerin, wuchs in Montluçon auf Fadil Vokrri (1960–2018), jugoslawischer Fußballspieler und Präsident der Federata e Futbollit e Kosovës, hatte einen zweiten Wohnsitz in Montluçon

Literatur Le Patrimoine des Communes de l’Allier. Flohic Editions, Band 2, Paris 1999, ISBN 2-84234-053-1, S. 731–765.

Weblinks

Notice Communale - EHESS Ville de Montluçon bei cartesfrance.fr

Einzelnachweise

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