mini|hochkant|Robert O’Hara Burke mini|hochkant|William John Wills (1860)

Die Expedition von Burke und Wills (ursprünglich Victorian Exploring Expedition, ) war eine in den Jahren 1860 und 1861 im Auftrag der Regierung Victorias durchgeführte Expedition, bei der Australien westlich des 143. Längengrades von Süden nach Norden durchquert wurde. Sie führte von der Stadt Melbourne zum etwa 3250 Kilometer entfernten Golf von Carpentaria und stand unter der Leitung von Robert O’Hara Burke und William John Wills. Sieben Teilnehmer starben während der Expedition, Burke und Wills kamen auf der Rückreise ums Leben. Nur John King schloss die gesamte Expedition ab und kehrte nach Melbourne zurück.

Die Expedition war die am besten ausgerüstete Expedition der Geschichte Australiens und fand viel Beachtung, aber sie scheiterte aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände und auch aufgrund der schlechten Führungsqualitäten Burkes. Der unerfahrene Leiter entließ unterwegs zahlreiche qualifizierte Teilnehmer und konnte mit den mitgeführten Kamelen nicht umgehen. Des Weiteren waren die Wagen und Tiere zu schwer beladen; es wurden mehrfach Ausrüstungsgegenstände und Vorräte zurückgelassen. Wegen der Konkurrenz zu John McDouall Stuart, der gleichzeitig eine Expedition mit demselben Ziel von Adelaide aus führte, trieb Burke zur Eile und ließ keine Zeit für die wissenschaftlichen Arbeiten, die bei einer Expedition im Vordergrund stehen sollten. Deshalb trug die Expedition selbst so gut wie keine neuen Erkenntnisse zur Beschaffenheit des australischen Hinterlandes bei. Eine bedeutendere Rolle zur Erforschung spielten aber die Suchtrupps, die aus den verschiedenen Landesteilen zur Rettung von Burke und Wills ausgesendet wurden.

Nach ihrem Tod wurden Burke und Wills trotz ihres Scheiterns zu Helden stilisiert. So wurde ihnen ein Staatsbegräbnis in Melbourne gewährt und Denkmäler gewidmet. Als aber nach und nach die Hintergründe ihres Todes bekannt wurden, ließ die Begeisterung nach.

Vorgeschichte Die Expedition von Burke und Wills steht am Ende einer Reihe von Expeditionen zur Erforschung des australischen Hinterlandes seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Auf der Suche nach fruchtbaren Landschaften und Weidegebieten für die Schafherden vergrößerten Forscher nach und nach das Wissen über das Australien jenseits der Blue Mountains. Die ersten Expeditionen wie die von John Oxley im Jahre 1818 erkundeten das Murray-Darling-Flusssystem, wussten aber nicht, dass es sich um ein System handelte, und konnten daher die Frage, wohin all die Flüsse fließen, nicht klären.Scott, S. 123 So kamen verschiedene Erklärungen in Frage: Möglich war ein Binnenmeer, das von den Flüssen aus der Great Dividing Range genährt würde. Auch Oxleys Schlussfolgerung, das Hinterland sei ein unpassierbares Moor, war plausibel, nachdem jeder seiner Versuche, den Flüssen zu folgen, im Sumpf endete. Erst Charles Sturt konnte 1828 mit der Entdeckung des Darling und 1828–1830 mit der Entdeckung des Flusssystems die Frage nach der Mündung der Flüsse weitgehend klären, allerdings folgte er dem Murray (dessen Zufluss der Darling ist) nur bis zum Lake Alexandria und fand deshalb nicht heraus, dass der Murray ins Meer entwässert.Scott, S. 133 Gippsland, das Gebiet um das heutige Melbourne, wurde 1836 und 1839 von Thomas Livingstone Mitchell und Angus McMillan erkundet.Scott, S. 134 Auch in das heutige Queensland wurden ab Mitte der 1840er Jahre Vorstöße gewagt.Scott, S. 136, 137

In Victoria war das öffentliche Interesse an einer Expedition gering. Nachdem dort 1851 Gold entdeckt worden war, zog ein Goldrausch verstärkt Einwanderer ins Land. Die Kolonie Victoria wurde sehr wohlhabend und Melbourne wuchs rasch zur größten Stadt Australiens an. Der Aufschwung dauerte 40 Jahre und führte in das als „marvellous Melbourne“ (etwa: „wunderbares Melbourne“) genannte Zeitalter. Der Zustrom gebildeter Einwanderer aus England, Irland und Deutschland führte zum Bau zahlreicher Schulen, Kirchen, Gelehrtengesellschaften, Bibliotheken und Kunstausstellungen.

Infolgedessen wurde die Ausrüstung der Expedition vor allem eine politische Entscheidung: Das reiche Melbourne wollte damit seinen Willen demonstrieren, in Zukunft eine Führungsrolle beim Aufbau des australischen Staates zu spielen.Mulligan, S. 61 Angetrieben wurden diese Bestrebungen von den einflussreichen Herren William Stawell und Ferdinand von Mueller,Scott, S. 142 die sich im 1854 gegründeten Philosophical Institute of Victoria (seit 1859 Royal Society of Victoria) dafür einsetzten. 1857 rief das Philosophical Institute eine Erkundungskommission ins Leben, die sich mit der Machbarkeit einer Expedition ins Landesinnere beschäftigen sollte. Ursprünglich war es das Ziel, den Kontinent in Ost-West-Richtung zu durchqueren. Der Plan wurde aber in eine Süd-Nord-Durchquerung geändert, nachdem Augustus Gregory, ein Erforscher Nordaustraliens, das Vorhaben als aussichtslos erachtete. Burke und Wills standen dabei in Konkurrenz mit John McDouall Stuart, der im Auftrag der Regierung von South Australia den Kontinent durchqueren sollte. Für die Bevölkerung von Adelaide war die Erforschung des Kontinents von großer Bedeutung, da man auf die Erschließung fruchtbaren Weidelandes angewiesen war.

Vorbereitungen + Mitglieder des ErkundungskomiteesDie Liste enthält nur eine Auswahl von Persönlichkeiten des damaligen öffentlichen Lebens. Die Zahl der Mitglieder änderte sich im Lauf der Zeit. Name Beruf Wilhelm Blandowski Zoologe, Erforscher Australiens John Bleasdale Geistlicher, Chemiker und Geologe Francis Cadell Erforscher Australiens Andrew Clarke ehemaliger Soldat, Politiker Richard Eades Bürgermeister von Melbourne Clement Hodgkinson Naturforscher John Macadam Chemiker Frederick McCoy Paläontologe Ferdinand von Mueller Botaniker Francis Murphy Sprecher des Parlaments Georg von Neumayer Polarforscher Alfred Selwyn Geologe in Regierungsdiensten William Foster Stawell Oberster Richter von Victoria Edward Wilson Herausgeber von The Argus

Erkundungskomitee Das Erkundungskomitee hatte zunächst wegen des geringen öffentlichen Interesses in Victoria Schwierigkeiten, an Geld zu kommen. Erst 1860 war genug Geld vorhanden, um die Expedition zusammenstellen zu können.

Das Erkundungskomitee schrieb die Leitung der Victorian Exploring Expedition öffentlich aus. Nur zwei Mitglieder des Komitees, Ferdinand von Mueller und Wilhelm Blandowski, hatten überhaupt Erfahrung mit solchen Erkundungsunternehmen. Sie wurden jedoch stets überstimmt, weil sich innerhalb des Komitees Fraktionen gebildet hatten. Mehrere Personen wurden für den Führungsposten in Betracht gezogen. Robert O’Hara Burke wurde nach einer Abstimmung vom Komitee als Leiter, George Landells als Stellvertreter und William John Wills als Landvermesser, Navigator und zweiter Stellvertreter empfohlen.Wright, S. 258 Burke hatte zwar keinerlei Erfahrung mit Expeditionen dieser Art; offenbar überschätzte ihn das Komitee wegen seines selbstsicheren Auftretens. Der gebürtige Ire Burke war ehemaliger Offizier in der österreichischen Armee und später Kriminalrat der Polizei. Er hatte praktisch keine Fähigkeiten in der Überlebenskunst. Wills konnte in der Wildnis eher zurechtkommen. Es war Burkes Führung, die als Hauptgrund für das Scheitern anzusehen ist.

Teilnehmer der Expedition Insgesamt nahmen 29 Personen an der Expedition teil. Die ursprünglich neunzehnköpfige Mannschaft bestand aus fünf Engländern, sechs Iren, vier indischen Sepoys, drei Deutschen und einem Amerikaner. Von den 29 waren sechs Offiziere in Leitungsfunktion, 19 Assistenten und vier Sepoys zur Betreuung der Kamele. Die folgende Tabelle enthält nur Teilnehmer, die nicht entlassen wurden, und die Leiter:

Name Position Gruppe Angeheuert Verbleib Robert O’Hara Burke Leiter Carpentaria ursprüngliche Mannschaft † Juni/Juli 1861, Cooper Creek George Landells Leiter Menindee ursprüngliche Mannschaft verließ Expedition am 14. Oktober 1860 William John Wills Landvermesser Carpentaria ursprüngliche Mannschaft † Juni/Juli 1861, Cooper Creek Ludwig Becker Zeichner, Naturforscher Menindee ursprüngliche Mannschaft † 29. April 1861, Koorliatto-Wasserloch Hermann Beckler Arzt, Botaniker Menindee ursprüngliche Mannschaft Austritt zwischen 14. und 21. Oktober 1860 in Menindee William Wright Leiter Menindee ursprüngliche Mannschaft Rückkehr William Brahe Assistent Cooper Creek ursprüngliche Mannschaft Rückkehr Thomas Mc Donough Assistent Cooper Creek ursprüngliche Mannschaft Rückkehr William Patten Assistent Cooper Creek ursprüngliche Mannschaft † 5. Juni 1861, Rat Point Camp nach einem Sturz vom Pferd John King Assistent Carpentaria ursprüngliche Mannschaft wurde am 18. Oktober 1861 von Alfred Howitts Rettungsteam gefunden Charles Gray Assistent Carpentaria 6.–10. September 1860 in Swan Hill † 17. April 1861 im Polygonum Swamp William Purcell Assistent Menindee 26. Januar 1861 in Menindee † 23. April 1861 am Koorliatto-Wasserloch, Bulloo River John Smith Assistent Menindee 26. Januar 1861 in Menindee Rückkehr Charles Stone Assistent Menindee 26. Januar 1861 in Menindee † 22. April 1861 am Koorliatto-Wasserloch, Bulloo River Dost Mahomet Sepoy Cooper Creek ursprüngliche Mannschaft später Teil von Howitts Rettungsteam Belooch Sepoy Menindee ursprüngliche Mannschaft später Teil von Howitts Rettungsteam

13 Männer wurden unterwegs entlassen und sind daher nicht in obiger Liste aufgeführt. Owen Cowen und Henry Creber wurden in Melbourne bereits am Tag der Abreise bzw. am Tag vor der Abreise wegen Trunkenheit entlassen und ein dritter, Robert Fletcher, wegen „Inkompetenz“, da er Creber verteidigt hatte. Sie wurden durch James McIlwaine, Jame Lane und Brooks ersetzt, die jedoch wenige Wochen später in Swan Hill bzw. Balranald zusammen mit Charles Ferguson, Patrick Langan und John Polongeaux (Letzterer war am 26. August 1860 in Mia angeheuert worden) ebenfalls rausgeworfen wurden. Ein weiteres Mitglied der ursprünglichen Mannschaft, John Drakeford, wurde schließlich am 14. Oktober 1860 in Menindee entlassen.

Drei weitere Personen verließen noch die Expedition: Robert Bowman trat am 18. September 1860 aus, 14 Tage nach seiner Anwerbung. Von den vier indischen Sepoys schieden zwei vorzeitig aus: Samla durfte als Hindu aus religiösen Gründen die Nahrungsrationen nicht essen und trat deshalb am 22. August 1860 aus. Esau Khan musste zwischen dem 6. und 10. September wegen einer Erkrankung aufgeben.

Ausrüstung Die Expedition war sehr umfangreich ausgerüstet, insgesamt dürfte die Ausrüstung gut 20 Tonnen gewogen haben und hatte fast 5000 Pfund gekostet, die Gesamtkosten der Expedition betrugen 12.000 Pfund und wurden zur Hälfte von der Regierung getragen. Sie war mit Lebensmitteln für zwei Jahre ausgestattet, dazu zur Skorbutabwehr Zitronensaft für die Männer und rund 270 Liter Rum für die Kamele. Landells wollte mit dem Rum müde und geschwächte Kamele stärken,Beitrag der State Library of Victoria über die Expedition, Verlauf von Melbourne bis Menindee einer anderen Quelle zufolge sollte er vor Skorbut schützen.

Statt Vieh zum Schlachten während der Reise mitzuführen, entschied das Komitee, lieber Trockenfleisch zu verwenden. Das zusätzliche Gewicht erforderte drei zusätzliche Wagen, die die Expedition erheblich verlangsamten.Wright, S. 259

Des Weiteren waren auch einige Waffen und Munition im Gepäck, aber auch Gegenstände wie ein Tisch, Raketen und ein chinesischer Gong. Zum Transport dieser Menge waren 23 Pferde, sechs Wagen und 26 Dromedare vorgesehen.

Das Komiteemitglied Francis Cadell bot an, die Versorgungsgüter per Schiff nach Adelaide und dann über den Murray River und den Darling River ins Landesinnere zu bringen, wo man sie unterwegs hätte abholen können. Aber weil Cadell sich der Ernennung Burkes als Expeditionsleiter widersetzt hatte, wies Burke dessen Angebot ab. Stattdessen wurde alles auf Wagen geladen, von denen drei schon nach kurzer Zeit unter ihrer Last zusammenbrachen.

Kamele