mini|Roderich Kiesewetter (2025) Roderich Kiesewetter (* 11. September 1963 in Pfullendorf) ist ein deutscher Politiker (CDU), Autor, Oberst außer Dienst der Bundeswehr und seit 2009 direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages für den Bundestagswahlkreis Aalen – Heidenheim. Von 2011 bis 2016 war er Präsident des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr.
Militärischer Werdegang Der aus einer Soldaten- und Offizierfamilie stammendeVielleicht ist es an der Zeit, auch mal was zurückzugeben, Zeit online vom 3. März 2022, abgerufen am 17. November 2024. Kiesewetter legte das Abitur im Jahr 1982 am Hariolf-Gymnasium in Ellwangen an der Jagst ab und wurde als Berufsoffizieranwärter in die Bundeswehr eingestellt. Er absolvierte die Offiziersausbildung zum Offizier des Truppendienstes der Artillerietruppe und studierte von 1983 bis 1986 Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr München und Economics an der University of Texas in Austin. Er beendete das Studium 1986 mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann.
Anfang 1991 wurde Kiesewetter Batteriechef in Sondershausen/Thüringen und nahm damit für über zwei Jahre am „Aufbau Ost“ im Rahmen der „Armee der Einheit“ teil. Im Jahre 1993 wurde er Adjutant des Befehlshabers im Wehrbereichskommando III in Düsseldorf, Generalmajor Götz Gliemeroth.
In den Jahren 1995 bis 1997 absolvierte er den 38. Generalstabslehrgang Heer an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg, wo er zum Offizier im Generalstabsdienst ausgebildet wurde.
In seiner ersten Generalstabsverwendung war er im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und anschließend im Auslandseinsatz auf dem Balkan (SFOR) eingesetzt. Daran schlossen sich Verwendungen als Referent beim Europäischen Rat und beim NATO-Hauptquartier in Brüssel und Mons an. Von 2002Katja Krämer: Neuer Chef der Hochwald-Kaserne. In: Trierischer Volksfreund, 8. August 2002. bis 2004Axel Munsteiner: Roderich Kiesewetter gibt das Kommando in der Hochwaldkaserne ab. In: Trierischer Volksfreund, 9. Juni 2004. führte er als Oberstleutnant und Kommandeur das Raketenartillerielehrbataillon 52 in Hermeskeil. Anschließend war er von 2004 bis 2006 als G 3 der 7. Panzerdivision in Düsseldorf und als Grundsatzreferent im Führungsstab des Heeres (Fü H) in Bonn eingesetzt. Während der Verwendung als G 3 war er in seinem 2. Auslandseinsatz bei EUFOR ALTHEA wiederum auf dem Balkan. Im Oktober 2006 wurde er zum Oberst befördert und war Büroleiter der Stabschefs General Rainer Schuwirth und anschließend von General Karl-Heinz Lather im NATO-Hauptquartier Europa (SHAPE) in Mons (Belgien). Während dieser Verwendung war er mehrfach auf längeren dienstlichen Aufenthalten in Afghanistan. Im April 2009 wurde er in das Kommando Operative Führung Eingreifkräfte (KdoOpFüEingrKr) nach Ulm versetzt.
Ab der konstituierenden Sitzung des 17. Deutschen Bundestages am 27. Oktober 2009 ruhten seine Rechte und Pflichten aus dem Dienstverhältnis als Berufssoldat zunächst. Abs. 1 S. 1 i. V. m. Abs. 1 AbgG Im Juni 2015 wurde er aus dem aktiven Dienst verabschiedet.
Politischer Werdegang Partei Kiesewetter trat im Jahr 1979 in die Junge Union (JU) und 1981 in die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) ein. Er war Ortsvorsitzender der JU Ellwangen, stellvertretender Kreisvorsitzender der JU und stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler Union Baden-Württemberg.Roderich Kiesewetter, CDU-Stadtverband Oberkochen, abgerufen am 7. Januar 2015. Er war zudem von 2015 bis 2022 Kreisvorsitzender der CDU Ostalb.
Kiesewetter war von 2009 bis 2015 Mitglied im Bezirksvorstand der CDU Nordwürttemberg (ab 2011 als stellvertretender BezirksvorsitzenderKiesewetter ist stellvertretender Bezirkschef. In: Schwäbische Zeitung, 4. Oktober 2011, S. 3.) und von 2011 bis 2015 Beisitzer im Landesvorstand der CDU Baden-Württemberg. Außerdem leitete er bis 2015 den Arbeitskreis Bundeswehr der CDU Baden-Württemberg und war Mitglied im Landesfachausschuss Europapolitik der CDU. Von 2014 bis 2019 war er Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik., abgerufen am 30. Juni 2016 Im Januar 2018 wurde er vom CDU-Landesvorstand Baden-Württemberg zum Vorsitzenden des neu gebildeten Landesfachausschusses für Äußere Sicherheit und Entwicklung gewählt.
Abgeordneter Kiesewetter wurde am 11. Oktober 2008 durch die CDU-Mitglieder im Bundestagswahlkreis Aalen – Heidenheim zum Kandidaten für die Bundestagswahl 2009 nominiert. Als einer von drei Bewerbern um die Kandidatur erreichte er im ersten Wahlgang 75,5 Prozent der Stimmen. Der damalige Wahlkreis-Abgeordnete der CDU, Georg Brunnhuber, trat nicht mehr an. (PDF-Datei; 176 kB) Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 gewann Kiesewetter 45,1 Prozent der Erststimmen und damit das Direktmandat des Wahlkreises Aalen – Heidenheim.
Als Abgeordneter des Bundestags ist Kiesewetter seit 2009 ordentliches Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und war von 2009 bis 2013 Mitglied des Ausschusses für Angelegenheiten der Europäischen Union (Europaausschuss). Ferner war er von 2009 bis 2013 Obmann seiner Fraktion für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung, stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung und von November 2010 bis Ende 2012 Obmann seiner Fraktion für zivile Krisenprävention und vernetzte Sicherheit.
Des Weiteren ist er seit Februar 2010 Leiter der Deutschen Delegation der Parlamentarischen Versammlung der EU- und Mittelmeerstaaten sowie stellvertretender Leiter der Deutschen Delegation der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP).
Bei der Bundestagswahl 2013 erlangte Kiesewetter im Wahlkreis Aalen – Heidenheim mit 57,6 Prozent der Erststimmen erneut das Direktmandat, während auf seine Partei 49,3 Prozent der Zweitstimmen entfielen. Seit Januar 2014 ist Kiesewetter Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss. Vom 10. April 2014 bis zum 1. März 2015 war er Obmann seiner Bundestagsfraktion im NSA-Untersuchungsausschuss. Dieses Amt legte er aus persönlichen Gründen nieder. Laut der Zeitung Die Welt tat Kiesewetter dies, um möglichen Zweifeln an seiner Unvoreingenommenheit im NSA-Untersuchungsausschuss vorzubeugen, nachdem eine versuchte Einflussnahme eines Mitarbeiters des Bundesnachrichtendienstes bekannt geworden sei.„BND zeigt Mitarbeiter wegen Geheimnisverrats an“, Die Zeit Online, 20. Juli 2015.
Am 22. Juli 2016 wurde Kiesewetter mit 96,04 Prozent Zustimmung als Kandidat der CDU für den Wahlkreis Aalen – Heidenheim für den 19. Deutschen Bundestag nominiert.„96 Prozent für Roderich Kiesewetter“, Schwäbische.de vom 22. Juli 2016 Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte er mit 46,4 Prozent (und damit mit dem siebzehntbesten Erststimmenergebnis der CDU in Deutschland) erneut das Direktmandat. Er war auch im 19. Deutschen Bundestag ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und dort Obmann der CDU/CSU-Fraktion sowie stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss, dem Unterausschuss Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung und dem Unterausschuss Vereinte Nationen, Internationale Organisationen und Globalisierung.
Als Außenpolitiker ist Kiesewetter regelmäßiger Teilnehmer bei internationalen Begegnungen wie der Münchner Sicherheitskonferenz, dem Congress Bundestag Forum, das vom German Marshall Fund und der Robert Bosch Stiftung getragen wird, der Königswinter-Konferenz der Deutsch-Britischen Gesellschaft, dem Bergedorfer Gesprächskreis der Körber-Stiftung oder den „Globalen Atlantikern“ der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Außerdem gehört Kiesewetter zu den regelmäßigen Teilnehmern des seit 2013 von den Abgeordneten Jens Spahn und Omid Nouripour koordinierten Gesprächskreises von Bundestagsabgeordneten aus CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen, der sogenannten Pizza-Connection.
Seit 2019 ist Kiesewetter Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.
Am 5. November 2020 wurde Kiesewetter vom Plenum des Deutschen Bundestages mit einer breiten Mehrheit von 541 Stimmen bei 355 erforderlichen Stimmen als Nachfolger von Armin Schuster zum Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes gewählt. Das Gremium wählte ihn am 25. November 2020 zu seinem Vorsitzenden. Seit dem 24. März 2022 ist er stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums. Am 4. Juni 2025 wurde bekannt, dass Kiesewetter dem Parlamentarischen Kontrollgremium nicht mehr angehören wird, was ein Wunsch des Bundeskanzlers Friedrich Merz gewesen sein soll. Kiesewetter erklärte dazu: „Das ist der Preis, wenn man eine Haltung hat.“ Stattdessen soll Kiesewetter Obmann im Auswärtigem Ausschuss werden.
Von 2017 bis 2025 war Kiesewetter ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Ausschuss.
Bei der Bundestagswahl 2021 errang Kiesewetter mit 37,0 Prozent der Erststimmen erneut das Direktmandat im Wahlkreis Aalen – Heidenheim und zog in den 20. Deutschen Bundestag ein.
Am 21. April 2024 sprach er sich in der Taurus-Kontroverse für die Lieferung des Marschflugkörpers Taurus an die 2022 von Russland überfallene Ukraine aus.Sven Lenkemeyer: „Deutlich mehr tun für die Ukraine“: Nach Entscheid der USA für Militärhilfen steigt der Druck auf Scholz. Tagesspiegel, 21. April 2024, abgerufen am 21. April 2024.
Am 1. Juni 2024 wurde Kiesewetter an einem Wahlkampfstand in Aalen körperlich attackiert,CDU-Politiker Roderich Kiesewetter bei Wahlkampf in Aalen angegriffen bei tagesschau.de vom 1. Juni 2024 wobei er sich Schürfwunden und eine Schulterprellung zuzog. Der mutmaßliche Täter soll der Querdenkerszene nahe stehen und auf der Liste „Herzschrittmacher“ für die Gemeinderatswahlen in Aalen am 9. Juni 2024 kandidiert haben. Der Beschuldigte widersprach der Darstellung Kiesewetters. Er habe Kiesewetter zwar öffentlich und lautstark als Kriegstreiber bezeichnet, betonte jedoch, dass er ihn weder geschlagen noch berührt habe. Im November 2024 teilte die Staatsanwaltschaft Ellwangen mit, dass gegen den Beschuldigten Strafbefehl wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung beantragt worden sei, dem der Beschuldigte widersprochen habe. Über den weiteren Verlauf des Verfahrens ist öffentlich nichts bekannt.
Für die Bundestagswahlen 2025 wurde Kiesewetter am 13. Juli mit 98,7 Prozent Zustimmung erneut zum Kandidaten der CDU für den Bundestagswahlkreis Aalen – Heidenheim nominiert.
Am 29. Januar 2025 stimmte er beim Entschließungsantrag Fünf Punkte für sichere Grenzen und das Ende der illegalen Migration nicht mit ab. Auch am 31. Januar 2025 stimmte er beim Zustrombegrenzungsgesetz ebenfalls nicht mit ab. Er erklärte später, dass er bewusst die Option der Nicht-Abstimmung gewählt habe. „Meine Fraktion scheint in die Falle der AfD getappt zu sein.“
Kiesewetter erlangte das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Aalen – Heidenheim und zog in den 21. Deutschen Bundestag ein. Dort ist er ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.
Mitgliedschaften Kiesewetter ist unter anderem Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik,Kiesewetter ist Vize. In: Schwäbische Zeitung, 2. März 2012, S. 1. in der Atlantik-Brücke, im Lions-Club, im Sozialverband VdK Deutschland und in der Trilateralen Kommission.
Er ist zudem Mitglied des Bundeswehr-Sozialwerks und der Clausewitz-Gesellschaft. Vom 11. November 2011 an war er Präsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr,Kiesewetter neuer Reservisten-Präsident. In: Schwäbische Zeitung, 14. November 2011, S. 2. in dem er bereits seit 2010 Stellvertreter des Präsidenten Gerd Höfer war. Er legte dieses Amt am 28. Juni 2016 nieder und übernahm damit die Verantwortung für die hohen Kosten eines Empfangs des Reservistenverbandes.