mini|hochkant|Johann Samuel Diterich Johann Samuel Diterich (* 15. Dezember 1721 in Berlin; † 14. Januar 1797 ebenda) war ein deutscher Kirchenlieddichter.

Leben

Diterich kam als Sohn eines Pfarrers auf die Welt. In Frankfurt an der Oder und in Halle studierte er. In Berlin wurde er 1744 zum Hofmeister ernannt und 1748 zum Diakon an der Kirche seines Vaters. Beim gräflich Hackeschen Regiment wurde er wenig später Feldprediger. 1751 wurde er Archidiakon und 1754 schließlich Pastor der Berliner Marienkirche, in der zuvor sein Vater Pastor war. 14 Jahre später wurde er Oberkonsistorialrat. 1780 gehörte er zu den drei Herausgebern des Gesangbuchs zum gottesdienstlichen Gebrauch in den Königlich-Preußischen Landen, das nach seinem Verleger August Mylius auch als Mylius bekannt wird und in dem zahlreiche Lieder im Geist von Rationalismus und Aufklärungstheologie bearbeitet oder neu aufgenommen wurden und das bald als Prototyp der aufklärerischen Gesangbücher galt. Die Einführung des Mylius wurde von verschiedenen Kirchengemeinden jedoch nicht unkritisch betrachtet, da man lieber an den alten Liedfassungen festhalten wollte, was letztlich auch zu Protest führte. Als Zeichen des Widerstands verließen am Sonntag der Gesangbucheinführung viele Gemeindemitglieder die Berliner Nikolaikirche und auch durch die Stadt ziehenden Kurrendeknaben wurde es von manchem Bürger untersagt, mit dem neuen Gesangbuch vor ihren Häusern zu singen. Angesichts der Ablehnung gab der preußische König Friedrich II. letztlich nach und verzichtete auf eine zwangsweise Durchsetzung, wodurch Liedtexte wie etwa von Paul Gerhardt oder, den Worten Friedrich II. zufolge, „dergleichen dummes und törichtes Zeug mehr“ doch in alter Liedfassung verwendet werden durften. 1787 gab Diterich außerdem noch ein Gesangbuch für die häusliche Andacht heraus. Wegen seiner starken Eingriffe in traditionelle Lieder erhielt Diterich später von August Nelle den Beinamen „der Geiserich unter den Gesangbuch-Vandalen“.Zitiert nach Geistliches Wunderhorn (Lit.), S. 374. Im Evangelischen Gesangbuch findet sich keines seiner Lieder mehr; sein Himmelfahrtslied Ihr Christen hoch erfreuet euch wurde hingegen schon 1807 in ein katholisches Gesangbuch aufgenommen und steht (nach mehreren Änderungen) bis heute im Gotteslob.

Werke (Auswahl) Ihr Christen hoch erfreuet euch (GL 229) Cogitationes philosophicae (1742) Andachten für Christen, die zum Heiligen Abendmahl gehen (1775) Unterweisung zur Glückseligkeit nach der Lehre Jesu. Neue verm. Aufl., Berlin: Friedrich Nicolai 1782

Literatur

Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-48094-2, S. 372–379 (zu Ihr Christen hoch erfreuet nun)

Weblinks

Einzelnachweise

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