Das Römermuseum Güglingen widmet sich den Spuren provinzialrömischen Lebens im Zabergäu, insbesondere den Überresten des vicus von Güglingen. Der erstaunliche Fundreichtum datiert mehrheitlich in das 2.–3. Jahrhundert n. Chr. und umfasst mehr als 2000 Exponate. Die dazugehörige Freilichtanlage bietet die Möglichkeit, einen Teil der Grabungsfläche zu begehen und zeigt andeutungsweise Grundrisse einstiger Bebauung.

Geschichte Die historischen Räumlichkeiten des Römermuseums können bis in das Jahr 1850 zurückverfolgt werden. 1849 fiel die württembergische Stadt Güglingen einem verheerenden Brand zum Opfer, der nahezu alle historischen Bauwerke der mittelalterlichen Altstadt verschlang. Daraufhin wurde im folgenden Jahr neben dem Marktplatz ein Gebäude in württembergischen Kameralamtsstil errichtet. Der dreistöckige Putzbau mit Sandsteinrahmung geschmückten Fenstern und Rundbogenportal gab der Stadt ein neues Rathaus. Bis 1988 beherbergte es die Stadtverwaltung Güglingens, wurde dann aber durch den gegenüber liegenden Neubau abgelöst. Seither ist das denkmalgeschützte Gebäude als Altes Rathaus bekannt und erfüllte eine Reihe von Funktionen, darunter Polizeiwache, Notariat und Jugendhaus, stand jedoch schließlich leer und bot Raum genug für die Funde der neu ausgegrabenen römischen Siedlung.

Durch das großzügige Engagement des ortsansässigen Architekten Heinz Rall konnten schließlich die alten Räume des denkmalgeschützten Gebäudes für die Dauerausstellung gesammelter Funde, Rekonstruktionen und Besiedlungsmodell aus Güglingen und weiteren Spuren römischer Besiedelung im Zabergäu umfunktioniert und für das Römermuseum hergerichtet werden, das schließlich am 26./27. April 2008 seine Türen für die Allgemeinheit wieder öffnete.

Freilichtanlage Die archäologische Freilichtanlage des Museums befasst sich mit den Überresten des vicus von Güglingen aus der Römerzeit. Auf dem frei zugänglichen Gelände wurde das Fachwerkgerüst und Teile der Inneneinrichtung des dort entdeckten Mithräum II maßstabgetreu repliziert. Einige Grundmauern der historischen Streifenhäuser vermitteln außerdem einen Eindruck der archäologischen Ausgrabung am Siedlungsrand.mini|Andeutung der einstigen Bebauung mit Streifenhäusern|305x305px

Geschichte Schon 1841 hatte der damalige Stadtpfarrer Karl Klunzinger aufgrund zahlreicher Einzelfunde die Bodendenkmäler bei Güglingen untersucht. Damals nahm man jedoch noch an, hier habe nur ein einzelner römischer Gutshof existiert. In den Jahren 1999 bis 2005 wurden auf einem Areal von rund 4,5 Hektar Ausgrabungen in einem heutigen Industriegebiet von Güglingen vorgenommen. Dabei stellte sich heraus, dass der Ort zur Römerzeit bedeutend größer war als in späteren Phasen. Während der Ausgrabung wurden mehr als 30 Häuser, ein öffentliches Bad und zwei Mithräen untersucht.

Der Vicus, dessen lateinischer Name unbekannt ist, dürfte insgesamt jedoch etwa 80 Häuser auf einer Fläche von zehn Hektar umfasst haben. Er lag an einer Kreuzung der Zabertalstraße mit einer Straße, die von Walheim her in den Ort führte. Vermutlich bildete der Ort, der etwa von 120 bis 250 n. Chr. von Römern besiedelt war, nur ein wirtschaftliches, nicht aber ein militärisches Zentrum. In seinen Streifenhäusern dürften vor allem Handwerker und Händler gelebt haben. Die Siedlung wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts offenbar planmäßig geräumt, an vielen Bauwerken wurde damals Feuer gelegt. Nach diesem Rückzug der Römer siedelten sich in den 270er Jahren Alamannen in der Gegend an, die etwa zwei Generationen lang dort lebten.

Anlage miniatur|Hausmauer, Brunnen und Zaun|292x292px miniatur|hochkant|Brunnen Ein Großteil der antiken Bebauung ist heute überbaut oder zumindest nicht ausgegraben. Die Freilichtanlage befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum städtischen Bauhof, Industriebetrieben und Straßen und kann deshalb nur zwei Straßen- bzw. Wegverläufe, die der antiken Verkehrsführung in Güglingen entsprechen, präsentieren. Dazu kommen noch die oberirdisch angedeuteten Grundrisse zweier Häuser samt ihren Gärten oder Höfen und Einfriedungen. Eines dieser Häuser besaß einen acht Meter tiefen Brunnen, der restauriert wurde. Daneben befindet sich ein zeittypischer Weidenflechtzaun.

Am Rande des einstigen Ortes und im Zentrum der heutigen Freilichtanlage befindet sich eines von zwei Mithräen, die hier auf engem Raum gefunden wurden. Das Mithräum I, das 1999 ausgegraben wurde, ist heute wieder vom Erdboden bedeckt. Dieses Mithräum war das ältere derartige Heiligtum vor Ort. Der massive Steinbau wurde in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts errichtet und später noch verändert. Er existierte bis ins 3. Jahrhundert. Sein Kultraum war etwa 65 Quadratmeter groß.

Von 2002 bis 2004 wurde das etwas kleinere Mithräum II, ein Holzfachwerkbau, ausgegraben. Hier ließen sich drei Bauphasen feststellen, von denen die dritte heute durch Balkenwerk andeutungsweise rekonstruiert ist. In dieser dritten Gestalt existierte das Bauwerk, das ursprünglich um die Mitte des 2. Jahrhunderts errichtet worden war, etwa vom Anfang bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts. Wie bei vielen anderen Gebäuden des Vicus ist von gezielter Brandlegung zur Zerstörung des Bauwerks auszugehen. Die Ausstattung des Kultraumes blieb aber weitgehend erhalten. Interessant ist etwa das Deckengemälde, das untypischerweise keinen Sternenhimmel, sondern geometrischen Schmuck zeigt. (PDF) Im Inneren des Mithräums fanden sich zahlreiche Weihesteine und Kultgeräte, darunter Trinkgefäße, ein Kultschwert und eine eiserne Strahlenkrone. Diese Originalfunde befinden sich in einer maßstabsgetreuen Rekonstruktion des Mithräums im Römermuseum in Güglingen. Die in der Freilichtanlage präsentierte Rekonstruktion zeigt die Unterteilung in Vor- und Kultraum sowie die Anlage des eigentlichen Kultraums mit aufgemauerten und eichenlattengedeckten Podien an den Längsseiten. Die verputzten Mauerfugen dieser Podien zeigen den antiken roten Zierstrich. Mehrere Informationstafeln auf dem Freigelände informieren über den Mithraskult.

Die Anlage ist mit Pflanzen bewachsen, die durch paläobotanische Untersuchungen schon für die antike Siedlung nachgewiesen wurden. Sie ist ganzjährlich zu betreten, kann jedoch nicht als barrierefrei bezeichnet werden.

Sonderausstellungen und Publikationen Das Museum präsentiert in regelmäßigen Abständen Sonderausstellungen, die sich der römischen Vergangenheit sowie besonderen Themen der Stadtgeschichte widmen. Die dazugehörigen Begleitbände sowie alle weiteren Publikationen können auch nach Ausstellungsende im Museumsshop erworben werden.

Sonderausstellungen

"Der Hildesheimer Silberschatz in galvanoplastischen Nachbildungen" (17.05. – 30.11.2009) Begleitband: ISBN 978-3-9812803-0-2 "Älteste Spuren. Die Alt- und Mittelsteinzeit im Heilbronner Land" (28.11.2010 – 16.10.2011) Begleitband: ISBN 978-3-9812803-3-3 "Hexen, Tod & Teufel: Der Fall Katharina Kepler und weitere Stationen der Hexenverfolgung" (10.06.2012 – 03.03.2013) Begleitband: ISBN 978-3-9812803-4-0 "Odyssee im Zabergäu: Die römischen Reliefs von Güglingen-Frauenzimmern" (12.11.2013 – 22.06.2014) Begleitband: ISBN 978-3-9825569-0-1 (Neuauflage 2025) "Göttliche Pflanzen: Antike Mythologie. Christentum. Islam." (02.12.2018 – 25.08.2019) Begleitband: ISBN 978-3-9812803-8-8 "Heinz Rall - Kirchenbaute 1959-1977" (27.09.2020 – 12.09.2021) Begleitband: ISBN 978-3-9812803-9-5 "Gunther Stilling - Antike. reloaded." (07.05.2023 – 24.03.2024) Begleitband: ISBN 978-3-9825569-7-0

Weitere Publikationen

De Gennaro, Enrico: Führer durch das Römermuseum Güglingen und die Archäologische Freilichtanlage; In: De Gennaro, Enrico (Hrsg.:) Schriftenreihe des Römermuseums Güglingen, Bd. 1 (2010). ISBN 978-3-9812803-2-6 Klumbach, Hans: Der Skulpturenfund von Hausen an der Zaber (Kreis Heilbronn); In: Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg. Bd. 5 (1973) ISBN 3-87532-058-1 Merkle, Frank: Persephone oder Die Entstehung der Jahreszeiten; In: De Gennaro, Enrico (Hrsg.): Schriftenreihe des Römermuseums Güglingen, Bd. 6 (2015). ISBN 978-3-9812803-6-4 Merkle, Frank: Orpheus oder Die Magie des Gesangs; In: De Gennaro, Enrico (Hrsg.): Schriftenreihe des Römermuseums Güglingen, Bd. 7. (2016). ISBN 978-3-9812803-7-1

Literatur Andrea Neth: Fernab des Militärs: der vicus von Güglingen. In: Vera Rupp, Heide Birley (Hrsg.): Landleben im römischen Deutschland. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2573-0, S. 99–102. Klaus Kortüm, Andrea Neth: Römer im Zabergäu. Ausgrabungen im vicus von Güglingen, Kreis Heilbronn. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2002, S. 116–121

Weblinks

Abbildung von Funden aus dem Mithräum

Einzelnachweise

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