mini|Die President Warfield auf dem Weg von den USA nach Europa, Februar 1947 Die Exodus 1947 war ein Flüchtlingsschiff, mit dem im Jahr 1947 etwa 5000 europäische Juden von Frankreich nach Palästina gelangten. Ursprünglich wurde das Schiff im Jahr 1928 unter dem Namen President Warfield als Vergnügungsdampfer an der Ostküste der Vereinigten Staaten in Dienst gestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zunächst von den Briten, dann von US-Streitkräften als Truppentransporter eingesetzt. Weltweit berühmt wurde das Schiff als jüdisches Flüchtlingsschiff Exodus 1947 (mit vollem Namen eigentlich Exodus from Europe 1947, jedoch häufig nur kurz Exodus genannt).
Vergnügungsschiff Die President Warfield wurde 1927 von der Pusey & Jones Corporation, Wilmington, Delaware, für den Paketdienst Baltimore Steam Packet Co. gebaut und fuhr von 1928 bis 1940 als Vergnügungsdampfer an der Ostküste der USA, vorwiegend in der Chesapeake Bay. Benannt war sie nach dem Präsidenten der Eisenbahngesellschaft Seaboard-Air-Line-Railroad und der Continental Trust Company in Baltimore, Solomon Davies Warfield. Warfield war ein Onkel von Bessie Wallis Warfield, der Ehefrau von Eduard VIII. Das Schiff war für 400 Passagiere ausgelegt und verfügte über 200 Kabinen. Die Tanzsäle und Bars waren luxuriös ausgestattet.
Kriegseinsatz 1942 wurde sie für den Kriegsdienst requiriert und in St. John’s, Neufundland, für den Einsatz bei der britischen Marine zum Truppentransporter mit vier Decks umgebaut. Am 21. September 1942 verließ die President Warfield Neufundland in einem Konvoi, der auf dem Atlantik am 25. September von einem deutschen U-Boot angegriffen wurde. Die President Warfield blieb dabei unbeschädigt. Auch im weiteren Kriegsverlauf hatten Konvois der President Warfield mehrere Feindkontakte, die das Schiff allesamt unbeschadet überstand. Am 21. Mai 1944 ging das Schiff an die US-Navy über und wurde als USS President Warfield (IX-169) eingesetzt. Als solches wurde das Schiff auch bei der alliierten Landung in der Normandie eingesetzt. Durch den Kriegseinsatz stark verschlissen, wurde das Schiff am 14. November 1945 ausgemustert und auf einem Schiffsfriedhof in Baltimore verankert.
Exodus 1947 Vorgeschichte Viele Holocaust-Überlebende wünschten in das britisch kontrollierte Mandatsgebiet Palästina auszuwandern, insbesondere jüdische Displaced Persons (DPs) in Deutschland. Zu den Ausreisewilligen gehörten auch spätere Passagiere der Exodus. Die Einwanderung nach Palästina wurde von der britischen Militäradministration abgelehnt. Aufgegriffene wurden in DP-Lagern, zunächst in Palästina und ab August 1946 im Rahmen der Operation Igloo in Britisch-Zypern, interniert.
Die britische Marine errichtete ab November 1945 eine Seeblockade vor der Küste Palästinas, die eine erfolgreiche Ankunft der Flüchtlingsschiffe fast unmöglich machte. Den Aufgegriffenen drohte weitere Lagerhaft. Dennoch wurde vom Mossad le Alija Bet der Flüchtlingsstrom weiter aufrechterhalten. Verhaftungen wurden dabei bewusst in Kauf genommen – einerseits, um durch eine hohe Zahl internierter Juden britische Kräfte zu binden, andererseits, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf das andauernde Leid zu ziehen.
Ankauf und Vorbereitung Der Mossad le Alija Bet wurde auf die President Warfield aufmerksam, die bereits seit annähernd einem Jahr auf dem Schiffsfriedhof vor Anker lag. Ein besonderer Vorteil des Flussschiffs war der geringe Tiefgang von nur 2,4 Metern, der es ermöglichen würde, näher an die Küste heranzufahren als jedes Kriegsschiff der Briten, und sich so einem möglichen Zugriff zu entziehen. Am 9. November 1946 wurde das Schiff für 60.000 USD von der Potomac Shipwrecking Co., Washington D.C., gekauft, die als Agent für die Hagana auftrat. Ab Januar 1947 wurden Umbaumaßnahmen eingeleitet, um eine möglichst große Anzahl Flüchtlinge aufnehmen zu können. Am 18. Februar 1947 wurde die President Warfield unter der Flagge von Honduras registriert. Am 24. Februar verließ das Schiff Baltimore mit Ziel Europa, doch tags darauf havarierte das Schiff in einem schweren Sturm und musste in den Hafen Norfolk (Virginia), geschleppt werden. Dadurch wurde zuerst die lokale Presse und infolgedessen auch der britische Geheimdienst auf das Schiff aufmerksam und erkannte dessen beabsichtigten Verwendungszweck. Auf diplomatischer Schiene übte die britische Regierung Druck auf Honduras aus, um die Registrierung der President Warfield zurückzunehmen. Doch bereits bevor die Regierung von Honduras dem Druck nachgeben konnte, waren die Beschädigungen an der President Warfield repariert und verlorene Ausrüstung ersetzt, und das Schiff befand sich auf der Weiterfahrt nach Europa. Ab dem Zwischenstopp in Norfolk wurde das Schiff permanent vom britischen Geheimdienst überwacht. Als weiterer Beobachter befand sich der methodistische Pastor und Reporter John Grauel des pro-zionistischen American Christian Palestine Committee an Bord der President Warfield.
Am 22. März wurde in Paulsboro, New Jersey, Brennstoff gebunkert, und Kapitän Ike Aronowicz übernahm die Schiffsführung. Dann setzte das Schiff die Überfahrt über Philadelphia (29. März), Ponta Delgada (5. April) und Gibraltar nach Marseille fort, wo es am 10. April ohne weitere Zwischenfälle ankam. Der britische Geheimdienst zeigte dort demonstrative Präsenz, so dass befürchtet wurde, die President Warfield könnte am Auslaufen gehindert werden. Deswegen wurde das Schiff zunächst nach Port-de-Bouc verlegt und kurz darauf für die restlichen Umbaumaßnahmen nach Porto Venere. Für eine möglichst große Passagierzahl wurden die Unterkünfte sehr eng gebaut. Die Kojen für die Passagiere maßen nur 45 cm in der Breite und 60 cm in der Höhe. Auf diese Weise konnte das ursprünglich für 400 Passagiere ausgelegte Schiff in der siebenwöchigen Liegezeit für 5000 Flüchtlinge vorbereitet werden. Während dieser Zeit wurde Jossi Harel von Schaul Avigur als Kommandant angeworben und kam an Bord der President Warfield.
Auch in Italien wurde das Schiff vom britischen Geheimdienst überwacht. Zusätzlich patrouillierte ein italienisches Kanonenboot vor dem Hafen und setzte damit die President Warfield fest. Am 11. Juni 1947 konnte Aronowicz die President Warfield in einem unbeobachteten Moment aus dem Hafen steuern und in Richtung Frankreich entkommen. Das italienische Kanonenboot verfolgte die President Warfield, solange sie sich in italienischen Hoheitsgewässern befand, verhielt sich aber ansonsten neutral. In Port-de-Bouc wurde die President Warfield am 14. Juni von den Hafenbehörden auf ihre Seetauglichkeit kontrolliert. Die Überprüfung ergab keine Beanstandungen und sie erhielt das erforderliche Zertifikat ausgestellt.
Am 9. Juli lief die President Warfield im Hafen von Sète ein, wo sie die kurzfristig und möglichst unbemerkt dorthin gebrachten Flüchtlinge aufnahm.
Die Fahrt nach Palästina mini|Gedenktafel in Sète. Die Inschrift lautet (übersetzt): Exodus 47. Am 11. Juli 1947 schifften 4530 Widerstandskämpfer, Emigranten, Untergetauchte beim Versuch, die britische Seeblockade zu durchbrechen, sich hier auf der „Exodus 47“ ein, unterstützt von der Bevölkerung und den Behörden der Region, um in Israel, dem Land der Vorväter, ein neues Leben in Freiheit aufzubauen. – Im Namen der französisch-israelischen Freundschaft am 11. Juli 1982.
In der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1947 wurden mit rund 170 Lkws eilig 4515 jüdische Flüchtlinge aus den Sammellagern rund um Marseille aufgenommen und bis zum Mittag des 10. Juli an Bord des Schiffes gebracht. Darunter befanden sich je nach Quellenangabe 655 oder 955 Kinder, vorwiegend Waisenkinder. Am gleichen Tag traf der britische Außenminister Bevin in Paris ein, um den Druck auf die französische Regierung zu erhöhen, das Schiff nicht auslaufen zu lassen. Aus Furcht, das Schiff könnte mit einer Blockade belegt werden, ordnete Avigur die Abfahrt für den 11. Juli morgens an, egal ob dafür eine Genehmigung vorliegen würde oder nicht. Der französische Offizier Laurent Leboutet erteilte um 1 Uhr früh die Genehmigung zum Auslaufen. Gegen 2 Uhr morgens sollte ein Lotse an Bord kommen. Doch als er um 03:30 Uhr noch immer nicht erschienen war, entschied sich Aronowicz dazu, auf eigene Faust abzulegen. Auf der Fahrt vom Hafen von Sète durch die Kanäle zum Mittelmeer lief die President Warfield auf Grund, und es dauerte eine halbe Stunde, das Schiff wieder frei zu bekommen. Danach erreichte es ohne weitere Zwischenfälle die offene See.
mini|HMS Ajax Die Überfahrt der President Warfield mit 4515 Passagieren und 39 Mann Besatzung unter dem Kommando von Jossi Harel wurde von Anfang an und stets in Sichtweite des Schiffs durch mehrere britische Zerstörer (darunter die HMS Charity, Chequers, Chieftain und Childers) unter der Führung des Leichten Kreuzers Ajax permanent verfolgt. Der Passagier Michael Weill erinnert sich: „Geschlafen wurde abwechselnd im Liegen, Sitzen, Stehen. Die sanitären Bedingungen waren entsetzlich, viele sind gestorben.“Zitat des Passagiers und Zeitzeugen Michael Weill, enthalten im Artikel von Karin Walz: Von einem Leben auf der Flucht. In: Südkurier vom 30. Januar 2014, S. 24.
Mit der Absicht, von möglichst vielen anderen Schiffen gesichtet zu werden und so die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit weiter auf das Schicksal des Flüchtlingsschiffs zu richten, steuerte Aronowicz die President Warfield auf einen südlicheren Kurs in die vielbefahrenen Gewässer vor Ägypten und dem Suezkanal. Auf der Fahrt geriet der Konvoi in schwereres Wetter. Die als Flussdampfer konstruierte und mit Flüchtlingen überladene President Warfield rollte dabei bis zu einer Schräglage von 25 Grad.
Von Ägypten aus wendete das Schiff auf nördlichen Kurs und fuhr die Sinai-Küste entlang Richtung Gaza. Harels Plan war, bei Nacht sämtliche Lichter zu löschen und die President Warfield zu stoppen, so dass die überraschten britischen Zerstörer am Flüchtlingsschiff vorüberfahren müssten. Dann sollte die President Warfield mit äußerster Kraft direkt auf die Küste zusteuern. Doch die britischen Geleitschiffe waren zu zahlreich, so dass Harel den Plan aus Sicherheitsgründen nicht weiter verfolgte. Stattdessen wurden auf dem Schiff Vorkehrungen getroffen, um den Briten das Entern so gut wie möglich zu erschweren. Sämtliche Zugänge zum Schiff wurden vergittert, und für die Gegenwehr wurden Wurfgegenstände wie Konservendosen, Flaschen und Kartoffeln bereitgelegt.
mini|125px|Flagge Israels In einer feierlichen Zeremonie wurde am 17. Juli das Schiff in Exodus 1947 umbenannt, die Flagge von Honduras eingeholt und stattdessen die weiß-blaue Flagge mit dem Davidstern – die spätere Flagge Israels – gehisst. Die Zeremonie wurde per Funk nach Palästina übertragen und dort im Radio gesendet. John Grauel richtete während der Übertragung eine besondere Botschaft in englischer Sprache an die Mitglieder des UNSCOP, die zu dieser Zeit in Haifa tagten.