mini|Lisenen und Rundbogenfries|244x244px Die Lisene (von frz. „Saum“, „Rand“, „Kante“; auch Lesine, Laschene Andere Wortformen für Lisene.) ist in der Architektur zur Gliederung von Fassaden eine schwach vortretende, senkrechte Wandvorlage, selten mit kleinem Kämpfer, aber im Unterschied zum Pilaster ohne Basis und Kapitell.Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar. (= Kröners Taschenausgabe. Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 29. März 2025), S. 313: Lisene.

Funktion und Verwendung mini|173x173px|1: Kantenlisene, 2: Ecklisene Lisenen werden wie Pilaster zur optischen Gliederung einer Fassade oder sonstigen Wandfläche verwendet. Sie dienen nicht nur zur Verzierung von glatten Wänden, sondern als Kantenlisenen auch zur Betonung der Gebäudekanten. Etwas von der Gebäudekante Abstand haltende Lisenen sind Ecklisenen.

Kunsthistoriker haben zur Beschreibung von historischen Fassaden den Begriff Lisenenrahmengestell geprägt.Begriffsverwendung beispielsweise: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50: Stadt Minden, Teil 5., Minden ausserhalb der Stadtmauern, Teilbd. 1. Bearbeitet von Fred Kaspar. Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 978-3-88474-635-6, S. 585. (BooksGoogle) Gemeint ist eine Kombination aus Lisenen mit einer oben verbindenden, horizontalen Fassadenvorlage, die insgesamt wie ein aufgeblendetes Gestell wirkt, das gleichzeitig Fensterachsen rahmt. Der Architekturtheoretiker Leonhard Christoph Sturm zeigte diese Möglichkeit der Fassadengliederung bereits 1699 in einem musterhaften Fassadenaufriss seiner Civil-Bau-Kunst.Nikolai Goldmanns Vollständige Anweisung zu der Civil Bau-Kunst […]. Herausgegeben von Leonhard Christoph Sturm. Heinrich Keßler, Braunschweig 1699, nach S. 165, Fig. 1C (Digitalisat der Abbildung, Texthinweis zur Abbildung auf S. 9: „Der Aufriß“)

An bautechnisch relevanten Stellen kann auch der Effekt als statische Verstärkung hinzu kommen. So wird die romanische Lisene teilweise als Stammform des in der Gotik aus dem Gebäude herausgezogenen Strebepfeilers angesehen.

Geschichte Lisenen wurden in verschiedenen Epochen verwendet, so auch in der römischen und in der Folge in der byzantinischen Architektur. Diese in Norditalien (vor allem in Ravenna) verwendete Fassadengliederung griffen die dort siedelnden germanischen Langobarden auf, so dass durch Rundbogenfriese miteinander verbundene Lisenen nahezu stilprägende Merkmale der lombardischen Architektur wurden. Lombardische Baumeister waren wegen ihrer Kunstfertigkeit berühmt, im Ausland begehrt und förderten so die Verbreitung dieses Gestaltungsmerkmals.

Nördlich der Alpen finden sich Lisenen als Gestaltungselemente bereits sehr früh an den Stiftskirchen St. Cyriakus in Gernrode (vor 1000) und der nahegelegenen St. Servatiusstiftskirche in Quedlinburg (997–1021). Von großem Einfluss war die Verwendung von Lisenen am Speyerer Dom (1030–1106), was viele Baumeister zur Nachahmung anregte. In der Folge findet man sie an vielen romanischen Kirchen.

Seit der Renaissance wird die Lisene vom Pilaster verdrängt, obschon formal orientierte Architekten wie Palladio und die Baumeister des klassizistischen Barocks durchaus sehr reduzierte, lisenenhafte Elemente verwendeten. Lisenen lebten aber in den Neostilen des Historismus wieder auf und findet sich durchgängig in der Zweckarchitektur von Industriebauten, insbesondere in der Ziegelarchitektur, aber auch bei repräsentativen Putzfassaden des Historismus.

Im modernen Skelettbau kann die Tragstruktur durch Verkleidungen oder Verblendmauerwerk verdeckt sein, die wiederum eine gliedernde Lisenenstruktur abbilden.

Sonstiges

Tischlerei

In der Möbeltischlerei bezeichnet man mit Lisene eine erhabene senkrechte Leiste, die eingetiefte Felder rahmt, insbesondere an einer Kante des Möbelstücks. Beispiele finden sich beim Frankfurter Schrank und im Klavierbau.

Fassadenbau Beim modernen Fassadenbau sind Lisenen vertikal angeordnete Verbindungselemente von horizontal verlegten Sandwichpaneelen.

Literatur Günther Binding: Lisene – Pilaster – Wandpfeiler. In: Denkmal-Kultur im Rheinland. Festschrift für Udo Mainzer zum 65. Geburtstag, Werner Verlag, Worms 2010 (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege. 75). Werner, Worm 2010, ISBN 978-3-88462-300-8, S. 128–141. Wilfried Koch: Baustilkunde. 32. Auflage. Prestel, München 2014, ISBN 978-3-7913-4997-8, S. 465. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar. (= Kröners Taschenausgabe. Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 29. März 2025), S. 313: Lisene. Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon, Band 3: H bis P. Leipzig 1883, S. 265: Laschene. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 31. Januar 2024)

Weblinks

Lisene, auf denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de

Einzelnachweise

Kategorie:Bauteil (Bauwesen) Kategorie:Fassadengliederung