mini|„Sommer“ (das Lackbild in der Mitte, unten) mini mini|„Sankt Petersburg“ mini|Die vier Zentren der russischen Lackminiaturen: Fedoskino (1795), Palech (1924), Mstjora (1932), Cholui (1934) Die Lackminiaturen aus Fedoskino (, transkribiert Fedoskinskaja miniatjura) sind traditionelle russische Lack-Miniaturmalereien mit Ölfarben auf schwarzen Lackschatullen aus Pappmaché. Die Miniaturen sind im typischen Stil der russischen Volkskunst gemalt. Die virtuose Beherrschung der Maltechnik wurde von Generation zu Generation weitergegeben und immer weiter verfeinert. Die Lackdosen und Lackschachteln wandelten sich mit zunehmender Kunstfertigkeit vom Gebrauchsgegenstand zum Kunstobjekt.

Die Fedoskino-Miniaturen sind nach ihrem ursprünglichen Herkunftsort Fedoskino () benannt, einem alten Dorf nördlich von Moskau, im Rajon Mytischtschi, in der Oblast Moskau. Fedoskino liegt am Fluss Utscha () 27 km nördlich des Moskauer Autobahnrings, an der Dmitrower Chaussee (russ. ).

Einer der führenden Betriebe zur Herstellung von Lackmalereien in Russland wurde Ende des 18. Jahrhunderts der Betrieb von Korobow/Lukutin in Fedoskino. Die Fedoskino-Miniaturen sind in Russland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts weit bekannt geworden. Diese Stücke wurden nicht nur in Russland, sondern auch in Europa populär. Fedoskino wurde ein bedeutendes Zentrum der russischen Miniaturmalerei. Die anderen drei, nicht ganz so bedeutenden, Zentren der russischen Lackminiaturen waren und sind: Palech (Lackminiaturen aus Palech), Mstjora (Lackminiaturen aus Mstjora) und Holui (Lackminiaturen aus Cholui). Sie liegen ebenfalls unweit von Moskau, im Norden.

Herstellung und Bildmotive mini|„Sankt Petersburg“ Die Herstellung einer Arbeit dauert ungefähr vier bis sechs Monate, davon allein drei Monate für die Anfertigung der Pappmaché-Schachtel. Die Pappmaché-Rohlinge werden in heißem Leinöl getränkt und trocknen anschließend einen Monat bei Zimmertemperatur und einen weiteren Monat im Trockenofen. Aus einer Mischung aus Ton, Öl und Ruß besteht die Grundierung, dann wird ein schwarzer Firnis aufgebracht. Danach dauert das eigentliche Malen des Miniaturgemäldes auf das Hilfsfabrikat bis zu zwei Monate, und für das abschließende Lackieren und Schleifen vergeht ein weiterer Monat. An aufwändigen Motiven wird bis zu einem Jahr gemalt.

Es gab ein sehr vielfältiges Sortiment an großen und kleinen Schachteln, Kästchen, Schatullen und Dosen verschiedener Größe und Form sowie anderen Gegenständen, die mit Lackminiaturen verziert wurden: Schmuckschatullen, Puderdosen, Tabakdosen, Deckel für Alben, Teedosen, Geldbörsen, Brillenschachteln, Ostereier, Spielkarten-Schatullen, Streichholzschachteln, Schokoladenschachteln und Fingerhüte.

Besonderheiten der Lackminiaturen von Fedoskino mini Typisch für die Originaltechnik der Fedoskino-Lackminiaturen ist die „Durchscheinmalerei“. Vor dem Malen wird auf der Oberfläche ein lichtreflektierendes Material aufgetragen. Die Bilder sind meist mit Blattgold oder golden schimmernder Silberbronze unterlegt. Manche Bilder werden mit einer Schicht Perlmutt hinterlegt, auf die dann gemalt wird, und die teilweise auch mit Gold verziert werden. Für die Perlmutteinlagen wird eine entsprechende Vertiefung ausgeschliffen. Des Weiteren können Metallpulver (Aluminiumpulver oder Bronzepulver), Zinnsulfid, Metallblättchen aus Kupfer, Zink, Aluminium oder Messingfolie (Rauschgold) als Untergrund dienen. Durch das Hinterlegen der Bilder mit einem lichtreflektierenden Untergrund wird ein schimmernder Glanz oder ein silbriges Funkeln erzielt. Der metallische Untergrund schimmert teilweise und kaum wahrnehmbar durch die transparenten Farben hindurch und verleiht dem Bild einen speziellen Tiefeneffekt.

Die Miniaturen wurden in Ölfarben (Temperafarben, durchsichtigen Lackfarben) ausgeführt, die in drei bis vier Schichten aufgetragen werden. Typisch für den Stil der Fedoskino-Miniaturen sind leuchtende und grelle Farben, feine Farbabstufungen und fließende Übergänge zwischen den Farben sowie eine akkurate realistische Maltechnik. Nachdem der Entwurf der Komposition aufgemalt ist, folgt die detaillierte Ausarbeitung. Abschließend wird dem Objekt mit hellen Farben Lichtglanz verliehen.

Ansonsten sind die Pappmaché-Schachteln meist schwarz lackiert. Der Kontrast der Bildfarben wird durch den glänzenden schwarzen Lackhintergrund noch verstärkt. Viele Schachteln sind sowohl außen als auch innen bemalt, um Schildkrötenpanzer, Birkenrinde, Mahagoniholz, Elfenbein, Malachit oder Tartan zu imitieren. Meist sind die Innenseiten der Deckel zinnoberrot lackiert und tragen einen Fabrikstempel: eine goldene Troika mit der Aufschrift „Fedoskino“. Alle Stücke aus der Fabrik Fedoskino sind nummeriert.

Außer mit Miniaturmalereien werden die Schachteln noch mit Filigranarbeiten verziert, mit entsprechend geformten Miniaturstücken aus Folien, die in den Lack eingelegt werden.

Bildmotive

Die zur damaligen Zeit beliebten Motive wurden auch zu häufigen Motiven auf den Lackminiaturen aus Fedoskino: Troika, Teetrinkerszenen („Am Samowar“), Szenen aus dem russischen und belarussischen Bauernleben.

Die Lackminiaturen aus Fedoskino zeigen die verschiedensten Motive: Alltagsszenen, besonders bäuerliche Szenen und Szenen aus dem Alltag der Kaufleute des 19. Jahrhunderts Märchenepisoden aus russischen Volksmärchen (z. B. Ruslan und Ljudmila, Die Froschprinzessin) Episoden aus Volksliedern und Erzählungen, z. B. Motive aus der Verserzählung von Alexander Puschkin Volksfeste und Volkssitten, Jahrmärkte Bauernmädchen russische Volksgeschichten und Helden des alten Russland Väterchen Frost Kopien berühmter Bilder und anderer Kunstwerke russischer und westeuropäischer Künstler mini|„Troika“ (A. Orłowski) Winterlandschaften und Wintermotive, z. B. Troika-Fahrten. Das Motiv der Troika wurde einer Zeichnung von Aleksander Orłowski entlehnt. die Natur in der Moskauer Umgebung Jagdszenen Tiere und Phantasiegestalten russische Architekturdenkmäler (z. B. der Moskauer Kreml) Städteansichten (z. B. Susdal) politische Miniaturplakate

Die Malkunst von Fedoskino ist auch durch die Komposition der Motive geprägt. Am meisten wurden Motive geschätzt, die mit komplizierten Kompositionen verziert waren, die z. B. eine große Anzahl von Personen darstellen.

Die Lukutin-Miniaturbilder (zum Besitzer Lukutin siehe unten) auf Produkten aus Pappmaché unterschieden sich von den europäischen Miniaturbildern insbesondere durch die stark russisch-national geprägte Motivwahl und die besondere Maltechnik. Die Kunst der Miniaturmaler war einerseits von der russischen Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts beeinflusst und andererseits von den Künstlern, die Lackwaren herstellten, die engen Kontakt zum russischen Volk hatten und sich deren grellen dekorativen Elemente der künstlerischen Volkstradition aneigneten. In die Lackminiaturen flossen Elemente der Tafelbild-Malerei, des Lubok (russische Volksbilderbogen) und der Ikonenmalerei mit ein, ebenso die Tradition der Miniatur-Porträt- und der Miniatur-Landschaftsmalerei.

Heutzutage werden hauptsächlich historische Szenen aus dem Alltagsleben des russischen Volkes, Märchen und historische Ereignisse in der Miniaturmalerei aus Fedoskino dargestellt.

Geschichte Die russische Lackminiaturmalerei hat eine jahrhundertealte Tradition und hat ihre Ursprünge in der filigranen Ikonenmalerei.

Korobow mini Der alteingesessene Moskauer Kaufmann Pjotr Iwanowitsch Korobow (Пётр Иванович Коробов; † 1819) gründete 1795 in der Nähe von Moskau im Dorf Danilkowo (Данилково) den ersten kleinen Betrieb für die Herstellung von Lackwaren aus Pappmaché. Danilkowo ist heute Ortsteil von Fedoskino. Anfänglich erwarb Korobow in Danilkowo Land, um mit der Fabrikation von lackierten Mützenschirmen für Schildmützen (Tschako) und Helmen für die russische Armee Geld zu verdienen. Da es damals noch keinen Kunststoff gab, wurden die Mützenschirme aus lackiertem Pappmaché hergestellt.

Einige Jahre später, während einer Reise durch Europa, interessierte sich Korobow für die Stobwassersche-Lackwarenmanufaktur in Braunschweig, die damals von Johann Heinrich Stobwasser (1740–1829) geleitet wurde. Korobow konnte bei Stobwasser die erforderlichen Lacke und Farben erwerben. Er lernte dort die Herstellung des deutschen Lacks kennen, wurde in die Geheimnisse der Lackmalerei eingeweiht und übernahm von dort auch die Technologie zur Produktion der Schachteln aus Pappmaché. Korobow lud einige Meister der Fabrik nach Russland ein, um seine Meister und Arbeiter, hauptsächlich angestellte Bauern der Umgebung, anzulernen.

Außer den lackierten Mützenschirmen wurden in seiner Fabrik in Fedoskino nun auch runde „Korobski“-Tabakdosen hergestellt. Nach einer Militärreform, die eine Änderung der Uniform beim russischen Militär mit sich brachte, fanden seine Mützen keinen Absatz mehr, und Korobow stellte die Produktion ganz auf Tabakdosen um. Korobows kleiner Betrieb war eine Manufaktur. Solche Betriebe für Pappmaché-Tabakdosen gab es zu dieser Zeit bereits zahlreich in Russland, denn mit dem Schnupftabak waren auch Schnupftabakdöschen (Lack-Tabakdosen aus Pappmaché) populär geworden. Das Tabakschnupfen kam zu jener Zeit stark in Mode, und dies nicht nur bei Adligen, sondern auch beim einfachen Volk, selbst Frauen schnupften Tabak. Damit kamen auch die Tabakdosen in Mode; sie waren aus Gold, Silber, Porzellan oder aus Pappmaché. In der Region Moskau war Korobows Betrieb der erste, der Pappmaché-Tabakdosen herstellte. Russische Bauern erlernten unter Anleitung deutscher Meister in Fedoskino die Herstellung von Pappmaché.

Die ersten Tabakdosen von Korobow waren nicht bemalt, sondern mit Gravuren beklebt, die überlackiert wurden. Da es noch keine Künstler in der Fabrik gab, wurden die ersten Lackdosen nur mit Bildern beklebt. Mitgebrachte runde Tabakdosen aus Braunschweig, die mit Miniaturgemälden bemalt waren, dienten Korobow als Muster. Erst 1814 gab es Künstler in der Fabrik – gleich nach Napoleons Russlandfeldzug.

Diese Tabakdosen waren rund und schwarz lackiert. Anfangs wurden die Deckel dieser Dosen lediglich mit Miniatur-Gravuren beklebt und mit Lack überzogen. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden dann Tabakdosen, kleine Schatullen und andere Gegenstände mit Miniaturmalereien verziert, die im klassischen Malstil in Ölfarbe ausgeführt waren.

Lukutin mini 1816 übergab Pjotr Korobow den in Danilkowo angesiedelten Manufakturbetrieb seinem Schwiegersohn Pjotr Wassiljewitsch Lukutin (, * 1784; † 1863). Nach Korobows Rückzug aus dem Betrieb (Koronow starb im Jahr 1819) befand sich die Firma für kurze Zeit – 1818 bis 1824 – im Besitz seiner Tochter Jekaterina Korobowa (). Mit der Übernahme durch Pjotr Lukutin begann eine neue Ära in der Entwicklung der Firma. Nun wurden die verschiedensten Formen und Größen von Tabakdosen hergestellt und neue Artikel wie Aufbewahrungsgegenstände für Rauchwaren sowie kleine Schachtische und Puderdosen. Lukutin siedelte die Manufaktur auf der anderen Seite des Flusses Utscha im Dorf Fedoskino an, wo er ein neues Produktionsgebäude errichtete und weitere qualifizierte Miniaturmaler einstellte.

Pjotr Lukutin entstammte einer Moskauer Kaufmannsfamilie. Die Fabrik blieb bis zur Schließung 1904 im Besitz der Lukutins. Pjotr Lukutin änderte die Formen und Motive der Lackminiaturen, wobei er sich am zeitgenössischen Geschmack orientierte. Nachdem Pjotr Lukutin die Miniaturen nicht mehr im Salonstil, sondern im volkstümlichen Stil malen ließ, wurde er 1828 Hoflieferant des russischen Zarenhofs. Damit waren hohe Qualitätsanforderungen verbunden, und ihm wurde das Recht verliehen, die Lackdosen aus seiner Produktion mit dem russischen Staatswappen, dem Doppeladler, zu versehen.