Verbotene Filme in der DDR gab es von 1951 bis 1984. Am bekanntesten wurden die DEFA-Spielfilme von 1965/1966 wie Spur der Steine von Frank Beyer und Das Kaninchen bin ich von Kurt Maetzig, sowie der Fernsehfilm Geschlossene Gesellschaft (1978) von Frank Beyer. Die meisten sind auf DVDs erhältlich.
Bezeichnungen für verbotene DEFA-Filme Für die verbotenen DEFA-Spielfilme gab es verschiedene umgangssprachliche Bezeichnungen Kellerfilme oder RegalfilmeJörg Schweinitz: Kellerfilm/Regalfilm. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Films. 2. Auflage. Reclam, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-010625-9, S. 341 f., weil sie im Staatlichen Filmarchiv der DDR gelagert wurden und auch den meisten Filmwissenschaftlern nicht zugänglich waren. Kaninchenfilme, nach Das Kaninchen bin ich von Kurt Maetzig Plenumsfilme, nach dem XI. Plenum des ZK der SED vom Dezember 1965, auf dem die Verbote von Filmen eingeleitet wurden. Verbotsfilme, Filmwissenschaftliche Instanzen der Nachwendezeit wie die DEFA-Stiftung benutzten überwiegend diesen Begriff.
Geschichte 1951–1961 1951 wurde Das Beil von Wandsbek in der DDR als erster DEFA-Film verboten, weil der Hauptheld ein Henker und keine positive Figur war. Auch der aufwändige Propagandafilm Baumeister des Sozialismus – Walter Ulbricht, der anlässlich von dessen 60. Geburtstag Ende Juni 1953 gezeigt werden sollte, wurde nach dem Aufstand vom 17. Juni nicht aufgeführt.
1958/1959 wurden einige kritischere Filme, die unter dem Einfluss des Tauwetters seit 1956 entstanden waren, verboten (Sonnensucher von Konrad Wolf).
1961–1971
Anfang der 1960er Jahre wurden die Bedingungen für Filmemacher bei der DEFA liberalisiert, was dazu führte, dass einige Produktionen entstanden, die sich kritischer mit dem DDR-Alltag beschäftigten, dabei aber nicht offen oppositionell waren.Dagmar Schittly, Alltag im Film. Verbotene und zensierte Spielfilme der DEFA, in Atchiv für Politik und Zeitgeschichte , B 17, Mai 2002, S. 23–29 (Text); mit einigen Details zur Geschichte der verbotenen Filme in der DDR
Auf dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 wurden die Filme Das Kaninchen bin ich von Kurt Maetzig und Denk bloß nicht, ich heule von Frank Vogel heftig kritisiert, obwohl sie vorher schon durch die Filmverantwortlichen der DEFA und der SED genehmigt worden waren.Dagmar Schittly, Zwischen Regie und Regime, 2002, S. 127–163, mit ausführlicher Darstellung des Plenumsverbotes und deren FolgenSabine Brummel, Werktätige in DEFA-Spielfilmen, Universität Paderborn, Diplomarbeit 1995, S. 53–54; mit kurzer ZusammenfassungKlaus Wischnewski, Die zornigen jungen Männer von Babelsberg, in Günter Agde (Hrsg.): Kahlschlag: das 11. Plenum des ZK der SED. 2., erweiterte Auflage, Aufbau Taschenbuch, Berlin 2000. S. 355–371 (Inhaltsverzeichnis) Dieses führte dazu, dass zehn weitere Spielfilme der Jahre 1965 und 1966 nicht mehr gezeigt werden durften, darunter Spur der Steine von Frank Beyer mit Manfred Krug, der noch Anfang 1966 seine Premiere hatte, bald aber nach massiven Störaktionen von FDJ- und SED-Funktionären zurückgezogen werden musste.
Auch in den folgenden Jahren gab es Filmverbote (Die Russen kommen, von Heiner Carow, 1968).
1971–1989 Nach dem Machtantritt von Erich Honecker 1971, der zunächst eine liberalere Kulturpolitik einleitete, konnten einige bisher verbotene Filme aufgeführt werden (Der verlorene Engel, in gekürzter Fassung). Aber auch in den folgenden Jahren gab es gelegentliche Aufführungsverbote, etwa nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976, (Geschlossene Gesellschaft, 1978, mit Armin Mueller-Stahl).
Ab 1980 wurden nur wenige neue Filme verboten, etwa der DEFA-Spielfilm Jadup und Boel (1981) und die Polizeiruf 110-Folge Rosis Mann (1984). Ab 1987 konnten mehrere bisher verbotene Filme neu aufgeführt werden.
Seit 1989 mini|Manfred Krug (links) und Egon Krenz (rechts) bei der Wiederaufführung von Spur der Steine am 23. November 1989 im Kino International in Berlin
In den Monaten nach der Maueröffnung 1989 wurden die meisten verbotenen Filme wieder gezeigt, als erstes Spur der Steine bereits nach zwei Wochen, einige dann bei der Berlinale im Februar 1990. Nach 2000 wurden die letzten zwei erhaltenen noch nicht veröffentlichten Filmfragmente aufwändig restauriert und uraufgeführt (Fräulein Schmetterling, Hände hoch oder ich schieße).
Einige der verbotenen Filme werden bis in die Gegenwart bei Retrospektiven und in Programmkinos gezeigt. Die bekanntesten 19 verbotenen DEFA-Spielfilme wurden in einer DVD-Box mit einem umfangreichen Begleitmaterial herausgegeben.DEFA Verboten! Ostfilm; ohne Monolog für einen Taxifahrer (1962),Wir lassen uns scheiden (1968), Die Schlüssel (1974), Feuer unter Deck (1977) und Geschlossene Gesellschaft (1978)
Verbotene DEFA-Spielfilme DEFA-Filme, die ursprünglich überhaupt nicht gezeigt werden durften oder bald nach ihrer Erstaufführung verboten oder aus dem Verleih genommen wurden. Jahr Titel Regisseur Neuauf-führung Bemerkungen (1950) Das Beil von Wandsbek Falk Harnack 1962/1981 nach dem Roman von Arnold Zweig, am 7. Juli 1951 „wieder aus dem Vertrieb genommen“, 1962 Aufführung einer stark gekürzten Fassung 1957 Die Schönste Ernesto Remani 2002 nach zahlreichen Änderungen 1959 endgültig verboten (1958) Sonnensucher Konrad Wolf 1972 (1960) Sommerwege Hans Lucke 2014 (1961) Das Kleid Konrad Petzold 1991 kurz nach dem Bau der Berliner Mauer verboten (1962) Monolog für einen Taxifahrer Günter Stahnke 1990 für das Fernsehen, nicht gesendet, danach bei hochrangigen SED-Veranstaltungen kritisiert 1965 Der Frühling braucht Zeit Günter Stahnke 1990 am 26. November 1965 angelaufen, dann verboten (1965) Das Kaninchen bin ich Kurt Maetzig 1989 auf dem XI. Plenum kritisiert 1965 Denk bloß nicht, ich heule Frank Vogel 1990 Testaufführung, auf dem XI. Plenum kritisiert, dann Verbot (1965) Karla Herrmann Zschoche 1990 abgebrochen, rekonstruierte Erstaufführung 1990 (1965) Wenn du groß bist, lieber Adam Egon Günther 1990 vor Fertigstellung verboten, teilweise zerstört (1965) Berlin um die Ecke Gerhard Klein 1987 Rohschnittfassung verboten, Erstaufführung der Schnittfassung 1987, Verleihfassung 1990 (1966) Hände hoch oder ich schieße Hans-Joachim Kasprzik 2009 zunächst zurückgehalten, dann verboten (1966) Fräulein Schmetterling Kurt Barthel 2005 im Rohschnitt abgebrochen, als Fragment rekonstruiert 1966 Spur der Steine Frank Beyer 1989 mit Manfred Krug, Schnitt mehrfach verändert, Premiere, danach gezielte Störungen, dann verboten (1966) Jahrgang 45 Jürgen Böttcher 1990 im Stile der Nouvelle Vague, Rohschnitt abgebrochen, (1966) Der verlorene Engel Ralf Kirsten 1971 über Ernst Barlach in Güstrow, nach Kürzungen 1971 in wenigen Kopien zugelassen (1968) Die Russen kommen Heiner Carow 1987 nach Fertigstellung verboten, Szenen wurden in Carows Film Karriere verwendet, Rekonstruktion 1987 1968 Wir lassen uns scheiden Ingrid Reschke 2016 kurze Zeit nach der Premiere aus dem Verleih genommen, wegen Republikflucht des Darstellers Reiner Schöne (1973) Die Taube auf dem Dach Iris Gusner 1990 nach Fertigstellung nicht abgenommen, Farbfassung verschollen, Premiere der Schwarzweiß-Fassung 7. Oktober 1990 1974 Die Schlüssel Egon Günther 1993 (TV) 1972 fertiggestellt, 1974 wenige Aufführungen, kein Export in die ČSSR und BRD (1977) Feuer unter Deck Herrmann Zschoche 1979 nach Ausreise Manfred Krugs in die BRD vor der Premiere verboten 1979 Plankton oder das Wunder der Anpassung Leonija Mundeciema – nur eine Vorstellung bekannt, kein Filmmaterial erhalten (1981) Jadup und Boel Rainer Simon 1988 mehrfach verändert, 1983 endgültig verboten, 1988 Kinostart mit wenigen Kopien (1984) Schnauzer Maxim Dessau 1996 letzter verbotener DEFA-Spielfilm, vernichtet
Weitere verbotene Filme in der DDR DEFA-Dokumentarfilme
Entst.-Jahr Titel Regisseur Neuauf-führung Bemerkungen (1953) Baumeister des Sozialismus – Walter Ulbricht Ella Ensink, Theo Grandy 1997 Propagandafilm zum 60. Geburtstag Ulbrichts, wegen des Aufstandes vom 17. Juni nicht gezeigt (1958) Bei uns in Schönbach Hugo Hermann – über ein Blumenfest, wurde ohne Wissen des Regisseurs verändert und danach nicht mehr gezeigt, weil er dagegen geklagt hatte, bewirkte seine DEFA-Kündigung 1966 Memento Karlheinz Mund über jüdische Friedhöfe in Ost-Berlin, nur in gekürzter Fassung mit einem neuen Kommentar gezeigt 1966 Es genügt nicht 18 zu sein Kurt Tetzlaff nur in veränderter Fassung gezeigt 1964 Barfuß und ohne Hut Jürgen Böttcher über Jugendliche an der Ostsee, nur eine Aufführung 1978 Arbeiterfamilie in Ilmenau Richard Cohn-Vossen 1978 Heim Angelika Andrees 1990 (1979) Fernfahrer Hans Hoffmann und seine Tochter Ernst Cantzler – Dokumentarfilm für Kinder über Fahrt nach Polen, nicht gesendet, wahrscheinlich wegen Ablehnung der DDR gegen die Vereinbarung der polnischen Regierung mit einem Streikkomitee in Danzig (1982) Marx-Familie Helke Misselwitz 1988 Kurzfilm über die Familie von Karl Marx in London, anlässlich des 100. Todestages (1987/1989) Wer hat dich, du schöner Wald Günter Lippmann 1990 über Waldsterben im Erzgebirge, nach acht veränderten verbotenen Fassungen erst 1990 gezeigt
Fernsehfilme (Klammer beim Entstehungsjahr bedeutet, dass der Film in dieser Zeit nicht gesendet wurde.) Ent. Jahr Titel Regisseur Neu-auff. Bemerkungen 1962 Fetzers Flucht Günter Stahnke 1990 Fernsehoper, nach der Erstausstrahlung verboten, danach umfassende Pressekampagne. gegen den Film (1966) Der kleine Prinz Konrad Wolf 1972 nach Antoine de Saint-Exupéry, wegen fehlender Rechte (durch die Erben) bis 2015 nur zweimal gezeigt (1969) Die seltsame Reise des Alois Fingerlein Wolfram Krempel 1977 Theateraufzeichnung 1970 Sonntag, den … Briefe aus einer Stadt Bernd Scharioth 2023 mit Texten von Brigitte Reimann und Gesang von Manfred Krug, nach Erstsendung 1977 verboten, 1984 vernichtet, 2023 Kopie wiederentdeckt (1974) Polizeiruf 110: Im Alter von … Heinz Seibert 2011 vernichtet, das später aufgefundene Kameranegativ neu bearbeitet (1975) Familie Birnchen Günter Stahnke 1982 (1978) Kieselstein am Meeresstrand Horst Ruprecht – Theateraufzeichnung eines tschechischen Kriminalstücks, kurz vor der Erstausstrahlung. verboten 1978 Geschlossene Gesellschaft Frank Beyer 1990 über Ehekrise, mit Armin Mueller-Stahl und Jutta Hoffmann, nur eine versteckte Ausstrahlung, dann verboten 1978 Ursula Egon Günther Koproduktion mit der Schweiz, bald nach der Erstausstrahlung verboten (1979) Guten Morgen, du Schöne: Susanne/Gudrun/Angela Hans-Werner Honert 1990 über drei junge Frauen, nach Texten von Maxie Wander (1979) Risiko (Der Staatsanwalt hat das Wort) Helmut Krätzig 1990 über Republikflucht, einzige verbotene Folge dieser Kriminalserie (1983) Einzug ins Paradies Achim und Wolfgang Hübner 1987 siebenteilige Serie über Familien im Neubaugebiet Berlin-Marzahn(1984) Polizeiruf 110: Rosis Mann Hans Joachim Hildebrandt – vernichtet (1987) Rheinsberg Klaus Gendries 1990 Hintergründe unbekannt (1990) Übergangslösungen (Der Staatsanwalt hat das Wort) Peter Kreusel – über sozialistische Produktion, wurde nie ausgestrahlt, wahrscheinlich wegen angeblich unaktueller Thematik
Studentenfilme Auch einige Filme von Studierenden an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg wurden in verschiedenen Stadien der Herstellung verboten. Üblicherweise wurden Studentenfilme nach der Fertigstellung auch im Fernsehen oder in besonderen Fällen bei Filmfestivals gezeigt, was in diesen Fällen nicht erfolgte oder sogar nachweisbar untersagt wurde.