Lycogala ist eine Gattung der Schleimpilze in der Ordnung der Liceida. Sie wurde 1729 von Pier Antonio Micheli erstbeschrieben. Ihr bekanntester und häufigster Vertreter sowie Typusart ist der Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum). Die Gattung ist weltweit verbreitet und besiedelt meist morsches HolzHeinrich Dörfelt, Gottfried Jetschke (Hrsg.): Wörterbuch der Mycologie. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2001, ISBN 3-8274-0920-9, S. 190..
Merkmale Die Arten der Gattung Lycogala bilden für Schleimpilze recht auffällige, meist rundliche, an der Basis deutlich verjüngte, seltener konische, Fruktifikationen mit einem Durchmesser von meist weniger als 2 cm; Lycogala flavofuscum bildet mit 2 bis 5 cm Größe eine Ausnahme. Bei allen Arten handelt es sich jedoch nicht – wie bei anderen Gattungen der Schleimpilze dieser Größe und Form durchaus üblich – um einen Zusammenschluss mehrerer Individuen (Aethalien), sondern um sitzende Sporokarpien. Sie erscheinen in dichten oder vereinzelten Gruppen bis Einzelfruktifikationen. Während sie im jungen Zustand durch leuchtend rosa oder orange Farbtöne besonders auffällig sind, nehmen sie bei Reife deutlich unscheinbarere ockerfarbene bis schwärzliche Töne an.
Die Außenhülle (Peridie) ist derb, brüchig oder zäh, glatt oder mit Warzen oder Schuppen (Vesikel) gekennzeichnet, die die Oberfläche punktieren oder netzartig mustern. In ihnen können sich Öl, Pigmente und lichtbrechende Kristalle befinden, was für die Artzugehörigkeit von großer Bedeutung ist. Auch das Vorhandensein von Zusammenschlüssen der Vesikel sowie ihre Abstände zueinander sind für viele Arten charakteristisch.
Das farblose Capillitium ist verzweigt, fast glatt bis warzig oder faltig skulpturiert. Die Sporenmasse ist meist rosa bis grau, auch beige, seltener grellrosa, bläulich oder braun. Nach mehreren Jahren verblasst es jedoch meist in verschiedene ockergelbe Töne. Die Sporen weisen ein netziges Ornament auf und messen 5 bis 8 Mikrometer im Durchmesser. Im Gegensatz zu vielen anderen Schleimpilzgattungen sind das Capillitium und die Sporen für die Trennung der Arten wenig relevant.
Ein Stiel, eine Columella oder ein ausgeprägter Hypothallus (außer bei Lycogala flavofuscum) sind nicht vorhanden.
Arten Die Gattung Lycogala umfasste bis in die 2020er-Jahre nur fünf Arten. Mithilfe phylogenetischer und morphologischer Studien wurde der Umfang zwischen 2023 und 2025 auf über 50 Arten erweitert, wobei Schätzungen von weltweit über 100 Arten ausgehen. Untersucht wurden bisher vor allem Europa, Ostasien, Australien und Nordamerika. Folgende Arten sind in Mitteleuropa und dessen näherer Umgebung nachgewiesen:
Sektion Lycogala: Vesikel der Peridie mit unregelmäßiger Form und variabler Größe, Öl und Kristalle fehlend Deutscher Name Wissenschaftlicher Name BildBlutmilchpilzLycogala epidendrum ( ex ) 1829120pxLycogala irregulare , , & 2023120pxLycogala maculatum , & 2023120pxSektion Oleogala , & 2025: Vesikel der Peridie mit großer Menge Öl gefüllt Deutscher Name Wissenschaftlicher Name BildLycogala confusum ex 1999120pxLycogala flavofuscum () 1874120pxLycogala fossiculatum , , , & 2023120pxLycogala fuscoolearium , , & 2025120pxLycogala inconspicuum , , & 2025120pxLycogala olearium , & 2023120pxLycogala skovorodaense , & 2023120pxSektion Tessellogala , & 2025: Vesikel der Peridie bilden große Aggregate Deutscher Name Wissenschaftlicher Name BildLycogala laeve , & 2025120pxLycogala paraconfusum , & 2025120pxSektion Tinctogala , & 2025: Vesikel der Peridie verbunden, jedoch keine Aggregate bildend, unreife Fruktifikationen und Sporenpulver mit leuchtender Pigmentierung Deutscher Name Wissenschaftlicher Name BildLycogala alisaulianovae , , & 2023120pxLycogala conicum 1801120pxLycogala persicum , , , & 2025120pxLycogala roseosporum , , & 2023120pxLycogala sphaeroconicum , , , , , & 2025120pxLycogala umbrinum , , , & 2025120pxSektion Crystallogala , & 2025: Vesikel der Peridie einzeln, regelmäßig rund in der Form und einheitlich in der Größe, gleichmäßig verteilt, gefüllt mit Kristallen und/oder Öl Deutscher Name Wissenschaftlicher Name BildLycogala caviaroides , , & 2023120pxLycogala leopardinum , , & 2023120pxLycogala miserum & 2025120pxLycogala palianytsia , & 2023120pxLycogala succineum & 2023120pxSektion incertae sedis Deutscher Name Wissenschaftlicher Name BildLycogala botrydium , & 2023120pxLycogala pulchellum , , & 2025120px
Lycogala exiguum wird von einigen Autoren für Europa angegeben. Nach Vergleich des Typusmaterials wurde sie bisher jedoch nur in Nord- und Mittelamerika nachgewiesen. Lycogala fuscoviolaceum ist eine Art mit unzureichend geklärter Identität. Lycogala leiosporum wird als zweifelhaftes Taxon angesehen.
Literatur D. Leontyev, Y. Ishchenko, M. Leontieva, I. Yatsiuk, O. Shchepin, W.-L. Song, S. L. Chen, E. Moroz, M. Schnittler: Expanding Lycogala: twenty-four new species, their morphology and phylogenetic relationships. Fungal Systematics and Evolution 16, 2025, S. 93–146. doi:10.3114/fuse.2025.16.7. Dmytro Leontyev, Yury Ishchenko, Martin Schnittler: Fifteen new species from the myxomycete genus Lycogala. Mycologia 115, 2023, S. 524–560. doi:10.1080/00275514.2023.2199109. Dmytro Leontyev, Martin Schnittler: Lycogala epidendrum s. l. (Myxomycetes): unbemerkte Vielfalt in einer „Allerweltsart“. Boletus 46 (2), 2025, S. 157–168.
Nachweise Leontyev et al. (Boletus, 2025), S. 161.
Leontyev et al. (FUSE, 2025), S. 93. Leontyev et al. (FUSE, 2025), S. 94. Leontyev et al. (FUSE, 2025), S. 104ff.
Michael J. Dykstra, Harold W. Keller: Mycetozoa In:
Leontyev et al. (2023), S. 2ff. Leontyev et al. (2023), S. 33f.
Weblinks
Kategorie:Myxogastrien Kategorie:Myxogastria