Die Wilzsch ist ein rechter Nebenfluss der Zwickauer Mulde in Sachsen und gehört nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur „Ökoregion Zentrales Mittelgebirge“.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Bereich Landschaftsökologie, Flächennaturschutz, Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief „Oberes Westerzgebirge“, o. J., S. 6
Naturräumliche Lage Das Wilzschtal bildet nach der Naturraumkarte von Sachsen die Mikrogeochore „Carlsfelder Wilzsch-Tal“, die Teil der Mesogeochore „Eibenstocker Bergrücken“ ist.
Verlauf Sie entspringt im Westerzgebirge im Hochmoor Wilzschmoor,Dietmar Leonhardt et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1:25 000, Blatt 5541 Eibenstock. 3. Auflage, Sächs. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Freiberg 2011. einem Bereich des Naturschutzgebietes Großer Kranichsee nahe der deutsch-tschechischen Grenze, und wird bei Weitersglashütte in der Talsperre Carlsfeld (auch Talsperre Weiterswiese) angestaut. In ihrem weiteren Verlauf nach Nordwesten liegt der Eibenstocker Ortsteil Carlsfeld. Danach folgen die ebenfalls zu Eibenstock gehörenden kleinen Siedlungen Blechhammer, Wilzschmühle und Neues Wiesenhaus. Sie mündet auf 591,5 Metern HöheTopographische Karte 5541-NW-Wilzschhaus des Landesvermessungsamts Sachsen, 1. Auflage, Dresden 1996 oberhalb von Schönheiderhammer bei Wilzschhaus neben dem früheren Bahnhof Schönheide Süd in die Zwickauer Mulde.
Zur Wilzsch führende Bäche sind auf ihrer rechten Seite Kleine Wilzsch, Wolfseifenbach, Kramsbächel/Kramsbach, Tränkwasser und auf ihrer linken Seite Wölfebächel, Kalter Brunnenbach und Zigeunerbach.Topographische Karte 5541-NW-Wilzschhaus des Staatsbetriebs Geobasisinformation und Vermessung des Landes Sachsen, 2. Auflage, Dresden 2012 Zwischen den Siedlungen Wilzschmühle und Neues Wiesenhaus wurde von der Wilzsch der Rautenkranzer Hammergraben abgezweigt und am Westhang der Wilzsch sowie am Südhang der Zwickauer Mulde entlang bis Rautenkranz geführt. Sein Wasser diente im Hammerwerk Rautenkranz zum Antrieb. Dieser Graben ist heute noch mit rudimentären Teilabschnitten vorhanden.
August Siegmund von Zeutzsch beschreibt die Wilzsch in seinem Alphabetischen Verzeichnis von 1792:
Albert Schiffner erwähnt ihn in seinem etwa 1848 erschienenen „Führer im Muldenthale“. Er beschreibt die Wilzsch so:
In Band 10 von August Schumanns Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen von 1825 wird herausgestellt, die Wilzsch gehöre „fast gänzlich dem sogenannten sächs[ischen] Sibirien an; und selbst ihre Mündung ist an 1900 Fuß über dem Meere gelegen.“
Name Siegfried Sieber sieht den Namen als vom altsorbischen Wort Vilca (Wolfsbach, von wilk = Wolf) sich erklärend. Das alte Wort sei zu ergänzen um reka für Bach. Er weist darauf hin, dass in der Nähe der Wölfeberg liege und die beiden Nebenbäche Wölfebächel und Wolfseifenbach in die Wilzsch flössen.
Wasserqualität mini|Von Huminstoffeinträgen geprägtes Wasser der Wilzsch in Wilzschmühle mini|Das Tal der Wilzsch im Bereich Neues Wiesenhaus Anfang der 1990er Jahre war die Wilzsch auf ganzer Länge in die Güteklasse I eingestuft (mit dieser Definition: unbelastet bis sehr gering belastet, Gewässerabschnitte mit reinem, stets annähernd sauerstoffgesättigtem und nährstoffarmen Wasser; geringer Bakteriengehalt; mäßig dicht besiedelt, vorwiegend von Algen, Moosen, Strudelwürmern und Insektenlarven; sofern sommerkühl, Laichgewässer von Salmoniden). St. Kauk: Lebensraum Fließgewässer – Gefährdung und Schutz, in: Staatliches Umweltfachamt Chemnitz (Hrsg.): Ökologische Beurteilung von Gewässern im Regierungsbezirk Chemnitz, Redaktionsschluss am 30. Oktober 1993, 2. Auflage, Chemnitz o. J. (1993), S. 15 Die Wilzsch ist in ihrem Oberlauf ein organisch geprägtes Gewässer. Sie führt Huminstoffe, die in den Mooren und Wäldern oberhalb der Talsperre entstehen, mit sich. Unter bestimmten Umständen – bei starken Niederschlägen und während der Schneeschmelze – steigt der Huminstoffgehalt stark an. Pressemitteilung der Landestalsperrenverwaltung Sachsen 57/2010 vom 9. Dezember 2010 , abgerufen am 4. Oktober 2015 Seit den 1990er Jahren ist die Konzentration immer höher geworden.Geschäftsbericht der sächsischen Landestalsperrenverwaltung für 2005, S. 6 Mit dem Wasser der Wilzsch gelangen diese Stoffe in die Talsperre Carlsfeld. Diese Belastung hält die sächsische Talsperrenverwaltung nicht für gesundheitsschädlich und bezeichnet sie als natürliche Einträge, die das Wasser verfärben. Diese könnten aber „zu Qualitätsproblemen führen und müssen in den Wasserwerken aufwendig entfernt werden“. Auch die braune Färbung des Wassers und die damit verbundene geringe Sichttiefe sind durch die Huminstoffbelastung verursacht.Flyer der sächsischen Landestalsperrenverwaltung vom August 2013 zur Talsperre Carlsfeld Um bereits die Rohwasserqualität zu stabilisieren und die Belastungsspitzen aus Huminstoffen im die Talsperre speisenden Wasser künftig abfangen zu können, wurden im Jahr 2010 ein Rückhaltebecken, ein Damm, der das Wasser der Talsperre von der Wilzsch abtrennt, ein Umleitungsgraben und auf dem Boden der Talsperre eine Rohrleitung von 30 Zentimetern Durchmesser errichtet. Bei einer großen Belastung mit Huminstoffen wird das an sich der Talsperre zufließende Wasser der Wilzsch über ein VerteilerbauwerkDarstellung der bauausführenden Firma [], abgerufen am 3. Oktober 2015 in dieses Rückhaltebecken geleitet, von wo es über die Rohrleitung durch den Stausee und die Staumauer und unterhalb der Talsperre wieder in die Wilzsch fließt. Bereits beim ersten Einstau nach dem Bau der neuen Anlagen ist nach Feststellung der Landestalsperrenverwaltung eine wesentliche Reduzierung des Huminstoffeintrags in die Talsperre eingetreten.Geschäftsbericht der sächsischen Landestalsperrenverwaltung für 2011, S. 7 Die zur Umleitung des huminstoffbelasteten Wassers genutzte Rohrleitung von 1100 Metern Länge soll so verlängert werden, dass dieses Wasser bis zum Glashüttenbach geführt und dann über diesen Bach und die Große Bockau zur Zwickauer Mulde fließen kann und damit auch die Wilzsch sowie insbesondere die Trinkwassertalsperre Eibenstock nicht mehr belasten würde. Der Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion Chemnitz für dieses Vorhaben wird für das Jahr 2016 erwartet.Mail-Auskunft vom 7. Oktober 2015 des Betriebs Zwickauer Mulde/Obere Weiße Elster der sächsischen Landestalsperrenverwaltung
Die mittlere Niederschlagsmenge im Jahr beträgt im Bereich der Talsperre Carlsfeld 1200 Millimeter.Internationale Kommission zum Schutz der Elbe: Die Elbe und ihr Einzugsgebiet – ein geographisch-hydrologischer und wasserwirtschaftlicher Überblick, Kapitel 4.6 – Die Mulde, o. J., erschienen nach 2002, S. 107
Klima Das Talgebiet der Wilzsch gehört mit einer Jahresmitteltemperatur von 5,1 °C bis 6,1 °C (flussab) zu den im Jahresschnitt kältesten Gebieten des oberen Westerzgebirges.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Bereich Landschaftsökologie, Flächennaturschutz, Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief „Oberes Westerzgebirge“, o. J., S. 4 Es zählt hinsichtlich der Luftbewegung zu den austauscharmen Tallagen mit dadurch verursachter besonderer Frostgefährdung.Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Bereich Landschaftsökologie, Flächennaturschutz, Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Naturraum und Landnutzung – Steckbrief „Oberes Westerzgebirge“, o. J., S. 5 Im Bereich der Wilzsch gibt es „windgeschützte, aber frostanfällige Tallagen aufgrund von Strahlungsdefiziten“, zahlreichen Nebeltagen sowie „Sonn- und Schatthängen“.
Umwelt und Natur Nach einer Bestandserhebung in den Jahren von 1982 bis 1990 war die Wilzsch fast auf ganzer Länge Brutgebiet der Wasseramsel.A.Günther: Zur Ökologie und Bestandssituation der Wasseramsel Cinclus cinclus aquaticus BECHSTEIN 1803, im Regierungsbezirk Chemnitz, in: Staatliches Umweltfachamt Chemnitz (Hrsg.): Ökologische Beurteilung von Gewässern im Regierungsbezirk Chemnitz, Redaktionsschluss am 30. Oktober 1993, 2. Auflage, Chemnitz o. J. (1993), S. 47
Bergbau an der Wilzsch mini|hochkant=1.45|Bergwerkslandschaft östlich der Wilzsch auf einer Bildkarte aus der Zeit um 1520 Östlich der Wilzsch, im Bereich des vom Riedertberg () geprägten Waldgebietes westlich von Eibenstock und südlich der Zwickauer Mulde wurde schon um 1500 ertragreicher Zinnbergbau betrieben. Die Bergwerke, deren Nebenanlagen wie Pochwerke sowie Wilzsch, Kleine Wilzsch und andere Bäche sind in einer Bildkarte aus der Zeit um 1520 dargestellt. Nicht weit von der Mündung der Kleinen Wilzsch lag ein Pochwerk, in der Karte „Bvchwerk an der Kleinen Wiltzsch“ genannt, das zur Aufbereitung des in den beiden Zinnbergwerken „Vordere und Hintere Schmochau“ geförderten Erzes diente.Bildkarte der Bergwerke Vordere und Hintere Schmochau um 1520, in den musealen Räumen des Bergarchivs Freiberg im Schloss Freudenstein. Südlich von der Kleinen-Wilzsch-Mündung ist ein weiteres Pochwerk eingezeichnet, „Bvchwerk in der Wiltzsch“. Zu den ertragreichsten Gruben im Zinnbergbaugebiet des Wilzschbereichs gehörten neben der „Schmuge“, die identisch sein kann mit den Gruben auf der Karte, auch die Gruben „Fleschmaul“, „Spindel“ und „Rosszeche“.Erläuterungstext des Bergarchivs Freiberg zur Karte, s. Erläuterung auf Commons.Wikimedia zu dem in diesen Text integrierten Bild An die Bergbauvergangenheit erinnern noch Namen wie für den südlich von Wilzschmühle in die Wilzsch mündenden Wolfseifenbach und Rotgrubenweg in dessen Quellbereich.
Flößerei und Mühlenbetrieb Die Wilzsch und ihre Nebenbäche wurden zum Flößen des aus den umliegenden Wäldern geschlagenen Holzes genutzt. Schon beim Erwerb von Neustädtel, Schönheide und Stützengrün sowie erheblicher Waldflächen links und rechts der Mulde im Jahr 1563 durch Kurfürst August wurde in der Bewertung durch den Schwarzenberger Amtmann Hans Todt bei den Wäldern besonders herausgestellt, ob deren Holz über flößbare Bäche und Flüsse abtransportiert werden kann.Gottfried August Arndt, Archiv der Sächsischen Geschichte, 2. Teil, Leipzig 1785, S. 385 ff. (Digitalisat) Karl August Engelhardt berichtet:
Später gab es die Floß-Inspection des sächsischen Kurfürsten für die Wilzsch- und Mulden-Flöße mit einem kurfürstlich-sächsischen Ober-Auffseher und einem kurfürstlich-sächsischen Floß-Meister, die schon im ersten erschienenen Hof- und Staatskalender von Sachsen des Jahres 1728 mit Namen aufgeführt sind.Königl. Polnischer und Churfürstl. Sächs. Hoff- und Staats-Kalender auf das Jahr 1728. Zu finden in Weidmannischen Buchladen, Leipzig 1728, unpag. (Digitalisat der relevanten Seite in den digitalen Sammlungen der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar) Diebstahl von Holz, das auf der Wilzsch geflößt wurde, veranlasste Kurfürst August den Starken, besondere Regelungen zur Bekämpfung der Diebe zu erlassen. Am 10. April 1710 erging das „Mandat wider die Holzdeuben auf den Wilzsch- und Muldenströmen“.Karl Gotthold Merbeth: Chronologisches Register über die sowol in dem Codex Augusteus als auch in der Gesetzessammlung für das Königreich Sachsen, Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1834, S. 79 (Digitalisat) 1771 wurde unter der Überschrift Wiltzsch Flöße berichtet: Dies bestätigt A. S. von Zeutsch in seinem Alphabetischen Verzeichnis von 1792, schreibt aber: „Wilzschflöße fand man bereits 1571 in Gange; allein sie ist bald darauf wieder eingegangen“
Einer der königlich-sächsischen Floßoberaufseher der „Wilzsch-, Mulden- und Schwarzwasserflößen“ war Gottlob Heinrich von Lindenau. Er starb 1830 in Neustädtel.Friedrich Christian August Hasse: Gottlob Heinrich von Lindenau, in: Zeitgenossen: ein biographisches Magazin für die Geschichte unserer Zeit, Dritte Reihe, Band 4, S. 173–190 (Link zum Digitalisat)