Das Grenadier-Regiment „König Karl“ (5. Württembergisches) Nr. 123 war von 1813 bis 1919 ein Regiment des württembergischen Heeres.
Geschichte Name mini|hochkant|Kriegerdenkmal in Ulm, Detail Am 3. Februar 1813 wurde das Regiment zunächst nur mit einem Bataillon aufgestellt aus den Resten des Fuß-Jäger-Bataillons Nr. 1 KönigAus dem Russlandfeldzug 1812 kamen vom Bataillon zurück der Kommandeur, sieben Offiziere, zwölf Oberjäger und Jäger, ein Arzt, ein Quartiermeister und der Auditor., im November des gleichen Jahres (nach den Verlusten im Feldzug gegen Preußen, siehe unten) wurde das Regiment mit zwei Bataillonen wieder aufgestellt. Am 4. Juni 1814 wurde es umbenannt in Fußjäger-Regiment Nr. 9 König. Mit der Militärreform 1817 wurde das Regiment durch zwei Kompanien des aufgelösten leichten Infanterie-Regiments Nr. 11 verstärkt und hieß ab 31. März 1817 in 5. Infanterie-Regiment und ab 19. Dezember 1864 nach seinem Chef 5. Infanterie-Regiment König Karl.
Nach Abschluss der Militärkonvention mit dem Norddeutschen Bund vom 21./25. November 1870 erhielt es wie alle württembergischen Truppenteile zur Unterscheidung von Truppenteilen anderer deutscher Staaten am 2. Oktober 1871 den entsprechenden Zusatz 5. Württembergisches Infanterie-Regiment (Grenadier-Regiment) König Karl. Am 18. Dezember 1871 erhielten alle württembergischen Regimenter zusätzliche Nummern. Diese entsprachen der fortlaufenden Nummerierung aller Regimenter des deutschen Bundesheeres, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem der Kontingente, das Regiment erhielt die Nummer 123: 5. Württembergisches Infanterie-Regiment (Grenadier-Regiment) König Karl Nr. 123. Am 14. Dezember 1874 erhielt das Regiment seinen endgültigen Namen Grenadier-Regiment „König Karl“ (5. Württembergisches) Nr. 123.
Am 30. April 1919 wurde das Regiment aufgelöst.
Die Tradition des Regiments übernahm in der Reichswehr die 11. Kompanie des 13. (Württ.) Infanterie-Regiments.
Garnisonen mini|Wilhelmsburg in Ulm 1813 Ludwigsburg 1814 I. Bataillon Rottenburg, II. Bataillon Horb, danach Sulz, dann Reutlingen 1815 Ludwigsburg 1816 Heilbronn 1817 Stuttgart 1818 Ludwigsburg 1833 Ulm 1837 Stuttgart 1856 Ulm (1871 im Reduit des Werks XII (Wilhelmsburg) der Bundesfestung Ulm, ab 1898 in der Kienlesberg- und Karls-Kaserne/Grenadier-Kaserne, heute abgebrochen)
Teilnahme an Gefechten und Kampfhandlungen 1813 auf Seiten Frankreichs gegen Russland/Preußen im III. Armeekorps Reynier mit nur dem bisher aufgestellten I. Bataillon. Stärke 17 Offiziere und 700 Mann. Einsatz unter anderem in Bautzen, Groß-Rosen, Jüterbogk und Euper. Nach der Schlacht bei Dennewitz wurden die Reste der württembergischen Infanterie, das Regiment noch 5 Offiziere und 127 Mann stark, in 3 Bataillone formiert. Das Regiment kam in der Völkerschlacht bei Leipzig nicht zum Einsatz und marschierte nach Württemberg zurück, Gesamtverluste im Feldzug: 2 Offiziere und 27 Jäger gefallen, 14 Offiziere und 271 Mann verwundet, 22 Jäger gefangen genommen. Die Fahne wurde zurückgebracht. 1814 im Krieg gegen Frankreich mit der Hauptarmee (württembergisches Korps im IV. Korps), Stärke 29 Offiziere und 1.424 Mann. Das Regiment nahm an den Schlachten bei Épinal, Chaumont, Brienne, Lesmont, Sens, Montereau und Paris teil. Verluste: 3 Offiziere und 35 Mann gefallen, 5 Offiziere und 275 Mann verwundet, 27 Mann vermisst, 9 Offiziere (darunter der Kommandeur) und 443 Mann gefangen genommen. 1815 gegen Frankreich in der 4. Armee „von Schwarzenberg“, Stärke 29 Offiziere und rund 1.400 Mann. 1847 bis 1849 war das Regiment zur Unterdrückung von Unruhen im Verlauf der Badischen Revolution in Württemberg und Baden eingesetzt. 1866 im Deutschen Krieg war das Regiment Teil der württembergischen Division (1. Brigade) im VIII. Bundes-Armee-Korps und kämpfte mit einer Stärke von 34 Offizieren und 1787 Mann bei Tauberbischofsheim. Verluste: 5 Offiziere, 5 Unteroffiziere und 28 Mann gefallen, 4 Offiziere, 15 Unteroffiziere und 16 Mann verwundet. 1870/1871 gegen Frankreich. Das Regiment rückte mit einer Gesamtstärke von 2.110 MannGenaue Stärke:33 Offiziere (32 Offizierpferde), 12 Fähnriche, 44 Offizierdiener, 167 Unteroffiziere, 1.640 Musketiere, 72 Infanterie-Pioniere3 Ärzte, 8 Unterärzte, 32 Krankenträger, 11 Verbandszeugträger1 Regiments- und 1 Bataillonsquartiermeister, 1 Profoß, 2 Büchsenmacher, 57 Hautboisten und Spielleute1 Wagenmeister, 25 Trainsoldaten mit 44 Wagenpferden für 1 Gepäckwagen, 1 Kassenwagen, 2 Handwerkerwagen, 2 Leiterwagen, 2 Munitionswagen, 2 Sanitätswagen, 2 Offiziergepäckwagen aus und kämpfte bei Wörth, Champigny und vor Paris. Verluste: 1 Offizier, 1 Feldwebel und 23 Mann gefallen, 4 Offiziere, 10 Unteroffiziere und 64 Mann verwundet, 1 Unteroffizier und 30 Mann verstorben. 1900 am zweiten internationalen Expeditionskorps in China nahmen 4 Offiziere, 8 Unteroffiziere und 31 Mann teil. Dabei starben 1 Offizier und 1 Gefreiter. 1904/1906 am Kampf gegen die Herero nahmen 2 Offiziere, 1 Unteroffizier und 21 Mann des Regiments teil. Verluste: 1 Gefallener, 2 Verstorbene. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment immer innerhalb der 27. Division (2. Königlich Württembergische) nur im Westen. Das XIII. Armee-Korps kämpfte zunächst in den Argonnen. Am 7. Oktober 1914 wurde die 27. Infanterie-Division dem XVI. preußischen Armee-Korps unterstellt und blieb in den Argonnen. Im Juni 1915 eroberte die Division die französischen Werke „Cimitère“ und „Bagatelle“. Im Herbst kämpfte die aus je einem Bataillon der Regimenter 120, 123 und 124 zusammengestellte „Kampfgruppe Lägeler“ im Rahmen der 21. preußischen Division. Im Dezember wurde die Division nach Flandern verlegt und trat zum XIII. Armee-Korps zurück. Ab 1. Juli 1916 kämpfte die Division in der Schlacht an der Somme. Ab März 1917 war die Division „selbständig“. Am 11. April 1917 schlug sie in der Schlacht von Arras bei Bullecourt einen Angriff australischer Truppen zurück, nahm dabei 28 Offiziere und 1.150 Mann gefangen und erbeutete 80 Maschinengewehre.Moser, Seite 75 Sie hielt bis zum 5. Mai ihre Stellung gegen drei britische Divisionen. Auch in der zweiten und dritten Flandernschlacht war die Division eingesetzt. Während der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 stieß sie in der Operation Michael bis Aveluy vor. In den Rückzugskämpfen ging sie auf die Antwerpen-Maas-Stellung zurück, von wo sie nach dem Waffenstillstand von Compiègne zu Fuß den Rückmarsch nach Württemberg antrat.
Zum Regiment gehörten während des Krieges gesamt 389 Offiziere und 16.186 Unteroffiziere und Mannschaften. Die Gesamtverluste betrugen 3.027 Gefallene, 333 Vermisste, 8.185 Verwundete und 519 Gefangene.
Auftrag Das Regiment hatte den Auftrag, den infanteristischen Feuerkampf zu führen. Im Frieden wurden die Soldaten hierzu an entsprechenden Waffen sowie als Krankenträger ausgebildet.
Organisation Verbandszugehörigkeit Bis 1816 gab es in Württemberg im Frieden keine Großverbände. Solche wurden nur für einzelne Feldzüge zusammengestellt.
Mit der grundlegenden Neuorganisation 1817 wurde das württembergische Heer erstmals auch im Frieden in Großverbände gegliedert. Das Regiment bildete zusammen mit dem 6. Infanterie-Regiment die 3. Brigade in der 2. Division. Im Juli 1849 wurde wieder eine Neugliederung des württembergischen Heeres befohlen. Die Infanterie wurde in nur einer Division (ohne Nummer) zusammengefasst.
Von 1871 bis 1914 gehörte das Regiment zur 53. Infanterie-Brigade (3. Königlich Württembergische) in Ulm, 27. Division (2. Königlich Württembergische), XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps, 5. Armee.
Im Ersten Weltkrieg blieb die Friedensgliederung zunächst bestehen. Im Dezember wurde die 27. Division mit dem XIII. Armee-Korps der 4. Armee Herzog Albrecht von Württemberg in Flandern unterstellt. Ab März 1917Im März 1917 wurden die Generalkommandos der Armee-Korps in sogenannte Gruppenkommandos umgewandelt. Diesen waren keine Truppenteile mehr fest unterstellt, sondern sie wurden ihnen wechselnd zeitweise durch die Oberste Heeresleitung zugeteilt. war die 27. Division (wie alle deutschen Divisionen) selbständig, blieb aber zunächst beim neuen XIII. Generalkommando. Im April 1917 wurde sie dem XIV. Reserve-Korps unterstellt.
Gliederung Bis 1871 bestand das Regiment aus zwei Bataillonen.
Am 15. November 1874 kam das 3. Jäger-Bataillon als drittes (Füsilier-)Bataillon dazu, am 2. Oktober 1893 wurde das IV. Bataillon als Halb-Bataillon aufgestellt. Letzteres wurde am 1. April 1897 zur Aufstellung des I. Bataillons des 9. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 127 abgegeben.
Abgaben Am 31. Oktober 1872 wurde die 10. Kompanie abgegeben zur Aufstellung des III. Bataillons Infanterie-Regiment „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124 Am 1. November 1875 wurde die 3. Kompanie abgegeben zur Aufstellung des III. Bataillons Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württembergisches) Nr. 120 Am 1. Oktober 1874 wurde die 11. Kompanie abgegeben zur Aufstellung des III. Bataillons Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württembergisches) Nr. 125 Am 1. Oktober 1913 wurde die 6. Kompanie abgegeben zur Aufstellung des III. Bataillons 9. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 127
Alle diese Abgaben wurden aus dem Regiment wieder aufgestellt Am 1. April wurde das IV. (Halb-)Bataillon an das 9. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 127 abgegeben.
Kommandeure Dienstgrad Name DatumOberstLudwig Friedrich von Stockmayer3. Februar 1813MajorJohann Carl Wolfgang von Hoffmann1813 bis 21. Mai 1813 (in Vertretung)MajorAdam von Landenberger7. September 1813 (in Vertretung)OberstKarl Wilhelm von der Lippe-Biesterfeld-Falkenflucht16. November 1813OberstKarl Benjamin von SeegerKommando nicht angetretenOberstFriedrich von Fribolin10. Mai 1828OberstFranz von Miller1. Juli 1833 bis 3. Januar 1842OberstKarl von Suckow10. Januar 1842 bis 16. April 1848OberstIgnaz von Stadlinger24. April 1848 bis 24. Februar 1850OberstKarl August Friedrich von Pichler23. März 1850OberstleutnantFranz August von Finsterlin13. November 1854 provisorisch, 12. März 1855 definitivOberstKarl von Malchus12. April 1858OberstHermann von Hügel11. September 1865 bis 6. September 1869OberstHermann von Rampacher20. Mai 1844OberstAugust von Hügel20. September 1869OberstFriedrich von Triebig13. Mai 1872OberstleutnantKarl von Linck1. Dezember 1873 bis 25. Juni 1874 (mit der Führung beauftragt)Oberstleutnant/OberstKarl von Linck26. Juni 1874 bis 16. November 1879Oberstleutnant/OberstOtto von Clausen17. November 1879 bis 23. September 1887OberstGustav Flessing5. Oktober 1887OberstHans von Monbart10. Januar 1890OberstCarl von der Osten1. Dezember 1892OberstHugo von Krell18. Juni 1895OberstleutnantLudolf von Alvensleben12. Juli bis 11. September 1896 (in Vertretung)OberstleutnantLudolf von Alvensleben12. September bis 16. Dezember 1896 (mit der Führung beauftragt)OberstLudolf von Alvensleben17. Dezember 1896 bis 21. Mai 1899OberstHeinrich von Flotow22. Mai 1899 bis 30. Januar 1901OberstHugo von Schempp31. Januar bis 13. Dezember 1901OberstOskar von Scharpff14. Dezember 1901 bis 26. Januar 1905OberstTheodor von Seible27. Januar 1905 bis 24. Juli 1907OberstAdolf von Wencher25. Juli 1907 bis 18. Juli 1911Oberst/GeneralmajorGotthold von Erpf19. Juli 1911 bis 7. September 1914OberstleutnantHeinrich von Hoff24. September bis 2. Oktober 1914OberstJustin Arnold12. Oktober 1914 bis 8. März 1915Major/Oberstleutnant/OberstKurt von Lupin8. März 1915 bis 24. Juni 1919MajorOberstleutnantHauptmannWilhelm BaderKundinger Bäßnerzeitweise 1914 bis 1918 mit der Führung beauftragt
Regimentschefs Regimentsinhaber: 23. Januar 1806 Major August Ferdinand Freiherr von Hügel 1. Januar 1807 König Friedrich 30. Oktober 1816 König Wilhelm I. Regimentschefs: 19. Dezember 1864 König Karl 23. Dezember 1891 König Wilhelm II. 6. Juni 1884 2. Regimentschef: General der Infanterie Herzog Wilhelm von Württemberg