mini|Natürliche Geburt eines Säuglings mini|Geburt per Kaiserschnitt mini|Tonaufnahme der letzten Phase einer Geburt mini|Mutter mit Neugeborenem Geburt ( und ), auch Entbindung (der Mutter von einem Kind) oder altertümlich Niederkunft (der Mutter mit einem Kind), ist der Vorgang des den Mutterleib verlassenden Kindes, welcher das Ende einer Schwangerschaft darstellt. Unter physiologischen Bedingungen wird die Geburt vom Fötus eingeleitet.
Eine Schwangerschaft dauert beim Menschen durchschnittlich 266 Tage und endet, wenn der Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt. Die meisten Kinder werden innerhalb von jeweils zwei Wochen vor bzw. nach dem errechneten Termin geboren. Auf den Tag genau zum errechneten Termin kommen nur vier Prozent der Kinder zur Welt.
Eine baldige Geburt kann sich durch folgende Symptome ankündigen: durch das Einsetzen der Eröffnungswehen (Dauer ungefähr 30–60 Sekunden, alle 10 Minuten) durch einen eventuell leicht blutigen Ausfluss infolge des sich lösenden Schleimpfropfes vom Muttermund (Zeichnungsblutung), teilweise einige Tage vor der Geburt den Blasensprung (das Platzen der Fruchtblase) Durchfall oder Erbrechen
In der Medizin beginnt die Geburt, wenn der Muttermund mindestens fünf Zentimeter eröffnet ist und die Wehen regelmäßig und muttermundswirksam sind.
Bei Überschreitung des sogenannten errechneten Termins um etwa 14 Tage oder wegen medizinischer Notwendigkeit kann durch eine Geburtseinleitung der Geburtsbeginn künstlich herbeigeführt werden.
Sprachliches Das Substantiv Geburt (althochdeutsch giburt) ist Verbalsabstraktum zum Verb gebären (mittelhochdeutsch gebërn und althochdeutsch gibëran ‚hervorbringen, gebären‘Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 237 (gebären) und 238 (Geburt).), das auf die indogermanische Wurzel *bher(ə)- („tragen“) zurückgeht und mit englisch to bear „(er-)tragen, hervorbringen“, lateinisch ferre, griechisch φέρειν (pherein), beide mit der Bedeutung „tragen, bringen“, urverwandt ist, wörtlich also als „austragen, zu Ende tragen“ zu verstehen ist. Andere deutsche Wörter, die dieser Wortfamilie angehören, sind u. a. Bahre, entbehren (eigentlich „nicht tragen“), Bürde und das Suffix -bar, wie in fruchtbar „Frucht bringend, tragend“.
Besonders im juristischen Sprachgebrauch ist oft von der Niederkunft die Rede. Die verhüllende Ausdrucksweise von niederkommen, die schlicht „sich ins Wochenbett legen“ meinte, lässt sich vielleicht an französisch accoucher (d’un enfant) anschließen. Ein Kind bekommen hieß im Mittelalter auch ein kint gewinnen.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 388 (zu mittelhochdeutsch gewinnen ‚bekommen‘, ‚erhalten‘). Ein weiteres Synonym ist Entbindung, das zunächst konkret das Losbinden von der Nabelschnur bezeichnete. Im Allgemeinen sagt man „Die Mutter wird vom Kind entbunden“ und nicht „Das Kind wird von der Mutter entbunden“. Als untypisch oder falsch gilt auch die Formulierung „Die Mutter entbindet ein Kind“, üblich ist allenfalls der intransitive Gebrauch von entbinden im Sinne von „Mutter werden, gebären“, also etwa: „Meine Frau entbindet zu Hause, nicht in der Klinik.“
Auch in der medizinischen Terminologie wird die Geburt aus der Sicht der Mutter – dem partus – von der Geburt aus der Sicht des Kindes – dem natus – unterschieden. So wird bei der Peripartaldiagnostik die Mutter untersucht, bei der Perinataldiagnostik das Kind.
Ablauf der Geburt Einleitung mini|hochkant|links|Kind im Geburtskanal. Die Scheidenrunzeln (Rugae vaginales) werden bei normaler Geburtslage durch den Kopf gestaucht und schaffen damit einen gewissen Reserveraum.
Der Auslöser für den Geburtsvorgang war lange Zeit unbekannt. Forschungen im Tiermodell deuten darauf hin, dass das Surfactant-Protein A, welches für die Lungenreifung verantwortlich ist, über eine Reihe von Reaktionen die Wehen auslösen kann. Dieses Eiweiß wird vom Kind produziert, welches also wesentlich am Beginn der Geburt mitwirkt. Das geburtsreife Kind hört außerdem auf, das Schwangerschaftshormon HCG zu bilden, welches über eine hormonelle Rückkopplung im Gehirn der Mutter die Bildung des Wehenhormons Oxytozin unterdrückt, um die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten.
300px|mini|Geburtssequenzen einer vorderen Hinterhauptslage, die man in 92–93 % aller Fälle der ausgetragenen Schwangerschaften findet.
Die Dauer der Geburt ist sehr unterschiedlich. Man rechnet durchschnittlich 13 Stunden für Erstgebärende (lateinisch primiparae) und 8 Stunden für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben. Die Zeiten, die für eine Geburt als normal angesehen werden, wurden innerhalb der letzten knapp 50 Jahre allerdings halbiert. Der Geburtsverlauf wird in einem Partogramm dokumentiert.
Subjektiv erzählen Frauen oft von einer längeren Geburtsdauer. Dies resultiert daraus, dass sie den Moment, in dem sie die ersten Wehen verspüren, oder den Moment, an dem sie ins Krankenhaus eintreten, als Geburtsbeginn definieren. Für den Geburtshelfer bzw. die Hebamme beginnt eine Geburt aber erst dann, wenn die Wehen zur Verkürzung des Gebärmutterhalses und der Eröffnung des Muttermundes beitragen (sogenannte portiowirksame Wehen). Die Chronobiologie beobachtet, dass die Verteilung der Geburten über den Tag um etwa drei Uhr morgens einen Hochpunkt erreicht.
Es handelt sich um ein Filmklischee, wenn Babys unblutig, "hübsch" und ohne Nabelschnur geboren werden.
Im Sprachgebrauch der Geburtshelfer bezeichnet eine Geburtseinleitung die künstliche Erzeugung von Geburtsvorgängen durch den Arzt oder eine Hebamme. Einzelheiten im Wikipedia-Artikel Geburtseinleitung.
Eröffnungsphase Die normale Geburt (auch Spontangeburt) des Menschen beginnt mit der Eröffnungsphase, dem ersten Stadium der Geburt. Sie beginnt meist mit unregelmäßigen Wehen mit einer Frequenz von 2–3 Wehen in 30 Minuten. Ziel der Eröffnungswehen ist die Verkürzung der Cervix uteri (Gebärmutterhals) und die Erweiterung des Muttermundes. Im Verlauf der Eröffnungsphase erhöht sich die Wehenfrequenz normalerweise langsam bis auf 2–3 Wehen in 10 Minuten. Auch der Rhythmus wird meist regelmäßiger. Die Dauer der Wehen in der Eröffnungsphase beträgt durchschnittlich 60 Sekunden. Eine Geburt ist allerdings ein sehr individueller Vorgang, weshalb Wehen in Abstand, Dauer und Intensität und damit auch die Geburtsdauer sehr unterschiedlich sein können. Das Eröffnen der Fruchtblase verstärkt manchmal die Wehen.
Während einer Wehe oder auch Kontraktion zieht sich die Gebärmutterwand über den vorangehenden kindlichen Teil, also meist den Kopf, nach oben zurück. Man bezeichnet diesen Vorgang als Retraktion. Als Folge der Retraktion wird der untere Bereich der Gebärmutter gedehnt. Das Kind wird von der Gebärmutter Richtung Beckenausgang gedrückt, gleichzeitig wird der untere Teil der Gebärmutter mit dem Gebärmutterhals über den führenden Kindsteil nach oben zurückgezogen. Dies bezeichnet man als Distraktion. Als Folge kommt es zur Öffnung des Muttermundes. Die Eröffnung des Muttermundes hängt aber auch von weiteren, vor allem von psychischen und hormonellen, Faktoren ab. Ist die Gebärende entspannt und fühlt sie sich wohl, wird die Eröffnung des Muttermundes erleichtert und geht in der Regel schneller vor sich, als wenn sie angespannt ist. Visualisierungen und bestimmte Atemtechniken können zur Entspannung und zur leichteren Eröffnung des Muttermundes beitragen.
Übergangsphase Das letzte Drittel der Eröffnungsphase wird auch Übergangsphase genannt. In ihr steigt die Wehenfrequenz häufig, die Kontraktionen werden meist stärker und die Schmerzen intensiver. Der Kopf des Kindes tritt durch das Becken der Mutter. Hierzu muss das Kind eine 90-Grad-Drehung machen: Zunächst „schaut“ das in Schädellage liegende Kind auf die rechte oder linke Hüfte der Mutter, um in den querovalen Beckeneingang eintreten zu können. Während der Übergangsphase dreht es sich, wenn die Geburt regelgerecht verläuft, mit dem Gesicht nach hinten, in Richtung Steißbein.
Austreibungsphase
Wenn der Muttermund annähernd oder vollständig eröffnet ist (8–10 cm), beginnt die Austreibungsphase, das dritte Stadium der Geburt. In ihr ändert sich der Charakter der Wehen erneut. Es kommt zu einer durchschnittlichen Frequenz von 6–7 Wehen in 15 Minuten. Wenn der kindliche Kopf entsprechend tief ins Becken eintritt, drückt er auf den mütterlichen Darm. Dies hat zur Folge, dass bei der gebärenden Frau reflektorisch ein Pressdrang ausgelöst wird. Die Frau hat dann meist unweigerlich das Bedürfnis, mitdrücken zu müssen, und unterstützt somit die uterinen Kräfte mit ihrer Bauchmuskulatur. Dieser Pressdrang kann allerdings bei einer Periduralanästhesie abgeschwächt oder sogar ganz unterdrückt werden.
Der kindliche Kopf wird bei normalem Geburtsverlauf gebeugt. Während der Kopf den Beckenboden überwindet und austritt, geht er in eine Überstreckung über. Ist der Kopf geboren, tritt normalerweise eine Wehenpause ein und mit der nächsten Wehe macht das Kind wieder eine Drehung um 90°, schaut also dann wieder nach rechts oder nach links, damit die Schultern aus dem längsovalen Beckenausgang austreten können. Sind die Schultern geboren, folgt der Rest des kindlichen Körpers unmittelbar.
Die das Kind umgebenden Eihäute werden Fruchtblase genannt. Diese kann sich entweder vor Wehenbeginn oder in jeder Geburtsphase öffnen (Blasensprung). Sehr selten bleibt die Fruchtblase bei der Geburt des kindlichen Kopfes intakt. Man spricht dann von einer „Glückshaube“.
Bei idealer Geburtslage, Schädellage, sollte das Fortschreiten des kindlichen Kopfes durch Atemtechnik der Frau und durch Dammschutz verzögert werden, bis sich die Muskelstrukturen des Damms entspannt haben.Siehe auch Einstellungsanomalie.Sheila Kitzinger: Schwangerschaft und Geburt. Dorling Kindersley, 1980. Der Kristeller-Handgriff wird heute nur noch selten und nur bei strenger Indikation angewendet.
Nachgeburtsphase mini|Mutter mit neugeborener Tochter Das letzte Stadium der Geburt ist die Plazentaphase (Nachgeburtsphase) mit Ausstoßung der Nachgeburt. Die Dauer dieser Geburtsphase kann stark variieren, bei natürlicher Geburtsbegleitung beträgt sie wenige Minuten bis zu einer Stunde und länger, während sie bei der aktiven medikamentösen Geburtsbegleitung die Zeit von 30 Minuten nicht überschreiten sollte. Diese Geburtsphase endet mit der Geburt des Mutterkuchens und der Fruchtblase (Nachgeburt). Diese wird durch Hebamme oder Arzt auf Vollständigkeit überprüft. Löst sich die Plazenta nicht oder nur unvollständig bzw. bleiben Teile davon in der Gebärmutter zurück (Placenta accreta), ist eine manuelle Lösung der Plazenta oder eine Ausschabung zur Verhinderung von Infektionen und Gewebewucherungen notwendig.
Nach der Geburt kann das gesunde Neugeborene vom Geburtshelfer oder der Mutter selbst auf ihre Brust oder ihren Bauch gelegt und warm zugedeckt werden, um das Bonding und erstes Stillen zu ermöglichen bzw. die Geburt der Plazenta zu erleichtern. Um das Bonding zu fördern, wird heutzutage angestrebt, diesen Haut-zu-Haut-Kontakt für die Dauer von mindestens der ersten Stunde nach der Geburt – goldene Stunde genannt – ungestört zu ermöglichen. Will die Mutter nicht stillen, kann das Kind in dieser Zeit auch zunächst dem Vater übergeben werden, um dessen Bindung an Mutter und Kind zu bestätigen oder zu festigen.
Die Nabelschnur wurde noch bis vor einigen Jahren sofort nach der Entbindung durchtrennt. Heutzutage warten die Geburtshelfer damit oft, bis die Nabelschnur aufgehört hat zu pulsieren. Manche Geburtshelfer durchtrennen die Nabelschnur aber erst, wenn die Plazenta geboren ist.