Netcompany Ineos Cycling Team ist ein britisches Radsportteam mit Sitz in Manchester.

Zu den größten Erfolgen der Mannschaft, die in der Saison 2010 unter dem Namen Sky Professional Cycling Team erstmals lizenziert wurde, gehören sieben Tour-de-France-Gesamtwertungssiege: 2012 durch Bradley Wiggins, 2013, 2015, 2016 und 2017 durch Chris Froome, 2018 durch Geraint Thomas sowie 2019 durch Egan Bernal.

Weiters konnte die Mannschaft in den Jahren 2018, 2020 und 2021 den Giro d’Italia und im Jahr 2011 und 2017 die Vuelta a España gewinnen. Mit Lüttich–Bastogne–Lüttich (2016), Mailand–Sanremo (2017) und Paris–Roubaix (2022) stellte das Team bereits drei Sieger bei den fünf Monumenten des Radsports.

Organisation Die Mannschaft der Ineos Grenadiers gehört der Holdinggesellschaft Tour Racing Limited, die im Jahr 2009 von BSkyB gegründet wurde. Sie ist Träger der UCI-WorldTour-Lizenz, die dem Team das Startrecht bei allen Rennen der gleichnamigen Rennserie ermöglicht. Seit dem Jahr 2019 ist Ineos der alleinige Besitzer der Tour Racing Limited. Mit rund 50 Millionen Euro verfügte das Team im Jahr 2023 über das größte Budget aller UCI WorldTeams.

Bereits bei der Gründung galt die Mannschaft als ungewöhnlich, da Sky sowohl der Hauptsponsor als auch der Eigentümer des Teams war. Dies hatte den Vorteil, dass das Sky Professional Cycling Team nicht von externen Sponsoren abhängig war, die im Gegenzug Medienpräsenz erwarteten. Eine weitere Besonderheit stellte die enge Verbindung zum britischen Radsportverband (British Cycling) dar, mit dem man sich Büroräume, Trainer-, Backup- und Verwaltungspersonal teilte. Am deutlichsten wird der Zusammenhang der beiden Organisationen anhand von Dave Brailsford, der mit der Gründung des Sky Professional Cycling Team sowohl an der Spitze des Profi-Teams als auch des britischen Radsportverbands stand. Die Nähe vom späteren Team Sky und British Cycling war immer wieder Inhalt von Untersuchungen wegen eines möglichen Interessenkonflikts. Im Jahr 2014 trat Dave Brailsford von seiner Position beim britischen Radsportverband zurück, um sich ganz auf das Team Sky zu fokussieren. Nach den Olympischen Spielen des Jahres 2016 in Rio de Janeiro beendete auch BSkyB die Kooperation mit British Cycling. Als das Team Sky Mitte der 2010er Jahre vermehrt mit Doping-Anschuldigungen in Verbindung gebracht wurde, distanzierte sich British Cycling weiter von dem Profi-Team und wies darauf hin, dass man sich seit dem Jahr 2014 kein Personal mehr teilte, wenngleich weiterhin einzelne Fahrer des Team Sky das Velodrome des britischen Radsportverbands für ihre Trainingseinheiten nutzten.

Nachdem BSkyB am Ende des Jahres 2018 seinen Ausstieg nach dem Ablauf der Saison 2019 bekannt gab, suchte Dave Brailsford nach einem neuen Sponsor, der bereit war, das Budget von rund 40 Millionen Pfund zur Verfügung zu stellen. Nachdem zunächst Gerüchte über das kolumbianische Öl-, Gas- und Kohleunternehmen Ecopetrol kursierten, übernahm am 1. Mai 2018 der britische Chemie-Konzern Ineos die Mannschaft. Trotz der anhaltenden Doping-Anschuldigungen gegenüber der Mannschaft blieb Dave Brailsford zunächst an der Spitze des Teams, das heute unter dem Namen Ineos Grenadiers fährt, um den Geländewagen Ineos Grenadier zu bewerben. Ende des Jahres 2021 wurde Dave Brailsford zum Sportdirektor aller Ineos-Projekte ernannt, wodurch Rod Ellingworth die tägliche Leitung der Ineos Grenadiers übernahm. Nachdem er die Mannschaft im Vorfeld des Jahres 2024 verlassen hatte, wurde John Allert zum neuen CEO ernannt. Steve Cummings wurde zum director of racing, und Scott Drawer zum performance director ernannt. Am 20. Januar 2024 wurde bekannt gegeben, dass Brailsford nun auch formal seine Rolle als Teamchef zurücklegen werde.

Bei seinem ersten Start nach der Umbenennung wurde das Team bei der Tour de Yorkshire, also auf heimischem Boden, mit einem Pfeifkonzert von Fracking-Gegnern bedacht. Der neue Inhaber des Teams, Jim Ratcliffe, ist einer der beiden größten Fracking-Investoren auf der Insel. 40 Prozent von Yorkshire ist nach Angaben von Umweltschützern für Fracking freigegeben, einen großen Anteil an den Lizenzen hält Ratcliffes Ineos.

Geschichte Der Gründung der Mannschaft ging der Erfolg der britischen Radsportathleten bei den Olympischen Spielen von Peking im Jahr 2008 voraus. Unter dem Sportdirektor Dave Brailsford waren die Briten damals mit 14 Medaillen die erfolgreichste Nation im Radsport gewesen. Unterstützung erhielt der britische Radsportverband vom Medienkonzern Sky Limited (damals British Sky Broadcasting), der als Sponsor eine Million Pfund zur Verfügung stellte. Im Bestreben, die Beziehungen weiter zu vertiefen, wurde im Jahr 2009 ein Straßenradsport-Team angekündigt, das es sich zum Ziel setzte, binnen fünf Jahren mit einem britischen Fahrer die Tour de France, das größte und bekannteste Radrennen der Welt, zu gewinnen. Eine Schlüsselrolle in der Entstehung der Mannschaft spielte James Murdoch, ein Sohn von Rupert Murdoch, der als Vorsitzender von BSkyB dem neugegründeten Team 15 Millionen Euro in Aussicht stellte. Die Leitung der Mannschaft übernahm Dave Brailsford. Am 15. September 2009 erhielt die Mannschaft eine UCI-ProTour-Lizenz und war somit für vier Jahre bei den größten Rennen des Radsportkalenders startberechtigt. Für die erste Saison wurden 26 Fahrer verpflichtet, wobei der Brite Bradley Wiggins als Kapitän bei den großen Rundfahrten galt.

2010: Sky Professional Cycling Team mini|Sky Professional Cycling Team beim Cancer Council Helpline Classic Bereits in der ersten Saison konnte das Sky Professional Cycling Team die ersten großen Erfolge einfahren. Nachdem Chris Sutton bereits im Januar bei der Tour Down Under für den ersten Etappensieg bei einem Rennen der UCI ProTour gesorgt hatte, gewann der Spanier Juan Antonio Flecha mit dem Omloop Het Nieuwsblad ein großes belgisches Eintagesrennen und stand kurz darauf als Dritter auf dem Podium von Paris–Roubaix. Bradley Wiggins gewann das Auftaktzeitfahren des Giro d’Italia, trug die Maglia Rosa jedoch nur für einen Tag, ehe er die erste Grand Tour des Teams auf dem 40. Gesamtrang beendete. Bei der Tour de France 2010 blieb Bradley Wiggins hinter den Erwartungen zurück und belegte den 22. Platz. Der Schwede Thomas Lövkvist beendete die Frankreich-Rundfahrt als bester Fahrer des Sky Professional Cycling Teams auf dem 15. Gesamtrang und führte die Mannschaft auch bei der Vuelta a España an, ehe das Team die Rundfahrt nach dem Tod des Soigneur Txema González verließ. Insgesamt war die neu gegründete Mannschaft in ihrer ersten Saison 24-mal erfolgreich und belegte den 15. Rang in der UCI-Weltrangliste.

2011–2013: Sky Procycling mini|Bradley Wiggins und Chris Froome (1. bzw. 3. Position) bei der Vuelta a España 2011 Im Jahr 2011 verstärkte sich das Sky Procycling Team mit dem dreifachen Zeitfahrweltmeister Michael Rogers und dem jungen Kolumbianer Rigoberto Urán. Die UCI ProTour war durch die UCI WorldTour ersetzt worden, die nun als höchste Klasse des Straßenradsports mehr Rennen umfasste. Im Frühjahr feierte das Sky Procycling Team mehrere Etappensiege und gewann mit Chris Sutton das belgische Eintagesrennen Kuurne–Brüssel–Kuurne. Thomas Lövkvist beendete den Giro d’Italia 2011 auf dem 20. Gesamtrang, ehe Bradley Wiggins mit dem Critérium du Dauphiné eine der größten Rundfahrten im Vorfeld der Tour de France gewann. Der Brite ging im Anschluss als Mitfavorit bei der Tour de France 2011 an den Start, musste das Rennen jedoch auf der 7. Etappe nach einem Sturz, auf dem sechsten Gesamtrang liegend, vorzeitig beenden. Rigoberto Urán belegte schlussendlich als bestplatzierter Fahrer des Teams den 24. Gesamtrang, wobei der Norweger Edvald Boasson Hagen auf dem 6. und 17. Abschnitt für die ersten Etappensiege bei der Tour de France sorgte. Am Ende der Saison ging Bradley Wiggins bei der dritten Grand Tour des Jahres, der Vuelta a España, an den Start, musste sich die Kapitänsrolle jedoch mit seinem jüngeren Landsmann Chris Froome teilen, der die Bergankunft der 17. Etappe gewann. Das Sky-Procycling-Duo musste sich jedoch dem Spanier Juan José Cobo geschlagen geben, der im Jahr 2019 aufgrund von Unregelmäßigkeiten im Blutpass nachträglich disqualifiziert wurde. Der Gesamtsieg ging somit an Chris Froome über, der die Spanien-Rundfahrt vor Bradley Wiggins beendet hatte. Am 11. Oktober wurde der Wechsel des damals amtierenden Weltmeisters Mark Cavendish zum Sky Procycling Team bekannt gegeben.

mini|Bradley Wiggins (gelb) gewinnt die Tour de France 2012 Der Durchbruch gelang der britischen Mannschaft im Jahr 2012. Nachdem Bradley Wiggins die Gesamtwertung von Paris–Nizza, der Tour de Romandie und des Critérium du Dauphiné gewonnen hatte, ging er bei der Tour de France an den Start, wo er beide Einzelzeitfahren gewann und sich zum ersten britischen Tour-de-France-Sieger krönte. Hinter ihm belegte Chris Froome, der sich in die Dienste seines Kapitäns gestellt hatte, den zweiten Gesamtrang, obwohl er sich auf den Bergetappen als stärkster Fahrer erwiesen hatte und ebenfalls eine Etappe gewann. Für einen gebührenden Abschluss sorgte Mark Cavendish, der nach zwei Etappensiegen auch auf der Champs Élysées triumphierte und das Grüne Trikot der Punktewertung gewann. Nach der Tour de France holte Bradley Wiggins die Goldmedaille im Einzelzeitfahren bei den Olympischen Spielen in London und wurde kurz darauf gemeinsam mit Dave Brailsford zum Ritter geschlagen. Chris Froome ging am Ende der Saison bei der Vuelta a España an den Start und belegte den vierten Gesamtrang, wodurch er erneut seine Fähigkeiten als Gesamtklassement-Fahrer unter Beweis stellte. Nach nur einer Saison verließ Mark Cavendish das Sky Procycling Team, da sich die Grand-Tour-Ziele der Mannschaft nicht mit jenen des Sprinters vereinbaren ließen. In seiner einzigen Saison für das britische Team war Mark Cavendish 15-Mal siegreich gewesen und gewann neben seinen Etappensiegen bei der Tour de France auch drei Etappen des Giro d’Italia 2012, den Rigoberto Urán als Siebter in den Top 10 der Gesamtwertung beendete.

mini|Chris Froome im Gelben Trikot bei der Tour de France 2013 Im Jahr 2013 fokussierte sich Bradley Wiggins auf den Giro d’Italia, wodurch Chris Froome zum Kapitän bei der Tour de France aufstieg. Im Vorfeld der Frankreich-Rundfahrt gewann Chris Froome die Tour of Oman, das Critérium International, die Tour de Romandie und das Critérium du Dauphiné und musste sich einzig dem Italiener Vinzenco Nibali bei Tirreno–Adriatico geschlagen geben. Bei der 100. Austragung der Tour de France dominierte der Brite jedoch das Geschehen und gewann neben der Gesamtwertung drei Etappen. Bradley Wiggins hingegen verlor in der ersten Woche des Giro d’Italia wertvolle Zeit und gab die Rundfahrt in weiterer Folge auf. Rigoberto Urán übernahm daraufhin die Kapitänsrolle, gewann eine Etappe und beendete die Italien-Rundfahrt hinter Vincenzo Nibali auf dem zweiten Gesamtrang. Am Ende der Saison feierte das Sky Procycling Team durch Wassil Kiryjenka einen weiteren Etappensieg bei der Vuelta a España und Bradley Wiggins sicherte sich den Gesamtsieg bei der Tour of Britain. Mit dem Jahr 2013 war das Sky Procycling Team zur tonangebenden Kraft bei den Grand Tours geworden. Neben Chris Froome und Bradley Wiggins zeigten auch der Australier Richie Porte auf, der Paris–Nizza gewann und Chris Froome bei dessen Tour-de-France-Sieg unterstützte. Rigoberto Urán verließ die Mannschaft am Ende des Jahres und wechselte zum Omega Pharma-Quick-Step Team.

2014–2018: Team Sky mini|Bradley Wiggins im Trikot des Zeitfahr-Weltmeisters