mini|Reformationskirche zu Hilden mini|Innenansicht mini|Reformationskirche zu Hilden

Die Reformationskirche zu Hilden befindet sich am Markt in Hilden im Kreis Mettmann. Gemeinsam mit dem Quirinus-Münster in Neuss und der Abteikirche St. Ludgerus in Essen-Werden zählt die evangelische Pfarrkirche zu den bedeutenden späten Emporenbasiliken im romanischen Stil am Niederrhein. Die ursprünglich römisch-katholische Kirche war zunächst St. Jacobus dem Älteren gewidmet, wurde dann nach dem Westfälischen Frieden an die Evangelischen übertragen und trug bis 1958 die Bezeichnung „Evangelische Kirche“. Seit 1958, zum Beginn des Baus weiterer evangelischer Kirchen in Hilden, trägt sie die Bezeichnung „Reformationskirche“. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Baugeschichte Vorgängerbauten Bei der Restauration der Kirche 1965–1968 konnten bei archäologischen Untersuchungen unter der Leitung von Günther Binding drei Vorgängerbauten nachgewiesen werden. Die Kirchen waren keine Dorfkirchen, sondern Kapellen des kölnischen, erzbischöflichen Hohen Hofes, der in Hilden einen Fronhof unterhielt. Der ursprüngliche Bau der „Ersten Hildener Kirche“ war eine einfache Saalkirche. Ihr Bau begann 922, und 924 wurde sie als Hofkapelle des erzbischöflichen Tafelgutes Hilden eingeweiht. Der Hof Hilden umfasste die Kirche und 31 Häuser, davon 25 mit insgesamt ca. 100 Einwohnern bewohnt.

Im 11. Jahrhundert folgte ein größerer Bau als „Zweite Hildener Kirche“, der im 12. Jahrhundert, mit einem neuen Langhaus und einem Turm versehen zur „Dritten Hildener Kirche“ wurde. Auf dem Unterbau des damaligen Turms steht der heutige Turm.

Bau St. Jacobus Erzbischof Engelbert I. von Köln (als Engelbert II. auch Graf von Berg) ließ während seiner Amtszeit von 1216 bis 1225 die Pfeilerbasilika erbauen. Ihre heutige Gestalt erhielt die „Vierte Hildener Kirche“ 1255. Das Dorf Hilden hatte in jenem Jahr ca. 400 Einwohner. mini|Empore in der Reformationskirche Sie ist im Rheinland die älteste, dreischiffige, spätromanische Kreuzbogenemporenbasilika. Das Längsschiff ist nach Osten ausgerichtet. Das Längsschiff ist mit zwei fast quadratischen Gewölben auf kräftigen Dreiviertel-Diensten überspannt. Das Kirchenschiff ist übereinstimmend etwa 14 Meter lang, breit und hoch. Es ließe sich also in einen Kubus einfügen. Dabei haben die in diese Maßzahlen einbeschlossenen Seitenschiffe die halbe Breite des Mittelschiffes.

Die Emporen öffnen sich in breiten Doppelbogen mit Kleeblattabschluss. Seitenschiffe und Emporen, die sämtlich kleine Ostapsiden haben, sind mit gratigen Kreuzgewölben auf schlichten Pilastern überwölbt. Charakteristisch sind für das Emporengeschoss die flachbogigen Aussparungen der Außenwände, wie sie sich auch sonst bei spätromanischen Bauten des Rheinlands finden, zum Beispiel St. Kunibert in Köln, St. Viktor (Oberbreisig), St. Kastor in Koblenz.

Die paarweise aneinander gezogenen Obergadenfenster, die reichen Formen der Vierpassfenster in Chor und Emporen bestimmen den Stil der spätromanischen Emporenkirchen.

Als Baumaterial für die architektonischen Einfassungen und gliedernden Bauteile wurde am Drachenfels bei Königswinter geschlagener Trachyt und Tuffstein verwendet. Die Steine aus den Vorgängerbauten wurden wiederverwendet. Die alten Steine kann man noch am Treppenaufgang am Altar sehen.

Die beiden Emporen dienten im Mittelalter als Schlafplätze für 17 Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Einen Tagesmarsch nördlich von Hilden liegt der Ort Homberg, heute zu Ratingen gehörend, und einen Tagesmarsch südwestlich von Hilden entfernt liegt Köln. mini|An der Sakristei: in Stein gemeißeltes Baujahr aus der Anfangszeit der Verwendung indisch-arabischer Ziffern An der östlichen Außenwand gibt es einen Stein, der eine Inschrift hat, die wie 1-36 aussieht. Man ist sich bis heute nicht klar darüber, ob die zweite Ziffer eine mittelalterliche 2 oder 5 ist.

Renovierung In den Jahren 1859, 1881–1883, 1901–1902 (Planung Paul Clemen und Moritz Korn), 1939–1940, 1965–1968, 2004 und 2017–2018 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt.

Renovierung 1901–1902 Folgende wesentliche Arbeiten wurden vorgenommen Die Außenwand der Kirche war ursprünglich verputzt und gekalkt. Doch als ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Hilden die Textilindustrie, die Stahlindustrie und der Maschinenbau Hochkonjunktur hatten, pusteten die mit Kohle befeuerten Kessel viel Ruß durch die Kamine heraus. Der Ruß verdreckte auch den Putz der Kirche. Bei Renovierungsarbeiten wurde dann 1901 der Putz abgeschlagen. Seither ist die Außenwand der Kirche steinsichtig zu sehen. Verwitterte Tuffsteine durch neue ersetzt. Die morschen Dächer wurden abgerissen und erneuert. Innen wurden alte Farbschichten von den Wänden abgekratzt und der freigelegte Naturstein poliert sowie eine neue Ausmalung durch A. Bardenheuer aus Köln aufgebracht. Das Turmportal wurde umgestaltet und die alte Heizungsanlage durch neue Füllöfen ersetzt und die Rauchabzugsrohre statt über die Kirchenfenster bis zum Turmkranz verlegt und hochgezogen. Die Gesamtkosten betrugen 32.000 Mark für äußere und 28.500 Mark für innere Arbeiten. Für die anfallenden Kosten hatten die 41. bis 43. Provinzlandtage 15.000 Mark Zuschuss bewilligt.

Renovierung 1965–1968 Bei den Renovierungsarbeiten 1965–1968 wurde der Boden abgesenkt und eine Zwischendecke eingezogen, das westliche Portal bekam einen Windfang und wurde Haupteingangsbereich. Die Fenster im Chor wurden 1967 durch frei komponierte Antikglasfenster des Glasmalers Hermann Gottfried (1929–2015) ersetzt.

Nach den Renovierungsarbeiten wirkte die weiße, nüchterne Erscheinung des Innenraums heute calvinistisch schlicht.

Renovierung 2004 Am 15. Juni 2004 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Außenwand der Reformationskirche.

Renovierung 2017–2018 Die Reformationskirche wurde vom April 2017 bis Februar 2018 renoviert.

Renovierung im Inneren

Die neu gestrichenen Wände erforderten eine besondere Anpassung der neuen Lautsprecheranlage. Der Fußboden wurde geölt.

Mit der neuen Beleuchtungsvielfalt kann die Architektur der Kirche betont werden. Die unteren Kapitellen werden durch indirektes Licht schön hervorgehoben.

mini|Prinzipalstücke Im Altarraum wurden die Prinzipalstücke Taufbecken, Abendmahlstisch ausgetauscht und die Kanzel durch ein Lesepult (Ambo) ersetzt. Sie wurden von der Architektin Maria Hänichen entworfen. Sie sind noch durch einen großen Kerzenhalter ergänzt worden. Das gebürstete Messing der Gestelle glänzt golden. Sie sind mit Birnenholz kombiniert. Am Taufbecken sind stilisierte, moderne Abbilder für die vier Evangelisten, der Adler für Johannes, der Stier für Lukas, der Löwe für Markus und der Mensch für Matthäus kunstreich eingearbeitet.

Steinmetz-Meister Hartmut Hegener gestaltete aus dem alten Altar, der ein Steinklotz mit rund drei Tonnen Gewicht war, mehrere Gedenktafeln und zwei 1,60 Meter hohe Obelisken. Sie stehen am Zugang zum Sternenkinder-Feld auf dem Hildener Südfriedhof.

Auf der Orgelempore ist die Beleuchtung neu und die Orgel wurde neu gestimmt.

Renovierung außen

Alter, brüchiger und nicht geeigneter Mörtel wurde von den Steinmetzen entfernt und neuer Mörtel wurde 30 cm tief eingespritzt. Die Dachrinnen wurden gesäubert, die Anschlussfugen von Turm zu Schiff im Dach wurden mit Bleiwolle abgedichtet. Defekte Schieferplatten auf dem Dach wurden ausgetauscht. Eine Bleifuge wurde an der Nahtstelle zwischen Dach und Turm angebracht.

Renovierung Turm

Am Turm und ringsum die Kirche wurde neuer Blitzschutz montiert. Es wurden Schutz- und Ableitbleche aus Kupfer mit wetterbeständiger Lasur angebracht.

Der Turm ist mit Stahlankern mit dem Kirchenschiff verbunden. Wie im 17. Jahrhundert üblich, besteht der Turm aus zwei dicken Mauern, zwischen die Geröll und Schutt aus Grauwacke (Wackersteine) gekippt wurde. Die Bohrer brauchten lange, bis sie die Grauwacke durchbohrten damit die weggerosteten alten Stahlanker durch neue Stahlanker aus dem modernsten rostfreien Stahl ersetzt werden konnten. Anschließend wurden die Anker mit 30 × 30 cm große Druckplatten verbunden und gespannt.

Während der gleichzeitig begonnenen Sanierung des Turms wurde festgestellt, dass zusätzlich ein beim Neuaufbau des Turmes in den Jahren 1695 bis 1698 um das Mauerwerk eingefügter Eisenring ersetzt werden musste, da er nun verrostet war und dadurch die Statik des Turms gefährdete.

Die Zifferblätter der Turmuhr waren während der Bauarbeiten heruntergenommen worden. Dabei zeigte der darunter liegende Putz, dass die Kirche bis 1900 zartrosa verputzt war. Die Funkuhr der Turmuhr zeigt wieder die richtige Uhrzeit an.

Die Glockenstube hat einen neuen Fußboden erhalten. Das Läutewerk der Glocken wurde überholt und das Uhrwerk gewartet. Für die Glocken gab es eine neue Läutemaschine mit neuen Verteilerkästen. Die Glocken sind auf „Ein-feste-Burg“ gestimmt.

Auswirkungen der Reformation Im Jahr 1345 wurde die Kirche dem Patronat des Apostel Jakobus des Älteren anvertraut.

Seit 1508 gab es in der Pfarre Hilden eine Vikarie. Erster Vikar war „Konrad zum Dyche genannt Heidelberg“. Die Vikarie war der Ursprung des Schulwesens.

Während der Reformation wechselte ein Großteil der Hildener zunächst zur lutherischen Lehre und danach zur reformierten Lehre. Der erste reformierte Pastor Johann Heinrich Osterport (auch Osterpfort oder Osterportz, † um 1574) amtierte bereits 1558. Im Siegel weist die Zahl 1558 auf den ersten evangelischen Prediger in Hilden hin.

Während des 17. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts befand sich im Chorgewölbe der Kirche die Erbbegräbnisstätte der auf Haus Horst ansässigen Mitglieder der Adelsfamilie Schenk von Nideggen, Erbschenken des Herzogtums Berg.

Während des Dreißigjährigen Kriegs predigte am Stichtag 1. Januar 1624 der reformierte Pfarrer Johann Kohlhagen in der Kirche. Der reformierte Theologe Wilhelm Hüls (* 1598 Hilden, † 1659 Wesel), wirkte damals als Kohlhagens Vikar. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Gebäude 1650 entsprechend dem Stand des Normaljahrs 1624 nach den Bestimmungen des Westfälischen Friedens den Reformierten zugewiesen. Die Katholiken nahmen alle beweglichen Kirchenschätze (Ornamenta) mit. Hierzu gehörte auch die Statue des St. Jacobus, die heute noch in der Hildener St.-Jacobus-Kirche, Mittelstraße 10, zu sehen ist.

Von da an findet sich nur noch die Bezeichnung „Evangelische Kirche Hilden“. Mit der Einweihung der ev. Erlöserkirche im Süden von Hilden wurde die „Evangelische Kirche“ in der Stadtmitte am Markt 1958 in „Reformationskirche“ umbenannt.

Die römisch-katholische Gemeinde erbaute nach deren Neugründung am Ostrand Hildens, heute An der Gabelung, einen Neubau, St.-Jacobus-Kirche (Hilden) der das Patrozinium weiterführte.

Ausstattung Kanzel mini|hochkant|links|Kanzel von 1705 im Jahr 1962 mini|rechts|Lesepult Die evangelische Kirche erhielt 1705 eine geschnitzte Kanzel. Sie wich 1967 einer schlichten Kanzel. Bei den Renovierungsarbeiten 2017 wurde die Kanzel durch ein Lesepult aus gebürstetem Messing und Birnenholz ersetzt.

Altar mini|Abendmahltisch Die ursprüngliche steinerne Altarplatte wurde bei den Umbauarbeiten ab 1965 herausgenommen. Sie dient heute als Grundstein der Friedenskirche im Norden von Hilden. Sie befindet sich in der Friedenskirche im Gesellschaftsraum und ist gut sichtbar. Der steinerne Altar in U-Form wurde bei den Renovierungsarbeiten 2017 durch einen Abendmahltisch ersetzt.

Taufbecken mini|links|Taufbecken Bei den Renovierungsarbeiten 2017 wurde das Taufbecken durch ein neues ersetzt. Das halbkugelförmige Taufbecken besteht aus gebürstetem Messing und der Taufbeckenhalter aus Birnenholz. Das ehemalige Taufbecken steht noch in einem Seitenschiff und trägt heute die Konfirmationskerzen.

Kerzenhalter mini|Kerzenständer