Antichrist ist ein Spielfilm des dänischen Regisseurs Lars von Trier aus dem Jahr 2009. Der Psychothriller mit Elementen des Horrorfilms handelt von einem trauernden Paar. Der Ehemann versucht als Therapeut nach dem Tod ihres gemeinsamen Sohnes, seine Frau bei der Trauerarbeit zu unterstützen. Dafür begeben sie sich in eine abgelegene Hütte im Wald Eden, der ihr Angst macht. Dabei eskaliert die Situation zwischen Mann und Frau zunehmend und gipfelt schließlich in einem blutigen Finale. Wegen seiner expliziten Darstellung von Sexualität und Gewalt geriet der Film in die Kritik; er wurde des Weiteren auch als frauenfeindlich kritisiert und erlangte den Ruf eines Skandalfilms.

Antichrist feierte seine Uraufführung im Wettbewerb der 62. Filmfestspielen von Cannes und startete am 20. Mai 2009 in den dänischen Kinos. Der Kinostart in Deutschland und der Schweiz war am 10. September 2009 und in Österreich am 5. November 2009. Der Film ist dem russischen Filmemacher Andrej Tarkowski gewidmet.

Handlung Während die Eltern Geschlechtsverkehr haben, stürzt ihr Sohn Nic aus dem Fenster. Der Tod des Sohnes reißt die Mutter in tiefe Trauer und Selbstvorwürfe; sie erleidet einen Nervenzusammenbruch. Daraufhin beginnt ihr Mann, selbst Psychologe, seine Frau in einer Form der Konfrontationstherapie zu behandeln. Dabei kommt es zu Spannungen zwischen dem Ehepaar, hervorgerufen einerseits durch den bedingungslosen Willen des Mannes, seine Frau zu heilen, andererseits durch die Verzweiflung und Ängste der Frau. Der Mann beschließt, mit ihr die Waldhütte Eden aufzusuchen, in der sie im Sommer zuvor mit ihrem Sohn weilte, um sich ihrer Dissertation über Hexenverfolgung zu widmen. Zwar ist ihm klar, dass er selbst zu involviert ist, um seiner Frau die optimale therapeutische Hilfe zu leisten, allerdings will er seine Frau nicht im Stich lassen.

Die Natur um die Hütte erweckt besonders bei der Frau Angstzustände. Sie fürchtet das Berühren des Grases, nachts prasseln Eicheln unaufhörlich auf das Hüttendach, morgens sitzen blutsaugende Zecken auf der Hand des Mannes. Mit der Zeit wandelt sich die Verfassung der Frau: Mit Hilfe ihres Mannes legt sie ihre Furcht vor der Natur ab, wird jedoch ihrem Mann gegenüber zunehmend gereizter und abweisender. Beim Durchstöbern der Hütte findet der Mann auf dem Dachboden die unvollendete Doktorarbeit über Hexenverfolgungen und Frauenmorde. Als der Mann die Frau auf seinen Fund anspricht, gesteht sie in wirren Worten, dass sie alle Frauen für von Grund auf böse halte.

Das Zerwürfnis der Eheleute gipfelt schließlich darin, dass sie ihn während einer Therapiesitzung niederschlägt, sodass er in Ohnmacht fällt. Sie legt ihm Fußfesseln an und wirft den Schlüssel fort.

Der Mann versucht später zu fliehen, was aber durch seine Beinfessel aussichtslos ist. Er versteckt sich vor seiner Frau in einem Fuchsbau, wo ihn jedoch eine Krähe durch lautes Krächzen verrät. Seine Frau entdeckt ihn und schlägt mit einem Spaten auf ihn ein; Stunden später gräbt sie den verschütteten Gatten reumütig unter Schluchzen wieder aus und bringt ihn zurück in die Hütte. Dort fragt sie der Mann, ob sie ihn umbringen wolle. „Noch nicht“, entgegnet seine Frau, jedoch stünde das Erscheinen der „Drei Bettler“ bevor, was den Tod eines Menschen fordere. In einer Rückblende erfährt man, dass die Frau vor dem Tod ihres Sohnes das geöffnete Fenster gesehen hatte, jedoch nichts unternahm.

Im Laufe der Nacht treffen zunächst das Reh, der Fuchs und schließlich die Krähe (die Drei Bettler) in der Hütte ein. Unter dem Fußboden der Hütte hört der Mann erneut das Krächzen der Krähe und findet daraufhin unter den Dielen den Schraubenschlüssel. Er beginnt hektisch, seine Fußfessel zu lösen. Währenddessen ergreift die Frau die Schaufel, schlägt sie ihm auf den Rücken und entwendet ihm den Schraubenschlüssel. Mit einer Axt zerschlägt der Mann seine Fesseln. Anschließend stößt er die Frau unter die Hütte, die er danach verbrennt.

Im Epilog sieht man den Mann in der Morgensonne mit einer Krücke den sommerlichen Hügel vor der Hütte hinaufwandern. Er trifft wieder auf die drei Tiere, die friedlich im Gras ruhen. Als er sich umwendet, sieht er, wie unzählige gesichtslose Frauen von allen Seiten des Hügels auf ihn zuströmen.

Produktion mini|hochkant=0.8|Regisseur Lars von Trier 2000 Drehbuch Die Produktion von Antichrist war ursprünglich für das Jahr 2005 vorgesehen. Peter Aalbæk Jensen, der ausführende Produzent, gab jedoch versehentlich das geplante Ende bekannt, sodass Lars von Trier den Drehbeginn verschob, um das Drehbuch neu schreiben zu können. 2007 gab von Trier bekannt, dass er an einer Depression leide und möglicherweise nie wieder einen Film machen könne. Der dänischen Zeitung Politiken gegenüber äußerte er: „Ich gehe davon aus, dass Antichrist mein nächster Film sein wird. Aber im Moment kann ich es nicht mit Sicherheit sagen.“Hans Jørgen Møller: Von Trier: Jeg kan ikke lave flere film. Efterveerne efter en depression truer med at stoppe Lars von Triers karriere. In: Politiken, 11. Mai 2007. Während eines frühen Castings für Antichrist mussten die Bewerber nach Hause geschickt werden, weil sich von Trier nicht in der Lage sah, sie zu empfangen.Nils Thorsen: Lars von Trier: Det hjemmelavede menneske. In: Politiken. 17. Mai 2009. (dänisch) Von Trier betonte, für ihn sei es bei der Arbeit am Drehbuch vor allem auch darum gegangen, ob er nach seiner Depression überhaupt noch einmal Filme machen könne.Thomas Kniebe: Glanz und Arroganz. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Mai 2009. Gleichzeitig habe ihm diese Erfahrung aber auch ermöglicht, freier zu arbeiten und weniger analytisch an den Film heranzutreten.Tobias Becker, Daniel Sander: „Ich muss mit Angst leben“. In: KulturSPIEGEL. Ausgabe 9/2009, S. 11–17. Der Regisseur zog auch Parallelen zu August Strindbergs Inferno-Krise, an die er sich während seiner Arbeit an Antichrist erinnert fühlte. (PDF; 2,6 MB) im offiziellen Press-Kit bei festival-cannes.fr (englisch), S. 3 Ursprünglich war auch Anders Thomas Jensen am Drehbuch beteiligt, sein Name tauchte jedoch in den späteren Credits nicht mehr auf und wird auch im Abspann nicht genannt.Filmstiftung NRW:

Finanzierung Das Budget des Films betrug etwa 11 Mio. US-Dollar, von denen Det Danske Filminstitut 1,5 Mio. aufbrachte, die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen steuerte 1,3 Mio. bei. Als weitere Geldgeber fungierten, neben von Triers eigener Produktionsfirma Zentropa, Film i Väst, Lucky Red, Liberator Productions, Slot Machine, ZDF, Canal+, Deutscher Filmförderfonds (DFFF), Nordisk Film & TV Fond, CNC und ARTE France. Der internationale Vertrieb wurde von TrustNordisk übernommen.nordiskfilmmogtvfond.com: (englisch)

Besetzung mini|hochkant=0.7|Willem Dafoe hatte bereits in Manderlay mit von Trier zusammengearbeitet. Im Vorfeld der Dreharbeiten hatte von Trier ursprünglich Eva Green für die weibliche Hauptrolle vorgesehen. Die Verhandlung mit ihrer Agentur zogen sich über zwei Monate hin. Eine Zusammenarbeit kam jedoch nicht zustande, woran der Regisseur Greens Agentur die Schuld gab. Schließlich entschied sich von Trier für Charlotte Gainsbourg, über die er später sagte: „Sie ist phantastisch, ein Geschenk für den Film. Das Erste, was sie beim Casting sagte, war: ‚Ich sollte das jetzt nicht erzählen, aber für die Rolle würde ich sterben.‘ Das ist das, was man will.“ mini|hochkant=0.8|Charlotte Gainsbourg war die weibliche Hauptrolle Willem Dafoe wandte sich 2008 per E-Mail an von Trier: Er habe für den Herbst noch keine Termine und wolle wissen, ob der Regisseur Arbeit für ihn habe. Dafoe und von Trier hatten bereits 2005 für den Film Manderlay zusammengearbeitet, trotzdem hatte von Trier ursprünglich eine andere Besetzung im Sinn: „Ich [hatte] mir eigentlich erst viel jüngere Menschen vorgestellt […]. Aber damals hatte ich, ehrlich gesagt, wenig Energie für die Suche. Mir ging es zu schlecht. Deshalb war ich auch sehr glücklich, als Willem Dafoe mir plötzlich eine E-Mail schrieb.“

Dafoe äußerte sich später zu seinem Engagement wie folgt: „Er meinte, Bent [sic; Bente Froge, von Triers Ehefrau] sei der Ansicht, ich sollte es nicht tun. Vielleicht, weil es so extrem ist. Wenn man das liest, die viele Gewalt und der Sex … sie ging einfach davon aus, dass ein amerikanischer Schauspieler, der in großen Filmen mitgespielt hat, diese Rolle nicht haben wolle.“ Rückblickend meinte er: „Ich glaube, das Dunkle, das Unausgesprochene ist für einen Schauspieler vielversprechender. Es ist das, worüber wir nicht sprechen, wenn man also die Gelegenheit hat, sich dem in einer spielerischen, kreativen Art und Weise zu nähern, ja, dann reizt mich das.“David Bourgeois:

Als Vorbereitung auf die Dreharbeiten wurde den beiden Hauptdarstellern Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe Andrei Tarkowskis Drama Der Spiegel (1975) gezeigt. Gainsbourg studierte zusätzlich Charlotte Ramplings Rolle in Der Nachtportier (1974), während Dafoe zudem von Triers eigenen Film Idioten (1998) zu sehen bekam, um zu erfahren, wie die Penetrationsszenen des Films zusammengeschnitten werden würden.Michael Bo: De overlevede Antikrist og von Trier. in: Politiken, 23. Mai 2009, S. 2; Interview Außerdem informierte sich Dafoe für seine Rolle über Psychologie und Konfrontationstherapie, wozu von Trier ihm Verhaltenstherapeuten der Columbia University zur Seite stellte.

Die im Film auftretenden Tiere wurden in einem tschechischen Trainingscamp entsprechend abgerichtet und anschließend an den Drehort nach Deutschland geflogen.Russ Fischer:

Dreharbeiten und Postproduktion Mit Antichrist drehte Lars von Trier erstmals einen Film vollständig in Deutschland. Die Waldszenen wurden im Rhein-Sieg-Kreis, in den Wäldern um Eitorf im Siegtal gedreht. Gut Heckenhof diente dem Team dabei als Unterkunft. Zusätzliche Drehs fanden in Köln und Wuppertal statt; insgesamt dauerte der Dreh 40 Tage, vom 20. August bis zum 29. September.mini|Die Aufnahmen für Antichrist wurden größtenteils bei Eitorf im Siegtal gedreht.Die Aufnahmen fanden größtenteils mit Red-One-Digitalkameras statt, für die in Zeitlupe laufende Anfangssequenz wurde eine speziell für solche Aufnahmen konzipierte Kamera mit einer Bildrate von 1.000 Bildern pro Sekunde verwendet. Das für Antichrist verwendete Tonsystem war Dolby Digital 5.1.artificial-eye.com: (PDF)Redcam I Fremmarch. Det Danske Filminstitut, 7. Mai 2009; abgerufen am 13. September 2009 Anders als bei vorangegangenen Filmprojekten sah sich von Trier aufgrund seiner Depression nicht in der Lage, selbst Kamera zu führen. Seine Verfassung erlaubte es ihm nicht, die Aufnahmen ohne Zittern zu machen, deshalb übernahm der Brite Anthony Dod Mantle die Kameraführung. Der Regisseur bedauerte diesen Umstand:

Für Dafoe und Gainsbourg standen jeweils Bodydoubles zur Verfügung, die unter anderem für die Penetrationsszene des Prologs und spätere Großaufnahmen von Sexszenen zum Einsatz kamen. Dabei handelte es sich um professionelle Pornodarsteller, die von Trier vor allem einsetzte, um die Privatsphäre der Darsteller zu wahren und zu vermeiden, dass die Sexszenen allzu sehr vom eigentlichen Film ablenken. Dennoch bat Gainsbourg von Trier darum, nicht zu viele Szenen unbekleidet spielen zu müssen und zumindest den Oberkörper bedecken zu dürfen.Dirk Peitz: „Ich war besessen von Angst“. Im Gespräch: Charlotte Gainsbourg. Süddeutsche Zeitung, 23. August 2009.

Die Requisiten des Films wurden von der Firma Soda AsP in Nørrebro, Kopenhagen hergestellt. Von Dafoes Unterschenkel und den Geschlechtsteilen der Bodydoubles wurden Gipsabdrücke hergestellt, aus denen anschließend Attrappen gefertigt wurden. In der Szene, in der der Mann Blut ejakuliert, ist der Penis von Dafoes Bodydouble Horst Baron zu sehen, beim Blut handelt es sich um gefärbten Zuckersirup. Die Vulva-Attrappe wurde aus zwei Teilen gebaut. Dadurch konnten die inneren Schamlippen ersetzt werden, falls die Aufnahme fehlgeschlagen wäre. Tatsächlich wurde diese Szene fünfmal gedreht.