miniatur|400px|Die Rousseau-Insel im Schwanenteich des Landschaftsparkes. Blick von der Oelmühle Richtung Westen

Die Gestaltung des Landschaftsparks Althaldensleben-Hundisburg begann im frühen 19. Jahrhundert. Er wurde neben den ebenfalls in Althaldensleben und Hundisburg errichteten Gewerbeanstalten zu einem in ganz Deutschland bekannten Anlaufpunkt für bedeutende Persönlichkeiten der Zeit.Detlef Gärtner: Es dichtete für mich genug …, S. 1. Nach 1945 wurde das rund 100 Hektar große Ensemble nicht mehr gepflegt, es erfolgte teilweise eine Zweckentfremdung. Mit Unterbrechungen wurde der Park dann seit Ende der 1970er Jahre wieder rekonstruiert. 2004 wurde er Bestandteil des Projektes Gartenträume Sachsen-Anhalt. Der Park gilt als der drittgrößte seiner Art in Sachsen-Anhalt.gem. Landesarbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande Sachsen-Anhalt e. V., Durch die Einbeziehung der Gartenanlagen des ehemaligen Klosters Althaldensleben und der barocken Parkanlagen der Hundisburg gehört er zu den bedeutendsten Parkensembles Deutschlands und kann in seiner Bedeutung als Kulturlandschaft mit den Gartenanlagen der Wörlitzer und Potsdamer Landschaftsparks verglichen werden.gem. Der Park gehört zur Stadt Haldensleben (Ortsteil Hundisburg/Althaldensleben) im Landkreis Börde.

Geschichte miniatur|Schmettausche Karte vom Ende des 18. JahrhundertsSchmettausche Karte, Ende 18. Jahrhundert, bei: Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Kartenabteilung, verwendet in: Ulrich Hauer: Von Kunstgärtnern und Gartenkunst …, S. 19. Die historischen Garten- und Parkanlagen des Schlosses Hundisburg und des Klosters Althaldensleben gehen in ihren Vorläufern bis in das späte Mittelalter zurück.

Johann Friedrich II. von Alvensleben ließ ab 1693 einen barocken Garten für das von ihm stark umgebaute Hundisburger Schloss anlegen. Hermann Korb war verantwortlicher Architekt. 1740 wurde die Gestaltung des barocken Gartens mit der Errichtung des „Pariser Tores“ unter Friedrich Anton Ulrich von Alvensleben abgeschlossen. Schon ab 1753 wurde von Gebhard August von Alvensleben ein Teil („Heckengarten“) der Anlage als „Englische Partie“ der neuen Stilform des englischen Landschaftsgartens angepasst. Um 1800 wurden Teile der bisher nach Süden ausgerichteten Parkanlage unter Philipp Karl von Alvensleben zunehmend in Bezug auf die gegenüberliegende Beberaue gesetzt. (PDF; 2,3 MB) zu Gartenträume Sachsen-Anhalt, bei Sachsen-Anhalt.de

Die Klosteranlagen in Althaldensleben umfassten bereits im 16. Jahrhundert einen kleinen Weingarten, einen Hopfen- sowie einen Baumgarten. Das Vorhandensein dieser drei kleineren Anlagen zuzüglich des üblichen Klostergartens mit Gemüse- und Kräuterkulturen ist auch für das 17. Jahrhundert dokumentiert.Ulrich Hauer: Von Kunstgärtnern und Gartenkunst … Ein Situationsplan des Klosters von 1810Grundriss und specieller Situations Plan von dem Frauen Closter Althaldensleben, dessen Oekonomie Hof und denjenigen dem Closter zugehörigen Gehöften und Anlagen, die dicht um das Closter herumliegen. Aufs genaue vermessen, aufgetragen und gezeichnet vom 9ten bis inclusive dem 16ten Februar 1810 durch Töter. Kopiert von Hermann Klaus, 1898, Museum Haldensleben, verwendet in: Ulrich Hauer: Von Kunstgärtnern und Gartenkunst …, S. 11. belegt, dass zu dieser Zeit neben Nützlichkeitsaspekten bereits kleinere Gartenanlagen zur Erholung bestanden. So gab es neben einem als Ziergarten ausgelegten „Lustgarten“ im inneren Klosterhof einen regelmäßig gegliederten, ummauerten „Großen Klostergarten“. Dieser Park, der südlich des Klosters begann, reichte bis zur Beber. Abgetrennt von dieser Anlage gab es noch einen „Garten der Äbtissin“, in dem sich ein kleines Gartenhaus befand. Aus dem Jahr 1810 sind auch das Vorhandensein eines Gärtners sowie eines entsprechenden Wohnhauses dokumentiert.

Johann Gottlob Nathusius’ Vision miniatur|Messtischblatt von 1823Messtischblatt der preußischen Landesaufnahme von 1823, bei: Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Kartenabteilung, verwendet in: Ulrich Hauer: Von Kunstgärtnern und Gartenkunst …, S. 27. 1810 erwarb der reiche Magdeburger Kaufmann Johann Gottlob Nathusius das säkularisierte Klostergut Althaldensleben und im folgenden Jahr auch das benachbarte Schloss Hundisburg mit Gut und Ländereien. Unter ihm und seinen Söhnen entstand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der rund 100 Hektar große Landschaftsgarten, der seitdem beide Besitze miteinander verbindet.

Nathusius hatte bereits zu der Zeit, als er noch in Magdeburg lebte, dort einen vielbeachteten Park angelegt. Ende des 18. Jahrhunderts hatte er Grundstücke an der Spitze der damals unbewohnten Werder-Insel in der Elbe gekauft und zu einem Park zusammengelegt. Neben dem Bau eines Sommerhauses, einer Gärtnerunterkunft und eines Gewächshauses wurden dort viele in- und ausländische Gehölze gepflanzt. An der Spitze des Werders wurde ein künstlicher Berg mit Rosen angelegt, der „Rosenberg“. In dem Gewächshaus zog Nathusius Ananas und andere exotische Pflanzen.Elsbeth von Nathusius: Johann Gottlob Nathusius … Der von ihm geschaffene Park stand allen offen. Für auswärtige Besucher in Magdeburg war es damals üblich, dass sie nach Besuch des Magdeburger Domes als nächstbeste Sehenswürdigkeit den Park des Kaufmanns Nathusius auf dem Werder besuchten.gem. Artikel Nathusius brachte Industrie aufs Land. In: Volksstimme am Sonntag. 23. April 1995, S. 6.

Nathusius wollte die auf dem Magdeburger Werder gemachten Erfahrungen in seinem neuen Wirkungsfeld in größerer Dimension umsetzen. Er setzte einen Großteil der Gewinne aus seinen Fabriken und Handelsgeschäften für die Gestaltung des neuen Parks ein.gem. Ada Groissant: Wo Gneisenau und Fallersleben weilten. Immermann-Freundeskreis traf sich in einem klassischen Naturdenkmal in Althaldensleben. In: Haldensleber Zeitung. 13. Juli 1987.

Das Bebertal im Bereich des heutigen Landschaftsparks war im 18. Jahrhundert mit Auenwiesen und unbewaldeten Talhängen noch landwirtschaftlich geprägt. Vermutlich ab 1821 begann Nathusius mit der Anlage des die beiden Besitze verbindenden Landschaftsparks. Die zur Gestaltung der Anlage notwendige Separation zog sich allerdings über Jahre hin. Der Höhepunkt der Anpflanzungen scheint deshalb erst zwischen 1827 und 1836 erreicht worden zu sein.„… endlich 1834 erhielten die Anlagen durch den gegenwärtigen Besitzer ihre Gestalt …“, gem. L. Wittmack: Die Anlagen in Althaldensleben und Hundisburg. In: Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaus. 1868, S. 357 ff. Nathusius, der 1835 starb, hat also die Verwirklichung seines Planes eines zusammenhängenden Landschaftsparkes nicht mehr erleben können.

Der Plan des im englischen Stil angelegten Parks stammte eventuell vom Landschaftsarchitekten Daniel EngelhardJohann Daniel Wilhelm Eduard Engelhard (*12. April 1788; † 13. Oktober 1856), Architekt und Landschaftsplaner in Kassel (gem.: ), unter anderem vom Frühstückstempel (PDF; 456 kB) über dem Tal/Karlsaue (1806) sowie der klassizistischen Kirche in Heimarshausen (1833–1834). Sein Sohn war der spätere Kasseler Hofbaudirektor Gottlob Engelhard (18. Dezember 1812;† 13. April 1876), der den ehemaligen Kasseler Hauptbahnhof entwarf. aus Kassel, den Nathusius vermutlich 1808 bei seinem ersten Besuch in Kassel anlässlich der Eröffnung des Reichstages (am 2. Juli 1808) kennenlernte.Über die Vermittlung des Daniel Engelhards mietete Nathusius ein Zimmer bei der Familie des Onkels des Architekten, des Kriegsrates Johann Philipp Engelhard in Kassel, wo er seine zukünftige Frau kennenlernte, gem. Gabriele Reuter: Grüne Ranken um alte Bilder .... siehe LitVerz Heinrich Reinhardt (1763–1826) und Philipp Christian Karf (1776–1835) waren die ersten Kunstgärtner, die Nathusius in der Aufbauphase beschäftigte.

Bei der Gehölzauswahl beriet der Direktor des Botanischen Gartens der Universität Halle (Saale), Kurt Sprengel. Vorwiegend wurden Laubholzarten nordamerikanischen Ursprungs verwendet. Sprengel veranlasste auch die Anstellung seines Mündels, August Dieskau (1805–1889), der später den Nathusius’ Taubenapfel züchten und – zusammen mit Georg Alvensleben (* 1806) – Obergärtner des Parkes werden sollte.Otto Dieskau: Aus Althaldenslebens Vergangenheit. V Teil, Nr. 24: Unser Klostergutspark (S. 9–16), Verlag von Simmerlein, Neuhaldensleben/Althaldensleben 1923. Die für den Park benötigten Gehölze wurden in der eigenen Handelsgärtnerei zu Althaldensleben herangezogen. Nathusius benannte eine angelegentlich gezüchtete und gepflanzte Birnensorte nach seiner Frau Luise, geb. Engelhardt als „Gute Luise“.gem. Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg, in: unbekanntes Verzeichnis von Landschaftsparks, vermutlicher Hrsg. ist die DDG, etwa 1989, S. 24 ff. Eine wichtige Rolle bei der Parkgestaltung spielte auch der Hauslehrer der Nathusius-Kinder, Julius Elster (* 1803).

Die Grundstruktur des Parkes mit den geplanten weiten Wiesenräumen, der Einbeziehung gepflegter landwirtschaftlicher Nutzflächen sowie der Schaffung von Spazierwegen, Aussichtspunkten und Sichtachsen folgte den damaligen Vorstellungen des Gestaltungstypus der Ornamental Farm. Die Struktur entsprach dem Naturell des Gründers, der keinen Wert auf Prunkentfaltung legte und stets Schönes mit Nützlichen zu verbinden versuchte. Die Pflanzungen wurden auf die landwirtschaftlich nicht nutzbaren Hänge und Talränder konzentriert, wodurch dem Park eine größere landwirtschaftlich genutzte Flächen in der Talsohle belassen wurde.gem. bei BBS-Ohrekreis.de Mit der Anlage der nach Jean-Jacques RousseauDie Gestaltung orientierte sich an der ursprünglichen Begräbnisstelle des Philosophen im Park von Ermenonville. Die Nutzung eines solchen Gestaltungselementes war in den von der Aufklärung geprägten Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts öfters zu finden benannten „Rousseauinsel“ und der Bezeichnung der „Napoleonsweiden“ wurde auch den Idealen der französischen Revolution und der Napoleon zugeneigten Geisteshaltung des Parkschöpfers entsprochen.gem. Info auf der Website des Alvensleben’schen Familienverbandes

miniatur|Das Gewächshaus im Althaldensleber Teil des Parkes, auch „Palmenhaus“ genannt, etwa um 1890

Fortführung unter den Nachkommen Nach dem Tod Nathusius’ 1835 übernahmen seine Söhne die Güter Althaldensleben und Hundisburg und damit auch den noch in Entstehung befindlichen Landschaftspark. In Althaldensleben wurde zunächst Philipp von Nathusiusdamals allerdings noch nicht geadelt tätig, ab 1849 dann der jüngere Bruder Heinrich. Die Geschäfte in Hundisburg hatte bereits 1830 der älteste Bruder Hermann übernommen. Auch wenn die Söhne nicht in demselben Maße wie der Vater gärtnerisch interessiert waren, führten sie den Plan zum Aufbau des Landschaftsparkes fort und entwickelten ihn teilweise weiter. Der Park in seiner heutigen Struktur ist erst durch sie entstanden. Den Hundisburger Teil konzipierte Hermann von Nathusius in den 1840er Jahren und in Althaldensleben dominiert die Überformung unter Heinrich von Nathusius in den 1860er Jahren.