mini|hochkant|Carsten Linnemann, 2025 Carsten Christoffer Linnemann (* 10. August 1977 in Paderborn) ist ein deutscher Politiker (CDU). Er ist seit Juli 2026 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merz.

Von Juli 2023 bis Juli 2026 war er Generalsekretär der CDU. Außerdem war er von 2018 bis 2021 sowie von 2025 bis 2026 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 2018 bis 2021 verantwortete er die Bereiche Wirtschaft, Energie, Mittelstand und Tourismus, von 2025 bis 2026 war er als solcher für Arbeit, Soziales, Arbeitnehmer, Sport und Ehrenamt zuständig.

Linnemann ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages und erhielt jeweils das Direktmandat im Wahlkreis Paderborn. Von 2013 bis 2021 war er Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion und gehörte von Amts wegen dem CDU-Bundesvorstand an, 2022 wurde er für ein Jahr stellvertretender Bundesvorsitzender. Linnemann ist Vorsitzender der Grundsatzprogrammkommission der CDU und erarbeitete federführend das 2024 verabschiedete Grundsatzprogramm der Partei.

Leben Herkunft, Studium und Beruf Carsten Linnemann wurde als Sohn von Buchhändlern geboren, die von September 1977 bis Mai 2019 die Buchhandlung Linnemann in Paderborn führten. Er hat einen Bruder, der ebenfalls Buchhändler ist, und ist römisch-katholisch. Im Jahr 1997 erwarb er auf dem Reismann-Gymnasium in Paderborn die allgemeine Hochschulreife., auf reismann.de Nach dem Abitur leistete Linnemann den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr in Augustdorf ab. Von 1998 bis 1999 arbeitete er ein Jahr lang in der Buchhandlung seiner Eltern in Paderborn. Im Anschluss studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn und beendete das Studium 2002 als Dipl.-Betriebswirt (FH). Von 2002 bis 2006 promovierte Linnemann als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung im Fach Volkswirtschaftslehre an der TU Chemnitz. Dort arbeitete er zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Makroökonomie. Mit seiner Dissertation zum Dr. rer. pol. war er einer von vier Gewinnern eines Nachwuchswettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Thema „Export von Dienstleistungen“.

Im Anschluss an die Promotion war er für ein Jahr als Volkswirt bei der Deutschen Bank Research in Frankfurt am Main tätig. In dieser Zeit war er unter anderem Assistent bei Norbert Walter, dem damaligen Chefökonomen der Deutschen Bank. Im Jahr 2007 wechselte Linnemann zur Deutschen Industriebank (IKB) nach Düsseldorf. Bis zu seiner Abgeordnetentätigkeit im Bundestag arbeitete er dort als Volkswirt in den Bereichen Konjunktur und Mittelstand.

Politischer Werdegang mini|Carsten Linnemann, 2018

Von 1997 bis 2001 war Linnemann Vorsitzender der Jungen Union Egge, dem heimischen Gemeindeverband der Jungen Union im Kreis Paderborn. Von 2006 bis 2007 war er Stipendiat der Zukunftsakademie der CDU Nordrhein-Westfalen. Von 2004 bis 2008 war Linnemann Mitglied des Rates der Gemeinde Altenbeken im Kreis Paderborn. Im Jahr 2008 wurde er von der Mitgliederversammlung des CDU-Kreisverbandes Paderborn zum Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 138 (Paderborn/Schloß Holte-Stukenbrock) nominiert. Einer der beiden Gegenkandidaten war der spätere NRW-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke (2010–2022).

Im 17. und 18. Deutschen Bundestag war Linnemann ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss. Von 2009 bis 2013 war er stellvertretender Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion.CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag: Pressemitteilungen: "Junge Gruppe konstituiert sich", cducsu.de, 12. November 2009, abgerufen am 26. Dezember 2016. Ferner gehört er dem Parlamentskreis Mittelstand (PKM) der CDU/CSU-Fraktion an und ist als Beisitzer Mitglied des PKM-Vorstandes, der eine mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik anstrebt.

Linnemann ist seit 2009 Mitglied im Landesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Nordrhein-Westfalen. In den Bundesvorstand der MIT wurde er 2010 kooptiert, dort leitete er den Arbeitskreis „Arbeitsmarktreform“. Im November 2010 wurde er als Beisitzer in den Landesvorstand der CDU Nordrhein-Westfalen gewählt.

Am 11. Oktober 2013 wurde Linnemann Bundesvorsitzender der MIT. Er setzte sich dabei mit 71 Prozent der Stimmen gegen den ehemaligen Grünenpolitiker Oswald Metzger durch und wurde 2015, 2017 und 2019 im Amt bestätigt. 2021 trat er nach acht Jahren als Vorsitzender nicht erneut an.

Auf dem Parteitag der CDU Deutschlands 2021 wurde Linnemann in den CDU-Bundesvorstand gewählt. Beim CDU-Bundesparteitag am 22. Januar 2022 wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. Zugleich wurde er zum Vorsitzenden der Programm- und Grundsatzkommission bestimmt. Er war damit für die inhaltliche Erneuerung der Partei und für die Erarbeitung des 2024 beschlossenen neuen Grundsatzprogramms In Freiheit leben. Deutschland sicher in die Zukunft führen verantwortlich.

Linnemann ist Vertreter des Wirtschaftsflügels der Partei und pflegt enge Kontakte zum Berufs- und Lobbyverband Wirtschaftsrat der CDU.Lobbycontrol, Studie: Der „Wirtschaftsrat der CDU“: mächtiges Lobbyforum und Klimaschutz-Bremser, 2021, S. 27

Am 11. Juli 2023 wurde er durch den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz für das Amt des Generalsekretärs als Nachfolger für Mario Czaja nominiert, am 12. Juli 2023 vorgeschlagen und am selben Tag durch das CDU-Präsidium kommissarisch zum Generalsekretär gewählt, wobei er das Amt als stellvertretender Bundesvorsitzender ablegte. Am 6. Mai 2024 wurde er auf dem CDU-Parteitag in Berlin mit 91,4 Prozent formal ins Amt gewählt. Am 20. Februar 2026 wurde er mit 90,47 % im Amt bestätigt. Im Zuge seiner Nominierung als Bundesgesundheitsminister wurde er am 27. Juli 2026 im Amt des Generalsekretärs von Franziska Hoppermann abgelöst.

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD nach der Bundestagswahl 2025 galt Linnemann ursprünglich als sicherer Minister in einer von Friedrich Merz gebildeten Bundesregierung, mit den möglichen Ressorts Arbeit und Soziales oder Wirtschaft. Er gab aber am 15. April bekannt, keinen Kabinettsposten bekleiden und stattdessen Generalsekretär der CDU bleiben zu wollen. Seine Absage wurde vielfach als Signal der Unzufriedenheit mit dem ausgehandelten Koalitionsvertrag und „Misstrauensvotum“ gegen die schwarz-rote Regierung gewertet.

Gesundheitsminister Im Rahmen der Kabinettsumbildung durch Merz im Juli 2026, die durch den Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag veranlasst wurde, wurde Linnemann zunächst als dessen Nachfolger gehandelt, schließlich aber als neuer Bundesgesundheitsminister an der Stelle Nina Warkens bekanntgegeben. Ein Jahr zuvor hatte Linnemann in einem Interview mit dem Sender Phoenix seine Eignung für das Amt des Gesundheitsministers selbst bezweifelt und deshalb abgelehnt, ein solches Amt zu übernehmen. Linnemann trat das Amt am 29. Juli 2026 an.

Als Minister kündigte Linnemann an, das Kinderkrankengeld künftig nur noch zehn Tage lang zu zahlen. Ebenso will er den von seiner Vorgängerin gefassten Plan, im Rahmen der Pflegereform die Rentenansprüche pflegender Angehöriger zu reduzieren, verwerfen und erneuerte seinen Vorschlag aus demselben Jahr zur Verringerung der Zahl der gesetzlichen Krankenkassen. Darüber hinaus müsse die Ärzte zu viel beanspruchende Bürokratie abgebaut werden.

Bundestagsmandat mini|Carsten Linnemann, 2019 Bei der Bundestagswahl 2009 trat Linnemann erstmals als Bundestagskandidat der CDU im Wahlkreis Paderborn an und errang das Direktmandat mit 52,1 Prozent der Erststimmen.Bundestagswahl 2013, auf wahlergebnisse.nrw.de Es war das zweitbeste Erststimmenergebnis in Nordrhein-Westfalen.; Thomas Winterberg, Bernd Sangermann: , auf derwesten.de, 28. September 2009 Er trat die Nachfolge von Gerhard Wächter an, der den Kreis Paderborn ab 2002 im Bundestag vertreten hatte.

Bei der Bundestagswahl 2013 konnte Linnemann seinen Erststimmenanteil im Wahlkreis auf 59,1 Prozent erhöhen und damit das beste Erststimmenergebnis in Nordrhein-Westfalen erzielen. 2017 gewann Linnemann das Direktmandat mit 53,3 Prozent der Stimmen. Damit erzielte er erneut das beste Erststimmenergebnis im Bundesland und das fünftbeste bundesweit.

Von März 2018 bis Dezember 2021 war Linnemann stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Bereiche Wirtschaft, Energie, Mittelstand und Tourismus.

Im 19. Deutschen Bundestag gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Tourismus sowie dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie an.

Bei der Bundestagswahl 2021 wurde Linnemann von 47,9 Prozent der Wähler seines Wahlkreises direkt gewählt. Das entspricht erneut dem besten Erststimmenergebnis der Direktkandidaten aller Parteien im Bundesland Nordrhein-Westfalen und dem drittbesten bundesweit.

2025 erreichte Linnemann 45,5 Prozent der Stimmen, womit sich sein Ergebnis im Vergleich zu 2021 leicht verschlechterte. Er wurde im Mai des Jahres wieder zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt, nun mit den Ressorts Arbeit, Soziales, Sport und Ehrenamt.

Mitgliedschaften und Engagement Linnemann ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt und der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Linnemann gründete 2010 die Stiftung „Lebenslauf“, mit der er sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzt. Durch die Vorbereitung und Teilnahme an Laufveranstaltungen soll deren Selbstwertgefühl gestärkt werden. Westfalen-Blatt vom 3. Januar 2013 auf stiftung-lebenslauf.de

2014 wurde er in den Wirtschaftsrat des Fußball-Bundesligisten SC Paderborn 07 berufen. Von 2016 bis 2018 war er Mitglied des Aufsichtsrats. Seit 2018 ist er ehrenamtlicher Vizepräsident.

Im November 2022 startete er den Podcast Einfach mal machen.

Positionen Linnemann gehört innerhalb der Partei zum rechten Flügel. Er gilt als wirtschaftsliberal und gesellschaftspolitisch konservativ.taz.de, veröffentlicht am 5. Mai 2024, abgerufen am 15. Mai 2024.

Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik Im Jahr 2009 stimmte Linnemann einer Reform des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes der CDU/FDP-Bundesregierung zu, kritisierte die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent jedoch als „ohne Einschränkung Klientel-Politik“.

Seit der Ad-hoc-Hilfe für Griechenland votierte Linnemann in allen Abstimmungen zur Euro-Rettung mit Nein. Er setzt sich für eine Alternative zur Rettungsschirmstrategie in Form einer Insolvenzordnung für die Staaten der Eurozone ein. Neben Wolfgang Bosbach gilt er als einer der wohl bekanntesten Kritiker der Eurorettung innerhalb der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.

Vor dem CDU-Parteitag 2014 in Köln forderte Linnemann, die kalte Progression noch in der laufenden Legislaturperiode abzubauen. Er erzielte eine Einigung mit der Parteispitze und erreichte, dass die CDU-geführte Bundesregierung 2015 den Beschluss fasste, die kalte Progression abzubauen und so die Steuerzahler um jährlich 1,4 Milliarden Euro zu entlasten. Im Dezember 2016 setzte Linnemann einen CDU-Parteitagsbeschluss durch, wonach Steuererhöhungen nach der Bundestagswahl 2017 grundsätzlich ausgeschlossen werden. Zudem brachte er im Leitantrag zum CDU-Parteitag seine Forderung unter, ein Drittel der zukünftigen Steuermehreinnahmen für Steuersenkungen zu verwenden. Auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2018 setzte Linnemann zwei Beschlüsse zum vollständigen Abbau des Solidaritätszuschlages bis 2021 und zur Abschaffung der doppelten Beiträge auf Betriebsrenten durch.