mini|hochkant|Jan-von-Werth-Brunnen, Alter Markt mini|Römischer Brunnen, Prätorium (50 n. Christus) Der Bau Kölner Brunnen gewährleistete von den römischen Anfängen der Stadt als Colonia Claudia Ara Agrippinensium bis zum Ausklang des 19. Jahrhunderts die Wasserversorgung der Stadt Köln. Mit der Inbetriebnahme des ersten städtischen Wasserwerks 1872 wandelte sich die Funktion neuer Brunnen- und Wasseranlagen. Sie dienten nicht mehr primär der Wasserentnahme, sondern wurden dekorative Bauwerke der Stadtviertel.
Brunnengeschichte Römerzeit mini|Mttelalterlicher Brunnen auf dem Rathausplatz Erste Brunnenanlagen und ihre Nutzung in der römischen Zeit der Stadt sind für das 1. Jahrhundert belegt. Der technische Stand dieser auf hohem Niveau befindlichen damaligen Wasserversorgung (einschließlich der Entsorgung) ging mit dem nach dem Abzug der Römer einsetzenden Verfall der Anlagen verloren und wurde über Jahrhunderte nicht mehr erreicht. Zeugnis hierfür sind eine Anzahl freigelegter Brunnen und Teilstücke der in dieser Zeit entstandenen Eifelwasserleitung sowie Reste der ehemals genutzten Abwasserkanäle.
Die Römer errichteten ihre Brunnen, indem sie breite Gruben bis in Grundwassertiefe aushoben. Dort wurde ein Karree aus zugeschnittenen Eichenholzbohlen um das sich sammelnde Wasser eingelassen, auf dem ein Brunnenschacht aus Tuffsteinblöcken errichtet wurde. Die durch Steinmetze passgerecht bearbeiteten Blöcke kamen ohne jegliche Verklammerung oder der Anwendung des von ihnen als Bindemittel benutzten Baustoffes Opus caementitium („Caementum“) aus, und verhinderten so nach dem Wiederauffüllen der Baugrube eine spätere Verschmutzung des neuen Trinkwasserbrunnens durch äußere Einflüsse.Informationen des Römisch-Germanischen Museums in Köln
1974 konnte der Archäologe Walter Meier-Arendt auf einem Baugelände im Südwesten des Stadtteils – auf dem Gelände der heutigen Europa-Schule am Raderthalgürtel in Köln-Zollstock – eine sogenannte römische Trümmerstelle erkennen. Auf dem weitläufigen Gelände zwischen Gürtel und Markusstraße fand man u. a. einen Brunnen römischer Zeit, der einer ehemaligen Villa Rustica zugeschrieben wurde. Meier-Arendt, Infotafel der Stadt Köln
Den erreichten hohen Standard auch auf hygienischem Gebiet unterstreichen die 2007 freigelegten Fundamente eines Rundbaues an der Cäcilienstraße, die Teil einer römischen Thermenanlage waren.Grabungsbefund unter dem „Cäcilium“, in einer Veröffentlichung des Kölner Stadtanzeigers vom 16. November 2007, von Carl Dietmar. Abgerufen am 13. Dezember 2009 unter Wo die alten Römer schwitzten Ältere archäologische Funde, aber auch Freilegungen von antiken Brunnen in jüngster Zeit (2008) auf dem Rathausplatz und infolge der Grabungen rund um den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn an Klein St. Martin veranschaulichen den Unterschied in der Wasserversorgung zum heutigen Standard. Diese Brunnen, abgesehen von den aus Glaubensgründen rituell genutzten Anlagen der frühen jüdischen Kölner Gemeinden wie die Mikwe am Rathaus und der in Deutz (heute unter der Auffahrt der Deutzer Brücke), waren über Jahrhunderte reine Nutzanlagen.
Frühmittelalter Mit der Eroberung der römischen Provinz Niedergermanien und dem Einzug der Franken um 355 in die Römerstadt wandelte sich das Stadtbild durch die neuen Herren, die nun ihre ländliche Kultur auf einem zerstörten städtischen Wesen aufbauten.Hermann Keussen, Band I, S. 5, unter Verweis auf „Liber historiae Francorum“ (Ser.Ber.Merow.II) 250: In illis diebus coepperunt Franci Agrupunam civitatem
Über die dann vom 5. Jahrhundert bis zum ausgehenden Hochmittelalter gebräuchliche Wasserversorgung der Stadt ist nichts überliefert. Neben der Wasserentnahme aus dem Rhein waren es zu dieser Zeit noch einige aus dem Umland in den Rhein fließende Gewässer wie der Duffesbach, aus denen sich die Bewohner Kölns mit Trink- und Brauchwasser versorgten. Insgesamt war die Wasserversorgung in der Folge wohl rückschrittlich und dürfte recht primitiv und beschwerlich gewesen sein. Schöpf- oder Ziehbrunnen, deren erste urkundliche Erwähnungen um 1130 in den Kölner Schreinsbüchern auftauchten, waren dann der Standard, der bis weit in die Neuzeit die Regel sein sollte. Sie wurden in Köln Pütze genannt.
Mittelalterliche Brunnen Abwasser Das vorbildliche System der Kölner Wasserentsorgung, das den Bewohnern der Stadt nach dem Ende der römischen Zeit verblieben war, verfiel wohl schon in fränkischer Zeit. Auch einige noch heute vorhandene Teilstücke (Budengasse) waren nicht mehr benutzt worden und fanden ihren Ersatz durch die simple Ableitung der Abwässer aus den Häusern auf die in den meisten Fällen unbefestigten Straßen. Die in Köln als Sode bezeichneten Rinnsale sammelten sich je nach Gefälle in sogenannten stehenden Pfuhlen oder fanden ihren Weg in den Rhein. Anfallende Fäkalien der Tierhaltung verwandte man zur Düngung der Felder, und die menschlichen Exkremente schufen einen neuen Berufsstand. Es waren diejenigen, die in den Nächten die Latrinen der Häuser leerten und die Fracht ihrer gefüllten Transportbehälter im Rhein entsorgten. Der so zur Abfallentsorgung (andere am Rhein gelegene Orte verfuhren ebenso) dienende Rhein war zur Trinkwasserentnahme unbrauchbar geworden. Auch die wenigen Bäche, die die Stadt erreichten, wurden in der Regel gewerblich genutzt und wurden ebenfalls durch eingeleitete Abwässer verunreinigt. So übernahmen in der mittelalterlichen Zeit eine Vielzahl im gesamten Stadtgebiet angelegter Brunnen die Versorgung der Menschen und ihrer Haustiere.
Qualität des Brunnenwassers Die Wasserqualität der Pütze war jedoch in vielen Fällen schlecht. Die Brunnen, die ebenfalls wie auch Sickergruben der Latrinen auf dem Hof standen, sowie die mit Unrat, Schmutz und Abfällen gefüllten zahlreichen Pfuhle beeinträchtigten das Grundwasser und somit auch die Qualität des aus der Tiefe geschöpfte Brunnenwassers.
Die Anzahl der Pfuhle war hoch, und sie sind noch heute als Straßennamen vorhanden. Viele dieser sumpfigen Teiche bildeten sich in den Gräben vor den ehemaligen römischen Stadtmauern. So zum Beispiel der Perlengraben und der alte Graben (Eintrachtstraße), der große Sumpf hinter dem heutigen Weidenbach, der Pfuhl an der Schnurgasse bei „Schallenbergs Weingarten“, der Pfuhl im Laach (= lacus), der Rinkenpfuhl, der „Cradepoil“ bei der „Schultheißgasse“ (Bezirk S. Peter), der Entenpfuhl, der Perlenpfuhl oder der Pfuhl am Ende der Thieboldsgasse.Adolf Thomas, Verweis auf Ennen und Eckertz, Urk. IV, S. 295.Leonard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, I., S. 682.
Taufbrunnen mini|Jesus und die Samariterin am Brunnen (um 1625) Die jüdische Geschichte in Köln geht urkundlich bis auf das Jahr 321 zurück. Das Leben dieser Bevölkerungsgruppe war mit ihren von alters her gelebten Traditionen ein fester Bestandteil des städtischen Lebens. Erst geraume Zeit später fasste der christliche Glauben auch Fuß im Rheinland, sodass Christen und Juden ihre Lehren aus dem alten Testament zogen. Ein markantes Beispiel dieser Brunnenform ist der Blutbrunnen des Machabäerklosters, der der frühen Zeit der ausgeprägten Märtyrerverehrung in Köln entstammte. Eine gusseiserne Ofenplatte in der Kaminwand zur Kartäuserkirche war Teil eines barocken „Bibelofens“ aus der Zeit um 1625. Ihr Relief zeigt Jesus und die Samariterin am Brunnen.
Puteum iudeorum
Aus dem Jahr 1270 stammt ein Dokument aus dem im Bezirk der Laurenz-Pfarre geführten Judenschreinsbuch, in dem bezüglich des Hauses eines Livermanus die Ortsangabe ad puteum iudeorum (Lateinisch puteus= Brunnen) am Judenpütz, verwendet wurde. In dem aus dem Lateinischen übersetzten Text heißt es:
Es sei bekannt sowohl den Zukünftigen als auch den Gegenwärtigen, dass Livermann, ein Jude aus Düren, ein neues Gebäude erstellt hat auf dem Platz, der an der Judengasse liegt nahe dem Durchgang, wo man zum Judenpütz geht gegenüber der Mar(s)porze
Im gleichen Zusammenhang wurde ein in der Nähe befindlicher Waschstein angeführt, eine lapis lavatorius, auf dem mit dem Wasser der dortigen Mikwe rituelle Totenwaschungen (Tahara) vorgenommen wurden. Das Dokument schließt mit der Datumsangabe:
geschehen im Jahre des Herren 1270 am nächsten Morgen des Tages des heiligen Severins (24. Oktober)Leonard Ennen, aus einem Faszickel des Schreins Judeorum im Archiv des Landgerichtes.
Ratsbrunnen Die an den Stadttoren und Türmen errichteten Brunnen, sowie der des städtischen Schlachthofs waren dem Rat selbst unterstellt. Die durch diese Brunnen verursachten Kosten wurden von der Mittwochsrentkammer beglichen.Keussen, Bd. I, S. 173, Verweis auf die Festschrift: Die Beleuchtung und Wasserversorgung der Stadt Köln (1895), 89/90.
Trinkwasser der Bürgerschaft mini|Ein bereits 1465 erwähntes Pützhaus am Dom Die Wasserversorgung der Kölner Bevölkerung in mittelalterlicher Zeit erfolgte durch Ziehbrunnen. Über einer größeren Brunnenanlage erhob sich oftmals ein zu Wohnzwecken genutztes Gebäude, ein so genanntes Pützhaus. Kleinere dieser Anlagen standen erhöht auf einem steinernen Treppenpodest und wurden oftmals mit einem turmartigen Aufsatz versehen. Zwei Zeichnungen von Justus Finkenbaum (um 1665) zeigen solche Anlagen. Es ist ein Pützhaus auf dem Kölner Domkloster (der heutigen Domplatte), dessen Existenz (möglicherweise in einer anderen Bauform) schon 1465 erwähnt wurde, und ein weiteres neben der Kirche St. Maria im Kapitol.Günther Binding, S. 112.
Zu den Gerätschaften der Pütze gehörte eine Gabel mit einer Stange, deren Länge der Brunnentiefe angepasst war. Ein der Stange angehängter Eimer und eine das aus der Tiefe geschöpfte Wasser aufnehmende Wanne, die man in Köln nach wie vor Bütt nennt, vervollständigten vorerst die anfängliche Ausrüstung. In späterer Zeit ersetzte man die Stangentechnik durch Seilwinden, denen Kettenwinden, auch Radpütze genannt, folgten.Keussen, Bd. I, S. 171, Verweis auf die Festschrift: Die Beleuchtung und Wasserversorgung der Stadt Köln (1895), 89/90.
Gewerbe der Pützmacher Der Bau der Brunnen und anfallende Reparaturen derselben hatten in Köln einem speziellen Berufsstand aufkommen lassen. Es war das Gewerbe der Pützmacher, die in vielen städtischen Belegen angeführt wurden.
Brunnen und Brandschutz Brunnen ergänzten abgelegene Fließgewässer auch als Löschwasserreservoir bei häufig auftretenden Bränden. Bei den bis in die Frühe Neuzeit verwendeten Materialien des Hausbaus (Holz, Fachwerk) war eine flächendeckende Anlage von Brunnen eine aus der Erfahrung gewachsene Notwendigkeit des Brandschutzes geworden.
Über einen eigenen Brunnen, in einem solchen Fall im Hof oder Garten, verfügten relativ wenige Häuser der Stadt. Durchweg hatten aber wohl Back- und Brauhäuser ihre eigenen Brunnen, worauf die Bestimmungen einer 1360 erlassenen Brandverordnung hinweisen. In dieser hieß es, dass im Brandfalle die Häuser der Bäcker und Brauer zu öffnen seien, um den Zugang zum Pütz zu ermöglichen.Hermann Keussen, Bd. I, S. 171 ff.
Brunnenrecht Weitaus häufiger gab es in der Stadt so genannte Brunnengemeinschaften. Schloss sich eine größere Hausgemeinschaft oder eine Gemeinschaft benachbarter Häuser zusammen, so konnte bei einer Mindestzahl von sieben „Zeugen“ eine Brunnengerechtsame erwirkt werden.Keussen, Bd. I, S. 172, Verweis auf Hermann von Weinsberg: Dieser berichtete über die Mitbenutzung des Pütz in seinem Haus Cronenberg. Bei dieser Gelegenheit äußert sich Weinsberg ausführlich über solche „Gerechtsame“. Ms. IV 66 b In diesem Falle waren die anfallenden Kosten eines Neubaues, der Reparaturen und des Verschleißes anteilig zu übernehmen.Keussen, Bd. I, S. 171, Verweis auf Stein: Akten II 27 n. 9.