Det lærde Holland war ein norwegischer Kreis Intellektueller in Christiania um Paul Botten-Hansen während der 1850er und 1860er Jahre. Seine Mitglieder wurden Hollæderne oder „Batavofiler“ (Batavophile nach der lateinischen Bezeichnung Batavia für die Niederlande) genannt.

Die Entstehung Die vier Gründungsmitglieder waren seit Beginn der 50er Jahre miteinander befreundet. Sie gehörten einer Generation von Intellektuellen an, die den dänischen Dichter und Politiker Carl Ploug als geistigen Führer betrachteten. Sie waren vorwiegend durch literarische Interessen verbunden, wenn Michael Birkeland sich auch früh mit Politik befasste. Die Blütezeit des Freundeskreises fiel in die Blütezeit der norwegischen Nationalromantik.

Der Anlass für ihre enge Verbindung war das Studententreffen von 1851 in Christiania mit Teilnehmern aus Kopenhagen und Lund und von 1852 mit Teilnehmern aus Uppsala. Bereits am Studententreffen von 1851 hatten die Gründungsmitglieder und eine ganze Reihe Batavophile teilgenommen. Auch bei den folgenden Treffen waren die „Hollæderne“ stark vertreten. Allerdings fehlte Henrik Ibsen, der zu dieser Zeit in Bergen wohnte. Sie bildeten damals bereits eine kleine Gemeinschaft, aber erst als Ibsen nach Christiania zog und Ludvig Daae dazustieß, traten sie unter dem Namen „Hollænderne“ hervor. Daae war auch der Erfinder der Bezeichnung, indem er die Bibliothek von Botten-Hansen, die lange Zeit zum Begegnungsraum des Kreises war, als „Holland“ bezeichnete. „Hollænder“ wurde gleichbedeutend mit Historiker. Gedruckt wurde diese Bezeichnung erstmals in einem Glückwunsch Daaes zur Anstellung Botten-Hansens als Universitäts-Bibliothekar: Circulus noster litterarius, qui Batavorum gaudet nomine.

In eine engere Freundschaft kam Birkeland mit Botten-Hansen im Frühjahr 1852, nachdem Birkeland Assistent im Reichsarchiv geworden war und zusammen mit Botten-Hansen die Bibliothek von Jens Christian Berg katalogisierte. Birkeland, Botten-Hansen und Peter Munch Søegaard trafen sich regelmäßig bei Jakob Løkke, der ihnen Englischunterricht gab.

Ibsen nahm regen Anteil an den Diskussionen des Zirkels. Briefe aus dem Kreis der Hollænderne zeigen, dass Ibsen in seinen Theaterstücken Brand und Peer Gynt Personen und Diskussionszitate aus dem „Lærde Holland“ verarbeitet hat.

Bjørnstjerne Bjørnson war zwar oft bei den Hollænderne, aber sie empfanden ihn als arrogant und lehnten auch seine romantischen Bauerngeschichten ab, aber duldeten ihn. Sie unterschieden zwischen dem Dichter Bjørnson und dem Politiker Bjørnson. Man war da sehr tolerant. Botten-Hansen veröffentlichte sogar Bjørnsons Erzählung Thrond in seiner Zeitung.

Das Netzwerk Die Hollænderne hatten auch weitverzweigte Verbindungen zu sehr unterschiedlichen Personen: Løkke war befreundet mit dem radikalen Ole Thomesen aus Lillehammer, als dieser als Sorenskriver nach Telemark ging. Løkke traf Oluf und Evald Rygh, und sie sprachen gerne über die früheren dänischen Gelehrten Peter Frederik Suhm, Jacob Langebek und Peder Kofod Ancher. Birkeland stand in Verbindung mit Ueland, Ludvig Kristensen Daa, Rechtsanwalt Kildal, Ole Jacob Broch und Ole Richter. Daae traf bei seinem Aufenthalt in Kopenhagen 1866–1867 Christopher Bruun und Kristofer Janson. Der Theologe Hans Brun machte Daae mit dem Grundtvigianismus bekannt. In der Sitzungsperiode des Stortings von 1868 bis 1869 kam Hans Schulze zu Botten-Hansen und Birkeland.

Die Stelle des Reichsarchivars und die Stellen seiner Assistenten sowie die in den Bibliotheken wurden nicht mit den qualifiziertesten besetzt, sondern war mehr eine Pfründe für verdiente Personen, die für andere öffentliche Ämter nicht geeignet schienen. So wurde Wergeland zum Reichsarchivar bestellt. Botten-Hansen bekam 1856 eine Stellung im Reichsarchiv. Er strebte aber ein Amt in der Universitätsbibliothekar an. Die einhellige Fürsprache der „Hollænderne“ führte dann dazu, dass er am 7. März 1864 als Nachfolger Rudolf Keysers zum Leiter der Universitätsbibliothek ernannt wurde.

Als der Nachfolger Wergelands, der Reichsarchivar Christian C. A. Lange nach langer Krankheit 1861 gestorben war, diskutierten den „Hollænderne“ über die Nachfolge. Es ging dabei nicht nur um das Reichsarchiv, sondern auch um die Herausgabe des Diplomatarium Norvegicum. Man findet in der folgenden Korrespondenz zwischen den Mitgliedern fast alle bedeutenderen Persönlichkeiten wieder, mit denen man über die Sache gesprochen hatte. Trotz Bedenken des Kreises wurde Peter Andreas Munch ernannt. Man hielt ihn für die Stelle als nicht geeignet, weil er keine Leitungsfähigkeiten für eine Behördenfunktion besitze. Er bekleidete den Posten aber nur bis 1863. Nachfolger wurde Michael Birkeland.

Birkeland war der meinungsführende Historiker im eigentlichen „Holland“. Er forschte über die Wende 1814. Daae war zwar auch Historiker, aber jünger und trat mit seinen historischen Arbeiten erst nach dem Tod von Botten-Hansen auf. Oluf Rygh befasste sich nach 1860 schwerpunktmäßig mit Archäologie.

Das Netzwerk funktionierte auch hinsichtlich einer staatlichen Unterstützung für Henrik Ibsen. Das erste Ersuchen von Botten-Hansen war von Staatsrat Hans Riddervold abgelehnt worden, weil dieser meinte, dass Ibsen in seinem Stück Kjærlighedens Komedie (Komödie der Liebe) in der Figur des Pfarrers Straamand ein Zerrbild seines Pfarrerideals dargestellt habe. Aber kaum war Riddervold 1866 wegen Krankheit an seinen Amtsgeschäften verhindert, erneuerten Botten-Hansen, Løkke, Birkeland und Ole Andreas Bachke das Ersuchen. Die Regierung stimmte zu, und das Storting beschloss mit Ausnahme von Søren Jaabæk, der gegen jede neue Ausgabe stimmte, und drei weiteren Abgeordneten die Unterstützung.

Tätigkeitsfelder Literatur Es waren vorwiegend literarische Interessen, die die „Hollænderne“ zusammenführten. Als die Freundschaft zwischen den „Hollænderne“ begann, war Welhaven auf dem Höhepunkt seines Ansehens. Doch wurden sie nicht seine Anhänger. Als Welhaven 1860 seine Gedichtsammlung herausgab, erschien eine scharfe Rezension in Christiania-Posten, die bei den „Hollænderne“ auf Zustimmung stieß. Auf der anderen Seite war die Sichtweise Welhavens, dass die Kultur wesentlich von der geschichtlichen Tradition bestimmt werde, ganz in deren Sinne. Auch Welhavens nationale Ausrichtung auf das Norwegische fand bei ihnen Anklang. Ein großes literarisches Verdienst von Botten-Hansen war dessen Herausgabe zusammen mit Christian Birch-Reichenwald von Welhavens gesammelten Werken. Dass bei ihnen Wergeland nicht so hoch im Kurs stand, lag daran, dass der Sinn für reine Lyrik bei Leuten wie Løkke, Birkeland, Daae und Rygh nicht stark entwickelt war. Aber man war sich klar darüber, dass seine Werke eine größere Zukunft hatten. Sie sahen mit Wohlwollen, dass über die Zeitung Fædrelandet von Carl Ploug Wergeland auch dem dänischen Publikum bekannt wurde.

Das geistige Leben der Hauptstadt war damals nicht besonders anregend. Das juristische Studium war am begehrtesten, wurde aber weitgehend handwerksmäßig betrieben. Die literarische Nachfrage war gering. Es gehörte auch ein gewisser Mut dazu, Texte zu publizieren. An diesen Verhältnissen war die scharfe Kritik Welhavens nicht unschuldig. Man litt in Christiania unter der kulturellen Oligarchie der Studentengruppe „Intelligensen“, die das soziale und kulturelle Leben beherrschte. Dazu kam, dass das lesende Publikum, das Bücher kaufte, nicht zahlreich war. Der Reichsarchivar Lange betonte, dass für eine selbständige, von Dänemark unabhängige Literatur die Lesefreudigkeit und der Kauf der Bücher wesentlich war. Gedichtbände wurden nur in wenigen Exemplaren verkauft, der Rest der Auflage blieb in den Regalen der Buchhändler liegen. Die Neuauflage eines Gedichtbandes war eine Sensation. Dies geschah zum Beispiel mit Welhavens Gedichten, die 1839 herausgekommen waren und 1854 eine Neuauflage erfuhren. Der Verleger Christian Tønsberg wollte sich deshalb nicht auf eine Herausgabe von Ibsens Frau Inger auf Østrat einlassen, zumal bereits dessen Werk Das Fest auf Solhaug ein Zuschussgeschäft gewesen war.

Dies hatte auch Auswirkungen auf die „Hollænderne“. Im Herbst 1849 wurde von Hans Schulze unter Mitwirkung von Birkeland und Claus Pavels Riis die „Litterære Forening“ (der Literarische Verein) gegründet. Dahinter stand der Gedanke, ein Gegengewicht gegen die politischen Diskussionen zu schaffen, die auf die Ereignisse 1848 folgten und die viele für verderblich für die Arbeiten hielten, die den jungen Studenten am nächsten liegen sollten. Wenn die politischen Diskussionen nicht das literarische Leben in den Schatten gestellt hätten, so wäre Ibsens Catilina nach Meinung von Botten-Hansen eine größere Aufmerksamkeit zuteilgeworden. Ibsen beklagte selbst die Seltenheit literarischer Neuerscheinungen und die gleichzeitige Flut von Zeitungen, die über die Studenten gekommen sei und ein politisierendes Philisterwesen erzeugt hätte, das dort nicht hingehöre. Die Dürftigkeit der damaligen literarischen Verhältnisse zeigt sich in der Maßgabe, dass Bücher an den Studentenverein erst zwei Monate nach der Ankündigung ihres Erscheinens verkauft werden dürften. Løkke rief demgegenüber in seiner Zeitung zur Gründung privater Lesegesellschaften im ganzen Land auf und hielt es für nötig, dem Einwand entgegenzutreten, das würde die Verkaufszahlen der Bücher verringern. Es sei doch besser, dass ein Buch gekauft werde als gar keins. Hinzu komme, dass mit der Lektüre die Lust am Lesen und der Kauf von Büchern erst geweckt werde. Man dachte auch über die Erleichterung der Verbreitung der Bücher nach, denn der Versand war schwierig, die Postzustellung auf dem Lande selten und die Fracht teuer.

In den 50er Jahren trat eine leichte Besserung ein, als Werke von Claus Frimann, Wergeland, Maurits Hansen und Henrik Anker Bjerregaard das Publikum erreichten. 1857 erleichterte auch das Storting die Verbreitung von Büchern und zeigte sich liberaler gegenüber Kunst und Wissenschaft, als es der Finanzausschuss vorgeschlagen hatte. Dagbladet veröffentlichte eine ausführliche Besprechung von Wergelands Dichtung und Talent. Aber Ende des Jahres 1857 kam eine Geldkrise, die die Spalten der Zeitungen beherrschte. Als Ibsen nach Christiania zurückkehrte, fand er die gleichen Verhältnisse vor wie früher. Die Gesellschaft war vollständig von materiellen Interessen beherrscht. Literatur wurde nur angenommen, wenn sie von „Futter für Volk und Vieh“ handelte. In „Holland“ beklagte man noch lange die materialistisch-plutokratische Luft in den oberen Gesellschaftsschichten der Hauptstadt. Man las eigentlich nur über Politik. Früher war Jacob Aall ein großer Mäzen im guten alten Stil gewesen. Aber er hatte keinen Nachfolger gefunden. Vor 1814 hatten reiche Privatleute noch die Literatur unterstützt.

Das größte Interesse fanden aber die Neuerscheinungen, nicht nur von norwegischen Verfassern, sondern auch von dänischen, die, wenn ihre Werke zu norwegischen Buchhändlern kamen, oft im „Holland“ besprochen wurden.

Die „Hollænderne“ waren begeisterte Anhänger Ludvig Holbergs. Außerdem waren sie Theaterfreunde, und die meisten waren bei der Eröffnung von „Det norske Theater“ in der Møllergate am 11. Oktober 1852 dabei. Insbesondere galt dies für die Zeit, als Ibsen Intendant war. 1863 traten sie für eine Norwegisierung des Theaters und einen Bruch mit der dänischen Vormundschaft in der dramatischen Kunst ein.

Sowohl historische als auch literarische Interessen lagen hinter der Aufmerksamkeit, mit der die „Hollænderne“ das Auftreten des Saga-Dramas beobachteten. Besonders Oluf Rygh war an den Schwierigkeiten des reichen Saga-Stoffes interessiert. Denn dieser Stoff hatte ja bereits eine gültige literarische Form gefunden. Das Problem, den Stoff in eine dramatische Form zu bringen, war gerade erst in Angriff genommen. Deshalb war die Freude groß, als Bjørnson mit einem historischen Drama Kong Sverre aufwartete. Doch das Drama war eine Enttäuschung. Es wurde als matt empfunden.