mini|hochkant|Blick durch die Kirchstraße zum Turm der Stadtkirche St. Jakobus in Brackenheim Die Stadtkirche St. Jakobus ist eine evangelische Pfarrkirche in Brackenheim im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Ihre Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Brackenheim und gehört seit 1. Januar 2025 zum neuen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche ist mittelalterlichen Ursprungs und erhielt bis zum Jahr 1500 durch mehrfache Erweiterungen im Wesentlichen ihre heutige Form. Die Kirche besitzt mit ihren drei historischen Turmglocken eines der ältesten Läutwerke in Baden-Württemberg.

Geschichte mini|Brackenheim um 1640: die mächtige Stadtkirche überragt die Gebäude der Stadt mini|hochkant|Innenansicht vor der Erneuerung 1963 Die Ursprünge der Brackenheimer Stadtkirche liegen im Dunkeln. Einer urkundlich nicht weiter belegten Chroniknotiz von 1634 zufolge soll König Konrad I. im Jahr 914 eine Kirche zu Ehren des Apostels Jakob gestiftet haben, um die herum sich der Ort Brackenheim entwickelt haben soll. Die neuere Forschung geht jedoch eher davon aus, dass die Kirche auf eine von einer Bürgerstiftung um 1100 gestiftete Kapelle zurückgeht, die als Pilgerstation in Zusammenhang mit den beginnenden Wallfahrten zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela steht. Um 1300 wurde anstelle dieser wohl durch kriegerische Handlungen abgebrannten Kapelle von der Bürgerschaft eine gotische Chorturmkirche erbaut, die 1389 erstmals erwähnt wurde und bis 1500 mehrere Erweiterungen und Umbauten erfuhr, wodurch sie im Wesentlichen ihre heutige Form erhielt. Nach dem Anbau einer Sakristei im Jahr 1509 wurde die Kirche im Folgejahr Pfarrkirche der Stadt und ersetzte in dieser Funktion die bisher als Pfarrkirche genutzte, auf dem Friedhof außerhalb der Stadt befindliche Johanniskirche.

Im Jahre 1512 wurde in die Kirche eine Prädikatur gestiftet.Matthias Figel: Der reformatorische Predigtgottesdienst. Eine liturgiegeschichtliche Untersuchung zu den Ursprüngen und Anfängen des evangelischen Gottesdienstes in Württemberg; Epfendorf/Neckar 2013, S. 189–195 (Liste: Die Prädikaturen in Württemberg vor der Reformation) Zur Zeit der Reformation predigte Konrad Sam in Brackenheim, der damit von etwa 1519 bis 1524 in Brackenheim die erste evangelische Reformationsgemeinde in Altwürttemberg betreute. Sam musste Brackenheim 1524 verlassen, wodurch kurzfristig nochmals altgläubige Prediger in Brackenheim zum Zuge kamen, bevor 1534 die Reformation in Württemberg vollends vollzogen wurde. 1536 wurde Brackenheim Sitz eines Dekanats. In jener Zeit wurde die ursprünglich wohl ganz mit Wandgemälden ausgemalte Kirche übertüncht, um 1540 entfernte man aus denselben reformatorischen Bestrebungen heraus auch die einst vorhandenen Nebenaltäre. Der historische Hochaltar der Kirche war dem Hl. Jakobus geweiht und wurde von der Kirchengemeinde 1880 an das Württembergische Landesmuseum verkauft. Mit der Reformation und der Abschaffung verschiedener liturgischer Handlungen wurde die Zahl der Pfarrstellen von fünf auf zwei reduziert.

Über enge Verbindungen zur Universität Tübingen wurden die Pfarrer- und Diakonstellen in Brackenheim zumeist mit gebildeten Tübinger Theologen besetzt, die meist nur für einige Jahre in Brackenheim waren, bevor sie zu höheren Stellen berufen wurden. Andreas Grammer (Pfarrer 1568–1582) war später Generalsuperintendent in Denkendorf und Bebenhausen, Erhard Weinmann (Pfarrer 1608–1620) wurde Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart, Johann Melchior Nicolai (Pfarrer 1635–1659) wurde Generalsuperintendent in Denkendorf sowie Abt im Kloster Blaubeuren und im Kloster Maulbronn, Christian Gottlob Moser (Pfarrer 1834–1839) wurde Generalsuperintendent in Tübingen, und Gustav Petzold (Pfarrer 1894–1910) wurde Ehrenvorsitzender des Deutschen Kirchengesangvereins. Aus der Reihe der zweiten Pfarrer sind Karl Heinrich Paret (zweiter Pfarrer 1849–1858), der als Schriftsteller in Erscheinung trat, und Karl Eugen Rieker (zweiter Pfarrer 1884–1890), späterer Professor für Kirchenrecht in Erlangen zu nennen.

Den Stadtbrand von 1691 hat die Kirche als einziges Gebäude im Brandgebiet nahezu unbeschadet überstanden. 1716 stiftete das städtische Spital eine neue Kirchenorgel, deren Orgelprospekt sich bis heute erhalten hat.

Nach umfangreichen Innenrenovierungen in den Jahren 1863 durch Architekt Carl Beisbarth sen. und 1914 durch Architekt Martin ElsaesserElisabeth Spitzbart, Jörg Schilling: Martin Elsaesser. Kirchenbauten, Pfarr- und Gemeindehäuser. Tübingen/Berlin 2014, Katalog Nr. 33. fand 1964 eine weitere grundlegende Renovierung der Kirche unter der Leitung von Oberbaurat Klaus Ehrlich statt. Dabei wurden unter anderem einige mittelalterliche Fresken freigelegt, die schmalen gotischen Fenster an der Südwand entdeckt und freigelegt, der zwischenzeitlich veränderte Chorbogen gotisch umgestaltet, neues Gestühl und eine neue Empore eingebaut, ein neuer Altar und ein neuer Taufstein aufgestellt sowie ein neues Orgelwerk in die alte Orgel eingebaut und die gesamte Ausstattung von einer Quer- zu einer Längskirche neu angeordnet.

2012 fand eine neuerliche Sanierung der Kirche statt, deren Schwerpunkte auf der Erneuerung von marodem Mauerwerk am Turm sowie auf der Renovierung des Dachstuhls lagen.

Beschreibung mini|Blick zum Chor Die Stadtkirche ist eine Chorturmkirche im Stil der späten Gotik. Der nach Osten ausgerichtete Chor befindet sich im Untergeschoss des 52 Meter hohen Kirchturms und hat eine quadratische Grundfläche von 5,85 × 5,85 Meter. Der Chor ist von einem steinernen Kreuzrippengewölbe mit vier Rippen und kunstfertigem Schlussstein überspannt. Der Kirchturm geht in seiner äußeren Gestalt von dem quadratischen Unterbau zu einem achteckigen Aufbau über und wird von einer achteckigen schieferverkleideten Dachpyramide bekrönt. Nördlich am Turm befindet sich ein altes rundes, am Turm hinaufführendes Treppenhaus sowie die 1509 ergänzte Sakristei mit gotischem Netzgewölbe.

Über einen verhältnismäßig niedrigen gotischen Chorbogen öffnet sich der Chor hin zum Kirchenschiff, das etwa 12,5 × 25,6 Meter misst. Das Kirchenschiff wurde ausgehend von dem ersten Chorturmkirchenbau wohl zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Norden und Westen erweitert und ist daher nicht symmetrisch zum Chor. Es wird von einem historischen hölzernen, mit Blumenranken bemalten Tonnengewölbe überspannt. Auffallend sind die unterschiedlich großen Fenster in der südlichen Seitenwand. Generell sind die großen Seitenfenster der Kirche jüngeren Datums, die beiden zusätzlichen kleinen Fenster in der Südfassade sind älter, waren aber zeitweise vermauert und wurden erst 1964 wieder geöffnet.

Ausstattung mini|Kruzifix mini|Heiliges Grab an der Nordwand mini|Unterseite des Schalldeckels der Kanzel Heiliges Grab Das Heilige Grab in einer Nische an der Nordwand stammt aus der Zeit der späten Gotik. Der überlebensgroße Leichnam wurde gemäß einer Inschrift 1464 geschaffen und ist als Halbreliefplastik auf einem Sarkophag ruhend dargestellt, während die üblichen Assistenzfiguren als Fresken an die Rückwand der Nische und an der Kirchenwand über der Nischenbekrönung aufgemalt sind. Die Nische wird von Blendmaßwerk bekrönt, ebensolches verziert auch am unteren Abschluss den Sarkophag.Gisela Probst: Sepulchrum Domini in Brackenheim. Zu Typen und Funktionen südwestdeutscher Heiliger Gräber im Spätmittelalter, in: Die mittelalterlichen Wandmalereien zwischen Rhein, Neckar und Enz, Heimatverein Kraichgau, Sonderveröffentlichung 35, Ubstadt-Weiher 2011, S. 77–94.

Wandmalerei Im Heiligen Grab von 1464 sind zur gleichen Zeit sechs Personen, unter ihnen die drei Frauen und Joseph von Arimathäa, auf den Hintergrund des Grabes gemalt worden. Weiter sind an der Nordwand die Heiligen Drei Könige und die heilige Katharina zu sehen. Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1964 wurden in der Südwand gotische Fenster freigelegt. Ihre Laibungen sind mit Apostel- und Blumenmalerei geschmückt.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder

Kanzel In der Südostecke neben dem Chorbogen steht seit der Kirchenrenovierung 1963/64 die Renaissance-Kanzel. Bis dahin hatte sie seit dem hundertjährigen Reformationsjubiläum 1617 ihren Platz an der Südwand zwischen den beiden großen Fenstern und war räumlich wie liturgisch der Mittelpunkt des Parterregestühls im Kirchenschiff, im Chor und auf den Emporen des als Querkirche gestalteten Kirchenraums.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 81, 239, 247, 274 - ISBN 978-3-95505-592-9 Der achteckige Kanzelkorb ist mit vier Tafelbildern der Evangelisten und ihren Attributen Engel, Löwe, Stier und Adler verziert. Der Schalldeckel darüber ist auf der Oberseite plastisch reich verziert: Die architektonischen Elemente stellen das Himmlische Jerusalem dar, bekrönt von einer Statuette des auferstandenen Christus. Die Unterseite ist mit Bildnissen von Propheten bemalt und mit Lobpreisungen Gottes in sechs Sprachen (Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Aramäisch, Hebräisch und Syrisch) versehen, die in der Tradition christlicher Kabbala stehen.Matthias Morgenstern: Die kabbalistische Predigtkanzel in Brackenheim. In: Die Jakobuskirche in Brackenheim. Kämpfelbach-Ersingen 2026, S. 70–83.

Bildnisse An der Südwand der Kirche sind zwischen den Fenstern zwei große geschnitzte Stiftertafeln im Stil von Epitaphien aufgehängt (eine davon am früheren Platz der Kanzel), die 1630 von Herzogin Barbara Sophie, der Witwe Herzog Johann Friedrichs und geborene Prinzessin von Brandenburg, gestiftet wurden. Die Tafeln zeigen oben jeweils das württembergische Wappen und unten das brandenburgische. In der Mitte sind beide Tafeln jeweils mit sechs reliefplastisch gearbeiteten Passionsdarstellungen versehen. An der Nordwand des Chores ist ein historisches Gemälde aus dem 17. Jahrhundert mit der Szene von der Taufe Jesu aufgehängt.

Altar und Taufstein Altar und Taufstein sind aus Kalkeisentuff gefertigt und wurden bei der Renovierung 1964 beschafft. Das hölzerne Kruzifix am Altar mit der Gesichtsdarstellung als Schmerzensmann stammt aus der Zeit um 1510/20 und kommt aus der Heilbronner Werkstatt von Hans Seyffer. Zum Kirchenschatz zählt auch noch ein historisches Taufgeschirr aus Schale und Kanne aus dem 17. Jahrhundert, das auch bei der Taufe von Theodor Heuss am 9. März 1884 zum Einsatz kam. Ebenso zum Kirchenschatz zählen ein renaissancezeitlicher Sakristeischrank.

Glasmalerei Die Fenster der Kirche wurden größtenteils bei der Renovierung von 1964 erneuert, die künstlerische Gesamtkonzeption sowie Chor- und Südfenster (neutestamentliche Szenen; Bergpredigt) stammen vom Stuttgarter Kunstmaler Wolf-Dieter Kohler. Einige Fenster sind älterer Herkunft: Das schlanke Fenster im Chor ist eine Stiftung der Familie des Stadtschultheißen Wendel und wurde 1916 von Franz Heinrich Gref entworfen und in der Stuttgarter Glasmalerei Saile gefertigt. Es stellt die Berufung von Jakobus und Johannes sowie die Verklärung und Auferstehung Christi dar, auch das Sakristeifenster Anbetung der Könige stammt vom gleichen Künstler.Ehrenfried Kluckert: Franz Heinrich Gref - Aspekte zu seinem Leben und seinem Werk. Werkverzeichnis. Verlag Donzelli-Kluckert, o. O., 1987, S. 141. Bernhard Huber schuf zum Abschluss der Innenerneuerung 2017 drei Farbverglasungen: im Tympanon des Eingangsportals und in zwei Rundfenstern der Westwand.

Orgel