Das Caterham F1 Team war ein Motorsportrennstall, der von 2010 bis 2014 in der Formel 1 antrat. Es war das erste Team, das mit malaysischer Lizenz fuhr.“Malaysia will have its own team in Formula One next year” (Offizielle Pressemeldung des Malaiischen Außenministeriums) Anfänglich trat der von dem malaysischen Unternehmer Tony Fernandes gegründete Rennstall unter dem Namen Lotus Racing (2010) bzw. Team Lotus (2011) auf. Nach einem juristisch ausgetragenen Namensstreit mit dem ehemaligen Renault-Werksteam, das ab 2011 seinerseits den Zusatz „Lotus“ verwendete, wurde die Teambezeichnung ab 2012 in Caterham geändert. Sie nahm Bezug auf den britischen Sportwagenhersteller Caterham Cars. In der zweiten Hälfte der Saison 2014 spitzten sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Teams zu. Die im Juni 2014 angekündigte Übernahme des Rennstalls durch ein Konsortium, an dem der deutsche Unternehmer Colin Kolles beteiligt war, scheiterte im Oktober 2014. Daraufhin stellte das Team den Rennbetrieb zunächst ein; an den Großen Preisen der USA und Brasilien nahm Caterham F1 nicht mehr teil. Beim Saisonfinale in Abu Dhabi ging das Team wieder an den Start, nachdem der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben im Wege des Crowdfunding die dafür nötigen Mittel auftreiben konnte. Anfang 2015 wurde der Rennstall liquidiert.

Von 2011 bis Mitte 2014 betrieb das Caterham F1 Team außerdem einen Rennstall in der GP2-Serie.

Standort Der Sitz des Teams lag anfänglich im britischen Norfolk, wo man eine von Toyota erbaute und zuvor von Bentley verwendete Werkstatthalle mit entsprechender Infrastruktur nutzte. 2012 zog das Team nach Leafield um. Hier übernahm Caterham Werksanlagen, die zuvor von Arrows und Super Aguri genutzt worden waren.

Geschichte des Formel-1-Teams Unternehmensgeschichte Gründung 2009

Tony Fernandes’ Rennstall war eines der drei Teams, die zu Beginn der Saison 2010 neu an der Formel 1 teilnahmen. Die anderen Rennställe waren HRT und Manor Racing.

Die FIA verfolgte 2009 die Absicht, das Starterfeld der Formel 1 in den folgenden Jahren erheblich zu erweitern. Nachdem in der Saison 2009 lediglich zehn Teams und 20 Fahrer angetreten waren, sollten ab dem kommenden Jahr insgesamt 13 Rennställe mit 26 Fahrern an den Start gehen. Nach einer Ausschreibung, an der sich ein halbes Dutzend Projekte beteiligt hatten, wählte die FIA im Juni 2009 drei Teams aus, die für die Formel-1-Saison 2010 neu zugelassen wurden. Neben HRT und Virgin gehörte dazu auch das US-amerikanische Projekt US F1 Team, das allerdings bereits in der Planungsphase scheiterte. Fernandes’ Rennstall wurde bei der Entscheidung im Juni 2009 noch nicht berücksichtigt. Er erhielt erst am 15. September 2009 den Zuschlag, als 13. Team ab 2010 zu starten. Möglich wurde dies, weil das BMW-Sauber-Team im Herbst 2009 überraschend erklärte, mit Ablauf der Saison 2009 sein Formel-1-Engagement beenden zu wollen. Damit wurde der 13. Startplatz für die Saison 2010 wieder frei. (Pressemitteilung der FIA vom 15. September 2009, engl.)„Der 13. Startplatz geht an das Lotus F1 Team“ (Motorsport-Total.com am 15. September 2009)

Teambezeichnung und Namensstreit mini|hochkant|Logo in der Saison 2010 mini|hochkant|Logo in der Saison 2011 Der Rennstall trat im ersten Jahr seiner Existenz unter als Lotus Racing an, im zweiten Jahr verwendete es die Bezeichnung Team Lotus. Mit dieser Bezeichnung wollte das Team an die Tradition des von Colin Chapman gegründeten und von 1958 bis 1994 in der Formel 1 engagierten Rennstalls Team Lotus anknüpfen, das im Laufe seiner Existenz sechsmal die Fahrer- und siebenmal die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Tatsächlich war Fernandes’ Rennstall kein rechtlicher Nachfolger des Team Lotus. Die Rechte an dem Namen Team Lotus hatte Fernandes von David Hunt übernommen, der sie seinerseits 1994 nach der Insolvenz von Chapmans Rennstall erworben hatte.„Neuer Lotus heißt doch T128“ (Motorsport-Total.com am 31. Januar 2011) Auch zum gleichnamigen britischen Sportwagenhersteller Lotus Cars bestand nur eine indirekte Verbindung. Sie wurde durch den Automobilhersteller Proton vermittelt, der Eigentümer von Lotus Cars war und zugleich zu dem malaysischen Konsortium gehörte, das das Fernandes-Team finanzierte. Um die fehlende Zugehörigkeit zum Klassiker zu kompensieren, bestand das Team-Logo in der ersten Saison 2010 aus den Umrissen des Lotus-Cars-Logos und den traditionellen Lotus-Team-Farben, grün mit gelbem Mittelstreifen.

In der Saison 2011 trat der britische Automobilhersteller Lotus Cars als Hauptsponsor des ehemaligen Renault-Werksteams auf. Das führte dazu, dass in dieser Saison zwei unabhängige Rennställe mit dem Namensbestandteil Lotus in der Formel-1-Weltmeisterschaft eingeschrieben waren: einerseits das malaysische Team von Tony Fernandes (Team Lotus), andererseits das mit britischer Lizenz fahrende Team Lotus Renault GP, das zwischenzeitlich von Genii Capital übernommen worden war. Lotus Cars versuchte im Frühjahr 2011, dem malaysischen Rennstall die Verwendung des Namens Lotus gerichtlich untersagen zu lassen. Im Mai wurde vom Gericht bestätigt, dass das Team den Namen Team Lotus weiterhin verwenden darf.„Absurder Fall Lotus: Beide Seiten feiern sich als Sieger“ (Motorsport-Total.com am 27. Mai 2011) Am 27. Mai 2011 bestätigte ein britisches Gericht, dass das malaysische Team Lotus der offizielle Nachfolger des traditionsreichen Namens ist und diese Bezeichnung zu Recht führt. Zugleich erlaubte das Gericht dem Unternehmen Lotus Cars, den Namen Lotus auch im Formel-1-Sport zu verwenden; Lotus Cars musste dabei aber auf den Zusatz „Team“ verzichten. Damit waren Lotus Cars und Genii Capital berechtigt, das ehemalige Renault-Werksteam als Lotus Renault GP zu bezeichnen.

Tony Fernandes entschied sich im Herbst 2011 dazu, sein Formel-1-Team ab 2012 unter dem Namen Team Caterham zu melden.„Lotus-Namensstreit vor dem Ende?“ (Motorsport-Total.com am 27. August 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011) Damit endete der Namensstreit nach mehr als einem Jahr.

Finanzielle und rechtliche Probleme 2014 Inhaber der Formel-1-Lizenz ist Malaysia F1 Team Sdn Bhd bzw. 1Malaysia Racing Team Sdn Bhd (auch: 1MRT), ein 2009 vom malaysischen Unternehmer Tony Fernandes gegründetes Konsortium verschiedener malaysischer Unternehmen. Die Entwicklung und der Aufbau der Rennwagen erfolgte nicht bei Malaysia F1 Team Sdn Bhd, sondern bei dem im britischen Leafield ansässigen Tochterunternehmen Caterham Sports Limited.

Nachdem das Formel-1-Team in der ersten Hälfte des Jahres 2014 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, wurde vor dem Großen Preis von Großbritannien 2014 der Verkauf des Unternehmens 1MRT an das arabisch-schweizerische Konsortium Engavest S.A. bekanntgegeben. Kurz darauf wurde das Management des Rennstalls ausgewechselt. Zum Großen Preis von Großbritannien übernahm zunächst der ehemalige Formel-1-Pilot Christijan Albers die Position des Teamchefs, Colin Kolles wurde zum Rennleiter ernannt. Nach dem Großen Preis von Italien 2014 trat Albers „aus privaten Gründen“ zurück; sein Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Manfredi Ravetto, ein Vertrauter von Colin Kolles, die bereits 2010 bei HRT zusammengearbeitet hatten. Caterham Sports Limited wurde ab Sommer 2014 zunächst von Colin Kolles’ Vater Romulus geleitet; im Oktober 2014 übernahm der ehemalige rumänische Fußballspieler Constantin Cojocar die Funktion des Vorstands. Cojocar hatte keine Erfahrung im Motorsport. Nachdem er 1990 sein letztes Fußballspiel bestritten hatte, war 24 Jahre lang nicht öffentlich in Erscheinung getreten und hatte sein Geld seitdem als Direktor eines rumänischen Logistik- und Transportunternehmens namens S.C. Transbus Codreanu S.R.L. verdient. Nach eigener Darstellung hatte sich Cojocar erst im Juli 2014 bei Caterham als Hausmeister und Reinigungskraft beworben. In rumänischen Quellen wurde zunächst bezweifelt, dass der bei Caterham engagierte Constantin Cojocar mit dem ehemaligen Fußballspieler gleichen Namens identisch war, da dieser angeblich vor einigen Jahren verstorben war; hier war bis zu einem klärenden Interview stellenweise von „Identitätsdiebstahl“ die Rede.https://www.prosport.ro/sport-life/special/furt-identitate-stiam-murit-scenariu-incredibil-telenovela-plecat-anglia-munceasca-intr-depozit-ajuns-director-formula-1-fostul-stelist-cojocar-personaj-cheie-scandalul-anului-f1-13449477 Bericht über Constantin Cojocar auf der Internetseite www.prosport.ro (abgerufen am 6. November 2014).

Die Umstände des Verkaufs führten im Oktober 2014 zu einem öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Tony Fernandes und Engavest, auf deren Seite vor allem Colin Kolles in Erscheinung trat. Äußerer Auslöser war die Zahlungsunfähigkeit des Dienstleisters Caterham Sports Limited (CSL) und die anschließende Eröffnung des Insolvenzverfahrens über dieses Unternehmen. Im Laufe der Krise wurde öffentlich bekannt, dass Tony Fernandes und seine Geschäftspartner tatsächlich die Unternehmensanteile an 1MRT bislang nicht an Engavest übertragen hatten und somit ungeachtet des Umstands, dass seit Juni 2014 ein von Engavest eingesetztes Management die Geschäfte führte, weiterhin Eigentümer des Teams waren. Fernandes begründete die unterbliebene Anteilsübertragung damit, dass Engavest seinen vertraglichen Zahlungspflichten nicht nachgekommen sei. Engavest hingegen behauptete die Erfüllung aller Verpflichtungen, und Colin Kolles warf Fernandes vor, er habe die neuen Investoren „für dumm verkauft“. Am 24. Oktober 2014 zogen sich Engavest und Colin Kolles von Caterham F1 zurück. Die Leitung des Rennstalls übernahm nach Absprache mit Tony Fernandes der Insolvenzverwalter Finbarr O’Connell. Infolge der Insolvenz kam der Betrieb bei CSL und darüber hinaus auch bei 1MRT zum Erliegen. Eine Woche vor dem Großen Preis der USA kündigte das Team an, ebenso wie das Konkurrenzteam Marussia nicht an dem Rennen teilzunehmen. O’Connell zeigte sich Anfang November 2014 davon überzeugt, beim Saisonfinale, dem Großen Preis von Abu Dhabi, wieder an den Start gehen zu können, und das Team für die Saison 2015 an neue Investoren verkaufen zu können.

Constantin Cojocar sagte im Zuge des Insolvenzverfahren der (CSL) vor einem britischen Gericht, dass er gemeinsam mit einem Konsortium von rumänischen Investoren die Chance gesehen habe, CSL zu kaufen, um deren Dienstleistungen für das Projekt Forza Rossa Racing zu nutzen. Die vom Konsortium in Aussicht gestellten Gelder in Höhe von zwei Millionen Britischen Pfund (rund 2,55 Millionen Euro) pro Woche seien jedoch nie geflossen.

Caterham F1 hatte sich bei der FIA für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2015 eingeschrieben; Forza Rossa erschien dagegen auf der provisorischen Meldeliste für 2015 nicht.

Im Dezember 2014 wurde bekannt, dass die Insolvenzverwalter Gespräche mit drei Kaufinteressenten führten. Diese verliefen jedoch schleppend, so dass auch Anfang Januar 2015 noch kein Käufer für das Team gefunden war. Die Insolvenzverwalter gaben daraufhin bekannt, dass Caterham nicht an den Testfahrten ab dem 1. Februar 2015 in Jerez teilnehmen werde, falls der Verkauf bis dahin nicht stattgefunden habe.

Renneinsätze 2010: Debüt mit Cosworth mini|Jarno Trulli beim Großen Preis von Bahrain