Joachim P. Kuettner, auch Joachim Küttner (* 21. September 1909 in Breslau; † 24. Februar 2011 in Boulder (Colorado)) war ein deutsch-amerikanischer Physiker.
Karriere miniatur|Mercury-Redstone-Rakete im Marshall Space Flight Center (MSFC), ganz links Kuettner Nach dem Studium der Physik in Darmstadt und Helsinki promovierte Kuettner 1939 in Hamburg „Zur Entstehung der Föhnwelle“.Mitteilungen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft, 2/2000 Als Luftfahrtpionier unternahm er 1937 im Rahmen seiner wissenschaftlichen Untersuchungen abenteuerliche Forschungs- und Rekordflüge in einer unbekannten Aufwindart – in Leewellen, die sich im Lee des Riesengebirges ausbilden und durch Moazagotl-Wolken angezeigt werden.RBB Wissenschaftsreportage Rodeo am Himmel
Weitere Rekorde folgten: 14. September 1937: Wellenflug bis ohne Sauerstoff – inoffizieller Höhenweltrekord im Segelflugzeug (abgebrochen, als Kuettner an der Schwelle zu Bewusstlosigkeit stand)Gerhard Marzinzik: Segelflieger und Wissenschaftler. In: Aerokurier, 04/2011, S. 127 1951: Höhenweltrekord im doppelsitzigen Segelflugzeug mit Bob Symons 14. April 1955: deutscher Höhenrekord mit 13.015 m im Segelflugzeug (Schweizer SGS 2-25) im Rahmen des Jetstream-Projects, immer noch gültiger deutscher Höhenrekord
Er war Testpilot und Ingenieur bei Dornier, Messerschmitt und Zeppelin und flog in dieser Zeit 45 Flugzeugtypen. Unter anderem leitete er die Flugerprobung der Messerschmitt Me 323 „Gigant“.
Nach dem Krieg baute er die meteorologische Wetterwarte Zugspitze wieder aufMitteilungen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft, 3/2000 und leitete sie drei Jahre. Dabei erforschte er Gewitter und erstellte seine Habilitationsschrift.
1948 ging Kuettner an das Geophysical Research Directorate in Cambridge (Massachusetts), 1951 an die University of California. Ab 1958 arbeitete Kuettner am Marshall Space Flight Center der NASA in Huntsville. Dort wurde er Centers Director des Mercury-Programms, bei dem erstmals US-Amerikaner ins All flogen.R. Heise, M. Reinhardt, P. F. Selinger: Joachim P. Kuettner – Luftfahrtpionier, Rekordpilot und Meteorologe. (PDF; 2,3 MB) In: Magazin Segelfliegen, Januar/Februar, 2012
Anschließend wurde er Direktor des Apollo System Office innerhalb des Apollo-Programms. Zu seiner Verantwortung gehörte die Integration der Rakete Saturn V mit dem Apollo-Raumschiff im Zuge der Mondlandung. Ab 1965 war er Chief Scientist beim National Satellite Center in Washington, ab 1967 Bereichsleiter bei der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Boulder in Colorado. 1972 wurde er von der World Meteorological Organization (WMO) zum Internationalen Direktor von Großexperimenten im Rahmen des Global Atmospheric Research Programme (u. a. Global Atlantic Tropical Experiment mit Teilnehmern aus 70 Nationen, 39 Schiffen und 13 Forschungsflugzeugen).
Ab 1985 arbeitete Kuettner am National Center for Atmospheric Research (NCAR) und der University Corporation for Atmospheric Research (UCAR) in Boulder.
Kuettner veröffentlichte etwa 150 Publikationen auf dem Gebiet der Atmosphärenphysik und der Luft- und Raumfahrt.
Auszeichnungen
Goldmedaille der Royal Geographical Society (RGS) Lilienthal-Medaille der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) Goldmedaille des U.S. Department of Commerce (NOAA) Cleveland-Abbe Award der American Meteorological Society (AMS) Alfred-Wegener-Medaille der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) Julius von Hann Medaille der Österreichischen Meteorologischen Gesellschaft OSTIV Plaque der Organisation Scientifique et Technique International du Vol à Voile (OSTIV) Tuntland Research Award der Soaring Society of America (SSA) Honorary Doctor of Science der University of Colorado (1999) Ehrendoktorwürde der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München (1999) Ehrenmitgliedschaft der DMG und der AMS Im 30. März 2010 verlieh ihm der deutsche Bundespräsident Horst Köhler das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Küttner-Preis 1987 stiftete er den nach ihm benannten, mit 10.000 Dollar dotierten „Küttner-Preis“ für Langstreckenflüge im Segelflugzeug über 2000 km in gerader Linie, den Klaus Ohlmann (Mountain Wave Project) am 23. November 2003 mit einem Flug von 2123 km Länge von El Calafate nach San Juan entlang der argentinischen Anden gewann.
Daraufhin schrieb die OSTIV im Jahr 2004 auf Initiative von Joachim Kuettner einen neuen Küttner-Preis für einen Segelstreckenflug über 2500 km in gerader Linie aus. Der neue Küttner-Preis besteht aus einer Skulptur mit dem eingravierten Namen des Piloten, den Flugdaten und ist mit 10.000 US-Dollar dotiert.
Literatur Klaus Wege: Die Geschichte der Wetterstation Zugspitze. Mit Beiträgen von Joachim P. Kuettner und Ludwig Weickmann. Deutscher Wetterdienst, Offenbach am Main 2000. A. Dörnbrack, R. Heise, J.P. Kuettner: Wellen und Rotoren. (PDF; 540 kB) In: promet. 32(1-2), 2006, S. 18–24. Joachim Kuettner: The rotor flow in the lee of mountains. (PDF; 5,8 MB) Research Note 6, Geophysics Research Directorate, Air Force Cambridge Research Center, 1959.
Weblinks High Altitude Record (13.015 m) – Pilot Report Obituary for Joachim P. Kuettner. (PDF; 106 kB) Institut für Physik der Atmosphäre (englisch) NCAR/UCAR: Oral History Interview with Joachim Kuettner; 21. Oktober 1994; Audio 78 min, Transkript 28 Seiten (englisch) NCAR/UCAR: Oral history interview with Joachim Kuettner; 9./10. September 2009; Video 122 min NCAR: Joachim Kuettner: In Memoriam of the Renaissance Man of Meteorology (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Raumfahrtingenieur Kategorie:Segelflieger (Deutschland) Kategorie:Testpilot Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger der Lilienthal-Medaille Kategorie:Ehrendoktor der Ludwig-Maximilians-Universität München Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in den Vereinigten Staaten Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Mann