mini|Klinikum-Klagenfurt am Wörthersee bei Sonnenaufgang mini|Plan des gesamten Areals Das Klinikum Klagenfurt (ehemals Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, zuvor Landeskrankenhaus Klagenfurt – LKH) ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee. Träger ist die Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft (KABEG). Mit 1.344 Betten, jährlich rund 78.000 stationären Patienten und etwa 300.000 ambulanten Behandlungen ist es das fünftgrößte Krankenhaus in Österreich.
Das Klinikum Klagenfurt ist Lehrkrankenhaus der Medizinischen Universitäten Graz, Wien und Innsbruck und ist in vielen Bereichen zertifiziert (z. B. ISO 9001, EMAS etc.). Als Schwerpunktkrankenhaus bietet es das Leistungsspektrum einer Universitätsklinik mit Ausnahme der Transplantationschirurgie. Es verfügt über 25 klinische Abteilungen, fünf Institute und sechs klinische Dienste. Auf interdisziplinäre Zusammenarbeit wird besonderes Augenmerk gelegt. Dafür finden sich alle relevanten Fachrichtungen unter einem Dach, um die Versorgung rasch sicherzustellen.
Medizinischer Direktor ist Hans-Jürgen Gallowitsch, Kaufmännischer Direktor ist Roland Wolbang, und Pflegedirektorin ist Margarete Peternel-Scheiber.
Geschichte Ein Vorläufer des heutigen Klinikum Klagenfurt war das in den Jahren von 1782 bis 1784 vom Land Kärnten errichtete Siechenhaus am Heuplatz in Klagenfurt Jedoch könnte es sich in der Johann-Dobernig-Straße 1 befunden haben.Paul Posch, "Landeskrankenhaus Klagenfurt", 2. Aufl., 1992, ISBN 978-3-8539 1073-3, S. 17 An diesem Gebäude ist auch eine alte marmorne Inschrift „SIECHENHAUS“ angebracht.
Am 9. August 1896 wurde das Landeskrankenhaus Klagenfurt eröffnet. Damals wurden die Landeswohltätigkeitsanstalten neu gebaut und eröffnet. Dazu gehörten das Landeskrankenhaus Klagenfurt, das Irrensiechenhaus, das Kinderspital, das Landeskrankenheim, die Taubstummen- und Blindenanstalt, das Männerblindenheim und das Landessiechenhaus.http://www.lkh-vil.or.at/news-detail/news/100-jahre-geriatrie-in-klagenfurt/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=09b5f8e2840116f79ab64586257064c1
Zeit des Nationalsozialismus
Am Gelände des heutigen Hauses der Geriatrie und der psychiatrischen Abteilung wurden bis zum Jahr 1945 zwischen 700 und 900 Patienten ermordet.
Der Primarius der Männerabteilung der Landesirrenanstalt, Franz Niedermoser, verabreichte, unter Mithilfe der Oberschwester Antonie Pachner, der Oberpflegerin Ottilie Schellander des Landessiechenhauses, sowie weiteren Pflegern und Pflegerinnen, vielen Patienten tödliche Dosen Beruhigungsmittel. In den Jahren 1940 und 1941 wurden 733 Menschen (davon 25 Kinder) in vier Transporten in die Tötungsanstalt Hartheim verbracht und dort mit Kohlenmonoxid ermordet.
Unter den Toten des Hauses sind Kinder aus Deutschland. Ein erster Transport kam am 7. März 1943 mit 60 Kindern aus dem Herz-Jesu-Haus in Kühr an der Mosel, ein zweiter Transport am 20. März 1943 mit 40 Kindern aus dem St. Josefshaus in Hardt bei Mönchengladbach.Der Nervenarzt, Nr. 1, 2015, S. 83–89
Niedermoser berichtete später: Waltraud Häupl: Der organisierte Massenmord an Kindern und Jugendlichen in der Ostmark 1940–1945: Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Euthanasie. Böhlau Verlag Wien, 2008
Im Klagenfurter Euthanasie-Prozess vor dem Außensenat Klagenfurt des Volksgerichts Graz wurde Niedermoser für schuldig gesprochen, die Tötung von Patienten und Patientinnen in mindestens 400 Fällen angeordnet zu haben; zudem hat er unter Missachtung der Menschenwürde die Misshandlung von Patienten und Patientinnen veranlasst, in vielen Fällen mit Todesfolge. Am 4. April 1946 wurde er zum Tod durch den Strang und Vermögensverfall verurteilt. Das Todesurteil wurde am 24. Oktober 1946 im Landesgericht Klagenfurt vollstreckt.
Über drei weitere Mitangeklagte, Oberpfleger Eduard Brandstätter, Oberschwester Antonie Pachner und Oberpflegerin Ottilie Schellander, verhängte das Gericht ebenfalls die Todesstrafe. Eduard Brandstätter verübte am Tag der Urteilsverkündung Suizid. An Pachner und Schellander wurde das Todesurteil nicht vollstreckt, sondern sie wurden zu langjährigen Haftstrafen begnadigt. Die nachweislich beteiligten Krankenschwestern Paula Tomasch, Julie Wolf, Ilse Printschler, Maria Cholawa und der Oberpfleger Ladislaus Hribar wurden ebenfalls zu langjährigen Haftstrafen, zum Teil mit Vermögensverfall, verurteilt.http://www.erinnern-gailtal.at/wp-content/uploads/2017/04/Der-Niedermoserprozess-Christina-Zankl.pdf Sie wurden vorzeitig entlassen.http://ausstellung.de.doew.at/b143.html
Nachkriegszeit bis heute Von September 2006 bis Mai 2010 wurde im Herzen von Klagenfurt eines der modernsten Krankenhäuser Europas errichtet. Auf einer Fläche von 95.000 m2 wurden 160 Mio. Euro verbaut. 60.000 m2 Grünfläche wurde neu gestaltet, so dass das Klinikum nun von einem Park umgeben ist. Der Fluss Glan wurde verlegt, um Bauland für das Gebäude zu gewinnen. Auf der Nordseite des Flusses entstand ein Naturpark mit Kinderspielplatz und Erholungsgebiet.
Für den Neubau wurde der Österreichische Bauherrenpreis 2011 vergeben.
Einrichtung Im Neubau des Chirurgisch-medizinisches Zentrums (CMZ) gibt es nun eine Zentrale Aufnahmeeinheit (ZAE), welche die Wege für alle Patienten erleichtert. Von einem erschließenden Querbau zweigen vier Flügel ab, in welchen die verschiedenen Abteilungen untergebracht sind. Zusätzlich befinden sich im Komplex ein Bistro, eine Bank und ein Klinikum-Shop.
Im ebenfalls neu erbauten Ver- und Entsorgungszentrum (VEZ) sind eine Großküche und eine vollautomatische Wäscherei untergebracht. Weitere technische Neuerungen sind das fahrerlose Transportsystem und die Rohrposttechnik. Das VEZ diente auch als Vorbild für ein neues Krankenhaus in Shanghai.
Abteilungen Abteilung für Anästhesiologie und allg. Intensivmedizin Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Abteilung für Neurochirurgie Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Abteilung für Plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie Abteilung für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie Unfallchirurgie Haus der Geriatrie Nuklearmedizin und spezielle Endokrinologie Innere Medizin und Hämatologie und internistische Onkologie Innere Medizin und Gastroenterologie und Hepatologie und Nephrologie und Endokrinologie Innere Medizin und Kardiologie ZISOP (Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin) Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe Abteilung für Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgie Hals-, Nasen- und Ohrenabteilung Dermatologie und Venerologie Augenabteilung und Optometrie Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie Neurologie und Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters Pulmologie Abteilung für Neurologie Abteilung für Urologie
Institute Institut für Strahlentherapie/Radioonkologie Institut für Pathologie Diagnostische und Interventionelle Radiologie Labordiagnostik und Mikrobiologie Physikalische Medizin und Rehabilitation
Ausbildungszentrum Auf dem Gelände des Klinikums Klagenfurt befindet sich auch das Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe, welches folgende Fachrichtungen umfasst:
Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege Hebammen-Akademie Akademie für den radiologisch-technischen Dienst Logopädische Akademie Akademie für den physiotherapeutischen Dienst Akademie für den medizinisch-technischen Laboratoriumsdienst Akademie für den ergotherapeutischen Dienst.
Siehe auch Liste von Psychiatrien in Österreich
Literatur Friedrich Hauser, Kärntnerische Landes-Irrenanstalt zu Klagenfurt, in: Heinrich Schlöss (Red.), Die Irrenpflege in Österreich in Wort und Bild, Halle a. d. Saale 1912, S. 105. Hans Laehr, Die Anstalten für Psychisch-Kranke in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Baltischen Ländern, 7. Aufl. Hans Laehr, Die Anstalten für Geisteskranke, Nervenkranke, Schwachsinnige, Epileptische, Trunksüchtige usw. in Deutschland, Österreich und der Schweiz einschließlich der psychiatrischen und neurologischen wissenschaftlichen Institute, 9. neu bearb. Auflage, Berlin-Leipzig 1937, S. 123–124. Paul Posch, Landeskrankenhaus Klagenfurt. Geschichte der Kranken-, Heil- und Pflegeanstalt des Landes Kärnten in Klagenfurt und der Klagenfurter Spitäler, Klagenfurt 1987. Thomas Platz, Die Anfänge der stationären Versorgung in Kärnten und deren gesellschaftspolitischer Kontext im Vergleich zur heutigen Situation, in: Gabriel, Eberhard / Gamper, Martina (Hrsg.): Psychiatrische Institutionen in Österreich um 1900, Wien 2009, S. 161–164. Adalbert Tilkowsky, Das öffentliche Irrenwesen in Oesterreich, in: Oesterreichs Wohlfahrtseinrichtungen 1848–1898. Festschrift zu Ehren des 50jährigen Regierungs-Jubiläums Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät Kaisers Franz Joseph I., Bd. III: Gesundheitspflege, Wien 1900, S. 357–377.
Weblinks Klinikum-Klagenfurt KABEG http://psychiatrische-landschaften.net/node/192.html NS-Euthanasie Kaernten, Gedenkort Zentrum für Altersmedizin auf memorial.at: https://www.memorial.at/memorial/assets/files/Z-Erinnern-Broschre_BildschirmOptimized.pdf
Einzelnachweise
Klagenfurt Kategorie:Bauwerk in Klagenfurt am Wörthersee Kategorie:Krankenhausbau in Österreich Kategorie:Krankenhausbau in Europa