mini|Karl von Normann-Ehrenfels Die Brigade Normann war ein Verband des württembergischen Heeres im sechsten Koalitionskrieg auf Seiten Frankreichs gegen Russland/Preußen unter dem Kommando des Generalmajors Karl Graf von Normann-Ehrenfels. Sie wechselte am 18. Oktober 1813 auf die Seite der Koalition gegen Frankreich.
Gliederung Die Brigade Normann gehörte 1813 zum württembergischen Truppenkontingent unter Generalleutnant Graf Friedrich von Franquemont im französischen Heer. Nach der Schlacht bei Bautzen verlangte Napoleon weitere Truppen von Württemberg. Daraufhin wurden die Brigade DöringBrigade Döring: Infanterie-Regiment Nr. 4, Infanterie-Regiment Nr. 6 und 1. Fußbatterie und die Brigade Normann nach Leipzig in Marsch gesetzt.
Die Brigade Normann bestand aus Leib-Chevauxlegers-Regiment Nr. 2 zu 4 Escadrons Jäger-Regiment zu Pferd Nr. 4 KönigDas Regiment wurde im Rahmen der Umorganisation von 1817 aufgelöst zu 4 Escadrons Reitende Batterie von Breithaupt mit vier 6-Pfünder-Kanonen und zwei 7-Zoll-Haubitzen.
Nach ihrer Ankunft in Leipzig am 9. Juli wurden beide Brigaden – getrennt von den übrigen württembergischen Truppen – direkt Napoleons Befehl unterstellt und dem 3. Kavallerie-Korps unter General Arrighi zugeteilt. Am 25. Juni kam die Brigade Normann als 25. Leichte Cavallerie-Brigade zum VI. Korps Marmont.
Politischer Hintergrund Württemberg hatte nach den Verlusten im Russlandfeldzug 1812 bereits im Oktober 1812, also noch vor der Rückkehr der Überlebenden, begonnen, neue Truppen aufzustellen und so im Frühjahr 1813 bereits wieder 11.617 MannHarder, S. 58 unter Waffen. Nach der Kriegserklärung Preußens an FrankreichAm 27. März 1813 erklärte Preußen dem napoleonischen Frankreich den Krieg stellte Württemberg wieder ein Kontingent für das französische Heer: Die württembergische Division bildete zusammen mit der französischen Division Morand und einer italienischen Division das IV. Korps Bertrand und war an den Kämpfen bei Bautzen, Jüterbog, Euper, DennewitzNach den großen Verlusten in der Schlacht wurden die Reste der württembergischen Infanterie in 3 Bataillone formiert und Wartenburg beteiligt. In einem Geheimbefehl hatte König Friedrich Generalleutnant Graf Franquemont befohlen, bei einer Niederlage Napoleons nicht mit dessen Truppen über den Rhein zurückzugehen, sondern direkt ins Königreich zurückzukehren.Auf dem Rückzug der Franzosen nach der Völkerschlacht bei Leipzig trennten sich die württembergischen Truppen bei Fulda von diesen
„1. Wäre es sache, daßden Theil der französischen Armee, wobei die Königlich württembergischenTruppen eingetheilt werden, beträchtliche nachtheilige Kriegsereignisse erleiden sollten und dadurch zum Rückzug gegen die Grenzen des Königreichs oder in deren Direction noch weiter rückwärts genöthigt würden, so wird der kommandierende general alles versuchen, um sich mit den königlichen Truppen, sowohl Cavalerie, Artillerie als Infanterie von dem rückziehenden Heere zu trennen und die Könuglichen Grenzen zu erreichen, sollten aber dieser Trennung vin Seiten des französischen Commandos unzubeseitigende Hinderniss in den Weg gelegt werden, so wird zwar das württembergische Corps bei der französischen Armee verbleiben, aber nur bis der Rückzug an den Rhein fortgesetzt wird, welchen die Königlichen Truppen in keinem Fall passieren dürfen.2. Wenn dieser eben erwähnte Fall eintreten sollte, wird der commandierende General der französischen Behörden unumwunden erklären, daß ihn die bestimmten Befehle des Königs seines Herrn anweisen, unter keinerlei Bedingungen über den Rhein nach Frankreich zu marschieren. Wenn die französischen Behörden dem ungeachtet darauf beständen, so wird der commandierende General diesen Allerhöchsten bestimmten Befehl sämtlichen Generalen, Brigadiers und Commandeurs, Stabs- und Oberoffiziers mit der Erklärung publicieren, daß Seine Königliche Majestät jeden derselben, der nicht Folge leistete, als des Ungehorsams und der darauf gesetzten Strafe schuldig ansehen werde.3. Sollten die französischen Behörden von ihrer Übermacht Gebrauch machen, so wird der commandierende General und alle Officiers sich als Kriegsgefangene erklären, die Unterofficiers und Gemeinen aber ihrer Dienstpflicht als ledig und frei erklären, jedem aber dabei einschärfen, nicht etwa andere Dienste zu nehmen, indem sie alsdann in ihrem Vaterlande als ungehorsame Unterthanen angesehen und bei ihrer Rückkehr behandelt würden.4. Könnte der commandierende General bei dem Übergang über den Rhein oder noch früher von der französischen Armee sich trennen, so wird derselbe den Rückmarsch in das Königreich durch jeden ihm vom Feinde freigelassenen Weg einschlagen, aber in keinem Fall sich in Unterhandlungen mit der Armee oder den Corps der russisch-preußischen verbundenen Armeen einlassen, sondern dieselben bis zur Einlangung anderer Befehle als Feinde ansehen und behandeln, so daß, wenn eine dem betreffenden Armeecorps angemessene Anzahl sich dem Rückmarsche entgegensetzen sollte, er denselben durch Gewalt zu bewerkstelligen trachten muß. Wäre der Feind sehr überlegen, so muß der commandierende General versuchen, die Rückkehr in das Königreich durch Capitulation oder Versprechen des Nichtdienens zu erhalten, in keinem Fall aber irgendeine Verbindlichkeit zu Gunsten der feindlichen Armeen eingehen und sich im äußersten Fall als Krieggefangene ergeben.“
zitiert nach Karl Spieß, Hans Ritter, S. 198 ff.
Gefecht bei Kitzen Arrighi beauftragte am 15. Juni 1813 die württembergischen Truppen, von Leipzig aus in vier Kolonnen Streifzüge gegen die Freikorps der Alliierten, vor allem das Lützowsche Freikorps, zu führen, die sich nach dem zeitweiligen Waffenstillstand (4. Juni 1813 im schlesischen Poischwitz) noch im Rücken der Franzosen befanden. Am 16. Juni stießen württembergische Truppen (Oberstleutnant von Kechler) bei Zeitz auf das von Süden heranmarschierende Freikorps Lützow. Nach ihrer Meldung rückte am 17. eine gemischte Kolonne unter Divisionsgeneral François Fournier (1773–1827) mit einem französischen Bataillon Marine (Infanterie), 200 französischen Dragonern sowie unter Graf Normann drei württembergischen Kompanien, zwei württembergischen Schwadronen und 3 württembergischen Geschützen von Leipzig aus und traf am Abend auf die Lützower, die bei Kitzen ihr Lager bezogen hatten. Major von Lützow weigerte sich, sein Korps unter Begleitung der Truppen Fouriers nach Leipzig zu verlegen und marschierte noch am Abend ab. Als er von der württembergischen Kavallerie unter Graf Normann überholt werden sollte, fiel ein Schuss. Graf Normann befahl darauf den Angriff, bei dem rund 100 Lützower gefangen genommen und der Rest zersprengt wurde. Der Schriftsteller Theodor Körner wurde in diesem Gefecht durch einen Säbelhieb über den Kopf verwundet.
Die zeitgenössischen Berichte über dieses Gefecht widersprechen sich, da jede Seite der anderen den das Gefecht auslösenden Schuss zuschrieb. Die in Deutschland damals vorherrschende Stimmung (ebenso wie die spätere national gefärbte Geschichtsschreibung) sah im Verhalten der Franzosen einen Bruch des Waffenstillstands, diese schoben wieder die Schuld auf die Württemberger.Detaillierte Beschreibung auch in Karl Soeß und Hans Ritter, S. 101 ff.
„Leipzig, den 14. Juni 1813.“
„Der Oberstlieutenant v. Kechler ist angewiesen, mit 200 Mann Infanterie und 100 Reitern von den württembergischen Truppen das Gelände in den nachbenannten Bezirken zu durchsuchen: von Leipzig nach Gotha, von da nach Schmalkalden, Hildburghausen, Saalfeld, Plauen, Zwickau und von da am linken Pleißeufer entlang bis Leipzig. - Nach allen Richtungen ist diese Landstrecke zu durchkreuzen, ohne feste Marschroute zu halten, um die Parteigänger, von welcher Nation sie auch seien, zu entdecken und festzunehmen, welche trotz des Waffenstillstandes auf eigene Rechnung den Krieg noch weiter führen oder sich verborgen halten in Wäldern, Höfen, Dörfern, mit dem Zwecke, nach dem Waffenstillstand plötzlich und unvermutet wieder aufzutauchen.“
„Oberstlieutenant v. Kechler wird alle möglichen Nachrichten einziehen und durch Drohungen die Behörden auf dem Lande zwingen, ihm dienliche Nachrichten zu geben. Selbst den eigenen Truppen soll er seine Marschrichtung geheim halten und auch die Zeit, die er in jeder Gegend zu verweilen gedenkt. Wenn er bewaffnete feindliche Parteien antrifft, welche sich nicht ergeben wollen so soll er sie niederschießen lassen, alle anderen aber soll er entwaffnen und gefangen nehmen und sie unter sicherm Geleite nach Leipzig bringen lassen. Die Begleitmannschaft ist dahin zu instruiren, daß auf die, welche zu entweichen suchen, Feuer zu geben ist. - Um die Infanterie rasch fortzubewegen, sollen im Bedarfsfall Wagen requirirt werden. Alle zwei Tage ist Meldung zu erstatten. Nach Beutepferden, nach Waffen und Ausrüstung ist zu fahnden.“
„Allen französischen Behörden, welche der Herr Oberstlieutenant auf seinem Wege trifft, wird er von seinem Auftrag Kenntnis geben und dienliche Nachrichten von ihnen einziehen. Er wird erst dann mit seinem Detachement den Rückmarsch antreten, wenn er entweder unmittelbar von mir den Befehl dazu erhalten hat oder durch die Vermittlung des kommandirenden württembergischen Generals in meinem Auftrag.“
„General Herzog von Padua I.C. Arrighi“
Zitiert nach Pfister
„Leipzig, den 23. Juni 1813.“
„An den König.“
„Eurer königlichen Hoheit wird der General v. Doering schon gemeldet haben, daß am 15. d. vier mobile Kolonnen von Leipzig abgegangen sind, um die russisch-preußischen Parteigänger, die sich diesseits der Elbe befinden, zu fangen oder zu vernichten. Am 17. Juni früh ließ mich der Herzog von Padua holen und gab mir den Befehl, mit zwei Eskadrons, drei Compagnien und drei Piecen sogleich aufzubrechen, um unter dem Kommando des Divisionsgenerals Fournier, der ein französisches Bataillon und 200 Dragoner bei sich hatte, einem preußischen Corps, das von Gera gegen Zeitz und Pegau marschire, entgegenzugehen. Abends erfuhren wir, daß dasselbe in Kitzen, unweit Lützen stehe.“
„Ich bekam den Befehl, mit den zwei württembergischen Eskadrons und zwei Compagnien das Dorf, ohne den ersten Schuß zu thun, zu besetzen, die Parlamentaire aber an den Divisionsgeneral zu schicken. Vierhundert Schritt von Kitzen sah ich, daß die Preußen links vom Dorfe auf dem Weg nach Leipzig in Schlachtordnung standen; die Bagage dieses Corps aber schon den Weg nach Leipzig einschlug. Die Abenddämmerung war schon eingetreten; ich sah jedoch noch, daß mir fünf Eskadrons entgegenstanden und daß bei der Bagage noch starke Eskorte war.“
„Ich formirte meine Kavallerie und Infanterie in zwei Kolonnen und rückte so weiter vor. Nun kam mir der preußische Major v. Lützow, der dieses Corps kommandirte, mit einem Trompeter entgegen und fragte: Was dieses bedeute und ob ich ihn angreifen würde? - Ich antwortete: Ich habe Befehl, bis in das Dorf, wo Sie stehen, zu marschiren; da ich Sie nun hier finde, werde ich bis vor ihre Linie rücken und die weiteren Befehle abwarten. Sie selbst können zum Divisionsgeneral gehen, und ich werde, da ich dazu keinen Befehl habe, Ihre Truppen in dieser Zeit nicht angreifen. Major v. Lützow ritt nun zu dem Divisionsgeneral zurück.“
„Auf zwanzig Schritt von der feindlichen Front hielt ich an, ließ die Infanterie rechts der Straße deployiren und stellte die drei Piecen, die indessen angekommen waren, links auf eine kleine Anhöhe unter dem Schutz derselben; die Kavallerie stellte sich links der Straße in Linie und der Divisionsgeneral stellte die Dragoner und französische Infanterie als zweites Treffen auf.“