Als Post-Metal wird ein zu Beginn der 1990er Jahre aus dem Post-Hardcore entstandenes Subgenre des Doom Metals bezeichnet.
Als wegweisend gilt der Crossover von Doom Metal, Post-Hardcore, folkloristischen Instrumenten und Rhythmen, sowie die Dynamik von Rhythmus, Riffing und Gesang. Im Zuge dieser Dynamik werden dem Gerüst aus Metal und Hardcore von einigen Interpreten längere Ambient- oder Akustikpassagen gegenübergestellt. Dem oft mehrstimmig wirkenden und überwiegend gebrüllten Gesang wird gelegentlich Klargesang, Sprechen oder Flüstern kontrastierend entgegengesetzt.
Der Stil wurde insbesondere durch die Gruppe Neurosis geprägt. Ihr Album Souls at Zero wird als musikalisches Ursprungswerk des Stils bezeichnet. Neben Neurosis wird der Band Isis eine besondere Bedeutung für die Verbreitung, Entwicklung und Rezeption als Genre zugesprochen. Infolge des Erfolgs des Isis-Albums Oceanic erfuhr die Musik ähnlich agierender Künstler erhöhte Aufmerksamkeit, die zunehmend als zusammenhängendes Genre rezipiert wurde. Diverse dem Genre zugerechnete Interpreten lehnten den Ausdruck Post-Metal als künstliche Schublade ab. Trotz des Verweises mancher Interpreten, dass sich unter dem Begriff keine Szene zusammenfassen lasse, gibt es Gemeinsamkeiten in Inhalt, Ästhetik und Publikum.
Das Genre erfuhr nach dem Erfolg von Isis internationale Verbreitung und fand im Verlauf der 2000er Jahre einen ersten kommerziellen und kreativen Höhepunkt. Hierbei wurde die unter dem Begriff zusammengefasste Musik vielfältiger sowie variierend ausdifferenziert. Viele neue und bereits aktive Interpreten wurden nachkommend populärer und Musikgruppen anderer Substilrichtungen des Metals nahmen vermehrt Elemente des Genres auf.
Begriffsbestimmung mini|hochkant|Für Gruppen wie Russian Circles, hier beim Roadburn Festival, etablierte sich der Begriff als Stilbezeichnung erst in den 2000er-Jahren Die Bezeichnung Post-Metal wird unterschiedlich genutzt. Neben einem konkreten Stilbegriff gilt die Bezeichnung als vager Ober- und Sammelbegriff für musikalische Entwicklungen, die Elemente des Metals verwenden oder aus dem Metal entstanden, jedoch nicht generell dem Metal zugerechnet werden.
Der Ausdruck Post-Metal wird einerseits auf einen eng gefassten Stil und andererseits auf den musikalischen und soziokulturellen Crossover von Extreme Metal und popkultureller Avantgarde angewandt, wodurch Interpreten eigenständiger Musikstile wie zum Beispiel Drone Doom, Alternative Metal oder Depressive Black Metal beizeiten als Post-Metal betitelt werden. Mit Verweis auf Big Brave und Chelsea Wolfe beschreibt der Sachbuchautor und Musikjournalist J.J. Anselmi den Zwiespalt des Terminus.
Unter dem Stilbegriff sind trotz der Ablehnung des Terminus durch unterschiedliche Interpreten ästhetische, inhaltliche, gestalterische und musikalische Gemeinsamkeiten auszumachen, welche eine Zusammenfassung einiger ähnlich ausgerichteter Interpreten unter dem gemeinsamen Stilbegriff begründen.
Nutzung als Sammelbegriff Der Ausdruck Post-Metal wird seit den 1990er Jahren für unterschiedliche Musikgruppen genutzt. Dabei reichte die Stilvielfalt der unter Post-Metal subsumierten Gruppen vom progressiven Alternative Metal von Helmet und Tool über die experimentelle Doom-Metal-Gruppe The Melvins und das Drone-Doom-Projekt Earth bis zum Post-Industrial von Scorn. Vergleichbar mit anderen Bildungen mit dem Präfix post- wurde eine Zwitterstellung, in welcher sich diese Musik befand, angedeutet. Einerseits gehört die Musik in den Bereich des Metal, andererseits zeichnet die Musik sich durch eine fortgeführte Differenzierung aus. Der Musikjournalist Simon Reynolds beschreibt die Begriffsbestimmung des Post-Rock und des Post-Metal in enger Verwandtschaft zueinander, als nicht in einer direkten Abgrenzung zu einer vorherigen kulturellen Bewegung, wie es beim Terminus Post-Punk der Fall sei, entstand, sondern als ein „Gefühl, über die Grenzen eines Musikgenres hinauszugehen, ohne sein Vermächtnis aus Attitüde und Voraussetzung vollständig aufzugeben.“ So beschreibe der Begriff kein einheitliches, sondern eine Fülle enorm vielfältiger Genre die in den frühen 1990er-Jahren aus dem Metal hervorgingen und in einer gegenseitigen Wechselwirkung stünden.
Trotz der zunehmenden Etablierung als eigenständiger Stilbegriff nach der Jahrtausendwende hielt sich der Terminus ebenso als Sammelbegriff. Dieser umfasst neben den Interpreten des Stils weiterhin Gruppen, welche nur wenig Bezug zu den Vertretern des Stils ausweisen, zum Beispiel solche, die sich kaum einem Stilbegriff zuordnen lassen wie Ulver, Vertreter des Drone Doom wie Sunn O))) oder Nadja und Vertreter des Blackgaze wie Deafheaven oder Wolves in the Throne Room.
Nutzung als Genrebegriff Aufbauend auf Entwicklungen des Post-Hardcores sowie des Post-Industrials entstand der Post-Metal in den frühen 1990er Jahren. In der Mitte der 2000er Jahre, mit dem zunehmenden Erfolg von Neurosis, Cult of Luna und besonders Isis, deren Stil auf jenem von Neurosis aufbaute, kristallisierte sich unter der Bezeichnung Post-Metal ein konkreter Stil heraus, auf den der Begriff fortan dauerhaft Anwendung fand. Zumeist wird davon ausgegangen, dass sich der Begriff für den Stil in Besprechungen des Isis-Albums Oceanic in Anlehnung an den Begriff Post-Rock verbreitete und in der Folge für weitere, ähnliche Musikgruppen etablierte. So mutmaßt Robin Jahdi vom britischen Musikmagazin Fact, dass
Gelegentlich wird dieser Stil als Metalgaze, in Anlehnung an das Shoegazing-Genre, bezeichnet. Alternativ ist ebenfalls der Terminus Atmospheric Sludge, in Anlehnung an den zeitnah entstandenen Sludge, mit welchem Neurosis und weitere frühe Interpreten häufig in Verbindung gebracht wurden, geläufig. Vereinzelt wird die Musik als Noisecore bezeichnet. Die Interpreten lehnen die gängige Stilbeschreibung als Post-Metal häufig ab. Einige Musiker betonen, keinen persönlichen Bezug zu der Bezeichnung zu besitzen und benennen die Zuschreibung als künstliche Schublade, welche der Kategorisierung durch Musikjournalisten und Fans dient, jedoch keine tatsächliche Szene erfasst.
Stileinordnung Obwohl viele der dem Genre zugerechneten Interpreten die gemeinsame Stilbezeichnung als künstliche Schublade ablehnen, sind über die musikalische Ausrichtung hinaus für viele Gruppen Gemeinsamkeiten in Inhalt und Ästhetik zu erkennen. Unter Bezügen zum Symbolismus, Surrealismus und zu unterschiedlichen Mythologien befassen sich Vertreter des Genres oft mit ähnlichen Themen.
Inhalt Viele Gruppen präsentieren kryptische Texte mit subjektivem Bezug. Metaphorische Liedtexte, die persönliche Betrachtungen und Emotionales transportieren, gehören zu den häufig genutzten Elementen des Genres. Dabei werden meistens negative Erfahrungen oder Emotionen wie Trauer, Wut, Isolation, Einsamkeit oder Depression thematisiert. Auch politische Themen werden im Post-Metal gelegentlich aufgegriffen, wobei die Gruppen meist auf die Übernahme tagesaktueller Themen verzichten und eher globale Faktoren wie Umweltzerstörung oder Globalisierung ansprechen. Ebenso wird die Rolle des Individuums in der modernen Gesellschaft häufig aufgegriffen. Hierbei wird der Mensch nicht selten als Opfer der Gesellschaft oder als unvereinbar mit ihr betrachtet. In diesem Kontext werden auch Industrialisierung und Technisierung aufgegriffen. Dabei bemühen manche Interpreten mythologische, okkulte oder literarische Motive und Symbole.
Visualisierung Für viele Tonträger greifen die Vertreter des Post-Metals auf ähnliche gestalterische Elemente zurück. Häufig werden abstrakte Grafiken bis hin zu schlichten Farbflächen mit Schriftzügen, gelegentlich mit Lichtverläufen und Funkenflügen in längeren Belichtungen genutzt. Ein wiederkehrendes Element sind symbolische Bilder und Grafiken, die vom Ouroborus und Feuerrad bis zur Nutzung symbolistischer Fotografien und Gemälden reichen. Abbildungen von Naturerscheinungen und Bauwerken werden ebenfalls häufig genutzt. Solche Bilder werden häufig aus großer Distanz fotografiert oder mit einer Farbgebung, die einer späten Dämmerung nahe kommt, abgebildet. Personen oder Bandbilder sind hingegen als gestalterisches Element selten vorzufinden. Live treten die Gruppen häufig mit Videoinstallationen auf, welche ebenso solche gestalterischen Elemente aufgreifen.
Hinzukommend treten besonders häufig Aaron Turner und Seldon Hunt als Künstler für die Vertreter des Post-Metals in Erscheinung. Während Turners Stil als „abstrakt und surreal, mit einem Hang zu fantastischen Landschaften und ungewöhnlichen Strukturen“ beschrieben wird, wird jener von Hunt als getragen von „Detailverliebtheit und Komplexität“ hervorgehoben.
Musikalische Einordnung
Post-Metal ist ein instrumental dominierter Musikstil, der als Crossover aus Doom Metal und Post-Hardcore unter der Einflussnahme von Post-Industrial, Grunge, Noise-Rock, Shoegazing und Gothic Rock entstand. Als wegweisend gilt eine durch Neurosis geprägte Hinwendung zu folkloristischen Instrumenten und Rhythmen, die eine entsprechende Dynamik transportieren. Diese Dynamik gilt als eines der wesentlichen Merkmale des Genres und erstreckt sich über Rhythmus, Riffing und Gesang auf annähernd alle Facetten der präsentierten Musik bis hin zur Gesamtstruktur einiger Veröffentlichungen, die dem Gerüst aus Metal und Hardcore längere Ambient- oder Akustikpassagen gegenüberstellen.
Der häufig mehrstimmig wirkende, gelegentlich mehrstimmig eingesungene und meist in den Hintergrund gemischte Gesang variiert zwischen klagenden und brüllenden Stimmlagen. So wird der Gesang überwiegend gebrüllt und nur gelegentlich durch Klargesang kontrastiert. Frauen treten, sofern eingebunden, meist als sparsam eingesetzter Gegenpart zum brüllenden männlichen Hauptsänger auf. Viele Gruppen kooperieren hierzu mit Gastsängerinnen. Musikgruppen mit einer festen Sängerin sind gegenüber den Gruppen mit Sängern eher selten. Diesen Sängerinnen wird zumeist kein Sänger entgegengestellt, so dass diese sowohl die harschen als auch die ruhigen Passagen einsingen. Mit Year of No Light, Pelican, Red Sparowes und Russian Circles sind außerdem einige Bands, die auf den Einsatz von Gesang weitestgehend verzichten, im Post-Metal verortet.
Das häufig von mehreren Musikern eingespielte Gitarrenspiel wird meist als hart wahrgenommen, agiere dennoch in einem stetigen Wechsel zwischen lauten und leisen Passagen. Dabei wird die Dynamik aus einerseits aggressiven „wiederkehrenden Riff-Salven“ und „Noise-Attacken“ mit geschrienem Gesang und ruhigen, beinahe „von Stille dominierte[n]“ Phasen, „bei denen sich ganz langsam eine zarte Frauenstimme ‚anschleicht‘“ hervorgehoben.
Einige Vertreter verstärkten die im Post-Metal enthaltenen Elemente des Post-Rock und Ambient und fügten in einer Weiterentwicklung des Atmospheric Sludge Elemente des Math-Rock im Gitarrenspiel und Rhythmus hinzu. Durch die verstärkte Betonung des Math-Rock wurden Parallelen zu Alternative-Metal- und Alternative-Rock-Bands wie Tool und Dredg gezogen.
Genregeschichte mini|Die Gruppe Neurosis, hier auf einem offiziellen Promotions-Foto aus dem Jahr 1992, legte mit dem im gleichen Jahr veröffentlichten Album Souls at Zero einen wesentlichen Grundstein für die Entstehung des Post-Metals Bereits in den frühen 1980er Jahren experimentierten Vertreter des Punk mit zuvor als inkompatibel angesehenen Stilrichtungen. Diese Melange brachte eine Fülle heterogener subkulturell orientierter Rockmusik hervor, die sich sichtlich vom Punk abhob. Insbesondere der kommerziell wenig erfolgreiche Doom Metal, wirkte sich in den 1980er Jahren auf überschneidende Entwicklungen zwischen der Crust-Punk-, der Punk-, Hardcore-Punk-, und Post-Industrial-Szene und dem Metal aus. Die kulturellen und musikalischen Überschneidungen fanden alsdann auch in der Entstehung von Stilen wie Sludge und Post-Metal einen künstlerischen Ausdruck.