Die Leibniz-Gemeinschaft (vollständig Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.) ist ein Zusammenschluss deutscher außeruniversitärer Forschungsinstitute unterschiedlicher Fachrichtungen. Sitz ist seit 2011 Berlin, davor war es Bonn.

Die Leibniz-Gemeinschaft ist nach dem deutschen Philosophen und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) benannt.

Geschichte Ursprung als Blaue Liste Die Ursprünge der Leibniz-Gemeinschaft reichen in die Gründungszeit der Bundesrepublik zurück. Im März 1949 schlossen die Länder der drei westlichen Besatzungszonen in Deutschland das Königsteiner Staatsabkommen über die Finanzierung wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen. Darin verpflichteten sich die Länder, für größere Forschungseinrichtungen überregionaler Bedeutung die erforderlichen Mittel gemeinsam bereitzustellen.

1969 erhielt dieses Abkommen Verfassungsrang, als das Grundgesetz erweiterte, und Bund und Ländern die verfassungsrechtliche Möglichkeit bot, bei Forschungsvorhaben überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischem Interesse zusammenzuarbeiten. 1977 schließlich veröffentlichten Bund und Länder eine Liste von 46 Einrichtungen, die unter den Bedingungen des GG gemeinsam gefördert wurden. Das blaue Papier, auf dem die Liste veröffentlicht wurde, gab ihr den Namen Blaue Liste.

Seit 1979 wurden die Einrichtungen der Blauen Liste regelmäßig vom Wissenschaftsrat evaluiert, um ein hohes Leistungsniveau der wissenschaftlichen Arbeit zu garantieren und eine zielgerichtete Weiterentwicklung frühzeitig einleiten zu können. Die meisten Institute überzeugten die Bewertungskommissionen mit ihrer wissenschaftlichen Qualität, einige richteten ihre Forschungsarbeit neu aus und wenige verließen die gemeinsame Forschungsförderung.

Die Wiedervereinigung 1990 brachte auch für die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern nachhaltige Veränderungen mit sich, da Artikel 38 des Einigungsvertrages die Eingliederung der Forschungslandschaft der ehemaligen DDR in das bundesrepublikanische System vorschrieb.Artikel 38 bei Gesetze im Internet des BMJV

Nachdem der Wissenschaftsrat positiv evaluierte ehemalige Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR in die gemeinsame Forschungsförderung aufgenommen hatte, verdoppelte sich beinahe die Zahl der Blaue-Liste-Institute von 47 im Jahre 1989 auf 81 im Jahr 1992. Die Neuaufnahmen veränderten das Gesicht der Blauen Liste und verschoben den Schwerpunkt in die natur-, technik-, agrar-, lebens- und raumwissenschaftliche Forschung.

Gründung und Namensgebung Am 24. Januar 1991 gründeten Vertreter von zunächst 32 Einrichtungen in Dortmund die „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ (AG-BL), die besonders in administrativen Fragen institutsübergreifend tätig war. 1995 benannte man sich in „Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste“ (WBL) um, 1997 in „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz“ (WGL). Dieser Name wurde 2000 schließlich durch die in der Außendarstellung verwendete Bezeichnung „Leibniz-Gemeinschaft“ ergänzt. Im Vereinsregister des Amtsgerichts Charlottenburg ist als Name des Vereins „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. kurz: Leibniz-Gemeinschaft“ eingetragen.

Die Idee, Leibniz zum Namenspatron der Forschungsgemeinschaft zu machen, entwickelte sich zur Mitgliederversammlung im März 1995, als beschlossen wurde, einen ordentlich eingetragenen Verein zu gründen.A. Brill (2017), hier in der Literatur. S. 52. Den dazu richtungsgebenden Impuls gab ein halbes Jahr später der damalige WBL-Präsident Ingolf Hertel, der in dem Theoria cum Praxi-Leitgedanken des LeibnizSiehe dazu etwa Hans Poser, Leibniz' Philosophie. (Felix Meiner) Frankfurt am Main 2016, Abschnitt V (Theoria Cum Praxi, Artikel 1: Erfindungen für das bonum commune. Leibniz als Ingenieur), ab Seite 381. die passende Assoziation zum Verein fand. Die Entscheidung über seinen Namensvorschlag „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz“ fiel zwar erst eineinhalb Jahre später, doch hatte Hertel mit folgendem deutschsprachigem Wortlaut des Leibniz vor der Mitgliederversammlung überzeugen können:der Sachverhalt ist entnommen A. Brill (2017), hier in der Literatur. S. 59.

Evaluation Seit 2003 evaluiert der extern besetzte Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/organisation/organe.html (Button Senat), abgerufen am 23. Januar 2021. Der Wissenschaftsrat hat in seiner Stellungnahme zur Systemevaluation der „Blauen Liste“ vom November 2000 einen entsprechenden Vorschlag entwickelt. Die Entscheidungen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) zur Förderungswürdigkeit der Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft stützen sich nun in der Regel auf die Stellungnahmen des Senats. Mindestens alle sieben Jahre leitet der Ausschuss Forschungsförderung der GWK eine entsprechende Überprüfung ein.

Organisation Leibniz-Gemeinschaft mini|Sitz der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 96 (Stand 2026) eigenständige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Darunter befinden sich auch insgesamt acht Forschungsmuseen.Leibniz-Forschungsmuseen. Leibniz-Gemeinschaft Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.700 Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 2,2 Milliarden Euro (2025).

Die Einrichtungen haben sich zur Leibniz-Gemeinschaft zusammengeschlossen, um institutsübergreifende Aufgaben wahrzunehmen. Dazu gehört z. B. in Zeiten der Verknappung der Forschungsmittel aus öffentlichen Händen gemeinsam für die Stärkung der Einrichtungen zu arbeiten oder auch Kooperationen mit Hochschulen und Industrie zu fördern.

Die Leibniz-Gemeinschaft hat sich selbst mit neun der bedeutendsten Wissenschaftsorganisationen in Deutschland zur Allianz der Wissenschaftsorganisationen zusammengeschlossen, welche regelmäßig Stellung zu wichtigen Fragen der Forschungs- und Wissenschaftspolitik bezieht.

Präsidium Präsident der Leibniz-Gemeinschaft ist seit dem 1. Juli 2026 der Wirtschaftswissenschaftler Christoph M. Schmidt.Pressemitteilung "Christoph M. Schmidt tritt Amt als Leibniz-Präsident an" vom 1.7.2026

Vizepräsidenten sind Alexandra W. Busch (Leibniz-Zentrum für Archäologie), Mainz Sebastian Lentz (Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig) Martin Mittelbach (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main) Albert Sickmann (Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS, Dortmund) Barbara Sturm (Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie, Potsdam)

Ehemalige Präsidenten 1995–1998 Ingolf Volker Hertel 1998–2001 Frank Pobell 2001–2005 Hans-Olaf Henkel 2005–2010 Ernst Theodor Rietschel 2010–2014 Karl Ulrich Mayer 2014–2022 Matthias Kleiner 2022–2025 Martina Brockmeier

Finanzierung Leibniz-Institute sind Institute und Forschungseinrichtungen, die gemeinsam vom Bund und den Ländern grundfinanziert werden. In der Regel ist der Finanzierungsschlüssel: 50 % Bundesmittel, 50 % Landesmittel. Die Bundesmittel kommen zu einem großen Teil aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Landesmittel setzen sich zusammen aus den Mitteln des Sitzlandes des jeweiligen Leibniz-Instituts und einem Zuschuss durch die übrigen Länder. Die Aufteilung dieses Zuschusses auf die übrigen Bundesländer wird von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz auf Grund der Bevölkerungszahlen und des Steueraufkommens im Königsteiner Schlüssel festgelegt. Neben dieser Grundfinanzierung werden Drittmittel eingesetzt. Im Jahr 2025 betrug der Gesamtetat aller Einrichtungen rund 2,24 Milliarden Euro. Der Anteil der Drittmittel betrug ca. 638 Mio. Euro (ca. 29 %).

Planungssicherheit durch kontinuierliche Etatsteigerungen ist mit dem Pakt für Forschung und Innovation gegeben.

Institute der Leibniz-Gemeinschaft Die Institute der Leibniz-Gemeinschaft sind in fünf Sektionen zusammengefasst.

Sektion A – Geisteswissenschaften und Bildungsforschung Die Sortierung erfolgt nach den Abkürzungen. Name der Einrichtung Ort Abkürzung Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen Bochum DBM Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow Leipzig DI Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen Bonn DIELeibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (ehem. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung) Frankfurt am Main – Berlin DIPF Deutsches Museum München DM Deutsches Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte Bremerhaven DSM Leibniz-Institut für Bildungsmedien – Georg-Eckert-Institut Braunschweig GEI Germanisches Nationalmuseum – Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte Nürnberg GNM Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa Leipzig GWZO Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg HI Leibniz-Institut für Deutsche Sprache Mannheim IDS Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz IEG Institut für Zeitgeschichte München – Berlin IfZ Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung Regensburg IOS Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel Kiel IPN Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen IWM Leibniz-Zentrum für Archäologie (vormals bis Ende 2022 Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie) Mainz LEIZA Leibniz-Institut für Bildungsverläufe Bamberg LIfBi Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft Berlin ZAS Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin ZfL Leibniz-Zentrum Moderner Orient Berlin ZMO Leibniz-Institut für Psychologie Trier ZPID Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e. V. Potsdam ZZF

Sektion B – Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften Die Sortierung erfolgt nach den Abkürzungen. Name der Einrichtung Ort Abkürzung ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft Hannover ARL Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung mit Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) Berlin DIW GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Mannheim, Köln GESIS German Institute for Global and Area Studies (GIGA), Leibniz-Institut für Globale und Regional Studien (bis 2005 Deutsches Übersee-Institut, DÜI) Hamburg GIGA Leibniz-Institut für Medienforschung – Hans-Bredow-Institut Hamburg HBI Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien Halle IAMO Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig IfL ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. München ifo Kiel Institut für Weltwirtschaft Kiel IfW Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung Dresden IÖR Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner IRS Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle Halle IWHPeace Research Institute Frankfurt – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt am Main PRIF RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen RWI Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE Frankfurt am Main SAFE Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung Berlin WZB Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim ZEW ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft Hamburg-Kiel ZBW

Sektion C – Lebenswissenschaften Die Sortierung erfolgt nach den Abkürzungen.