Die Dálnice 0 ( für „Autobahn 0“), auch als Pražský okruh (tschechisch für „Prager Ring“) bezeichnet, ist eine Autobahn in Tschechien und als am äußeren Rand des Stadtgebietes verlaufender Autobahnring von Prag konzipiert. Strahlenförmig zweigen von ihm, wenn fertiggestellt, die Autobahnen D1, D3, D4, D5, D6, D7, D8, D10 und D11 ab.

Derzeit besteht die D0 aus einem 36 km langen südlichen Bogen zwischen der D7 im Nordwesten und der D1 im Südosten Prags und einem kurzen Abschnitt zwischen der D10 und der Silnice I/12 im Osten.

Bis zum 31. Dezember 2015 hatte der Prager Ring den Status einer Schnellstraße und hieß Rychlostní silnice 1 (R1).

Planungsgeschichte In der Tschechoslowakei entstanden bereits in den 1930er Jahren Pläne für eine Schnellstraßenverbindung von Cheb nach Košice. Eine Variante dieser Planung sah eine Verbindung von Eger über Karlsbad, Chomutov mit nördlicher Umgehung von Prag weiter über Hradec Králové, Olomouc, Zlín, Žilina, Ružomberok und Levoča vor. Ein Autobahnring um Prag war allerdings nicht vorgesehen. Mit dem Münchner Abkommen und der Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich arbeitete im Oktober 1938 die tschechische Straßenbauverwaltung geänderte Pläne der West-Ost-Magistrale im Abschnitt Prag–Jihlava sowie den Entwurf einer Ringstraße um Prag aus. Dieser Ring mit einem Regelquerschnitt von 17,5 Metern sollte über Suchdol, Horoměřice, Nebušice, Letiště, Hostivice, Třebonice, Řeporyje, Slivenec, Velká Chuchle, Modřany, Libuš, Kunratice, Chodov, Štěrboholy, Dolní Počernice, Kbely, Ďáblice und Dolní Chabry geführt werden.

Die nationalsozialistische deutsche Regierung verfolgte andere Ziele: Sie legte Pläne für eine exterritoriale Reichsautobahn von Breslau über Brno nach Wien vor und erwirkte hierzu die Zustimmung der Regierung der Tschechoslowakei am 20. November 1938. Nachdem der deutsche NS-Staat sich des Territoriums der Tschechoslowakei 1939 schließlich vollständig bemächtigt hatte, folgten bis Mai 1941 Planungen zusätzlicher Reichsautobahnlinien von Dresden über Prag und Budweis nach Linz, Regensburg über Pilsen, Prag, Hradec Králové, Glatz nach Oppeln sowie von Prag über Brno nach Zlín. Die Planungen eines Autobahnrings für Prag wurden ausdrücklich nicht aufgegriffen, wobei die an der Stadt als Tangenten vorbeigeführten, projektierten Strecken einen nahezu geschlossenen Kreis bildeten. Zudem war vorgenommen, den Ring um Prag durch Zubringerstraßen zu den Reichsautobahnen zu vervollständigen.

Doch bereits 1947, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, fand sich in Kartenmaterial der Tschechoslowakischen Regierung ein mit der Nummer 1 gekennzeichneter, einbahniger Straßenring um Prag. Die Streckenführung bildete im Wesentlichen die 1938 vorgeschlagene Trasse ab. Die später als D 1 bezeichnete Autobahn Prag–Brno war mit der Nummer 2 verzeichnet.

Einen Autobahnring um Prag enthielt aber auch das am 10. April 1963 mit Beschluss Nr. 286 der Regierung der ČSR geplante Autobahnnetz nicht. 1964 wurde ein Verkehrskonzept mit autobahnähnlichen Straßen für Prag entwickelt, das im Wesentlichen zwei Ost-West-Tangenten im Norden und Süden der Stadt sowie drei Magistralen in Nord-Süd-Richtung durch das Stadtgebiet beinhaltete.

Anfang der 1970er Jahre wurde das Konzept weiterentwickelt: Geplant waren nunmehr ein innerer, ein mittlerer und ein äußerer autobahnähnlicher Schnellstraßenring. Darüber hinaus sollten zwischen den Ringen zahlreiche Verbindungsstrecken entstehen. Insgesamt maß das Netz zusammen 236 Kilometer. Der äußere Ring entsprach im Norden und Westen der heute als D 0 errichteten oder weiterhin geplanten Linie. Lediglich im Nordosten, im Süden und Südwesten weicht die heutige Streckenführung der D 0 davon ab. Am 4. Dezember 1974 beschloss die Regierung der ČSSR das nunmehr ZÁKOS genannte Verkehrskonzept. Und am 23. Juni 1976 wurde durch den Beschluss Nr. 155 der Regierung der Raumordnungsplan der Region Prag verabschiedet, der auch den Bau eines äußeren Rings (als H 1 bezeichnet) umfasste.

Mit dem Regierungsbeschluss Nr. 631/93 wurde die Aufnahme des Prager Rings in den Raumordnungsplan von Mittelböhmen geregelt. Das Gesetz Nr. 13/1997 vom 23. Januar 1997 sah neue Straßenklassen in Tschechien vor. Es unterteilte in Schnellstraßen und Autobahnen. Der Prager Ring erhielt daraufhin die Bezeichnung Rychlostní silnice 1 und wurde damit den Schnellstraßen zugeordnet.

Das Gesetz Nr. 268/2015 regelte die Klassifizierung der Straßen in Tschechien neu. Im Ergebnis wurden viele der bisherigen Schnellstraßen zu Autobahnen aufgestuft, darunter auch die bisherige Rychlostní silnice 1, die in Dálnice 0 zum 1. Januar 2016 umbenannt wurde.

Bau und fertiggestellte Abschnitte 1977–2001 Im Herbst 1977 wurde mit dem Bau des ersten 7,4 km langen Teilabschnittes Slivenec – Třebonice im Westen Prags begonnen, welcher am 20. September 1983 eröffnet wurde.

1984 folgte im Osten der Abschnitt Satalice – Počernice und 1993 die Fortsetzung Počernice – Běchovice.

Die Verlängerung im Westen Prags von Třebonice über Řepy nach Ruzyně wurde 2000/2001 eröffnet.

mini|hochkant=1.3|Infotafel auf dem Autobahnring

2006–2010 2006–2010 wurde ein insgesamt 23 km langer zusammenhängender Abschnitt im Süden errichtet. Dieser stellt nun die Verbindung zwischen der D1 bei Modletice und dem westlichen Abschnitt ab Slivenec her. Der Teilabschnitt D1 – Vestec befand sich seit September 2008 im Bau und wurde im Spätsommer 2010 fertiggestellt. Er umfasst 8,75 km und sollte 3,326 Mrd. CZK (ca. 130 Mio. Euro) kosten. Der Abschnitt Vestec–Lahovice umfasst 8,34 km und wurde im Dezember 2006 begonnen. Er umfasst einen 1,9 km langen Tunnel. Dieser 4,52 Mrd. CZK (ca. 180 Mio. Euro) teure Abschnitt wurde ebenfalls im Spätsommer 2010 fertiggestellt. An der Anschlussstelle der D4 trifft dieser Abschnitt auf den Abschnitt nach Slivenec. Dieser ist 6,03 km lang und umfasst einen 1,62 km langen Tunnel. Baubeginn dieses 7,51 Mrd. CZK (ca. 300 Mio. Euro) teuren Abschnittes war Juni 2006. Diese drei Bauabschnitte wurden am 20. September 2010 eröffnet. (PDF; 2,4 MB)

Mit Fertigstellung dieser drei Bauabschnitte umfasst die D0 eine Länge von 40 km. Von den neun Autobahnen um Prag sind nun sechs an den Autobahnring angeschlossen. Die D8, D11 und D10 sind noch nicht mit dem Hauptteil des Außenrings verbunden.

Ab 2024 Am 16. Dezember 2024 begannen die Bauarbeiten für den 12,6 km langen Abschnitt zwischen der D1 bei Modletice und der I/12 bei Běchovice. Die Strecke soll 2027 freigegeben werden. Die Baukosten werden auf 9,8 Mrd. CZK (ca. 390 Mio. Euro) kalkuliert."Der Grenzgänger - Informationen aus dem böhmischen Erzgebirge", Ausgabe 132 Februar/März 2025, S. 14 (Digitalisat)

Übersicht der fertiggestellten und im Bau befindlichen Abschnitte Im Einzelnen sind folgende Abschnitte fertiggestellt oder im Bau:

Nr. des Abschnitts Abschnitt Länge Status Baubeginn Fertigstellung Querschnitt Entwurfs-geschwindigkeit510, 1. BauabschnittChlumecká – D111,120 kmunter VerkehrJuni 198012. Oktober 1984510, 2. BauabschnittD11 – Běchovice2,330 kmunter VerkehrJuli 19885. November 1993511Běchovice – D112,650 kmim Bau16. Dezember 2024geplant: 2027D34,5100512D1 – Jesenice – Vestec8,750 kmunter VerkehrSeptember 200820. September 2010S27,5100513Vestec – Lahovice8,337 kmunter Verkehr1. Dezember 200620. September 2010S27,5100514Lahovice – Slivenec6,030 kmunter VerkehrJuni 200620. September 2010S27,5100515Slivenec – Třebonice7,236 kmunter Verkehr197720. September 1983S26,5100516Třebonice – Řepy3,300 kmunter VerkehrMai 199828. August 2000D34,0120517Řepy – Ruzyně2,508 kmunter VerkehrMai 199929. Oktober 2001D34,0120

Planungen Der Weiterbau im Norden zwischen der D7 (Ruzyně), der D8 (Březiněves) mit zwei Bauabschnitten und die Herstellung des vollständigen Rings im Osten zwischen der D8 und der D10 (Satalice) mit einem Bauabschnitt ist wie folgt vorgesehen:

Nr. des Abschnitts Abschnitt Länge Status Baubeginn Fertigstellung Querschnitt Entwurfs-geschwindigkeit Besonderheit518Ruzyně – Suchdol8,260 kmin Planung; Umweltverträglichkeitsprüfung im September 2024 abgeschlossengeplant: 2028geplant: 2031D34100519Suchdol – Březiněves6,850 kmin Planung; Umweltverträglichkeitsprüfung im September 2024 abgeschlossengeplant: 2028geplant: 2031D34100mit Zubringer Čimice520Březiněves – Satalice13,643 kmin Planung; Umweltverträglichkeitsprüfung im Januar 2025 abgeschlossengeplant: 2028geplant: 2031D34100

Ausbau Außerdem ist der Ausbau des Prager Autobahnrings wie folgt vorgesehen:

Nr. des Abschnitts Abschnitt Länge des Ausbaus Status Baubeginn Fertigstellung künftiger Querschnitt Entwurfs-geschwindigkeit Art der Maßnahme510Kreuz Chlumecká bis Kreuz Satalice3,007 km bzw. 2,817 kmin Planung; Projektgenehmigung im Juli 2024 erteiltgeplant: 2029geplant: 2030D34,0130sechsstreifiger Ausbau510Satalice – Běchovice2,766 kmin Planung; Baugenehmigung im Juni 2023 erteiltgeplant: 2026geplant: 2028D34,5100sechsstreifiger Ausbau512Jesenice – D32,200 km bzw. 1,500 kmin Planung; Projektgenehmigung im Mai 2021 erteiltgeplant: 2028geplant: 2030D27,5 zuzüglich Spurergänzung100Anbau von zusätzlichen Ein- und Ausfahrspuren zwischen den Ausfahrten 1 und 82515Slivenec – Třebonice6,800 kmin Planung; Projektgenehmigung im August 2023 erteiltgeplant: 2027geplant: 2029D33,5100sechsstreifiger Ausbau

Weblinks

D0 auf der Seite der Tschechischen Autobahnen (tschechisch) Informationen zur Prager Umgehungsstraße gegliedert nach Bauabschnitten (tschechisch) Karte zu Bauvorhaben auf Tschechischen Fernstraßen (tschechisch)

Einzelnachweise

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