Das im Nordkaukasus gelegene Inguschetien (auch: Inguschien; /Transkription , /Ghalghai Mochk) ist eine autonome Republik in Russland. Amtssprachen sind Inguschisch und Russisch.

Geographie Inguschetien ist die kleinste autonome Republik der Russischen Föderation. Sie liegt im Süden Russlands, an den nördlichen Hängen des Großen Kaukasus zwischen Nordossetien-Alanien im Westen und Tschetschenien im Osten. Im Süden wird die Republik durch den Hauptkamm des Kaukasus von der georgische Region Mzcheta-Mtianeti getrennt. Eine direkte Straßenverbindung nach Georgien gibt es nicht.

Im Norden des Landes ist die Landschaft steppenartig. Die Mitte ist geprägt von dem Fluss Sunscha. Die Sunscha durchfließt die Republik von West nach Ost. An ihren Ufern ist die Bevölkerungsdichte am größten. Der Süden Inguschetiens ist gebirgig mit steilen Bergen und tiefen Schluchten. Hier bildet der Fluss Fortanga die Grenze zu Tschetschenien. Der einzige Zugang in den Süden ist eine Straße entlang der Assa, die Inguschetien auf 91 km durchfließt, erst in nördlicher Richtung, auf den letzten zehn Kilometern nach Osten abknickend.

Der höchste Punkt des Landes ist der Berg Shan mit 4451 m auf der Grenze zu Georgien im Südwesten Inguschetiens. Er kann von Bergsteigern durch die Schlucht des Flusses Shandon erreicht werden. Der Shandon ist der Hauptzufluss des Armchi, der ebenfalls im Kaukasus entspringt. Der Armchi hat ein Einzugsgebiet von 298 km², fließt in nordwestlicher Richtung und mündet nach 28 km an der Grenze zu Nordossetien-Alanien in den Terek, der die Republik im Westen und Norden umfließt und in den alle Flüsse Inguschetiens münden.

Der tiefste Punkt liegt an der nördlichen Grenze zu Nordossetien-Alanien auf 200 m Höhe.

Die größte Ausdehnung Inguschetiens beträgt 144 km von Norden nach Süden und 72 km von Westen nach Osten.

Landwirtschaftliche Flächen nehmen 60 % der Republik ein, von denen fast die Hälfte Ackerland ist. Die Schwarzerde und das Klima bieten im nördlichen Teil gute Bedingungen für die Landwirtschaft. Der gebirgige Süden ist bewaldet.

Bevölkerung 2024 lebten laut der Volkszählung 527.220 Einwohner in Inguschetien. Mittlerweile gehören fast alle Bewohner zum Volk der Inguschen. Die früher starke Minderheit der Tschetschenen und viele Angehörige der russischen Minderheit haben das Gebiet in den Jahrzehnten ab etwa 1990 verlassen. Die inguschische Sprache gehört zu den kaukasischen Sprachen und ähnelt dem Tschetschenischen. Faktisch alle Inguschen gehören – ebenso wie die tschetschenische Minderheit – dem Islam an, aber auch die Russisch-Orthodoxe Kirche ist vertreten, vorwiegend unter den wenigen verbliebenen Russen.

Die Zahl der Russen, zum Großteil Terekkosaken, genauer Sunschakosaken, war bis in die 1990er-Jahre deutlich höher. In Malgobek bildeten sie bis in die 1960er-Jahre, im Sunschenski rajon bis in die 1970er-Jahre die Mehrheit der Bevölkerung. Aufgrund Abwanderung und einer niedrigeren Geburtenrate nahm ihr Anteil jedoch kontinuierlich ab und fiel etwa im Sunschenski rajon von 91,7 % im Jahr 1926 bis 1989 auf 31,6 % und nur noch 2 % im Jahr 2002.Volkszählungsergebnisse bei ethno-kavkaz (russisch), Sunschenski rajon meist in der letzten Zeile, russischer Bevölkerungsanteil in der vorletzte Spalte Speziell nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Zunahme ethnischer Spannungen kam es erneut zu einem Exodus der Russen aus Inguschetien, sodass ihr Bevölkerungsanteil in der gesamten Republik auf heute unter 1 % gefallen ist.

Während der Tschetschenienkriege flohen zehntausende Tschetschenen in das benachbarte und sicherere Inguschetien. Nachdem sich die Lage in Tschetschenien beruhigte, kehrte der Großteil der Flüchtlinge zurück.

Volksgruppe VZ 1926 1 VZ 1939 1 VZ 1959 1 VZ 1970 1 VZ 1979 1 VZ 1989 1 VZ 2002 VZ 2010 2 Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Inguschen 47.280 61,6 % 79.462 58,0 % 44.634 40,6 % 99.060 66,0 % 113.889 74,2 % 138.626 74,5 % 361.057 77,3 % 385.537 93,5 % Tschetschenen 2.553 3,3 % 7.746 5,7 % 5.643 5,1 % 8.724 5,8 % 9.182 6,0 % 19.195 10,3 % 95.403 20,4 % 18.765 4,5 % Russen 24.185 31,5 % 43.389 31,7 % 51.549 46,9 % 37.258 24,8 % 26.965 17,6 % 24.641 13,2 % 5.559 1,2 % 3.215 0,8 % Ukrainer 1.501 2,0 % 1.921 1,4 % 1.763 1,6 % 1.068 0,7 % 687 0,4 % 753 0,4 % 189 0,1 % 91 0,02 % Andere 1.215 1,6 % 4.549 3,3 % 6.438 5,9 % 3.978 2,7 % 2.852 1,9 % 2.781 1,5 % 5.086 1,1 % 4.921 1,2 % Einwohner 76.734 100 % 137.067 100 % 110.027 100 % 150.088 100 % 153.575 100 % 185.996 100 % 467.294 100 % 412.529 100 %1 Heute zu Inguschetien gehörende Rajons der Tschetscheno-Inguschischen ASSRhttp://www.ethno-kavkaz.narod.ru/rningushetia.html2 2.897 Personen konnten keiner Volksgruppe zugeteilt werden. Diese Leute verteilen sich vermutlich anteilmässig gleich wie die ethnisch zugeschiedenen Einwohner.Bevölkerung der russischen Gebietseinheiten nach Nationalität 2010 (russisch; Zeilen 462–468)

Verwaltungsgliederung Die Republik Inguschetien gliedert sich in fünf Stadtkreise und vier Rajons. In den Rajons gibt es insgesamt 36 Landgemeinden (selskoje posselenije) und eine Stadtgemeinde (gorodskoje posselenije) mit zusammen 117 Ortschaften (Stand 2015). Dabei umfassen die Gemeinden in den Rajons Malgobekski, Nasranowski und Sunschenski mit einer Ausnahme nur jeweils die namensgebende Ortschaft, während die fünf Gemeinden des mit Abstand bevölkerungsärmsten Rajons Dscheirachski 85 Ortschaften vereinen: Dort gibt es eine Vielzahl sehr kleiner Orte mit dem Status eines Dorfes (selo), aber zumeist jeweils unter 10 Einwohnern.

2016 wurde im Zusammenhang mit der Verleihung der Stadtrechte an Sunscha ein weiterer Stadtkreis (Sunscha) ausgewiesen und aus dem Sunschenski rajon ausgegliedert, wobei die Stadt aber Verwaltungszentrum des Rajons blieb.

+ StadtkreiseNummer des Rajons/Stadtkreises (in alphabetischer Reihenfolge der Namen im Russischen)StadtkreisEinwohnerEinwohnerzahlen 2021 beim Föderalen Dienst für staatliche Statistik Russlands (Berechnung per 1. Januar; Exceldatei; 562 kB)Fläche(km²)Bevölkerungs-dichte(Ew./km²) I Karabulak 43.549 84 521 II Magas 13.601 13 1.077 III Malgobek 39.096 101 388 IV Nasran 124.169 138 900 V Sunscha 66.807 236 284

+ Rajons Rajon Einwohner Fläche(km²) Bevölkerungs-dichte(Ew./km²) Verwaltungssitz AnzahlStadt-gemeinden AnzahlLand-gemeinden 1 Dscheirachski 3.353 627 5 Dscheirach – 5 2 Malgobekski 59.288 512 116 MalgobekStadt gehört nicht zum Rajon, sondern bildet eigenständigen Stadtkreis; Einwohnerzahl der Stadt nicht bei der Berechnung der Bevölkerungsdichte berücksichtigt – 12 3 Nasranowski 104.621 430 243 Nasran – 9 4 Sunschenski 61.080 1613 38 Sunscha – 10 Anmerkungen:

Städte Der größte Ort der Republik ist ihre ehemalige Hauptstadt Nasran. Weitere große Orte sind Sunscha, Malgobek, Karabulak, Ekaschewo und Troizkaja. Offizielle Hauptstadt ist seit Dezember 2002 die neuerrichtete Stadt Magas. Insgesamt gibt es fünf Städte, die alle gleichnamige Stadtkreise bilden. Sunscha besitzt die Stadtrechte seit 2016; lange Staniza unter dem Namen Ordschonikidsewskaja, hatte es erst 2015 den Status einer Siedlung städtischen Typs erhalten.

+ Städte Name Russisch Inguschisch Einwohner() Wappen Lage Karabulak 40px Magas 40px Malgobek 40px Nasran 40px Sunscha 40px

Geschichte Sprachliche Herkunft und frühe Geschichte der Region Die Inguschische Sprache gehört zur Sprachfamilie der Nordostkaukasischen (nacho-dagestanischen) Sprachen innerhalb des Sprachkomplexes der Kaukasischen Sprachen. Aufgrund von Ähnlichkeiten im Wortschatz und der Grammatik befürworten einige Linguisten eine Verwandtschaft dieser nacho-dagestanischen Sprachen mit den sehr alten Sprachen Hurritisch und Urartäisch, die in den ersten beiden vorchristlichen Jahrtausenden im östlichen Anatolien gesprochen wurden. Diese Hypothese wurde durch die Untersuchung der Alwanischen Sprache, einer historischen Sprache aus dem heutigen Aserbaidschan, noch gestärkt, die sich als zeitliches und räumliches Verbindungsglied erwies. Aufgrund dieser zunehmend akzeptierten Verwandtschaft gab es in der älteren Kaukasiologie die Hypothese, die Anwesenheit der Nacho-dagestanischen Sprachen im zentralen und östlichen Nordkaukasien sei auf die Einwanderung von Hurritern und Urartäern in den Kaukasus im 1. Jahrtausend v. Chr. zurückzuführen, was Nationalbewegungen der betreffenden Völker begeistert übernahmen, die sich als Nachkommen von Hurritern und Urartäern sehen. Diese Hypothese wird aber heute von der Mehrheit der Forscher abgelehnt, weil archäologische Untersuchungen in der Region seit den 1960er Jahren ergaben, dass sich diese Einwanderung nicht nachweisen lässt. Die Mehrheit der Forscher befürwortet, dass in der Region schon vor über 3500 Jahren Sprachformen gesprochen wurden, die dem Urartäischen und Hurritischen wahrscheinlich verwandt waren.Vgl. z. B. Georgij A. Klimov: „Einführung in die Kaukasische Sprachwissenschaft.“ Deutsche Bearbeitung von Jost Gippert. Hamburg 1994, S. 18–21, besonders S. 19. Auf dem Gebiet Inguschetiens war im ersten vorchristlichen Jahrtausend die sogenannte Koban-Kultur verbreitet, für die sich nach bisherigem Forschungsstand keine Einwanderung aus dem Süden belegen lässt. Eine Minderheit der Forscher hält noch in jüngerer Zeit wenigstens eine teilweise, nicht vollständige, Zuwanderung aus dem nördlichen Urartu für denkbar. Diese Hypothese beruht nur auf einigen Indizien (ähnlichen Namen und einigen Legenden in griechischen und georgischen Quellen) und ist nicht bewiesen.Vertreter der Zuwanderungshypothese neben Giorgi Melikischwili, Wjatscheslaw Ws. Iwanow und Tibór Hálási-Kún z. B. Tamas Gamqrelidse und der Historiker Amjad M. Jaimoukha. Die Indizien sind die Namensähnlichkeit des urartäischen Stammes der Èrs in der Region Jerewan zum 1000 Jahre späteren Stamm der Hers in Heretien, zwei weitere Namensähnlichkeiten und wiedergegebene Legenden bei Strabon (Geographika XI., V., 1–49) und in zwei Werken von Leonti Mroweli (11. Jh.) über eine Einwanderung von Volksstämmen in der Vergangenheit in den Kaukasus vgl. Jaimoukha S. 26–30. Allerdings sind einzelne Namensähnlichkeiten und alte Legenden nie ein wissenschaftlicher Beweis, weshalb sie auch nur als Hypothesen gelten.