mini|Mission San Juan Capistrano im April 2005. Links die Fassade der Kirche, gebaut aus Lehmziegeln; dahinter die Glockenwand. Die Mission hat den Ruf, „die schönste der franziskanischen Ruinen“ zu sein.Saunders & Chase, S. 65. mini|The Missionaries as They Came and Went. Franziskaner in ihrem grauen Habit.Heute tragen Franziskaner meist braune Soutanen; Kelsey, S. 18.

Die spanischen Missionen in Kalifornien sind eine Reihe von Missionsstationen, die zwischen 1769 und 1823 von Franziskanern im heutigen US-Bundesstaat Kalifornien errichtet wurden. Ihr Zweck war, neben der Missionierung der indigenen Bevölkerung zum Christentum, die Behauptung und Festigung der Besitzansprüche der spanischen Krone an der Pazifikküste. Die Missionsstationen waren die ersten europäischen Niederlassungen in Alta California und ein Meilenstein im Vordringen der europäischen Kolonialmächte im amerikanischen Nordwesten. Die Europäer brachten beim Aufbau der Stationen, die zum Teil zu wichtigen wirtschaftlichen und kulturellen Zentren wurden, ihr Wissen von Viehzucht, ihre Früchte, ihre Nutzpflanzen und ihre Handwerkskunst mit. Neben diesen unbestrittenen wesentlichen Beiträgen zur Entwicklung der Region brachte die „Zivilisierung“ der indigenen Bevölkerung für diese den Verlust ihrer Identität, Autonomie und ihres Lebensraumes. Auch führte die „Zivilisierung“ zu einem starken demographischen Rückgang.

Heute gehören die Missionsstationen zu den ältesten Bauwerken Kaliforniens und sind beliebte touristische Ziele.

Geschichte Ursprünge

Seit 1492, nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, war die spanische Krone bemüht, Missionsstationen in den neu entdeckten Gebieten zu errichten, um die Indianer zum römisch-katholischen Glauben zu bekehren. Nueva España, auf Deutsch Neuspanien, umfasste das Gebiet der Karibik, Mexikos und große Teile des Südwestens der heutigen USA. In Papst Alexanders VI. Bulle Inter caetera von 1492 war im Prinzip ganz Amerika den Spaniern zur Kolonisierung überlassen worden. Dazu gehörte auch das Gebiet von Alta California, das praktisch mit dem heutigen Bundesstaat Kalifornien deckungsgleich ist. Im nächsten Jahr wurde im Vertrag von Tordesillas die Aufteilung zwischen Spanien und Portugal fast unverändert bestätigt. Antonio de la Ascensión, der mit Sebastián Vizcaíno 1602 nach San Diego gereist war, verfasste die ersten Berichte, die den spanischen König bewegten, das Gebiet des historischen Kalifornien zu kolonisieren.Leffingwell, S. 10: „Antonio de la Ascensión surveyed the area and concluded that the land was fertile, the fish plentiful, and gold abundant.“

Jedoch erst als 1741 bekannt wurde, dass die Russen von Westen her nach Nordamerika drängten, sah der spanische König Philipp V. eine Eroberung von Oberkalifornien als tatsächlich notwendig an. Im Geheimen hatte bereits Sir Francis Drake für Elisabeth I. Nordamerika für England beansprucht, was aber ohne Folge blieb.Morrison, S. 214. Während es bereits 1721 einundzwanzig von Jesuiten errichtete Missionsstationen in Baja California gab, war der Norden, das heutige Kalifornien, noch nicht betreten worden. 1767 ordnete Karl III. in der Folge des Jesuitenverbotes an, dass alle jesuitischen Missionare nach Spanien zurückzudeportieren seien, womit die Kolonisierung des Nordens den Franziskanern überlassen blieb, während dominikanische Priester die Stationen in Niederkalifornien übernahmen. Es wird vermutet, dass es zu jener Zeit etwa 300.000 Indianer gab, die in Oberkalifornien lebten, verteilt auf etwa 100 verschiedene Stämme, allerdings schwanken die Angaben zwischen verschiedenen Autoren erheblich.Rawls, S. 6.Kroeber 1925, S. VI.: „In the matter of population, too, the effect of Caucasian contact cannot be wholly slighted, since all statistics date from a late period. The disintegration of native numbers and native culture have proceeded hand in hand, but in very different rations according to locality. The determination of populational strength before the arrival of whites is, on the other hand, of considerable significance toward the understanding of Indian culture, on account of the close relations which are manifest between type of culture and density of population.“Chapman, S. 383: „…there may have been about 133,000 [native inhabitants] in what is now the state as a whole, and 70,000 in or near the conquered area. The missions included only the Indians of given localities, though it is true that they were situated on the best lands and in the most populous centres. Even in the vicinity of the missions, there were some unconverted groups, however.“

Missionen (1769–1833) mini|Die ersten Taufen in Kalifornien fanden im „Canyon of the Little Christians“ statt.Engelhardt 1922, S. 258.

Die erste Expedition nach Alta California auf dem Landweg unternahm Gaspar de Portolà 1769. Junípero Serra, ein Franziskaner, der an Portolàs Expedition beteiligt war, gründete in San Diego die erste Missionsstation. Bei ihrem Weiterzug, auf der Suche nach der Bucht von Monterey, kamen die Patres Francisco Gómez und Juan Crespí (1721–1782) durch eine Siedlung, in der zwei junge Mädchen im Sterben lagen. Das erste, noch ein Kleinkind, wurde von Gómez auf den Namen „Maria Magdalena“ getauft, während Crespí dem anderen, welches an schweren Verbrennungen litt, den Namen „Margarita“ gab. Dies waren die ersten Taufen in Oberkalifornien.Leffingwell, S. 25. Die Expeditionsteilnehmer nannten den Ort „Los Cristianos“.Engelhardt 1922, S. 258: Heute heißt die Stätte (bei 33° 25' 41.58"N, 177° 36' 34.92"W beim Marine Corps Base Camp Pendleton in San Diego County) allgemeiner La Cañada de los Bautismos, wörtlich „Die Schlucht der Taufen“ oder einfach Los Christianitos „die kleinen Christen“ und ist eine California Historical Landmark #562. Portolàs Expedition erreichte 1769 die Bucht von San Francisco, verpasste das gesuchte Monterey aber. Erst ein Jahr später, bei der nächsten Reise in den Norden, fanden die Entdecker die gesuchte Bucht von Monterey und gründeten dort die zweite Station.

Im Verlauf der nächsten Jahre entstanden unter der Führung von Pater Junípero Serra insgesamt 21 Missionsstationen von San Diego bis nach Sonoma nördlich von San Francisco. Die einzelnen Stationen sind jeweils einen Tagesritt, also etwa 50 Kilometer, voneinander entfernt und bilden El Camino Real, die „königliche Straße“.

mini|Captain Fernando Rivera y Moncada verletzte das Kirchenasyl in der Mission San Diego de Alcalá am 26. März 1776, als er einen Neophyten gegen den Widerstand der Padres wegführte. Pater Pedro Font beschrieb die Szene später: „…Rivera betrat die Kapelle mit gezogenem Schwert“ („…con la espada desnuda en la mano“). Für sein Verhalten wurde Rivera daraufhin exkommuniziert.Engelhardt 1920, S. 76. Eigentlich hätten, gemäß dem sonst üblichen Vorgehen Spaniens, die einzelnen Stationen und alle dazugehörigen Ländereien innerhalb von etwa zehn Jahren von Klöstern in Diözesen umgewandelt werden sollen.d. h. an nichtreligiose Kleriker übergeben werden sollen, vgl. Klerus. So war es bei den übrigen Missionsstationen Mexikos, Zentralamerikas und Perus bereits vollendet worden.Robinson, S. 28. Doch Serra merkte bald, dass er an dieser Nordgrenze viel länger brauchen würde, um die indigene Bevölkerung für den neuen Glauben zu gewinnen und die Stationen aufzubauen. Zu den Stationen gehörten umfangreiche Ländereien und Viehherden, zu deren Pflege und Aufzucht die Einheimischen ausgebildet wurden, wodurch sich um die Stationen bereits kleine Dörfer bildeten. Bis 1800 wurde die Arbeit der Indianer zum Rückgrat der Wirtschaft am Camino Real. Keine der Missionsstationen erreichte je eine vollständige finanzielle Unabhängigkeit, so dass immer eine gewisse (allerdings geringe) Unterstützung aus Spanien erforderlich war.Bennett 1897a, S. 13. Nach dem Ausbruch des Mexikanischen Unabhängigkeitskrieges blieben diese Zahlungen aus nachvollziehbaren Gründen aus und die Stationen waren auf sich selbst gestellt.

Erhebliche Probleme bereiteten die von den europäischen Einwanderern eingeschleppten Seuchen, besonders die Masern. Während die Europäer gegen diese Krankheiten weitgehend immun waren, hatte das Immunsystem der Indianer diesen nichts entgegenzusetzen. Während der großen Epidemie von 1806 starb ein Drittel der Indianer an den Masern oder an damit verbundenen Komplikationen.Milliken, S. 172f. u. 193.

mini|Pablo Tac, der in der Mission San Luis Rey lebte, zeichnete dieses Bild junger Männer.Kelsey, S. 4. 1812 erreichten die Russen bei ihrem Vordringen nach Kalifornien Fort Ross im heutigen Sonoma County. Das war der südlichste Punkt der russischen Kolonisierungsversuche.Nordlander, S. 10. Im November und im Dezember 1818 wurden mehrere der Missionen von Hippolyte de Bouchart, der auch „Kaliforniens einziger Pirat“ genannt wird, überfallen, teilweise geplündert oder zerstört. Während er in den Ländern Südamerikas den Ruf eines Patrioten bekam, galt er in Kalifornien als Pirat. Viele Priester flohen in die Mission Nuestra Señora de la Soledad, da diese am besten geschützt war. Ironischerweise wurde in der von den Piratenüberfällen verschonten Mission von Santa Cruz besonders viel gestohlen – durch die Einwohner, die mit dem Schutz der Kirchenschätze betraut worden waren.Young, S. 102.