Rüdigheim ist ein Stadtteil von Amöneburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt im Amöneburger Becken im Vorderen Vogelsberg an der Ohm und am Fuße des Kreuzwarthügels, dem Hausberg der Ortschaft. Im Westen verläuft die Landesstraße 3073. Rüdigheim liegt am Hessischen Radfernweg R6.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Historisches Fachwerkhaus Rüdigheim (Amöneburg)
Ortsgeschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort soweit bekannt in der erzbischöflich-mainzischen Heberolle des Jahres 1248 unter dem Namen Rudencheim. Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis Mainzer Besitzes im Umland von Amöneburg. Einkünfte, Pflichten und Rechte sind darin umfassend dokumentiert.
Im Jahr 1355 versetzte Mainz den Hof und das Dorf Rüdigheim an den Amöneburger Burgmann Gilbrecht von Nordeck. 1383 gelangten Teile dieser Pfandschaft an Walprecht von Seelheim, welcher damals Keller in Amöneburg war. Später übernahmen die Schencken zu Schweinsberg die Besitztümer.Alfred Schneider: Rüdigheim. Chronik eines oberhessischen Dorfes, Hitzeroth Verlag, S. 430, Marburg 1989.
1394 erlaubte der Mainzer Erzbischof Konrad seinem Burgmannen Adolf Rau von Holzhausen das Dorf von den Erben Gilbrecht von Nordecks aufzulösen. 1411 übertrug Adolf Rau von Holzhausen alle seine Rechte an Rüdigheim an Eberhard Schenck zu Schweinsberg. Die Schweinsberger Schencken behielten das Mainzer Dorf Rüdigheim, dessen Gemarkung direkt an Schweinsberg angrenzt, bis 1586 im Pfandbesitz. Ebenso im Pfandbesitz befanden sich die benachbarten Mainzer Dörfer Niederklein (1349–1525) und Erfurtshausen (1416–1586) und die der Stadt Amöneburg vorgelagerte Wenigenburg (1349 bis ca. 1463/1525). Damit weiteten die Schwencken zu Schweinsberg ihren Einflussbereich um die Stadt und Burg Schweinsberg erheblich aus. Sie übernahmen, wenn auch nur zeitlich begrenzt, alle Rechte und Pflichten in den Dörfern, übten Schutz und die Gerichtsgewalt aus.
Frühe schriftliche Aufzeichnungen belegen, dass Rüdigheim wie andere Orte der Umgebung der katholischen Kirche in Amöneburg zugeordnet war. Während der Missionierung der Gegend durch Bonifatius im Jahr 721 wurde sie zum zentralen Mittelpunkt der Katholiken in Oberhessen. Das Umland von Rüdigheim ist eine reizvolle, vom christlichen Brauchtum geprägte Region. Über Jahrhunderte entstanden von Ort zu Ort eine erhebliche Reihe baulicher Zeugen christlicher Tradition, wozu Flurkreuze, Bildstöcke, Kapellen, Grotten und Kirchenbauten zählen, so auch in Rüdigheim. Natürlich kam es wie überall im Laufe der Zeit zu Veränderungen. In den Jahren 1802/1803 endete neben der territorialen auch eine über eintausendjährige Zugehörigkeit zum kirchlichen Mainzer Einflussbereich. Anzumerken gilt, dass geographisch das Kurfürstentum Mainz und das Erzbistum Mainz nicht übereinstimmten. Der jeweilige Mainzer Erzbischof war im Kurfürstentum auch weltlicher Herrscher, hingegen im Erzbistum nur dessen geistliches Oberhaupt. Während nachfolgend die Territorialgeschichte noch hinreichend erläutert wird, muss darauf hingewiesen werden, dass 1821 auch eine einschneidende kirchliche Umstrukturierung erfolgte. Rüdigheim und weitere katholische Nachbargemeinden wechselten vom Bistum Mainz in das seit 1752 bestehende Bistum Fulda, dem sie bis heute angehören. Das älteste katholische Kirchenbuch in Rüdigheim beginnt mit Aufzeichnungen in der nachreformatorischen Zeit des Jahres 1678, während ältester steinerner Nachweis katholischen Glaubens der Taufstein von 1681 ist. Selbst älteste schriftliche Aufzeichnungen liefern keinen Hinweis auf Mitbürger jüdischen Glaubens. Hingegen lebten einst wenige evangelische Christen im Ort, wie die nachfolgende Statistik ausweist. Ihr Anteil ist heute gestiegen. Organisatorisch sind sie der Evangelischen Kirchengemeinde Schweinsberg zugehörig.
Gemäß dem Gerichts-Organisationsgesetz vom 31. Oktober 1848, fiel Rüdigheim in den Zuständigkeitsbereich des Obergerichts zu Cassel, dem das Justizamt Amöneburg im Kreis Kirchhain unterstellt war. Dort wurden für Rüdigheim, als damals kleinstes Dorf, 50 Häuser mit 354 Einwohnern aufgezeichnet.Ohne Autorenangabe: Kurfürstlich-Hessisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag des reformierten Waisenhauses, S. 142, Cassel 1863.
Ab 1851 waren die ev.-luth. Einwohner von Rüdigheim dem Schweinsberger Pfarrer Conrad Hesse zugeordnet.Ohne Autorenangabe: Kurfürstlich-Hessisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag des reformierten Waisenhauses, S. 295, Cassel 1863. Die reformierten Einwohner von Rüdigheim wiederum wurden der Stadt Kirchhain zugeordnet und dem dortigen Pfarrer Friedrich August Klemme.Ohne Autorenangabe: Kurfürstlich-Hessisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag des reformierten Waisenhauses, S. 298, Cassel 1863.
Unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zwischen Rüdigheim und Niederklein wurde schon lange Zeit eine Burg vermutet. Erstmals im Sommer 1958 erfolgten im dortigen "Flurbereich Husgeweid", schließlich Grabungen, die im Winter 1960/61 mit Unterstützung des Amtes für Bodenaltertümer intensiviert wurden. Freigelegt wurde ein Gebäudegrundriss von 5,00 Meter × 5,70 Meter. Weiter Grabungen wurden 1961 durchgeführt. Aus den Untersuchungsergebnissen geht hervor, dass im Mittelalter an besagter Stelle eine kleine Befestigungsanlage stand. Es handelte sich um einen aufgeschütteten Hügel mit darauf stehendem burgähnlichen Turmhaus, dessen unterer Teil aus festem Steinmauerwerk, der darüberliegende Teil wahrscheinlich aus Fachwerk bestand. Der Hügel war von einem Wassergraben umgeben, was heute noch ansatzweise erkennbar ist. Eine ganze Reihe ähnlicher Befestigungsanlagen gelten in der näheren Umgebung als nachgewiesen. Neben dem Turmhaus wird an gleicher Stelle eine dazugehörige Hofstelle vermutet, die ebenfalls durch einen Graben geschützt wurde. Alte Amöneburger Kellereirechnungen weisen Einnahmen von Äckern vom Hunskeweyde aus, woraus Hunskeweide wurde, während heute das Gebiet als Husgeweid bezeichnet wird.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Die ehemals eigenständige Gemeinde wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Amöneburg eingemeindet. Für das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Rüdigheim wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rüdigheim angehört(e):
14. und 15. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Amöneburg 1355: Pfandbesitz des Gilbrecht von Nordeck (Amöneburger Burgmann) und später dessen Erben 1383: Pfandbesitz geht in Teilen an Walprecht von Seelheim (Keller = Leiter des Wirtschafts- und Finanzbereiches im Amt Amöneburg) 1394: Pfandbesitz des Adolf Rau von Holzhausen (Amöneburger Burgmann). Übernahme des Pfandbesitzes der Erben des Gilbrecht von Nordeck 1411–1586: Pfandbesitz der Schenck zu Schweinsberg ab 1586: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Amt Amöneburg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Amöneburg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung von Justiz (Assistenzamt Amöneburg des Justizamtes Kirchhain) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Kreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg, Stadt Amöneburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Amöneburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Amöneburg
Gemeindeschultheiße, Bürgermeister Martin Paul (1650 als Bürgermeister) Valentin Bieker, Hs. Nr. 1 (mehrere Jahre zwischen 1780/1790 Schultheiß/Bürgermeister) Georg Adam Schmitt (1758 als Gemeindeschultheiß) und zeitgleich Nikolaus Gnau (1758 als Bürgermeister) Heinrich Gnau (1793/1794 als Bürgermeister) Johannes Heinrich Schüler (1827 als Schultheiß) Ludwig Biecker (1828 als Gemeindeschultheiß) Andreas Biecker (1895 als Bürgermeister) ? Riehl (1896 als Bürgermeister) Karl Adam Schmitt (1916 als Bürgermeister) Heinrich Josef Herz (1937 als Bürgermeister) Alois Wachtel (1952 als Bürgermeister) Theodor Biecker (Bürgermeister in den 50er Jahren) Wilhelm Herz (1959 als Bürgermeister) Winfried Dörr (1967 als Bürgermeister) Im Amt Amöneburg bekleidete der Schultheiß das höchste Verwaltungsamt. Unterstützt wurde er meist von zwei Gerichtsschöffen. Die hessische Gemeindeordnung vom 30. Juni 1821 sah dieses Amt nicht mehr vor. Künftig regelte ein Ortsvorstand bestehend aus einem Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat die Belange einer Gemeinde. In bevölkerungsstarken Dörfern gab es zeitgleich auch zwei Bürgermeister, wovon einer der Unterbürgermeister war. Unterschieden wurden aber auch der Bürgermeister für die Ackerleute und der für die Kleinbauern in einem Dorf.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rüdigheim 561 Einwohner. Darunter waren 15 (2,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 105 Einwohner unter 18 Jahren, 240 zwischen 18 und 49, 120 zwischen 50 und 64 und 96 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 213 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 99 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 141 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung