Mardorf ist der nach Einwohnerzahl größte Stadtteil von Amöneburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt etwa 5 km südlich von Amöneburg im südöstlichen Amöneburger Becken in Nachbarschaft zum Vorderen Vogelsberg mit der Mardorfer Kuppe.

Geschichte Ortsgeschichte Soweit bekannte wurde der Ort erstmals urkundlich im Urkundenbuch des Klosters Fulda unter dem Namen Marachdorf, was dem Jahr 750 oder 779 zugeschrieben wird. In der Folge wurde der Ort unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Marcdorf (802/817), Marhdorf (1. Hälfte 9. Jahrhundert),Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, S. 239–240, fol. 145 vb, Nr. 97 = Dronke, Traditiones, S. 39, Capitulum 6, Nr. 97. Mardorf (1215), Martdorf (1227 und 1306), Marchtorf (um 1248), Marchtorph (um 1248) und Mardorf (1323).

Juden sind seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Mardorf nachweisbar. Seit dem 18. Jahrhundert gab es dort eine jüdische Gemeinde. Ihre Toten wurden auf dem jüdischen Friedhof Rauischholzhausen bestattet. 1885 lebten 47 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger im Dorf, was knapp 5 % der Ortsbevölkerung entsprach. In den 1860er Jahren konnte die jüdische Gemeinde eine Scheune erwerben und zu einer Synagoge umbauen, die 1869 eingeweiht wurde. Das Synagogengebäude befand sich in der Ortsmitte in einem Hinterhof an der Marburger Straße. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Inneneinrichtung und die Fenster der Synagoge durch SA-Leute völlig zerstört. Das Gebäude blieb erhalten, kam 1939 in Privatbesitz und wurde später wieder zu einer Scheune umgebaut. Dort befindet sich heute eine Gedenktafel mit dem Text: „Zum Gedenken an unsere während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Mitbürger. Bis zum November 1938 war dies die jüdische Synagoge in Mardorf. Stadt Amöneburg.“ 1933 lebten in Mardorf noch 27 jüdische Bewohnerinnen und Bewohner. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindemitglieder auf Grund des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise in die Niederlande, das Vereinigte Königreich und die USA ausgewandert. Insgesamt sind 28 der in Mardorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen während der NS-Zeit umgekommen. Zum Gedenken an diese Menschen wurden in Mardorf 2011 sieben Stolpersteine verlegt.

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Mardorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Amöneburg eingemeindet. Für das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Mardorf wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Mardorf angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Amöneburg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung von Justiz (Assistenzamt Amöneburg des Justizamtes Kirchhain) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Kreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg, Stadt Amöneburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Amöneburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Amöneburg

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Mardorf 1422 Einwohner. Darunter waren 18 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 270 Einwohner unter 18 Jahren, 612 zwischen 18 und 49, 276 zwischen 50 und 64 und 261 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 561 Haushalten. Davon waren 126 Singlehaushalte, 132 Paare ohne Kinder und 234 Paare mit Kindern, sowie 54 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 102 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 366 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • um 1510: 8 wehrhafte Männer • 1537: 21 Hausgesessene • 1585: 24 Hausgesessene • 1747: 33 Haushalte • 1838: Familien: 71 nutzungsberechtigte, 88 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 33 Beisassen

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 991 katholische, 4 evangelisch-lutherisch, 36 jüdische Einwohner • 1885: 9 evangelische (= 0,90 %), 946 katholische (= 94,41 %) und 47 jüdische (= 4,69 %) Einwohner • 1961: 47 evangelische (= 3,84 %), 1172 katholische (= 95,83 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1838: Familien: 60 Ackerbau, 50 Gewerbe, 49 Tagelöhner • 1961: Erwerbspersonen: 256 Land- und Forstwirtschaft, 262 Produzierendes Gewerbe, 20 Handel und Verkehr, 47 Dienstleistungen und Sonstiges

Politik Für Mardorf besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Mardorf) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 52,01 %. Es wurden gewählt: zwei Mitglieder der CDU, ein Mitglied der SPD und zwei Mitglieder der „Freien Wählervereinigung Amöneburg“. Der Ortsbeirat wählte Kathrin Rhiel (FWG) zur Ortsvorsteherin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Wehrkirche mit Wandmalereien Ein schon 1223 erwähnter Junkernhof Die um 1720 erbaute römisch-katholische Kirche St. Hubertus mit der 1908 erbauten Grotte Der Münzschatz von Mardorf befindet sich im Hessischen Landesmuseum für Vorgeschichte Kassel. Der Wehrturm enthält frühgotische Wandmalereien (ca. 1270), u. a. Szenen mit den barmherzigen Taten der Hl. Elisabeth. In der Kirche befindet sich im Altarraum das Grab des früheren Fuldaer Bischofs Eduard Schick. Auch Gegenstände seines Lebens sowie ein Messgewand von Johannes Paul II sind ausgestellt. Der alte Dorfkern ist geprägt von sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Brauchtum: Eine herausragende Fronleichnamsprozession zieht jedes Jahr viele Besucher an. Der Ostereiermarkt vor Ostern mit Sonderausstellungen – seit über 30 Jahren eine Institution in Mardorf. Es heißt, er sei der älteste seiner Art in Deutschland.

Infrastruktur & Gemeinwesen Öffentliche Einrichtungen Im Ort gibt es: eine Grundschule, die St.-Martin-Schule eine Sporthalle den katholischen Kindergarten St. Hubertus Gemeenshaus: Ein Veranstaltungs- und Gemeinschaftshaus in Trägerschaft der Backhausgemeinschaft Mardorf e.V. im alten Ortskern, nahe der Kirche. Markanter Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen. Bürgerhaus: ein weiterer Veranstaltungsort im Dorf. eine Grillhütte

Verkehr Der öffentliche Personennahverkehr wird durch den Linienbusverkehr des RMV sichergestellt. Durch den Ort führt die Landesstraße 3289.

Der Bürgerverein „Leben und Altwerden in Mardorf und Umgebung e.V.“, gegründet 2010, betreibt das ehemalige Schwesternhaus als Begegnungsstätte, bietet soziale Angebote, insbesondere für Senioren, aber generationenübergreifend.

Die Backhausgemeinschaft Mardorf e.V. bietet Brot- und Brötchenbackkurse,Ehrenamtsprojekte mit fast 12.000 Euro gefördert, auf hessen.de, abgerufen am 2. Oktober 2025 um traditionelle Backhäuser und Sauerteigbrote zu erhalten.

Projekte & Entwicklung Das Konzept eines Bioenergiedorfs: Es wird eine Biogasanlage betrieben, und es ist geplant, ein Nahwärmenetz zu bauen, um viele Haushalte in Mardorf mit Wärme zu versorgen. Der Dorferneuerungsprozess: Mardorf führte eine Dorferneuerung durch, bei dem ein Arbeitskreis Dorfentwicklung entstand, der sich z. B. mit Geschichte, Erhalt von Kulturdenkmälern etc. beschäftigt. Sanierung öffentlicher Kulturdenkmäler: z. B. alte Viehwaage wird saniert und zu einem Informationspunkt ausgebaut; geplant ist ein Dorfrundgang zu sehenswerten Denkmälern.

Vereine Angelsportverein Mardorf – Schweinsberg e.V. AC Forelle Backhausgemeinschaft Mardorf e.V. Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Mardorf Brauchtumskreis Mardorf-Erfurtshausen Brieftaubenzuchtverein Mardorf Bürgerverein „Leben und alt werden in Mardorf und Umgebung e.V.“ Burschen- und Mädchenschaft Mardorf Förderverein St. Martin Schule Frauengemeinschaft Mardorf Freiwillige Feuerwehr Mardorf Heimat- und Verschönerungsverein Mardorf MGV „Liederkranz“ Mardorf / Asini-Chor Mardorf Schützenverein 1976 Mardorf e.V. Segelfreunde Mardorf „Quaker 93“ SV 1921 Mardorf e.V. Tischtennisverein Mardorf Vereinsgemeinschaft Mardorf

Literatur

Weblinks

Stadtteil Mardorf im Internetauftritt der Stadt Amöneburg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Mardorf Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Gemeindeauflösung 1971