Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Nationalpark im inneren Bayerischen Wald, direkt an der Grenze zu Tschechien. Er wurde am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands im Landkreis Freyung-Grafenau gegründet und 1997 auf fast die doppelte Fläche erweitert, hauptsächlich im Landkreis Regen. Im Oktober 2020 wurde vom Bayerischen Kabinett eine Erweiterung um circa 600 Hektar nahe Gemeinde Mauth auf rund 24.945 Hektar (249,9 km²) beschlossen und im Mai 2022 durch den Bayerischen Landtag einstimmig bestätigt. Der Nationalpark gilt zusammen mit dem benachbarten Nationalpark Šumava (68.064 ha) als die größte zusammenhängende Waldschutzfläche Mitteleuropas.

Geschützt werden vor allem Bergmischwälder aus Tannen, Buchen und Fichten, Bergfichtenwälder, Aufichtenwälder in den Tälern, Hochmoore und einige Urwaldreste. Große Teile der Fläche wurden bis zur Nationalparkgründung forstwirtschaftlich genutzt. Als 1983 ein Sturm 30.000 Festmeter Holz zu Fall brachte, wurde beschlossen, in den Naturzonen nicht mehr in die natürliche Entwicklung einzugreifen. Es sollte ein „Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“ entstehen, so der damalige bayerische Forstminister Hans Eisenmann. Das Nationalparkmotto wurde fortan „Natur Natur sein lassen“. Als in den 1990er Jahren der Borkenkäfer große Waldflächen befiel, wurde ebenfalls nicht eingegriffen, so dass ein Teil der Hochlagenwälder flächig abstarb. Anwohner des Nationalparks diskutierten den Beschluss kontrovers, Bürgerbewegungen pro und contra Nationalpark formierten sich. Als Teil eines Kompromisses wurde beschlossen, den Borkenkäfer in Teilen des seit 1997 zum Nationalpark gehörenden Erweiterungsgebiets in einer Übergangszeit bis 2027 zu bekämpfen.geschlagene Holzmengen 2007 bis 2016 vgl. (pdf) Das gesteckte Ziel, dass bis dahin mindestens 75 Prozent des Nationalparks frei von menschlichen Eingriffen sein sollen, was der internationalen Vorgabe der IUCN für Nationalparks entspricht, konnte durch zwei Erweiterungen der Naturzone bereits im Jahr 2022 erreicht werden. Die Zertifizierung der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als Schutzgebiet der Kategorie II folgte 2024. Die Zonierung des Nationalparks teilt sich aktuell (Stand: 2024) in eine Naturzone von 75,37 Prozent (18.828 Hektar), eine Managementzone von 22,68 Prozent (5.665 Hektar) und eine Erholungszone von 1,95 Prozent (486 Hektar) auf.

Zu den höchsten und bekanntesten Gipfeln des Nationalparks zählen der Große Rachel (1453 m), der Lusen (1373 m) und der Große Falkenstein (1315 m). Neben den Hochwäldern erstrecken sich dort auch ökologisch wertvolle Hochmoore mit Moorseen wie dem Latschensee und ehemalige Hochweiden („Schachten“).

Regelmäßig besuchen rund 1,3 Millionen Menschen pro Jahr (Stand: 2020) das Schutzgebiet. Damit ist der Nationalpark ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region des Bayerischen Walds. Er erzeugt eine Wertschöpfung von rund 26 Millionen Euro pro Jahr.

Geographie Der Nationalpark erstreckt sich entlang des Hauptkamms des Bayerischen Waldes von Bayerisch Eisenstein über den Großen Falkenstein (1315 m) im Nordwesten, den Großen Rachel (1453 m), den Lusen (1373 m) im Südosten bis nach Mauth.

Nach der Gliederung der Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands gehört er zum Inneren Bayerischen Wald in der Gruppe Oberpfälzisch-Bayerischer Wald.

Der Nationalpark liegt im Osten Bayerns in den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau entlang der Grenze zu Tschechien und umfasst heute eine Fläche von 24.945 Hektar (Ur)Waldlandschaft im Mittelgebirge des Bayerischen Waldes. Er grenzt an die Gemeinden (von Nord nach Süd): Bayerisch Eisenstein, Lindberg, Frauenau, Spiegelau, Sankt Oswald-Riedlhütte, Neuschönau, Hohenau und Mauth. Teilweise befindet sich der Nationalpark auf dem Territorium der jeweiligen Gemeinden, teilweise handelt es sich auch um gemeindefreie Gebiete.

Im Nationalparkgebiet, besonders an den Rändern, befinden sich viele Enklaven: Zwieslerwaldhaus am Fuß des Großen Falkensteins, gehört zur Gemeinde Lindberg. Schleicher und Kreuzstraßl gehören zu Lindberg. Neuhütte und Jägerfleck bei Spiegelau Guglöd, gehört zu Sankt Oswald-Riedlhütte Waldhäuser am Lusen, gehört zu Neuschönau, größte Enklave des Nationalparks Altschönau, gehört zu Neuschönau. Sagwasser-Säge und Weidhütte, zusammenhängende funktionale Enklave, die zwar mit dem übrigen Land verbunden ist, aber nur über eine im Nationalpark liegende Straße erreicht werden kann, gehört zu Hohenau. Glashütte, gehört zu Hohenau.

Daneben existieren noch einige weitere Enklaven, die aber nur ein oder mehrere kleine Grundstücke umfassen. Diese zahlreichen Enklaven besonders im Altgebiet haben zur Folge, dass dort die Grenze sehr lang ist und die Randzone, in der Borkenkäferbekämpfung erlaubt ist, weit in das Innere des Parks hereinragt (genaueres dazu siehe unten).

Geologie und Böden

Der Bayerische Wald bildet den Südwestrand des sehr alten Grundgebirgsareals der Böhmischen Masse. Sie bildet zusammen mit dem Schwarzwald und den Vogesen den Zentralbereich des mitteleuropäischen variszischen Gebirges.Roland Walter u. a.: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage. Schweizerbarth’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9. Ihre Auffaltung begann im Erdzeitalter Devon vor 416 Millionen Jahren, sie wurde aber in den folgenden Zeitaltern zu einem Mittelgebirge erodiert. Im Rahmen der Alpidischen Orogenese vor 100 Millionen Jahren (Erdzeitalter Kreide) wurde sie wieder angehoben.

Ausgangsgesteine sind daher Paragneise und Kristallgranite, die meistens tiefgründig verwittert sind. Die Flächen zwischen Bayerisch Eisenstein und dem Rachelsee bestehen aus Gneisen. In den gesamten Bereich sind einige Granitvorkommen eingestreut.

In den Eiszeiten (3 Millionen bis 13.000 Jahre vor heute) waren die Hochlagen der Berge vergletschert.

Entsprechend dieser Ausgangslage dominieren im Nationalparkgebiet stark saure Braunerden, Podsole und Podsol-Braunerden. In den steilen Hochlagen sind Braunerden kleinflächig mit Rohböden und Rankern vergesellschaftet.Vgl. für diesen Abschnitt: Marco Heurich, Markus Neufanger: Die Wälder des Nationalparks Bayerischer Wald. Grafenau 2005, S. 11.

Klima

Der Bayerische Wald liegt an der Grenze zwischen dem maritim geprägten Klima Westeuropas und dem Kontinentalklima Osteuropas. Teilweise steht er noch unter dem Einfluss atlantischer Westwinde, teilweise dominieren hier bereits kontinentale Südostströmungen. Im Sommer liegt das Gebiet häufig an der Ostflanke westlicher Hochdruckgebiete. Am von Nordwesten nach Südosten reichenden Gebirgskamm stauen sich von Westen heranziehende Schlechtwetterfronten und feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum. Dies führt zu Niederschlagsmaxima im Juli und Dezember/Januar. Im Winter liegt das Gebiet häufig unter dem Einfluss kontinentaler Hochdruckgebiete. Das Klima des inneren Bayerischen Waldes ist also von kalten, schneereichen Wintern und kurzen, relativ warmen Sommern geprägt. In den Hochlagen kommen im Winter regelmäßig Schneehöhen von über einem Meter vor, in Extremfällen können sie drei bis vier Meter erreichen.Vgl. für diesen Abschnitt: Marco Heurich, Markus Neufanger: Die Wälder des Nationalparks Bayerischer Wald. Grafenau 2005, S. 10.

Lebensraumtypen Zonale Vegetation Im Nationalpark kann entsprechend der Höhenlage eine typische Zonierung der Wälder beobachtet werden:

Hochlagen mini|Bergfichtenwald mit Gemeiner Fichte (Picea abies) Die Hochlagen oder Gipfelregionen, die je nach Standort zwischen 1050 und beginnen, sind mit Jahresmitteltemperaturen von zwei bis fünf Grad Celsius am kältesten. Die Niederschläge erreichen 830 bis 2280 mm pro Jahr und die Schneebedeckung kann sieben bis acht Monate dauern. Die typische Waldgesellschaft der Hochlagen ist der Bergfichtenwald (Calamagrosti villosae-Picetum barbilophozitosum). Es kommt hier fast ausschließlich die Gemeine Fichte (Picea abies) vor. In geringem Umfang eingestreut ist die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und der Bergahorn (Acer pseudoplatanus). Die Untergrenze der Hochlagenwälder wird durch die Verbreitungsgrenze der Rotbuche (Fagus sylvatica) definiert.

Arten der Kraut- und Strauchschicht (Auswahl): Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Siebenstern (Trientalis europaea), Frauenfarn (Athyrium filix-femina), Pannonischer Enzian (Gentiana pannonica), Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea), Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), Flechten. Hanglagen mini|Bergmischwald mit Buche und Fichte Die Hanglagen zwischen 700 und 1150 m über NHN sind mit Jahresmitteltemperaturen von 4,4 bis 7,2 Grad Celsius die klimatisch günstigsten Regionen des Nationalparks. Der Jahresniederschlag beträgt zwischen 830 und 1820 mm, die Schneebedeckung dauert nur vier bis fünf Monate. Wegen der günstigen klimatischen Verhältnisse wächst dort Bergmischwald, der ohne Einfluss des Menschen zu je einem Drittel aus Rotbuche (Fagus sylvatica), Weißtanne (Abies alba) und Gemeiner Fichte (Picea abies) bestehen würde. In der Liste der natürlichen Waldgesellschaften wird der Bergmischwald in Dornfarn-Tannen-Buchenwald (Luzulo luzoloides-Fagetum) auf den ärmeren und Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum) auf den reicheren Standorten unterteilt.

Durch die Forstwirtschaft wurde die Weißtanne ab 1850 in den Bergmischwäldern wegen ihrer langsamen Wuchsgeschwindigkeit zugunsten der Buche und insbesondere der Gemeinen Fichte zurückgedrängt. Des Weiteren wurde sie auch durch Wildverbiss massiv beeinträchtigt. Neuartige Waldschäden („Waldsterben“) führten zwischen 1960 und 1990 ebenfalls zu einem massiven Ausfall von Tannen. Gegenwärtig ist diese Baumart deshalb mit weniger als fünf Prozent am Waldaufbau beteiligt. Ihr Anteil an der Verjüngung beträgt jedoch bereits wieder neun Prozent, sodass sie in Zukunft eine größere Rolle spielen wird.

Die Tanne verjüngt sich allerdings in offenen Freiflächen wie den Borkenkäferflächen schlecht. Hier ist sie der Gefahr von Strahlungsfrösten ausgesetzt und wird besonders von der Fichte, aber auch der Buche im Wachstum abgehängt. Sie ist auf das ausgeglichene Klima im Waldinnern angewiesen. Dort kann sie mehrere Jahrhunderte im Unter- und Zwischenstand ausharren, um dann bei Lichtzufuhr beispielsweise durch Absterben eines Altbaumes schnell in die Oberschicht einwachsen zu können. Voraussetzung hierfür wäre eine ungestörte Waldentwicklung und größere Bestände, die sich im Zerfallsstadium befinden.

Tannen können bis zu 600 Jahre alt werden und leben damit doppelt so lang wie Buche und Fichte. Sie wachsen allerdings deutlich langsamer, können aber über 60 m hoch werden. Ein hoher Tannenbestand ist deshalb die Voraussetzung für den aus ökologischen Gründen gewünschten mehrstufigen Bestandsaufbau im Bergmischwald.

Da aufgrund der intensiven Forstwirtschaft von 1850 bis 1970 die meisten alten Bestände zerstört wurden, dürfte es noch mehrere Baumgenerationen und demnach Jahrhunderte ungestörter Waldentwicklung dauern, bis auch nur der Stand von 1850 wieder erreicht ist.

Arten der Kraut und Strauchschicht (Auswahl): Himbeere (Rubus idaeus), Fuchssches Greiskraut (Senecio ovatus), Breitblättriger Dornfarn (Dryopteris dilatata), Echter Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Rippenfarn (Blechnum spicant), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), Türkenbund (Lilium martagon), Mondviole (Lunaria), Ähriges Christophskraut (Actaea spicata L.), Hasenlattich (Prenanthes purpurea), Roter Holunder (Sambucus racemosa). Tallagen mini|Aufichtenwald beim Zwieslerwaldhaus