Die Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (Stiftung UPD oder UPD) berät Patienten in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen, unabhängig davon, ob Ratsuchende gesetzlich, privat oder nicht krankenversichert sind. Die Beratung wird kostenfrei und bei Bedarf anonym angeboten.

Geschichte

Modellvorhaben Die UPD wurde ab dem 1. Januar 2000 als Modellvorhaben gemäß des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) betrieben.Artikel 1 G. v. 22. Dezember 1999 () Zum 1. Januar 2011 wurde die Regelversorgung aufgenommen (Reform durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz, AMNOG). Bis zur Klärung der weiteren Trägerschaft im Januar 2011 erfolgte eine Beratung nur in Ausnahmefällen. Nachdem bei einer europaweiten Ausschreibung der Zuschlag erfolgt war, wurde die kostenlose Beratungs-Hotline wieder freigeschaltet.

Finanziert wird die Organisation gemäß § 65b SGB V vom GKV-Spitzenverband über eine Umlage der Beiträge der Kassenmitglieder. Das Modellvorhaben war auf einen Zeitraum von vier Jahren angelegt und bis Ende 2010 befristet. Laut Helga Kühn-Mengel, Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, war das Ziel des Modellvorhabens, „ein von Kassen und Leistungserbringern unabhängiges Beratungs- und Informationsangebot als Regelleistung aufzubauen“.Erklärung der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten vom 22. Juli 2008 zur UPD Dieses Ziel ist durch § 65b SGB V vorgegeben.

Offiziell nahm die Organisation am 30. Januar 2007 ihre Arbeit auf. Träger des Modellverbunds und Gesellschafter der im Jahr 2006 gegründeten Unabhängigen Patientenberatung Deutschland UPD gemeinnützige GmbH waren der Sozialverband VdK Deutschland e.V., der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) und der Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) e.V.

Bis 31. Dezember 2010 befasste sich die UPD mit mehr als 250.000 Fällen. Nach Auslaufen des Modellprojektes am 31. Dezember 2010 und Übergang zur Regelleistung durch die genannte Gesetzesänderung wurde die Trägerschaft des UPD neu vergeben. Der GKV-Spitzenverband traf die Entscheidung am 27. Januar 2011 nach europaweiter Ausschreibung unter Mitwirkung der Patientenbeauftragten der Bundesregierung und einem Beirat aus betroffenen Ministerien, Patientenorganisationen, Wissenschaftlern und privaten Krankenversicherungen.Streit mit Kasse oder Arzt: Manchmal ist unabhängiger Rat sinnvoll, dpa-Meldung vom 5. Januar 2011 Eine Beteiligung privater Krankenversicherer war nur gegen Beteiligung an den Fördermitteln des UPD möglich. Danach wurde die UPD von der Bietergemeinschaft der vorherigen Träger fortgeführt.Presseerklärung vom 27. Januar 2011 (PDF; 169 kB)

Zur Förderung der Patientenberatung standen seit 2000 nahezu unverändert jährlich 5,2 Millionen Euro für ihren Betrieb zur Verfügung. Seit 1. Januar 2011 umfasste diese Summe auch die wissenschaftliche Begleitforschung. Neben der Gesetzlichen Krankenversicherung hat sich ab dann auch die Private Krankenversicherung beteiligt. Ab dem 1. Januar 2011 war eine jährliche Anpassung der Fördermittel in Höhe der jährlichen Steigerung der Durchschnittsentgelte nach § 18 Abs. 1 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch vorgesehen.

Ab dem 1. Januar 2016 bis zur Neugründung als Stiftung übernahm der Gesundheitsdienstleister Sanvartis die Beratung von Kassen- und Privatpatienten.Sanvartis erhält Zuschlag Ärzte-Zeitung-online vom 18. September 2015 BAGP PM zur Vergabeentscheidung (Meldung vom 21. September 2015)

Neugründung als Stiftung Zum 1. Januar 2024 wurde die UPD in eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt, getragen und finanziert vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen. Der Name wurde ebenfalls geändert in Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland. Das dazu notwendige Gesetz wurde am 15. Mai 2023 im Bundesgesetzblatt verkündet. Als Gründungsvorstand fungierten Dr. Stefan Etgeton und Bettina Godschalk.

Zum 1. Mai 2024 nahm Sven Arndt als erster von zwei regulären Vorständen die Arbeit auf. Zum 1. Juli 2024 folgte Dr. Katharina Graffmann-Weschke als zweite Vorständin.

Das Beratungsangebot startete nach der Stiftungsgründung erst am 6. Mai 2024. Jedoch wurde vorerst nur eine telefonische Beratung angeboten.

Im Dezember 2024 bezog die UPD neue Räumlichkeiten in Berlin-Schöneberg, wo sie seitdem ihren Sitz hat. Zuvor wurden Räume im Bundesministerium für Gesundheit genutzt.

Stand April 2026 werden neben der telefonischen Beratung persönliche Beratungen in 15 Städten in 13 Bundesländern sowie eine Online-Beratung auf einer Plattform der Stiftung UPD angeboten. Für das zweite Halbjahr 2026 ist zudem eine Videoberatung geplant.

Leistungen Zweck der unabhängigen Patientenberatung ist die gesundheitliche Information, Beratung und Aufklärung in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen. Die Beratungsleistungen sind für Ratsuchende kostenfrei. Dabei wird nicht unterschieden, ob diese gesetzlich, privat oder nicht krankenversichert sind.

Die Stiftung UPD bietet eine anonyme telefonische Beratung an. Stand April 2026 werden auch persönliche Beratungen in 15 Städten in 13 Bundesländern sowie eine Online-Beratung auf einer Plattform der Stiftung UPD angeboten. Für das zweite Halbjahr 2026 ist zudem eine Videoberatung geplant.

Kritik

Interessenskonflikt durch Sanvartis Wegen der Übernahme von der Beratung für Kassen- und Privatpatienten durch den Gesundheitsdienstleister Sanvartis zum 1. Januar 2016 befürchten Kritiker einen Verlust der Unabhängigkeit der Beratung durch die UPD,Privatfirma übernimmt Patientenberatung: Streit um Unabhängigkeit da Sanvartis auch für Krankenkassen tätig ist.Patientenberatung: Ab 2016 in neuen Händen. Stiftung Warentest vom 5. Oktober 2015. Dieser Kritik wurde mit der Ankündigung begegnet, dass für die UPD die eigenständige und gemeinnützige Tochterfirma Sanvartis GmbH gegründet wird.Unabhängige Patientenberatung geht an Sanvartis in Duisburg. Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 11. September 2015.

Am 21. September 2015 traten aus Protest zwei Mitglieder aus dem wissenschaftlichen Beirat der Patientenberatung (Marie-Luise Dierks und Rolf Rosenbrock) zurück.Rücktritte aus Protest gegen Sanvartis

Im August 2018 wurde bekannt, dass Sanvartis einschließlich der UPD gGmbH verkauft worden sind. Alle Unternehmen gehören nunmehr der neu gegründeten Sanvartis Careforce Holding GmbH mit Sitz in Duisburg. Die GmbH hat die gesamte Careforce-Gruppe übernommen. Der Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) kritisierte, durch den Verkauf sei eine „unabhängige Patientenberatung … zur Farce“ geworden, „private Investoren bereichern sich an Fördergeldern für die Patientenberatung und die Gemeinnützigkeit der UPD“ stehe infrage. Careforce rekrutiere und qualifiziere vornehmlich Pharmareferenten. Das Bundesministerium für Gesundheit und der GKV-Spitzenverband verwiesen dagegen auf die geschlossenen Verträge. Diese seien auch nach dem Verkauf unverändert einzuhalten. Eine Einflussnahme der Pharmaindustrie auf die Beratungstätigkeit sei einem Prognos-Bericht zufolge bisher nicht feststellbar, die vorgesehene Zahl an Beratungen je Zeitabschnitt sei aber nicht erfüllt worden. Deshalb berichtete Der Spiegel im September 2018 darüber, im Beirat der Patientenberatung werde über eine Neuvergabe an einen anderen Träger nachgedacht. Anfang 2021 nennt ein Gutachten im Auftrag der Bundesregierung fünf mögliche Rahmenbedingungen für eine Weiterentwicklung der UPD. Anstatt der für 2021 anstehenden Neuausschreibung des Betreibers wurden Sanvartis im Rahmen einer Übergangslösung Fördergelder für ein zusätzliches Jahr gewährt. Der Bundesrechnungshof kritisierte zudem, dass mehr als 20 Mio. Euro, nahezu ein Drittel der ursprünglichen Fördersumme, direkt an Sanvartis und ihr angeschlossene Firmen geflossen sei.Wer nicht fragt, bleibt dumm. In SoVD Zeitung – Soziales im Blick, Nr. 6/2021, S. 4

Einfluss der Krankenkassen auf die Stiftung Im Vorfeld der Stiftungsgründung zum 1. Januar 2024 kritisierten sowohl der damalige UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede als auch der Sozialverband Deutschland einen zu großen Einfluss der Krankenkassen, was zu mangelnder Unabhängigkeit bei der Patientenberatung und einem Absinken der Qualität führen würde.„Mit der Unabhängigkeit ist es definitiv vorbei!“ Auf zm-online.de vom 27. Juli 2023, abgerufen am 20. Januar 2024.Affront wegen Plänen zur UPD In SoVD Zeitung – Soziales im Blick, Nr. 9/2023, S. 4UPD jetzt als Stiftung. In SoVD Zeitung – Soziales im Blick, Nr. 1/2024, S. 4

Literatur

Weblinks

Offizielle Website der Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Einzelnachweise

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