mini|Hauptgebäude in der Franz Josef-Straße (2022) mini|Schlägel und Eisen sowie der Bergmannsgruß „Glückauf“ am Portal des Hauptgebäudes zeugen von der engen Beziehung der Universität zum Berg- und Hüttenwesen, die sich von der Gründung ihrer Vorläuferorganisationen bis heute hält Die Montanuniversität Leoben (auch MU Leoben,unileoben.ac.at https://online.unileoben.ac.at/mu_online/webnav.ini Montanuni und MUL) ist eine Technische Universität, deren Studienrichtungen ihren Schwerpunkt entlang des gesamten Wertschöpfungskreislaufs haben und die an der Entwicklung grüner Technologien arbeitet. Sie ist zudem Österreichs einzige Hochschule für Berg- und Hüttenwesen. Insgesamt können an der Montanuniversität 13 Bachelorstudien und 26 Masterstudien absolviert sowie ein Doktorat in jedem der Fachbereiche erworben werden.
Die MU Leoben bildet mit der TU Graz und der TU Wien den Verbund mit mehr als 45.600 Studierenden, 460 Mio. Euro Bilanzsumme und über 11.000 Mitarbeitern.
Geschichte Die Montanuniversität wurde am 4. November 1840 von Erzherzog Johann in Vordernberg als „Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt“ gegründet. Einer der ersten Lehrenden und erster Direktor war der Bergbaufachmann Peter Tunner. Dieser setzte die staatliche Übernahme der Schule und die Verlegung in die nahe Bezirksstadt Leoben durch, wo der Betrieb am 1. November 1849 aufgenommen wurde.
Mit kaiserlicher Entschließung wurde die Lehranstalt 1904 in „Montanistische Hochschule“ umbenannt und ihr das Promotionsrecht verliehen, womit sie den technischen Hochschulen gleichgestellt war. Sie wurde 1934 mit der Technischen Hochschule Graz zusammengeschlossen, was jedoch einen Einbruch bei den Studienzahlen zur Folge hatte und daher 1937 wieder aufgehoben wurde.Bernhard Hubmann, Tillfried Cernajsek: 175 Jahre geologische Karte der Steiermark. In: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark. Band 134, Graz 2005, S. 13 ().
Vor und während der Zeit des Nationalsozialismus spielten NSDAP-Mitglieder unter den Professoren der Montanhochschule eine wichtige Rolle,Mertz 2020, S. 389f. darunter Othmar Michael Friedrich, der seit 1932 NSDAP-Mitglied war und nach einem Aufenthalt in Deutschland ab 1937 als Hochschullehrer in Leoben für die Interessen Deutschlands arbeitete.Mertz 2020, S. 372. Bereits vor dem „Anschluss“ lieferten Friedrich und andere einem Zeitungsartikel von 1939 zufolge Rohstoffdaten an das Deutsche Reich. Die „Grazer Volkszeitung“ kommentierte Anfang Juni 1945, die genannten Personen seien „schamlos genug“ gewesen, „das Material, das ihnen die österreichische Hochschule zu Lehr- und Forschungszwecken zur Verfügung stellte, Hitler zur Vorbereitung seiner Raubzüge auszuliefern.“Mertz 2020, S. 373 unter Verweis auf die Grazer Volkszeitung, 6. Juni 1945, S. 1. Einer 2017 veröffentlichten Broschüre der Sektion Leoben des Verbandes sozialistischer Student_innen in Österreich zufolge wies die Leobener Hochschule mit 86 Prozent NSDAP-Mitgliedern den höchsten Organisationsgrad unter den Studenten an österreichischen Universitäten auf.Mertz 2020, S. 373.
Die Befreiung vom Nationalsozialismus stellte die Montanhochschule vor große Schwierigkeiten bei der Besetzung von Professuren. Um den Lehrbetrieb trotz zahlreicher Entnazifizierungsfälle aufrechtzuerhalten, musste Wilhelm Petrascheck, der als Antisemit galt, aber kein NSDAP-Mitglied war, über seine Altersgrenze hinaus (1946) weiter lehren. Sein Sohn Walther E. Petrascheck, Altparteigenosse der NSDAP, konnte die Professur wegen seiner Belastung erst im Februar 1950 antreten. Der Umgang mit belastetem Personal war umstritten und führte zu scharfer Kritik: Die kommunistische Zeitung „Volksstimme“ beklagte Anfang 1946 die Zustände an der Montanhochschule und den „nazifreundlichen Rektor“ Franz Platzer, der alle belasteten Parteigenossen zum Studium weiter zugelassen, aber dafür die Wiederzulassung eines 1938 aus der NSDAP ausgetretenen Studierenden abgelehnt habe.Mertz 2020, S. 374 unter Verweis auf die Volksstimme, 4. Januar 1946, S. 3. Am 19. September 2019 wurde vor dem Hauptgebäude, Franz-Josef-Straße 18 ein Stolperstein für den ehemaligen jüdischen Studenten David Spiess verlegt.Astrid Höbenreich-Mitteregger: Stolperstein-Verlegung in Leoben : „Wäre sie heute hier, wäre sie sehr glücklich“. In: meinbezirk.at, 19. September 2019, abgerufen am 23. September 2019 (mit Bilderserie).mini|hochkant|Stolperstein für David SpiessAb 1955 wurden die traditionellen Studienrichtungen Bergwesen und Hüttenwesen durch weitere Fachgebiete ergänzt. 1975 erfolgte auf Basis des Universitätsorganisationsgesetzes die Umbenennung in „Montanuniversität Leoben (MUL)“.
Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Montanuniversität Leoben (damals „Montanistische Hochschule“) im Jahr 1965 wurde erstmals ein goldener Ehrenring, genannt Rektor-Platzer-Ring, gestiftet. Dieser Ehrenring gebührt seither jenen Diplomingenieuren, welche ihr Studium (Bachelor- und Masterstudium) mit ausgezeichneten Leistungen abgeschlossen haben. Die Anforderungen hierfür übersteigen die Voraussetzungen der gesetzlich festgelegten „Auszeichnung“. Der Rektor-Platzer-Ring stellt somit die höchste Auszeichnung dar, welche die Montanuniversität Leoben im Rahmen von akademischen Feiern an ihre Absolventen der Masterstudiengänge verleiht. (PDF). (PDF).mini|Bundeskanzler Werner Faymann (Mitte) mit Professor Gerald Pinter (links) und Rektor Wolfhard Wegscheider (rechts) Am 26. August 2011 besichtigte Bundeskanzler Werner Faymann die Montanuniversität.
2025 wurde an der Montanuniversität der von Rudolf Streicher gestiftete und mit 20.000 Euro jährlich dotierte Rudolf-Streicher-Wissenschaftspreis ins Leben gerufen.
Baugeschichte Das heute noch in Verwendung stehende neobarocke Hauptgebäude wurde am 22. Oktober 1910, unter anderem im Beisein des k.k. Ministers für öffentliche Arbeiten, August Ritt, in Betrieb genommen und im Laufe des 20. Jahrhunderts umfangreich erweitert. Dies geschah zunächst durch das freistehende Rittingergebäude (1950–1955) im Osten, das dem steigenden Bedarf an Versuchshallen nachkommen sollte. Zwischen 1962 und 1970 wurde ein weitläufiger Gebäudekomplex erbaut, der vom südlich gelegenen Hauptgebäude über eine Brücke zugänglich ist. Er besteht aus mehreren Hörsälen, Werkhallen und Institutsgebäuden, die über einen zweigeschoßigen Gang verbunden sind und wurde 2008–2009 kernsaniert.
Das nach dem Tunnelbauprofessor Ladislaus von Rabcewicz benannte Rabcewicz-Gebäude aus den späten 1970er Jahren beherbergt das Department Geoenergy Engineering (ehemals Department Petroleum Engineering). In den 1990er Jahren wurde eine Halle angegliedert, die 2016 im Zuge einer Sanierung durch einen dreigeschoßigen Anbau ersetzt wurde. Die Sanierungskosten in Höhe von 6 Mio. Euro wurden zur Hälfte von der Bundesimmobiliengesellschaft getragen, den Rest teilten sich Montanuniversität und OMV.
2005 übersiedelten die Leobner Gerichte und die Staatsanwaltschaft von der Erzherzog Johann-Straße ins neue Justizzentrum. Das freigewordene Gebäude aus dem Jahr 1958 wurde von der Montanuniversität übernommen und als Rohstoff- und Werkstoffzentrum weitergeführt.
Das 2007 eröffnete Impulszentrum für Werkstoffe bildet den Mittelpunkt des Werkstoffclusters an der Montanuniversität, der auch das das Materials Center Leoben und das Polymer Competence Center Leoben umfasst. Neben Werkstätten, Büros und Laborräumen enthält es ein Seminarzentrum. Unweit davon wurde 2011 das Impulszentrum für Rohstoffe eröffnet, das Beton-, Klima-, Wetter- und Chemielabore sowie einen Versuchsschacht enthält.
Das einstige Forschungs- und Rechenzentrum der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft wird seit 2010 vom Department Kunststofftechnik als Zentrum für Kunststofftechnik genutzt. Die angrenzende Akademie enthält die Kultureinrichtungen der Montanuniversität.
Am Steirischen Erzberg wurde zwischen 2016 und 2021 für rund 30 Mio. Euro das Zentrum am Berg eingerichtet, an dem u. a. Forschung in den Bereichen Tunnelbau und Tunnelsicherheit betrieben wird.
Ende der 2010er Jahre kam es am einstigen Standort der Leobener Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft zum Neubau des Gebäudes Parkstraße 31.Montanuniversität Leoben – Geschichtlicher Überblick, abgerufen am 2. April 2024 Es enthält Labors des Departments Umwelt- und Energieverfahrenstechnik und des Lehrstuhls für Energieverbundtechnik.
Entlang der Peter Tunner-Straße befinden sich das historische Peter-Tunner-Gebäude, das Gründerzentrum Zentrum für angewandte Technologie und das Technologie-Transfer-Zentrum. Das einstige Gebäude der Leobner Stadtbibliothek soll zukünftig ein Recyclingcenter und Räumlichkeiten für die Kooperation mit Schulen beinhalten.
Von 2020 bis 2022 wurde für 31 Mio. Euro das Studienzentrum zwischen dem Technologie-Transfer-Zentrum und der Mur erbaut. Der dreistöckige Bau (exkl. Tiefgarage) ist auf 1000 Personen ausgelegt und enthält drei Hörsäle, Lern- und Begegnungszonen sowie die Büros der Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft, des Studiendekanats und der Studienabteilung.
2021 erwarb die Montanuniversität das ehemalige Magindag-Gelände in Leoben-Leitendorf von der Pierer Industrie AG und errichtete darauf ein Versuchszentrum. Das in Kooperation mit Voestalpine, Primetals Technologies, Wien Energie und RAG Austria für 15 Mio. Euro entwickelte Wasserstoff-Kohlenstoff-Zentrum dient der Erforschung von Carbon- und Wasserstoffthemen, insbesondere der Wasserstoffherstellung durch Pyrolyse von Erdgas.
Mitte 2023 begann der Bau des Hauses der Digitalisierung, an dem sich die Lehrstühle Industrielogistik, Cyber Physical Systems, Informationstechnologie, Automation und Messtechnik, sowie Metallkunde mit Digitalisierungsthemen an der Montanuniversität befassen. Es wurde im September 2025 eröffnet.
Weitere Gebäude auf dem Campus der Montanuniversität sind das Erich-Schmid-Institut für Materialwissenschaft und das Österreichische Gießerei-Institut.
Administrative Gliederung Die Universitätsleitung der Montanuniversität umfasst neben dem Rektorat den Universitätsrat als Kontrollorgan sowie den Senat als akademisches Gremium. Rektorat und Universitätsrat bestehen aus je fünf, der Senat aus 26 Mitgliedern.mini|Eingang zum Lehrstuhl für Aufbereitung und VeredelungDer akademische Betrieb gliedert sich in 12 Departments, auf die sich insgesamt 42 Lehrstühle aufteilen:
Department Allgemeine, Analytische und Physikalische Chemie Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie Lehrstuhl für Physikalische Chemie Department Angewandte Geowissenschaften und Geophysik Lehrstuhl für Angewandte Geophysik Lehrstuhl für Energy Geosciences Lehrstuhl für Geologie und Lagerstättenlehre Lehrstuhl für Rohstoffmineralogie Department Physik, Mechanik und Elektrotechnik Lehrstuhl für Physik Lehrstuhl für Mechanik Lehrstuhl für Elektrotechnik Department Kunststofftechnik Lehrstuhl für Chemie der Kunststoffe Lehrstuhl für Konstruieren in Kunst- und Verbundstoffen Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung Lehrstuhl für Verarbeitung von Verbundwerkstoffen und Design für Recycling Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe Department Mathematik und Informationstechnologie Lehrstuhl für Angewandte Mathematik Lehrstuhl für Informationstechnologie Lehrstuhl für Mathematik, Statistik und Geometrie Department Metallurgie Lehrstuhl für Eisen- und Stahlmetallurgie Lehrstuhl für Gießereikunde Lehrstuhl für Modellierung und Simulation metallurgischer Prozesse Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie Department Mineral Resources Engineering Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft Lehrstuhl für Gesteinshüttenkunde Lehrstuhl für Subsurface Engineering Department Geoenergy Lehrstuhl für Drilling and Completion Engineering Lehrstuhl für Geoenergy Production Engineering Lehrstuhl für Reservoir Engineering Department Product Engineering