Marion Zimmer Bradley (* 3. Juni 1930 in Albany, New York; † 25. September 1999 in Berkeley, Kalifornien) Marion Zimmer Bradley Literary Works Trust: Marion Zimmer Bradley war eine US-amerikanische Schriftstellerin, die mit Fantasy-Romanen wie Die Nebel von Avalon weltweit bekannt wurde. In den 1960er Jahren verfasste sie aus finanziellen Gründen auch Groschenhefte, Schauerromane, Lebensbeichten, Krimis und Softpornos unter diversen Pseudonymen wie Lee Chapman, John Dexter, Miriam Gardner, Valerie Graves, Morgan Ives und John J. Wells.Florian F. Marzin: Von Albany nach Berkeley. In: Die Welt der Marion Zimmer Bradley. Moewig, München 1988, S. 147ff
Leben Marion Zimmer Bradley kam 1930 als Marion Eleanor Zimmer in Albany zur Welt. Mit elf Jahren begann sie zu schreiben. Zunächst versuchte sie sich an historischen Romanen. Im Jahr 1946 begann sie ein Lehramtsstudium am Lehrerkolleg des New York State College, brach es aber ohne Abschluss ab. 1949 heiratete sie den dreißig Jahre älteren Eisenbahnangestellten Robert Alden Bradley (1898–1966). 1950 kam ihr erster Sohn, David Bradley († 2008), zur Welt. 1962 trennte sie sich von Robert Bradley, zog nach Abilene, Texas, und setzte ihr Studium an der Hardin-Simmons University fort, das sie 1964 mit dem Grad „Bachelor of Arts“ in Psychologie abschloss. 1964 ließ sie sich von Bradley scheiden und heiratete wenige Wochen später Walter Henry Breen, einen Autor und Numismatiker, der auch zur Geschichte der Homosexualität forschte.Breen veröffentlichte 1964 unter dem Pseudonym J.Z. Eglinton das Buch Greek Love, eine deutsche Übersetzung erschien 1967 unter dem Titel Griechische Liebe. Mit ihm bekam sie zwei weitere Kinder, Patrick und Moira. Aus beruflichen Gründen führte sie weiter den Namen Bradley.
Danach begann sie ein Aufbaustudium an der University of California, Berkeley und wurde zusammen mit Diana L. Paxson 1966 Mitbegründerin der Society for Creative Anachronism.Marion Zimmer Bradley papers (Collection 1955). UCLA Library Special Collections, Charles E. Young Research Library, UCLA. 1979 trennte sie sich von Breen, arbeitete aber weiterhin mit ihm zusammen. Die Ehe wurde 1990 geschieden. Im selben Jahr wurde Breen wegen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen verurteilt. Bradley soll eine sexuelle Beziehung zu der Fantasy-Autorin Elizabeth Waters unterhalten haben, die zu ihren „Sword-and-Sorceress“-Anthologien mehrere Beiträge leistete und nach dem Tod Bradleys auch als Herausgeberin auftrat.
Mit ihren Schwägerinnen Diana L. Paxson und Tracy Blackstone sowie ihrem Bruder Paul Edwin Zimmer wohnte sie in dem Schriftstellerhaushalt Greyhaven, später bis zu ihrem Tod in ihrem Haus Greenwalls, beides in Berkeley, Kalifornien. Am 21. September 1999 erlitt Marion Zimmer Bradley einen Herzinfarkt, an dessen Folgen sie am 25. September desselben Jahres verstarb. Zwei Monate später wurde ihre Asche über dem Glastonbury Tor in Somerset, England verstreut.
Werdegang Bereits im Alter von 17 Jahren gab Bradley eine Zeitschrift für Science-Fiction-Fans heraus. Ab 1953 konnte sie erste Texte in Fantasy- und SF-Magazinen veröffentlichen. In diesem Jahr druckte das Magazin „Vortex Science Fiction“ ihre Kurzgeschichte Women Only. Es folgten zahlreiche weitere Kurzgeschichten, zum Teil unter verschiedenen Pseudonymen. Bei vielen davon handelte es sich um Auftragsarbeiten, die sie zum Teil selbst als minderwertig ansah. Ihre ersten kontinuierlichen Erfolge stellten sich mit dem Darkover-Zyklus ein, dessen erster Roman The Planet Savers 1958 erschien. Daneben wirkte sie an Periodika und Anthologien mit, die sie teilweise selbst herausgab. Weltweiten Erfolg und Bestsellerstatus erlangte sie 1983 mit dem Roman Die Nebel von Avalon, durch den sie über das Fantasy-Genre hinaus bekannt wurde. Im Laufe ihres Lebens schrieb Bradley rund 50 Novellen des Science-Fiction/Fantasy-Genres, ferner erschienen zahlreiche Sammelbände ihrer Kurzgeschichten. Bei über 20 weiteren Büchern des Genres, meist Sammelbänden, wirkte sie als Herausgeberin mit. Bradley förderte nicht nur die kreative Arbeit von Fans in Form von Fan-Fiction, sondern schrieb auch ihrerseits mindestens eine Geschichte aus dem Mittelerde-Universum des britischen Schriftstellers J. R. R. Tolkien (The Jewel of Arwen).
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete Bradley, zum Teil gemeinsam mit Breen, an Texten zu geschichtlichen und kulturellen Aspekten männlicher und weiblicher Homosexualität. Gemeinsam erstellten und pflegten sie über Jahre hinweg eine Bibliographie homosexueller Literatur. In den 1950er Jahren stand sie mit der lesbischen Aktionsgruppe Daughters of Bilitis in Verbindung und trug Artikel für deren Zeitschrift The Ladder bei.
Religiöse Ansichten Bradley wurde in der Tradition der Episkopalkirche erzogen. Schon früh hatte sie sich für esoterische religiöse Anschauungen interessiert. Nach ihrer Ankunft in Berkeley befasste sie sich verstärkt mit dem Neuheidentum, übersinnlichen Wahrnehmungen und Reinkarnation. Zusammen mit Paxson gründete Bradley 1978 einen Wicca-Coven namens Darkmoon Circle.The Fellowship of the Spiral Path: Affiliated Groups 1980 ließ sie sich zusammen mit Breen zur Priesterin der „Holy Apostolic-Catholic Church of the East (Chaldean-Syrian)“ weihen. In dieser Eigenschaft bot sie ehrenamtlich seelsorgerische Dienste für die LGBT-Organisation Pacific Center For Human Growth an. Bradley war Mitbegründerin des „Centre for Nontraditional Religion“, dem sie Räumlichkeiten auf ihrem Grundstück zur Verfügung stellte. 1997 hatte sie sich wieder der Episkopalkirche zugewandt.
Kontroversen Urheberrechtsstreit Seit dem Erscheinen der ersten Geschichten des Darkover-Zyklus hatte Bradley Fan-Fiction-Anthologien kommentiert und herausgegeben, in denen Fans – insbesondere aus dem Zirkel „Friends of Darkover“ – eigene Geschichten aus dem Zyklus veröffentlichen konnten. 1992 kam es zu einer Auseinandersetzung mit der Autorin einer Fan-Geschichte, die durch Bradleys projektiertes neues Buch mit dem Arbeitstitel „Contraband“ ihre Urheberrechte verletzt sah. Um einer juristischen Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen, lehnte Bradleys Verlag die Veröffentlichung des Buches schon im Vorfeld ab. Bradley stellte daraufhin ihre Zusammenarbeit mit dem Fanzirkel „Friends of Darkover“ ein.Catherine Coker: The Contraband Incident: The Strange Case of Marion Zimmer Bradley. In: Transformative Works and Cultures, Nr. 6 (2011). Texas A & M University, College Station, TX, .
Missbrauchsvorwürfe Im Jahr 2014 wurde Bradley von ihrer Tochter, Moira Greyland, vorgeworfen, sie im Alter von drei bis zwölf Jahren sexuell missbraucht zu haben. Zudem beschreibt Greyland ihre Kindheit als sehr gewalttätig und gibt an, Marion Zimmer Bradley habe sie mehrfach beinahe umgebracht. Greyland zufolge sei sie auch nicht das einzige Opfer, es gebe etliche weitere Opfer beider Geschlechter. Der Autor Jim C. Hines gab an, Bradley habe die sexuellen Übergriffe ihres mehrfach einschlägig vorbestraften Ehemannes Breen auf Kinder gedeckt. Das kanadische LGBT-Magazin Xtra! berichtete bereits 2007, Bradley habe von Anfang ihrer Ehe an von Breens sexuellen Beziehungen zu Minderjährigen gewusst und diese verteidigt. Eines der Opfer Walter Breens verklagte nach dessen Tod Marion Zimmer Bradley in den 1990er Jahren wegen Beihilfe und Begünstigung. Bradley ihrerseits versuchte, gerichtlich feststellen zu lassen, dass sie für die Taten des verstorbenen Breen nicht zivilrechtlich verantwortlich gemacht werden könne. Dazu forderte sie eine Indemnitätserklärung von Breens Erben. Bemerkenswert ist, dass damit ihre eigenen Kinder, Patrick und Moira, ihre Prozessgegner waren. Aspekte dieses Verfahrens wurden wiederholt in der amerikanischen Fachliteratur diskutiert.
In ihrer Anfang 2018 erschienenen Autobiografie The Last Closet: the Dark Side of Avalon hat Moira Greyland die Missbrauchsvorwürfe gegen ihre Mutter und andere Personen in ihrem Umfeld dargestellt.Heather Greene: Accusations of abuse surface against ADF founder Isaac Bonewits, wildhunt.org, 10. Januar 2018
Einfluss Bekannt geworden ist Marion Zimmer Bradley vor allen Dingen durch ihre Fantasy-Romane. Die erfolgreichsten sind die Geschichten aus dem Darkover-Zyklus sowie der Roman Die Nebel von Avalon. Letzterer schildert die Artussage aus Sicht einer Frau. Die Nebel von Avalon wurde im Jahr 2000 für das Fernsehen verfilmt und 2001 ausgestrahlt. Ein weiteres sehr erfolgreiches Buch der Autorin ist Die Feuer von Troia, in welchem der Trojanische Krieg aus Sicht der Priesterin Kassandra neu erzählt wird.
Mit ihren Romanen hatte Bradley großen Einfluss auf feministische und neuheidnische Kreise.
Bradley hat in der US-amerikanischen Science-Fiction das Thema Homosexualität enttabuisiert und es vorurteilsfrei dargestellt. Unter Pseudonymen schrieb sie Mitte der 1960er mehrere Romane mit LGBT-Inhalten, die sie selbst allerdings als Brotschreiberei und „Schundromane“ bezeichnete.Hans Joachim Alpers (Hrsg.): Marion Zimmer Bradleys „Darkover“. Corian-Verlag, Meitingen 1983, S. 54f.
Auszeichnungen 1984 erhielt Zimmer Bradley den Locus Award in der Kategorie Bester Fantasy-Roman für Die Nebel von Avalon.
Im Jahr 2000 wurde Marion Zimmer Bradley für ihr Lebenswerk postum mit dem World Fantasy Award for Life Achievement geehrt.World Fantasy Convention (WFC): 2000 World Fantasy Award Winners and Nominees
Bibliografie Wird bei Kurzgeschichten als Quelle nur Titel und Jahr angegeben, so findet sich die vollständige Angabe bei der entsprechenden Sammelausgabe.
Darkover
Romane Hier in der Reihenfolge des Erscheinens der Originalausgaben. Eine Darstellung entsprechend der inneren Chronologie findet sich im Hauptartikel.
1 Darkover Landfall (1972) Deutsch: Landung auf Darkover. Übersetzt von Leni Sobez. Pabel-Moewig (Terra Astra #123), 1973. Auch als: Landung auf Darkover. Übersetzt von Martin Eisele. Moewig Science Fiction #3653, 1984, ISBN 3-8118-3653-6. Auch als: Die Landung : Ein Darkover-Roman. Übersetzt von Martin Eisele. Droemer Knaur (Knaur #60958), München 2001, ISBN 3-426-60958-4. 2 Stormqueen! (1978) Deutsch: Herrin der Stürme. Übersetzt von Bernd Holzrichter. Droemer Knaur (Knaur Science Fiction & Fantasy #5717), 1979, ISBN 3-426-05717-4. 3 Hawkmistress! (1982) Deutsch: Herrin der Falken. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Droemer Knaur, München 1984, ISBN 3-426-19154-7. 4 Two to Conquer (1980) Deutsch: Die Zeit der Hundert Königreiche. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Moewig Science Fiction #3584, 1982, ISBN 3-8118-3584-X. 5 The Heirs of Hammerfell (1989) Deutsch: Die Erben von Hammerfell. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Hestia, 1991, ISBN 3-89457-000-8. 6 The Shattered Chain (1976) Deutsch: Die Amazonen von Darkover. Übersetzt von Leni Sobez. Pabel (Terra Taschenbuch #298), 1978. Auch als: Die zerbrochene Kette. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Moewig Science Fiction #3671, 1985, ISBN 3-8118-3671-4. 7 Thendara House (1983) Deutsch: Gildenhaus Thendara. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Moewig Science Fiction #3728, 1986, ISBN 3-8118-3728-1. 8 City of Sorcery (1984) Deutsch: Die schwarze Schwesternschaft. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Fantasy Productions #500, 1985, ISBN 3-89064-500-3. Auch als: Die schwarze Schwesternschaft : Ein Darkover-Roman. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Droemer Knaur (Knaur #60968), München 2000, ISBN 3-426-60968-1. 9 Rediscovery (1993; mit Mercedes Lackey) Deutsch: An den Feuern von Hastur. Mercedes Lackey. Hestia, 1994, ISBN 3-89457-049-0. 10 The Spell Sword (1974) Deutsch: Das Zauberschwert. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Pabel-Moewig (Terra Astra #230), 1976. Auch als: Das Zauberschwert : Ein Darkover-Roman. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Droemer Knaur (Knaur #60959), München 2001, ISBN 3-426-60959-2. 11 The Forbidden Tower (1977)