Ludwigsburg ist eine Stadt mit Einwohnern () in Baden-Württemberg, etwa zwölf Kilometer nördlich der Stuttgarter Innenstadt. Sie gehört zur Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Ludwigsburg. Ludwigsburg ist hinsichtlich der Bevölkerung die elftgrößte Stadt Baden-Württembergs. Zusammen mit Kornwestheim bildet Ludwigsburg ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. April 1956 ist Ludwigsburg Große Kreisstadt. Das Residenzschloss, die umgebenden Grünanlagen und die Alleen prägen das Stadtbild.

mini|Ludwigsburg und die Solitude-Allee auf der Topographischen Karte von 1840 (Maßstab 1:50.000)

Geographie Geographische Lage Das zentrale Ludwigsburg liegt auf dem Langen Feld am Ostrand des Strohgäus auf einer Hochfläche des Neckarbeckens zwischen dem Hohenasperg im Westen und dem Neckartal im Osten. Durch das innere Stadtgebiet fließt der Tälesbach, der etwa drei Kilometer nordöstlich in den Neckar mündet. Die inzwischen eingemeindeten Stadtteile Hoheneck, Neckarweihingen und Poppenweiler liegen am Ufer des Neckars, die zwei letztgenannten am rechten. Der mit höchste Punkt des Stadtgebietes liegt auf dem Lemberg ganz im Osten, der tiefste am Ausfluss des Neckars auf .

In Luftlinie ist die Mitte Ludwigsburgs etwa 13 Kilometer nördlich vom Zentrum der Landeshauptstadt Stuttgart entfernt.

Die von 1764 bis 1768 schnurgerade erstellte Solitude-Allee, die anfangs vom Südtor des Ludwigsburger Schlossgartens zum Schloss Solitude westlich von Stuttgart führte, wurde 1820 als trigonometrische Basis für die Württembergische Landesvermessung genutzt. Die 13 Kilometer lange Basislinie endete damals vor der Stadtgrenze. Ihr Endpunkt an der Kreuzung mit der Köhlstraße ist mit einem Gedenkstein markiert.Inschrift des Gedenksteins: „Württembergische Landesvermessung 1820 – Basis Solitude-Ludwigsburg – Länge 13032,14 m – Endpunkt in der Straßenachse“. Außerhalb Ludwigsburgs, wo sie durch den Bahnbau unterbrochen wurde, hat sich der Verlauf der für den Verkehr unbedeutenden Achse im Wechsel von Feldwegen und Straßen erhalten.

Nachbargemeinden Alle Nachbarkommunen der Stadt liegen im Landkreis Ludwigsburg. Es sind reihum: Die Stadt Tamm im Nordwesten, die Stadt Freiberg und die Gemeinde Benningen am Neckar im Norden, die zentrale Stadt Marbach am Neckar sowie die Gemeinde Erdmannhausen im Nordosten, ganz im Osten hinter dem Lemberg die Gemeinde Affalterbach, an dessen Südseite die Siegelhausener Gebietsexklave von Marbach. Die Städte Remseck und Kornwestheim liegen südöstlich und südlich von Ludwigsburg, die Gemeinde Möglingen im Südwesten, die Stadt Asperg schließlich im Westen.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Ludwigsburgs besteht aus der Kernstadt und sieben Stadtteilen. Die Kernstadt wird in die Stadtteile Mitte, West, Nord, Ost und Süd unterteilt. Weitere Stadtteile sind Pflugfelden, Eglosheim, Hoheneck, Oßweil, Grünbühl-Sonnenberg, Neckarweihingen und Poppenweiler.

Daneben unterscheidet man gelegentlich noch weitere Wohnplätze oder Wohngebiete, deren Namen sich im Laufe der Zeit eingebürgert haben. Die Grenzen sind hier jedoch meist nicht genau festgelegt. Hierzu gehören zum Beispiel der Kugelberg, der Makenhof, Monrepos, Mäurach, das Osterholz und Schlösslesfeld.

Tabellarische Übersicht der Stadtteile Stand 31.12.2024  Stadtteile EinwohnerÜbersicht Einwohner 31.12.2024 Flächekm² DichteEinwohner/km²Mitte 11.725 2,00 5863West (Weststadt) 11.968 3,91 2992Nord 3.241 1,99 1621Ost (Schlößlesfeld) 15.491 2,90 5164Süd 3.926 0,92 3926Eglosheim 11.671 4,47 2918Grünbühl-Sonnenberg 3.630 0,71 3630Hoheneck 5.113 3,40 1704Neckarweihingen 7.659 5,95 1277Oßweil 10.732 7,14 1533Pflugfelden 4.508 2,31 2254Poppenweiler 4.788 7,64 599Ludwigsburg 94.452 43,34 2143 mini|hochkant=2.5|Karte der Stadtteile

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ludwigsburg.

Raumplanung Ludwigsburg bildet mit der südlichen Nachbarstadt Kornwestheim ein Mittelzentrum in der Region Stuttgart, deren Oberzentrum die Stadt Stuttgart ist. Zum Mittelzentrum Ludwigsburg/Kornwestheim gehören die Städte und Gemeinden im Süden und Osten des Landkreises. Im Einzelnen sind das Affalterbach, Asperg, Benningen am Neckar, Erdmannhausen, Freiberg am Neckar, Großbottwar, Hemmingen, Marbach am Neckar, Markgröningen, Möglingen, Murr, Oberstenfeld, Pleidelsheim, Remseck am Neckar, Schwieberdingen, Steinheim an der Murr und Tamm.

Natur

Geschichte Frühgeschichte Im Schlösslesfeld, einem Wohngebiet, das erst ab dem Jahr 1965 in größerem Umfang bebaut wurde, fanden sich viele Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit. Dieses Gebiet war von 5700 v. Chr. bis 3300 v. Chr., also rund 2400 Jahre lang, nahezu kontinuierlich von Siedlern der Bandkeramik bewohnt.Wolf Deiseroth, Daniela Naumann, Adelheid Hanke, Alois Schneider: Denkmaltopographie Baden-Württemberg. Band I.8.1. Stadt Ludwigsburg. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1938-9).

Zahlreiche Funde aus dem Ludwigsburger Stadtgebiet und der näheren Umgebung sind aus der keltischen Siedlungszeit erhalten geblieben. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung besetzten die Römer die Region, bis 260 die Alemannen in das Neckarland kamen. Auch die alemannische Besiedlung ist durch Grabfunde auf dem heutigen Stadtgebiet nachgewiesen. Aus römischer Zeit stammt eine villa rustica (Landgut), die im Stadtteil Hoheneck ergraben wurde.Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61).

Politische Zugehörigkeit Staatszugehörigkeit Land oderVerwaltungseinheit Dauer derZugehörigkeit Herzogtum Württemberg 1709–1806 Zweiter Kreis Ludwigsburg 1806–1810 Landvogtei an der Enz 1810–1818 Neckarkreis, Oberamt Ludwigsburg 1818–1871 Königreich Württemberg, Neckarkreis,Oberamt Ludwigsburg 1871–1918 Volksstaat Württemberg,Oberamt Ludwigsburg 1918–1933 Württemberg 1933–1945 , US-Zone Württemberg-Baden,Landesbezirk Württemberg,Landkreis Ludwigsburg 1945–1949 Württemberg-Baden,Landesbezirk Württemberg,Landkreis Ludwigsburg 1949–1952 Baden-WürttembergRegierungsbezirk Nordwürttemberg,Landkreis Ludwigsburg 1952–1972 Baden-WürttembergRegierungsbezirk Stuttgart,Landkreis Ludwigsburg seit 1973

1718 wurde die Markgröninger Vogtei nach Ludwigsburg verlegt, ab 1758 Oberamtei genannt. Aus dem Oberamt Ludwigsburg ging 1938 der Kreis Ludwigsburg und 1973 schließlich der im Zuge der Kreisreform vergrößerte Landkreis Ludwigsburg hervor.

Barocke Gründung unter Eberhard Ludwig (1704–1733) mini|hochkant|Der Stadtgründer: Herzog Eberhard Ludwig (Regierungszeit: 1677–1733)

Ludwigsburg ist nicht wie die meisten Städte in Europa über Jahrhunderte gewachsen, sondern wurde Anfang des 18. Jahrhunderts am Reißbrett geplant. Nach dem Vorbild von Versailles bauten viele absolutistische Souveräne neue Residenzen vor den Toren ihrer alten Hauptstädte (vgl. Mannheim, Karlsruhe, Rastatt, Potsdam, Ludwigslust und Wolfenbüttel). Um der Jagd, einem Privileg des Adels, nachzugehen, ließ der Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg im Jahr 1704 ein Schloss außerhalb der alten Hauptstadt Stuttgart errichten. Das Ludwigsburger Schloss war zunächst nur als einfacher Jagdsitz vorgesehen, hatte aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Alten Schloss, der Hauptresidenz in Stuttgart. Wegen der engen mittelalterlichen Bebauung in Stuttgart stach die Residenz wenig hervor. Ludwigsburg mit seinem Schlosspark und breiten Straßen kann als genauer Gegenentwurf zum Stuttgart des 18. Jahrhunderts angesehen werden. Der Ludwigsburger Jagdsitz wurde zu einem repräsentativen Residenzschloss (Residenzschloss Ludwigsburg) ausgebaut, das sich als größtes unzerstörtes Barockschloss Deutschlands rühmen kann.

Mit dem Bau des Residenzschlosses nahmen die Ambitionen von Herzog Eberhard Ludwig jedoch noch kein Ende: Er strebte erfolglos das Ziel einer Rangerhöhung zum Kurfürsten an. Diesen gesonderten Herrschaftsanspruch, der über den eines Herzoges weit hinaus ging, wollte er ab 1709 mit der Gründung einer ganzen Stadt unübersehbar zum Ausdruck bringen. Die Entwürfe der Planstadt sahen vor, dass das Residenzschloss in der Hauptachse lag. Westlich ans Schloss angrenzend sollte die städtische Wohnbebauung entstehen. Das rechtwinklige, um einen zentralen Marktplatz angelegte Straßenraster teilte die Stadt in regelmäßige Blöcke. Die zweigeschossigen Wohnhäuser wurden nach dem Entwurf des aus Italien stammenden Schlossbaumeisters Donato Giuseppe Frisoni errichtet. Nach Vorgabe des Herzoges sollten die Wohngebäude ohne Zwischenräume entlang der Straßen aneinander gereiht werden, sodass geschlossene Straßenfluchten entstanden. Das Straßenbild wurde durch Alleen aufgelockert.

mini|hochkant|Die Mätresse: Wilhelmine von Grävenitz

Am 3. September 1718 erhielt der Ort die Stadtrechte. Um Bürger für seine Stadt zu gewinnen, warb der Herzog mit weitreichenden Privilegien. Er stellte eine 15-jährige Steuerfreiheit, kostenfreies Land und Baumaterialien in Aussicht. Später kamen noch Zoll- und Religionsfreiheit hinzu. Dennoch wuchs Ludwigsburg nur langsam. Gründe hierfür waren zum einen die fehlenden Möglichkeiten zum Grunderwerb und zum anderen die durch den Herzog gesteuerte Auswahl von Bürgern. Die Bewohner hatten über eine Vermögensgrundlage von mindestens 1000 Talern zu verfügen und durften keine Bauern sein. Auf diese Weise wollte der Herzog eine repräsentative Idealstadt mit wohlhabenden Bürgern aus dem Boden stampfen. Von den ersten 21 Bewerbern erhielten nur zwei die Erlaubnis, sich in Ludwigsburg niederzulassen. Allerdings ging das Konzept einer prosperierenden Stadt nicht auf. Da auf der Schlossbaustelle hauptsächlich mittellose Handwerker, Knechte, Mägde, Tagelöhner und Hofbedienstete beschäftigt wurden, machte zeitweise die Hälfte der Stadtbevölkerung Geringverdiener aus. Die Einwohner blieben wirtschaftlich vom herzoglichen Hof abhängig.

Im Jahr 1718 ließ Eberhard Ludwig die Hauptstadt Württembergs von Stuttgart nach Ludwigsburg verlegen. Seinen Stuttgarter Beamten drohte der Herzog, sie zu entlassen, sollten sie sich weigern, ihm nach Ludwigsburg zu folgen. Durch die erzwungene Umsiedlung sollte eine dem Fürsten gegenüber loyale Bürokratie in Ludwigsburg etabliert werden. Viele der Beamten zogen in „feuchte, erst halb ausgebaute Häuser“, wie der Staatsrechtler Johann Jakob Moser klagte. Auch andere Zeitgenossen spotteten der Bemühungen des Herzogs:

mini|Wohnsitz der Mätresse: das Grävenitz-Palais Allerdings zählte Ludwigsburg beim Tode Eberhard Ludwigs 6000 Einwohner, halb so viele wie in Stuttgart. Verantwortlich für den schlechten Ruf in bürgerlichen Kreisen waren die Sitten- und Moralvorstellungen des Ludwigsburger Hofes. Die Bevölkerung im Herzogtum Württemberg war fest im evangelisch-lutherischen Glauben verankert. Deshalb empörte es sie, dass der Herzog mit seiner Mätresse Wilhelmine von Grävenitz in Ludwigsburg eine außereheliche Verbindung pflegte, während die rechtmäßige Ehefrau Johanna Elisabeth von Baden-Durlach sich weiterhin in Stuttgart aufhielt. Im Volksmunde wurde Ludwigsburg daher auch als „Lumpenburg“ bezeichnet. Als Rückzugsort für sich und seine Mätresse ließ Eberhard Ludwig Stadt und Residenzschloss um das Jagd- und Lustschloss Favorite (Bauzeit: 1713–1728) erweitern. Das Grävenitz-Palais ließ Herzog Eberhard Ludwig 1728, wahrscheinlich von dem Stadtplaner Donato Giuseppe Frisoni erbauen und schenkte es seiner Mätresse. Das ursprünglich nur zweigeschossige Gebäude befindet sich nahe dem Residenzschloss in der Marstallstraße 5 und beherbergt die Geschäftsstelle der Schlossfestspiele.