Die Römisch-katholische Kirche in Korea ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche.
Obwohl das Land seit 1945 in Nord- und Südkorea gespalten ist und die religiösen Verhältnisse in den beiden Staaten sehr unterschiedlich sind, wird Korea vom Vatikan nach wie vor als ein Land angesehen. So liegen Teile des Erzbistums Seoul in Nordkorea. Das Bistum Pjöngjang und das Bistum Hamhŭng, beide in Nordkorea, werden von südkoreanischen Bischöfen als Apostolische Administratoren verwaltet.
Geschichte bis 1945 Der spanische Jesuitenpater Gregorio Céspedes war wahrscheinlich der erste katholische Missionar in Korea und ist vermutlich am 27. Dezember 1593 in Busan angekommen. Während der japanischen Invasionen im Imjin-Krieg (1592–1598) heiratete der japanische Feldherr Konishi Yukinaga eine koreanische Christin, die den Namen Julia angenommen hatte. In Macau kamen sowohl afrikanische, japanische und christliche koreanische Sklaven an. Letztere wurden von den Portugiesen aus Japan gebracht, wohin sie nach ihrer Gefangennahme während des Imjin-Kriegs verschleppt worden waren.
Der Katholizismus (und das Christentum im Allgemeinen) wurde im 17. Jahrhundert über koreanische Diplomaten und Kontakte zu Jesuiten in China in Korea eingeführt. Seung Hoon Lee (1756–1801) ließ sich 1784 in China taufen und nahm den Namen Peter an. Er hatte wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Religion in Korea, indem er geistliche Texte ins Land brachte und Menschen taufte. Der christliche Glaube verbreitete sich zunächst durch Laien ohne Unterstützung durch Priester. 1791 fand eine erste Verfolgung des katholischen Christentums statt. 1794 wurde von Papst Pius VI. der erste Bischof Peter Grammont als Untergrundbischof nach Korea entsandt, welches eine traditionelle Isolationspolitik betrieb und offiziell keinerlei Ausländer im Land duldete, von wenigen Genehmigungen für chinesische und japanische Gesandtschaften abgesehen. In der Praxis gelang es aber gerade der Pariser Mission, Priester ins Land zu schleusen, welche wesentlich erfolgreicher in der Missionierung waren als zuvor die Laienbewegung. Daher wuchs die christliche Gemeinde im 19. Jahrhundert stark an, sodass sich der koreanische Staat gezwungen sah, weitere Verfolgungswellen durchzuführen. Bei jener von 1801 starb auch Peter Seung Hoon Lee; bei der Verfolgung von Gihae 1839 wurde Untergrundbischof Laurent Imbert ergriffen und hingerichtet. Danach kam es 1846 zur vierten Verfolgungswelle.
1856 reiste Bischof Siméon-François Berneux in Korea ein und schätzte für 1859 eine Zahl von bereits 17.000 katholischen Christen; diese Anzahl stieg bis 1863 auf 23.000. Die anhaltenden Versuche der westlichen Mächte, die koreanische Isolationspolitik aufzubrechen, führten ab 1866 zu den Verfolgungen von Byeong-in, einer anhaltenden Krise für alle christlichen Missionare, als Prinzregent Heungseon Daewongun gezielt die von Franzosen geleitete katholische Mission in der Hauptstadt ausheben ließ, und alle ergriffenen Katholiken in Führungspositionen hinrichten ließ. Nach der daraufhin erfolgenden französischen Invasion Koreas verdächtigte der Daewongun alle Katholiken des „ausländischen Rekrutentums“. Von den grob geschätzten 10.000 Hinrichtungen von Katholiken in Korea entfallen geschätzt 8000 auf die Zeit zwischen 1866 und 1872. Mit dem Ende der Regentschaft des Daewongun endeten auch die systematischen Verfolgungen von Katholiken im Land.
Einen großen Beitrag zur Ausbreitung und zur Verwurzelung des christlichen Glaubens in Korea leisteten ab 1909 die Missionsbenediktiner von St. Ottilien, darunter Bonifatius Sauer, und die von ihnen gegründeten Klöster.
Nordkorea Nordkorea ist offiziell ein atheistischer Staat und hat keine diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl. Die katholischen Bistümer existieren weiter, aber sie haben praktisch keine Mitarbeiter. Dort liegt auch die Abtei Tokwon, die einzige Territorialabtei außerhalb Europas. Von der Korean Catholic Association (KCA) der nordkoreanischen Regierung werden seit 1988 rund 3000 Katholiken verwaltet. Von ihr wurden auch 1991 ein Katechismus und ein Gebetsbuch herausgegeben. Ebenso wurde 1988 die Kathedrale von Jangchung von der nordkoreanischen Regierung erbaut, die ebenfalls von KCA unterhalten wird. Es gibt weder einen Bischof noch Priester, aber seit 2015 wird dort an hohen katholischen Feiertagen die Messe von südkoreanischen Priestern gefeiert. Möglich gemacht wurde dies durch eine Vereinbarung der KCA und der Koreanischen Bischofskonferenz. Normalerweise bieten staatlich beauftragte Laien wöchentliche Gebetszeiten an. Durch die abwesenden Priester gibt es keine Möglichkeit, mit Ausnahme der Taufe, Sakramente zu spenden oder zu empfangen.
Prinzipiell ist das katholische Christentum in Nordkorea erlaubt. Artikel 14 der Verfassung aus dem Jahr 1948 gesteht jedem Bürger zu, seine eigene Religion zu wählen und zu praktizieren. Allerdings werden Christen als Bedrohung angesehen, da ihr Glaube nicht mit dem politischen Ideologie Nordkoreas im Einklang steht, und verdächtigt, mit feindlichen Mächten zu kooperieren, sodass sie, wenn sie öffentlich auftreten, zu Arbeitslagern verurteilt werden oder Opfer von Auftragsmorden werden. Schätzungen zufolge befinden sich circa 150 000 bis 200 000 Menschen in nordkoreanischen Straflagern. Auch der Besitz einer Bibel oder die Bekanntschaft mit "Regimegegnern" reicht, um in Kollektivhaft genommen zu werden. Trotz der theoretischen Religionsfreiheit zählt Nordkorea zu den Ländern mit den härtesten Christenverfolgungen.
Südkorea Die Missionsbenediktinerinnen von Tutzing gründeten 1951 ein Kloster in der Nähe von Daegu. Der Architekt Alwin Schmid (1904–1978), ein Schüler von Rudolf Schwarz und Hans Schädel, Benediktiner von Münsterschwarzach, prägte den Kirchbau in Südkorea.Jung-Shin Kim: Kirchenarchitekt Alwin Schmid. EOS-Verlag, Sankt Ottilien 2016, ISBN 978-3-8306-7805-2. Er schuf 185 Kirchen, Kapellen, Klöster und geistliche Zentren.Cyrill Schäfer: Le père Alwin Schmid (1904–1978), pionnier de la construction d’églises modernes en Corée. In: Alliance Inter-Monastères: Bulletin de l’AIM, , Jg. 2019, Nr. 116, S. 54–60, hier S. 58.
1984 besuchte Papst Johannes Paul II. Südkorea. Seit 1986 existiert in Seoul eine deutschsprachige Gemeinde.Malte Rhinow: (PDF-Datei; 95 kB). Abgerufen am 9. Mai 2013. 1996 zählte die römisch-katholische Kirche in Südkorea über 3,5 Millionen Mitglieder; 2015 waren es schon 5,65 Millionen, das entspricht rund 11 % der Bevölkerung.Katholische Nachrichtenagentur: Informationsdienst, 6. April 2016. 2014 besuchte Papst Franziskus als zweiter Papst die Katholiken in Südkorea anlässlich des 6. asiatischen Jugendtags. Die Erzdiözese Seoul richtet nach den Philippinen 1995 den Weltjugendtag 2027 zum erst zweiten Mal in einem asiatischen Land aus und zum ersten Mal in einem Land, das mehrheitlich nicht christlich ist.
Vorsitzender der Koreanischen Bischofskonferenz (Catholic Bishops’ Conference of Korea – CBCK) ist Hyginus Kim Hee-jong, der Erzbischof von Gwangju. Apostolischer Nuntius ist seit dem 2. März 2024 Erzbischof Giovanni Gaspari.
Aktuelle Situation Regierungsumfragen aus dem Jahr 2020 zeigen, dass sich 45 % der Südkoreaner keiner Religion zuordnen, etwa 22 % bezeichnen sich als Buddhisten und 29,2 % als Christen (davon 11,1 % als Katholiken und 18 % als Protestanten). Die größte praktizierte Religion ist daher das Christentum.
Laut Kirchenstatistik 2023 zählt die katholische Kirche knapp 6 Millionen Mitglieder, was 11,3 % der Bevölkerung entspricht. Die meisten Katholiken sind zwischen 60 und 64 Jahren alt (9,7 % aller Katholiken) und wie die allgemeine Bevölkerung in Südkorea altert die Kirche rasch; über ein Viertel aller Katholiken sind bereits über 65 Jahre alt. Es wirken über 5 700 Priester und über 1 000 Seminaristen bereiten sich auf das Priesteramt vor. Weiters gibt es knapp 1 600 Ordensmänner sowie etwa 9 900 Ordensfrauen, außerdem etwa 200 Ordensangehörige im Noviziat.mini|hochkant=1.1|Lage der Bistümer
Bistümer Südkorea gliedert sich in 15 territoriale Diözesen, darunter drei Erzdiözesen sowie ein Militärordinariat. Teile der Erzdiözese Seoul, der Diözese Chuncheon sowie die Diözesen Pjöngjang, Hamhung und die Territorialabtei Tokwon liegen im heutigen Nordkorea. Erzbistum Gwangju (광주대교구) Bistum Cheju (제주교구) Bistum Jeonju (전주교구) Erzbistum Seoul (서울대교구) Bistum Chuncheon (춘천교구) Bistum Hamhŭng (함흥교구) Bistum Incheon (인천교구) Bistum Pjöngjang (평양교구) Bistum Suwon (수원교구) Bistum Daejeon (대전교구) Bistum Wonju (원주교구) Bistum Uijeongbu (의정부교구) Erzbistum Daegu (대구대교구) Bistum Andong (안동교구) Bistum Cheongju (청주교구) Bistum Masan (마산교구) Bistum Pusan (부산교구) Immediat Territorialabtei Tokwon (덕원) Koreanisches Militärordinariat (군종교구)
Siehe auch Liste der römisch-katholischen Diözesen
Literatur Malte Rhinow: Eine kurze koreanische Kirchengeschichte bis 1910. Lit, Berlin 2013. ISBN 978-3-643-90247-4, S. 45–108: Geschichte der römisch-katholischen Kirche in Korea bis 1910.
Weblinks Eintrag über die Katholische Kirche in Korea auf catholic-hierarchy.org (englisch) Website der Bischofskonferenz in Südkorea (CBCK) (koreanisch/englisch) Katholisches Korea
Einzelnachweise