Die Pädagogischen Hochschulen, auch Pädagogische Universitäten, haben in den verschiedenen Ländern eine unterschiedliche Entwicklung genommen, einen unterschiedlichen Status erreicht und unterschiedliche Forschungs- und Bildungsaufgaben übertragen bekommen.

In Deutschland sind die heute noch bestehenden Pädagogischen Hochschulen sich selbst verwaltende Zentren der Bildungswissenschaften mit uneingeschränktem Promotions- und Habilitationsrecht im Universitätsrang. Sie können entsprechend auch die Bezeichnungen University of Education (siehe Pädagogische Hochschule Karlsruhe) oder Université des Sciences de l’Éducation (siehe Pädagogische Hochschule Freiburg) im Namen führen. Die staatlich übertragenen Aufgaben in Forschung und Lehre werden eigenverantwortlich wahrgenommen. Wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Lehr- und Lernforschung.

In Österreich sind die Pädagogischen Hochschulen für die Ausbildung von Lehrern an Pflichtschulen und Berufsschulen sowie für die Fortbildung von Lehrern aller Schularten zuständig. Zudem wirken sie in gemeinsam mit Universitäten durchgeführten Studiengängen an der Ausbildung von Lehrern für Höhere Schulen mit. Als Regelabschluss wird der Bachelor of Education bzw. der Master of Education verliehen.

In der Schweiz zählen die Pädagogischen Hochschulen zu den Einrichtungen des tertiären Bildungsbereichs mit dem Auftrag von Forschung, Lehre und Gestaltung der Schulpraxis. Sie bilden Lehrer aus von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe II und ermöglichen Abschlüsse wie den Bachelor oder Master. Die Forschungstätigkeit konzentriert sich auf den Bereich der Schule und ihrer pädagogischen und gesellschaftlichen Bezüge.

In China oder im Baltikum werden die Pädagogischen Hochschulen unter der Bezeichnung Pädagogische Universität geführt. Sie haben einen ähnlichen Status wie die Universitäten und gleichgestellten Hochschulen in Deutschland.

Deutschland Während in Baden-Württemberg die Pädagogischen Hochschulen universitäre Strukturen erhielten und in der Form erhalten blieben, wurden sie in den 1960er bis 1990er Jahren von den anderen Bundesländern teilweise in Universitäten umgewandelt oder in solche integriert. Die übrigen Pädagogischen Hochschulen sind den Universitäten statusmäßig gleichgestellt. Das Bildungsangebot umfasst heute alle Lebensaltersstufen von der Elementarpädagogik bis zur Erwachsenenbildung, von der Gesundheits- über die Kultur- bis zur Medienbildung. Die Diplom-, Bachelor-, Master- und Doktoratsstudiengänge qualifizieren für schulische und außerschulische Bildungsberufe.

Die Ausbildungsgänge umfassen grundsätzlich praktische und theoretische Studienteile. Pflichtfächer mit unterschiedlichen Anteilen sind Pädagogik, (Allgemeine und Schulpädagogik), Psychologie oder Soziologie, Fachwissenschaft und Fachdidaktik einzelner Fächer sowie Ausländerpädagogik und Gesundheitserziehung. In verschiedenen Praktika müssen Studierende des Lehramts Unterrichtsversuche an Ausbildungsschulen durchführen. Das Lehramtsstudium wird je nach Bundesland mit einer Staatsprüfung und/oder einem Masterabschluss beendet. Nach der Ersten Staatsprüfung kann die II. Phase der Lehrerausbildung (Vorbereitungsdienst/Referendariat) angetreten werden.

Die verschiedenen Studienabschlüsse werden nach unterschiedlichen Studiengängen angeboten. Dazu muss eine in den Studien- und Prüfungsordnungen festgelegte Abfolge von Lehrveranstaltungen und Leistungsnachweisen studiert werden.

Geschichte

Die Ausbildung der Volksschullehrer fand im 19. Jahrhundert in Lehrerseminaren statt. Auch mussten die Seminaristen zunächst kein Abitur haben. Für die Lehrerausbildung in Schulseminaren entstanden jedoch bereits im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts auf Pädagogik spezialisierte Bildungsangebote an Universitäten und (beginnend mit Ernst Christian Trapp) die ersten Lehrstühle für Pädagogik.Stefan Paulus: Universität Würzburg und Lehrerbildung. In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Degener & Co. (Gerhard Gessner), Neustadt an der Aisch 1982 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 6), ISBN 3-7686-9062-8, S. 539–564; hier: S. 541–545.

Weimarer Republik In der Weimarer Republik standen sich Befürworter einer Universitätsausbildung aller Lehrer (vor allem der überparteiliche Deutsche Lehrerverein) und einer Lehrerausbildung an reinen Bildungshochschulen (vor allem der Berliner Philosoph und Pädagoge Eduard Spranger) gegenüber. Die Reichsregierung verzichtete auf ein einheitliches Lehrerbildungsgesetz zugunsten der konfessionellen Bindung der Ausbildungsstätten, für die sich die Deutsche Zentrumspartei einsetzte.

In Preußen entstanden nach dem von Kultusminister Carl Heinrich Becker erwirkten Beschluss vom 30. Juni 1925 insgesamt 15 Pädagogische Akademien, für die ein Abitur Zugangsvoraussetzung war. Sie sollten in zwei Jahren zur Berufstätigkeit führen. Mehrheitlich waren sie konfessionell orientiert, so die erste katholische in Bonn und die evangelischen in Elbing (Westpreußen) und Kiel ab 1926. Die erste simultane Ausbildung, die auch Juden offenstand, fand ab 1927 in Frankfurt am Main statt, unter dem Boykott der katholischen Bischöfe, die den katholischen Studierenden die Erlaubnis zum Religionsunterricht verweigerten. Wegen der Weltwirtschaftskrise wurden bereits 1932 erste Akademien wieder geschlossen, z. B. die erst 1930 gegründete Pädagogische Akademie Stettin, ferner in Altona, Breslau, Cottbus, Erfurt, Frankfurt (Oder), Hannover und Kassel. Bestehen blieben nach 1932 die Akademien in Beuthen, Bonn, Dortmund, Elbing, Frankfurt am Main, Halle (Saale) und Kiel, alle ab April 1933 als Hochschule für Lehrerbildung. Dahinter stand auch ein spezielles Hochschulbauprogramm, das den Akademien ein eigenes Gepräge geben sollte.

Wie in Preußen wurde die Ausbildung von Lehrern im Freistaat Oldenburg am 27. März 1929 durch die Errichtung der Pädagogischen Akademie in Oldenburg (Olbg.) organisiert. In anderen Ländern wurde die Ausbildung teilweise den Universitäten oder Technischen Hochschulen (integriert oder als Pädagogisches Institut) angegliedert (vor allem Sachsen/Pädagogisches Institut Dresden und Pädagogisches Institut Leipzig, Thüringen/Universität Jena, Hamburg (1929) und Mecklenburg/Pädagogisches Institut Rostock). In Thüringen setzte der sozialistische Bildungsminister Greil die akademische Lehrerbildung gegen großen Widerstand besonders wegen der Berufung Mathilde Vaertings durch. Andere Länder behielten ihre traditionelle seminaristische Lehrerausbildung bei (Württemberg, Bayern). Baden gründete nach langer Debatte ab 1926 drei Lehrerbildungsanstalten in Karlsruhe (simultan), Freiburg i. Br. (kath.) und Heidelberg (ev.), für die das Abitur die Regel, aber nicht zwingend war.

Zeit des Nationalsozialismus Die preußischen Pädagogischen Akademien verloren mit dem nationalsozialistischen Machtantritt 1933 einen Großteil ihrer Dozenten, weil diese sich zur Republik bekannt hatten. Doch gab es bereits vorher etliche Dozenten mit einer Nähe zum Nationalsozialismus, wie in Frankfurt/M. bzw. Dortmund Ernst Krieck, der in der Nachfolge Sprangers für eine reine Lehrerbildnerschule eintrat. Aus den Akademien wurden zunächst Hochschulen für Lehrerbildung (HfL), die teilweise in kleinere Landstädte verlagert wurden, so aus Frankfurt/M. nach Weilburg (Lahn) und die besonders fortschrittsorientierte aus Halle (Saale) (Leiter: Julius FrankenbergerWolfgang Werth:Die Vermittlung von Theorie und Praxis an den Preussischen Pädagogischen Akademien 1926–1933 – dargestellt am Beispiel der Pädagogischen Akademie Halle/Saale (1930–1933). dipa, Frankfurt/Main 1985, S. 269.) nach Hirschberg in Niederschlesien (Leiter: Herbert Freudenthal). Daneben wurden andere wieder eingerichtet wie in Cottbus oder Frankfurt (Oder). In Braunschweig entstand die Bernhard-Rust-Hochschule. Auch die Gymnasiallehrerausbildung sollte an die HfL delegiert werden. In Berlin bestand von 1934 bis 1938 eine Jüdische Lehrerbildungsanstalt unter Fritz Bamberger, die aus der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hervorging, aber schließlich liquidiert wurde. Von 1864 bis 1938 gab es in Würzburg für Bayern eine Israelitische Lehrerbildungsanstalt.

Ab 1941 entstanden auf „Führerbefehl“ Hitlers vom November 1940 zahlreiche nichtakademische Lehrerbildungsanstalten, die vornehmlich auf weltanschaulichen Drill und Sport ausgerichtet waren. Hier sollten Jungen und Mädchen nach der Volksschule, aber auch Berufssoldaten ohne Abitur, aufgenommen werden, um den erwarteten Nachkriegsbedarf an Lehrern abzudecken.

Nach 1945 Nach 1945 entstanden die Pädagogischen Hochschulen aus den ehemaligen Pädagogischen Akademien, Lehrerbildungsanstalten und anderen Einrichtungen der Lehrerausbildung.Herwig Blankertz: Die Geschichte der Pädagogik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Wetzlar 1992, S. 241 ff. Am 1. Oktober 1945 öffnete die Oldenburger Pädagogische Akademie als erste im Nachkriegsdeutschland, 1948 wurde sie in Pädagogische Hochschule Oldenburg umbenannt. Um 1960 wurden je nach Landesrecht die nach 1945 wieder gegründeten Pädagogischen Akademien in Pädagogische Hochschulen umbenannt. Die Ausbildung verlängerte sich überall von vier auf sechs Semester. Durch das „Gesetz über die Rechtsstellung der Pädagogischen Hochschulen“ wurden sie um 1970 meist zu Wissenschaftlichen Hochschulen aufgewertet oder in bestehende integriert. Mit der Übertragung des Promotionsrechts in den sechziger und siebziger Jahren, der Erlangung des Habilitationsrechts und der Einführung universitärer Strukturen erreichten sie bis Anfang der neunziger Jahre universitären Status. Im Jahr 1970 wurde ein großer Teil der Pädagogischen Hochschulen in die Westdeutsche Rektorenkonferenz aufgenommen.

Baden-Württemberg In Verbindung mit Forschungsaufgaben in der Erziehungswissenschaft und in den Fachdidaktiken besitzen die Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg das uneingeschränkte Promotionsrecht und Habilitationsrecht. Sie tragen auch die Bezeichnung University of Education (Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd, Weingarten) oder Université des Sciences de l'Éducation (Freiburg) in ihrem Namen, insbesondere bei ihren internationalen Kontakten. Jede Hochschule des Landes hat mit einem speziellen Bildungsangebot ihr eigenes Profil entwickelt, sodass in Baden-Württemberg eine sehr differenzierte akademische Bildungslandschaft entstehen konnte.

Seit Einführung des Bachelor-Master-Studiums erfolgt die Ausbildung von Berufsschullehrern nicht mehr ausschließlich an Universitäten. So bietet zum Beispiel die Pädagogische Hochschule Heidelberg, in Kooperation mit der Technischen Hochschule Mannheim, einen Studiengang zum Höheren Lehramt an beruflichen Schulen an mit den beiden Fächern Elektrische Energietechnik und Informations- und Systemtechnik. Dies ist auch möglichIn anderen Bundesländern gibt es ähnliche Modelle. So bieten die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und die Fachhochschule Münster kooperative Studiengänge zum Lehramt an Berufskollegs an. In Niedersachsen bieten die Fachhochschule Osnabrück und die Universität Osnabrück gemeinsam einen Studiengang zum Lehramt an berufsbildenden Schulen an. an der Pädagogischen Hochschule Freiburg in Kooperation mit der Hochschule Offenburg an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in Kooperation mit der Hochschule Esslingen an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd in Kooperation mit der Hochschule Aalen und individualisiertes Lernen an der Pädagogischen Hochschule Weingarten in Kooperation mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe schuf in der Region einen Schwerpunkt mit dem Europalehramt und bietet Masterstudiengänge in Bildungswissenschaften und Interkultureller Bildung an.

Folgende Pädagogische Hochschulen existierten bis 1984: Pädagogische Hochschule Esslingen, Esslingen am Neckar (1984 aufgelöst)